10 Jahre iPhone: Happy Birthday dem Gerät, das dem Smartphone zum Durchbruch verhalf

Viele Technik-Hersteller bezeichnen ihre neuen Produkte gern mal großzügig als „revolutionär“. Auf das iPhone trifft das jenseits aller PR-Prosa fraglos zu. Mit ihm hat Apple internetfähige Mobiltelefone mit Touch-Display marktfähig gemacht. Ohne die Initialzündung des iPhones wäre das Smartphone möglicherweise nicht so gegenwärtig wie es das ist. Genau heute vor zehn Jahren, am 9. Januar 2007, hat der damalige Apple-Chef Steve Jobs das Produkt auf der Hausmesse Macworld in San Francisco erstmals offiziell vorgestellt. Inzwischen sind 14 weitere Modelle erschienen. Das neueste ist das iPhone 7 (zu unserem Test).

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Das Ur-iPhone von 2007 und die jüngste Generation von 2015. Image by Apple

 

Das iPhone krempelte den Gadgets-Markt um

Steve Jobs Präsentation des iPhone ist legendär und wurde ungezählte Male zitiert und gar parodiert. Er charakterisierte es als drei Geräte in einem an: „a widescreen iPod with touch controls, a revolutionary mobile phone and a breakthrough internet communications device.” Kritiker ätzen, dass es die drei Aspekte zuvor schon am Markt gab. Aber die erfolgreiche Neu-Kombination von Produkteigenschaften gilt in der Wirtschaftstheorie ebenfalls als innovativ. Darauf muss schließlich auch erstmal jemand kommen.

Tatsächlich hörte man zuvor Musik noch mit MP3-Playern. Unterwegs telefonierte und simste man vornehmlich mit dem, was heute als Feature-Phone bezeichnet wird. Also Mobiltelefone mit grobpixeligem Mini-Display, Tastensteuerung und mehr oder weniger raffinierten digitalen Zusatzfunktionen. Mobiles Internet war 2007 nicht mehr als eine kompliziert zu bedienende und schneckenlangsame Notlösung.

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Steve Jobs‘ Präsentation des erstem iPhone ist legendär. Image by Apple

 

Ich selbst erinnere mich noch gut daran, wie ich damals mein Walkman-Handy von Sony für das Höchste der Hightech-Gefühle hielt. Dabei war Nokia noch der Marktführer, aber deren Premium-Geräte waren mir als Student zu teuer.

Dann kam das iPhone. Und es wirkte so neu, so anders, so vielversprechend, dass selbst der nicht für seine Gadget-Affinität bekannte FAZ-Feuilleton darüber berichtete.

Endlich vernünftiges Internet auf einem Mobiltelefon

Das iPhone stand für eine neue Art der Mediennutzung. Statt einer abgespeckten Mobilversion des Internets konnte man auf das vollwertige WWW zugreifen. Per Fingerdruck in die Webseite hineinzoomen zu können, elektrisierte die Technikwelt. Ebenfalls per Fingerdruck ließen sich Mini-Programme öffnen, die Apple als „Apps“ bezeichnete und damit einen kontrovers diskutierten Begriff etablierte. Mit einer Wischgeste wurde das iPhone-Display entsperrt. Welch ein Wow-Effekt!

Vieles fehlt beim ersten iPhone noch: Eine Plattform für zusätzliche Apps, schnelles 3G-Internet. Auch Selbstverständlichkeiten wie der „Copy & Paste“-Befehl kamen erst später hinzu. Erst die zweite Version, das iPhone 3G,  galt als erstes, „richtig fertiges“ iPhone. Ich kaufte es mir gebraucht während eines USA-Besuchs in 2009 (mit verlustbedingten Unterbrechungen bin ich bisher treu geblieben). Ein Neukauf oder ein Ratenkauf über einen der sündhaft teuren Knebel-Mobilfunkverträge waren nicht drin für mich.

Was das iPhone erfolgreich machte

Apple setzte auf eine Luxus-Marketing-Strategie und verkaufte das iPhone so hochpreisig, dass es als besonders begehrenswert galt. Trotzdem blieb das Gerät keine Nische, sondern wurde schnell ein Massenerfolg. Und das war der eigentliche Effekt, der der Smartphone-Ära kommerziellen Auftrieb verlieh. Vor allem Googles Android-System ermöglichte Hardware-Herstellern Alternativen zu günstigeren Preisen in den Markt einzuführen.

Das iPhone provozierte jedoch nicht nur einen Preiskampf, sondern heizte auch den Technologiewettbewerb an. Seit etwa 2013 kann Apple mit seinem iPhone nicht mehr als Technologieführer bezeichnet werden. Wenn es um das Einführen von Leistungs- und Feature-Superlativen geht, haben fernöstliche Hersteller mit ihren Android-Smartphones mittlerweile die Nase vorn.

Für iPhone-Nutzer war die technologische Überlegenheit ihres Geräts aber mehrheitlich noch nie ein Kriterium. Der Erfolg des iPhones besteht unter anderem in der einfachen und übersichtlichen Bedienung. Wer sich gerade nicht mit zu vielen Entscheidungsmöglichkeiten belasten will, greift immer noch am besten zu einem iPhone statt zu einem Android-Gerät. Das Apple Hardware- und Software in einem semi-geschlossenen System eng aufeinander abstimmt, ist nicht nur ein prima Ventil, um Dritthersteller auf Distanz zu halten. Diese Maßnahme sorgt auch für eine relativ fehlerarme Handhabung des Geräts.

Marketing ist ein wichtiger Erfolgsfaktor

Zweifellos betreibt Apple auch in vielerlei Hinsicht mustergültiges Marketing. Werbespots von Apple sind inzwischen ikonisch. Das Product Placement von Apple-Geräten in Hollywood-Filmen ist geradezu inflationär. Neben der Öffentlichkeitsarbeit hat das Unternehmen aber auch den Vertrieb als Schlüsselfaktor im Marketing-Mix erkannt.

Nutzer zusätzlich Apps installieren zu lassen, hatte Apple anfangs gar nicht vorgesehen. Inzwischen sind die Erlöse des App Store eine essentielle Säule des gesamten Unternehmens. Ebenso wie bei Musik aus dem iTunes-Store erweist sich Apple auch in Sachen Software als erfolgreicher Händler.

Über eine Milliarde iPhones hat Apple bis heute weltweit verkauft. Die Nutzung von Apps ist viele Menschen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Noch immer bringen viele Entwickler Neuerscheinungen zunächst für das iPhone-Betriebssystem heraus, ehe sie sie auch für Android oder Windows anbieten.

Wann beginnt die Ära nach dem iPhone?

Den Erfolg des iPhone konnte Apple mit dem iPad und der Apple Watch zwar nicht gleichermaßen wiederholen, aber dennoch veritabel verlängern. Das Tablet und die Smartwatch sind in zwei schwierigen Teilmärkten die meistverkauften Geräte.

Wenn Apple etwas Neues bringt, steht die Technik-Welt immer noch stramm. Doch nach zehn goldenen iPhone-Jahren scheint die Innovationsfähigkeit des Unternehmens arg überdehnt. Mag schon sein, dass Tim Cook uninspirierter als sein verstorbener Vorgänger Jobs ist. Aber revolutionäre Innovationen gelingen eben nicht in Jahres-Intervallen, sondern alle paar Jahrzehnte oder in längeren Abständen. Jedenfalls werden bahnbrechende technologische Impulse vom iPhone, ja vom Smartphone generell, zu recht nicht mehr erwartet.

Jetzt, wo das Smartphone im Zentrum des digitalen Alltags steht, stellen sich Experten bereits die Frage, wie lange das noch so sein könnte. Auf der einen Seite attackieren Hardware-Hersteller den Stellenwert des Smartphones, in dem sie versuchen, es in Form von computerisierten Uhren, Brillen und anderen Accessoires zu miniaturisieren. Auf der anderen Seite könnten selbstlernende und universell einsetzbare Software-Assistenten Hardware in naher Zukunft zu einer austauschbaren Hülle verkommen lassen.

Ich gehe davon aus, dass das iPhone dem Ende seines Produktlebenszyklus näher ist als dem Anfang. Aber in einem Punkt lege ich mich fest: Seinen Platz in der Technologie-Geschichte hat das Smartphone von Apple sicher.


Images by Apple


 

Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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