10 Jahre iPhone: Killer der Kompaktkameras und Segen für die Smartphone-Fotografie

Der Launch des iPhone und der Beginn der Smartphone-Fotografie war auch eine Zäsur für mich. 2007 war beruflich ein wichtiges Jahr für mich. Es war das Jahr, in dem ich mich entschied, nach reiflicher Überlegung die Consulting-Branche hinter mir zu lassen und mich stattdessen dem Technik-Journalismus zuzuwenden. Ich nahm das Angebot an, als Reviewer bei einer großen Kamera- und Fotowebseite anzuheuern. Damals, vor ziemlich genau zehn Jahren, war die Kamerabranche am Zenith angelangt. Die Verkaufszahlen von Kompakt- und Spiegelreflexkameras hatten Rekordhöhen erreicht, dank üppiger Margen machten Kamerahersteller Rekordgewinne und meine Testartikel hatten oft Leserzahlen im Millionenbereich.

Das iPhone als Wegbereiter für Smartphone-Fotografie

2007 war aber auch ein wichtiges Jahr für den Technologiesektor im Allgemeinen. Im gleichen Jahr wurde ein Produkt vorgestellt, das in der Welt der Kameras zuerst eher nur am Rande wahrgenommen wurde, jedoch einen sehr nachhaltigen Effekt auf die gesamte Branche haben sollte: Apple’s iPhone.

Die erste Generation hatte nur eine recht schwachbrüstige 2-Megapixel-Kamera zu bieten und kannte auch noch keine Apps. Dank stark verbesserter Bildqualität, der Möglichkeit, aufgenommene Bilder binnen Sekunden zu teilen oder auf dem Gerät zu editieren, und der Tatsache, dass die meisten Nutzer nie ohne Smartphone das Haus verlassen, sind das iPhone und Konsorten heute, zehn Jahre später, jedoch die mit Abstand meistgenutzten Kameras. Die Upload-Statistiken von Fotoplattformen wie Flickr dokumentieren das deutlich. Natürlich tragen dazu auch Geräte anderer Hersteller, wie Samsung, HTC, Sony oder Motorola bei, das iPhone liegt aber schon seit Jahren an der Spitze und war eben auch der Wegbereiter für die Entwicklung der Smartphone-Fotografie.

Image by Apple
Image by Apple

Ein Markt im Umbruch: Smartphone-Kameras sind „gut genug“

Für die etablierten Kamerahersteller und den Fotosektor im Allgemeinen hat dies zu einschneidenden Veränderungen geführt. Teilweise mussten massive Einbußen hingenommen werden. Das Marktsegment der Einsteiger-Kompaktkameras existiert praktisch nicht mehr und auch bei den High-End Kompakten und Systemkameras sind die Zahlen zurückgegangen. Zwar versuchen alle Hersteller mittels Apps und WLAN-Zugang ihre Kameras auch Smartphone-Nutzern schmackhaft zu machen, allerdings waren diese Strategien bisher nicht allzu sehr von Erfolg gekrönt. Die Kameras in modernen Smartphones sind für meisten Konsumenten heutzutage eben einfach gut genug.

Zum anderen hat der Smartphone-Boom auch zu einer nie dagewesenen Bilderflut geführt, die es immer schwieriger macht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Alleine 2017 wurden weltweit mehr digitale Bilder aufgenommen als alle Bilder zu Zeiten der Filmfotografie zusammengenommen.

Die fetten Jahre für die Kameraindustrie sind vorbei

Wie auch immer man zur Fotografie mit dem Smartphone steht, eines ist klar: Umdrehen lässt sich der Trend nicht mehr. Deshalb macht es Sinn, das Beste aus der Entwicklung zu machen, anstatt zu versuchen, dagegen anzukämpfen. Und allgegenwärtige Smartphone-Kameras haben natürlich auch ihr Gutes. Fotos und bewegtes Bildmaterial von unerwarteten aber wichtigen Ereignissen sind dank „Citizen-Journalists“ oft schon verfügbar, bevor professionelle Kamerateams und Fotografen vor Ort sind, und die Smartphone-Kamera hat zu einer „Demokratisierung“ der Fotografie geführt. Wer professionelle Sport- oder Portraitfotografie betreibt, der wird wohl auch in der näheren Zukunft nicht auf seine Spiegelreflexkamera verzichten können, aber in Bereichen, wie der Landschafts-, Reise oder Streetfotografie können unter den richtigen Bedingungen auch, oder gerade, mit dem Smartphone preiswürdige Resultate erzielt werden.

Und auch die traditionellen Kamerahersteller sollten versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Mit Dual-Kameras, modularen Ansätzen und Multi-Frame-Algorithmen bilden Smartphones momentan die Speerspitze der Innovation im Imaging-Bereich. Einige dieser Technologien, könnten auch auf DSLRs und anderen Systemkameras zum Einsatz kommen und diese weiter verbessern.

Auch wenn der Erfolg des iPhones in manchen Bereichen der Imaging-Industrie eher kritisch betrachtet wird: Es hat mit der Smartphone-Fotografie Millionen von Fotografen eine neue Sichtweise auf ihr Hobby oder ihren Beruf ermöglicht und die Fotografie auch ganz neuen Konsumentengruppen nähergebracht. Allein dafür verdient es unseren Respekt. Happy Birthday, iPhone!


Teaser „Grass“ (adapted) by Pexels / Pixabay (CC0 Public Domain); Image by Apple


Welche Wirkung das iPhone für das Smartphone-Markt als Ganzes hatte, beschreiben wir in diesem Glückwunsch-Text.

Lars Rehm

Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

More Posts - Twitter