10 Jahre iPhone: „Wie ich Apple lieben lernte“ – die Geschichte eines iKonvertiten

Wenige Fragen werden leidenschaftlicher geführt: Lieber die Möglichkeiten von Geräten mit Android und Windows nutzen oder sich doch eher der Behaglichkeit Apple-Ökosystems hingeben? Nun ist es ja nicht so, dass eine einmal getroffene Entscheidung bis ans Ende aller Tage gilt. Ein Wechsel von einem Lager ins andere ist möglich. Zum Anlass von 10 Jahre iPhone schildert unser Autor Anton Knoblach, wie er zum iKonvertiten wurde.

Es war einmal eine Zeit, zu der ich Apple verachtete. Ich fand es scheiße, dass in der Schule plötzlich ein bestimmtes Handy ein Statussymbol war. Ich fand die Leute nervig, die es zu jeder Gelegenheit mit Stolz aus der Tasche gezogen haben. Und ich fand es absolut unvorstellbar, dass Leute vor Apple-Stores campen und Geräte kaufen, die so sehr viel mehr kosten als die der Konkurrenz.

Und nun sitze ich hier, tippe diese Zeilen auf einem MacBook Pro, frisch zum 10. Geburtstag des iPhone liegt genau ein solches auf dem Schreibtisch und heute Abend gibt’s noch eine Folge Breaking Bad auf dem iPad. Zeit, sich eine elementare Frage zu stellen: Wie zur Hölle konnte es so weit kommen?

Eine Mischung aus Frust, Vergeltung und Neugier

Mitte 2014: Meine Apple-Historie beginnt mit einem Sony Vaio. Schon seit dem Kauf hat es zwei helle Flecken im Display. Im Alltag nicht schlimm, aber nervig. Pünktlich kurz vor Ablauf der Gewährleistung wage ich einen Schritt, den ich bereuen werde: Ich schicke das Gerät ein. In drei Monaten fährt man das Gerät mehrmals quer durch Europa, überlegt, hält mich verantwortlich für den Schaden, dann doch nicht, will das Teil reparieren und ruft irgendwann an: Eigentlich ist jetzt alles klar, aber irgendwie kommen die Ersatzteile nicht. Also macht man mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann: Sony behält das Ding, vernichtet die Festplatte und erstattet mir den Kaufpreis.

Happy End: Anton Knoblach bearbeitet Videos am MacBook Pro. Image by Felix Zachmann
Happy End: Anton Knoblach bearbeitet Videos am MacBook Pro. Image by Felix Zachmann

In einer Mischung aus Frust, Vergeltung und Neugier tue ich es: Ich kaufe mir ein MacBook Pro. Es kostet einen Tausender mehr, dafür habe ich einen Laptop in der Hand, der gut aussieht, sich wertig anfühlt und superschnell arbeitet. Nach kurzer Zeit erlebe ich damals etwas, das wie zuvor auch ich viele Windows-User nicht nachvollziehen können: Ohne einen wirklichen Grund nennen zu können, fühlt sich die Arbeit unter Apples Desktop-Betriebssystem – damals hieß es noch OS X – irgendwie besser an. Es läuft flüssiger und macht mir auf unbestimmte Weise mehr Spaß. Plötzlich fühlt sich der Windows-Rechner der Eltern an wie das Ende einer Schlange vor einer langsamen Supermarktkasse.

Wie es die Ironie will, hat auch mein MacBook Pro ab Werk einen Schaden: Ein Fehler in der Grafikkarte bringt den Rechner dazu, sich ab und zu mit einem niedlichen „GPU Panic“ ins Nichts zu verabschieden. Auch an anderen Macs habe ich schon genügend Programme abstürzen sehen, bei einem Dreh mit zehn MacBook Air unter Dauerbelastung haben die Geräte nur mit jeweils vier ständig gewechselten Kühlakkus überlebt.

Trotzdem: Ich habe immer mindestens einen externen Monitor angeschlossen und es sind selten weniger als sieben, oft mehr als zehn Programme offen – darunter Photoshop, Premiere Pro und DaVinci Resolve. Nach über zwei Jahren ohne Neuinstallation läuft mein MacBook immer noch schnell. Der Mythos eines fehlerfreien Geräts, das die Konkurrenz mühelos in die Tasche steckt, ist für mich aber Quatsch.

Eintauchen ins Apple-Ökosystem

Dezember 2015: Der zweiwöchige Trip mit „Soup & Socks“ zu den Brennpunkten der Flüchtlingskrise in Athen ist mein Anlass für Apple-Produkt Nummer 2: Um möglichst komfortabel täglich berichten und meine Fotos unterwegs bearbeiten zu können, lege ich mir ein iPad Air 2 zu. Im Alltag nutze ich das Rechenbrett als mobiles Büro, wenn ich keine Lust habe, das MacBook Pro mitzuschleppen. Und es ist perfekt, um auf Kundenterminen schnell ein Video zu zeigen.

iPad Air 2. Image by Maurizio Pesce / flickr
iPad Air 2. Image by Maurizio Pesce / flickr

Apples mobiles Betriebssystem iOS funktioniert ordentlich und sieht gut aus, ist aber auch keine Erleuchtung. Schön sind Momente, wenn sich das iPad zum ersten Mal in einem mit dem Laptop gespeicherten WLAN-Netzwerk anmeldet. Oder wenn ich in Safari die ganzen Zugangsdaten nicht nochmal eingeben muss.

Januar 2017: Ich hab’s getan. Als mein eineinhalb Jahre altes HTC One M9 inzwischen deutlich ans Altersschwäche leidet (vielleicht ist es mir auch zu oft heruntergefallen), komplettiere ich die Reihe und entscheide mich für das neue iPhone 7. „Wenn du dir eins kaufst, musst du dir alle kaufen“. Dieser Satz hat bestimmt schon viele Sparschweine gekillt und klingt zu sehr nach blindem Konsumgehorsam. Aber es ist schon was dran. Es ist praktisch, dass ich eine neue Nummer auch über mein MacBook anrufen kann und dass meine Notizen überall synchron sind.

„It just works“ – wenn man sich von Freiheit verabschiedet

iPhone 7. Image by Apple
iPhone 7. Image by Apple

Die Sache hat allerdings einen Haken: Der Datenaustausch klappt nur dann, wenn ich Apples eigene Apps verwende. Ich nutze Outlook statt Mail, WhatsApp statt iMessage, Microsoft Office statt iWork und Google plus eine selbst gehostete Owncloud statt für Kontakte und Kalender. Und so verbringe ich doch wieder viel Zeit damit, all meine Zugangsdaten neu in das Handy zu kloppen. An dieser Stelle würde ich mir wünschen, dass die sowieso vorhandenen Daten sinnvoller genutzt werden. Warum fragen mich die Apps nicht, ob ich Zugangsdaten aus dem Schlüsselbund importieren will? Das durchdachte und einfache Konzept der mitgelieferten Apps funktioniert – aber nur, wenn man bereit ist, auf Profi-Features zu verzichten.

Diese Reduzierung passiert auch bei der Hardware. Mein MacBook hat je zwei Thunderbolt- und USB-Ports, eine Buchse für das Ladekabel und einen SD-Slot. Das ist heute erwähnenswert. Apple ist ein großer Fan davon, auf Schnittstellen zu verzichten und seit dem Begräbnis der Floppy in 1998 tobt die Schlacht zwischen Innovation und Kompatibilität. Schon einmal versucht, mit den guten alten Kopfhörern auf dem iPhone 7 Musik zu hören und es gleichzeitig aufzuladen?

Es mag Sinn machen, für Audio langfristig auf kabelloses Zubehör zu setzen und tatsächlich ist die 3,5-mm-Klinke ein platzfressendes Relikt aus alten analogen Zeiten. Aber was bringt das simpelste Design, wenn ich für eine Alltagssituation zwei Adapter brauche, von denen nur einer beiliegt und der andere 40 Euro kostet?

Apple macht Spaß – wenn man das Geld ausgeben will

Insgesamt bin ich überzeugt, dass sich der Wechsel gelohnt hat. Ich liebe es, wie gut meine Geräte funktionieren und ich bin ein Fan des Designs. Was mich schmerzt, ist der Preis. Es ist einfach nur frech, für das Upgrade von 32 auf 128 GB beim iPhone 7 110 Euro zu verlangen. Ich finde es immer noch befremdlich, wie Apple Features wie eine Revolution verkauft, die bei der Konkurrenz längst alltäglich sind. Aber ich mag meine drei Apple-Geräte und würde sie nicht zurücktauschen wollen. Ich freue mich auf die nächsten „10 Jahre iPhone“.

Wie wurdest du zum Apple-User? Erzähl es mir im Kommentarbereich!


Teaser by cocoparisienne / Pixabay (CC0 Public Domain); Images by Maurizio Pesce / flickr (CC BY 2.0), Apple, Felix Zachmann


Noch mehr „10 Jahre iPhone“: Wie das iPhone den Smartphone-Markt angekurbelt hat, erfährst du hier. Warum das iPhone Fluch und Segen zugleich für den Kamera-Markt ist, kannst du hier nachlesen.

Anton Knoblach

ist freier Producer und Colorist in Berlin und Mitgründer der Werbefilmproduktionsfirma unfourseen. Zu einem gelungenen Tag gehören für ihn Musik, gutes Essen und viel Abwechslung. Anton liebt Struktur, schnelle Technik und starke Bilder.

More Posts - Website - Twitter