Airmail für iOS getestet: So, wie Apple Mail sein sollte

Whats-App, Facebook-Messenger und Slack sind ja gut und schön – aber die E-Mail ist nach wie vor meine häufigste Art, auf dem iPhone und iPad beruflich zu konferieren. Die unter iOS vorinstallierte App von Apple Mail zu nutzen, liegt nahe. Natürlich kann ich damit einwandfrei elektronische Post senden und empfangen. Möchte ich große Mail-Mengen bewältigen und Informationen mit To-Do- und anderen Produktiv-Apps verzahnen, sieht es bei Apples Standard-Anwendung mau aus. Mit Airmail sorgt gerade eine Nachrichten-App eines unabhängigen Entwicklerstudios für Furore im App Store. Ich habe mir die Anwendung auf dem iPhone 6 und iPad Air angeschaut.

Der E-Mail-Client ist für 4,99 Euro als Universal-App für iPhones und iPads (Apple-Watch-App inklusive) mit iOS 9 verfügbar. Von der englischen Store-Beschreibung sollte sich niemand beirren lassen. Die App ist überwiegend ziemlich gut ins Deutsche lokalisiert worden. Mit der App präsentiert das italienische Entwickler-Quartett namens Bloop einen klassischen E-Mail-Client. Dezidiert Termine, Aufgaben und Kontakte verwalten – das bietet Airmail nicht. Allerdings lässt sich die App mit Accounts bei diversen Produktiv- und Büro-Apps verzahnen.

Modern designt, klassisch gestaltet

Airmail wirkt farblich etwas moderner als Apple Mail. Die Oberfläche ist ansonsten konventionell aufgebaut. Die Umstellung fällt mir leicht. Die iPhone-Version startet mit dem Posteingang. Mit einer Berührung öffnet sich eine E-Mail in der Einzelansicht. Auf dem iPad finden Ordnerfenster und Einzelansicht nebeneinander Platz. In der Hauptansicht führen die drei Striche oben links zu den verschiedenen Accounts, Ordnern und Einstellungen.

Killer-Feature iCloud-Sync: Einmal einrichten reicht

Wie von anderen Clients bekannt, assistiert mir Airmail auf dem iPhone dabei, die Servereinstellungen der Konten gängiger E-Mail-Anbieter automatisch einzutragen. Ein aber eher unüblich zuvorkommendes Feature begeistert mich regelrecht: auf dem iPad muss ich die Prozedur nicht wiederholen. Per iCloud-Sync übernimmt Airmail die meisten Account-Details. Ich brauche nur das Passwort einmal erneut einzugeben. Das nenne ich mal ein Universal-App-Erlebnis! In dieser Hinsicht betonen die Entwickler übrigens, dass sie keine E-Mails auf ihren Firmen speichern.

Airmail

Fingerabdrucksperre, Browserwahl und mehr: Airmail nach Gusto konfigurieren

Was für ein Konfigurations-Schlaraffenland! Airmail eröffnet in unglaublichen vielen Details, den E-Mail-Alltag den eigenen Workflow-Bedürfnissen anzupassen, etwa Wischgesten für häufige Aktionen. Praktisch für alle, die per E-Mail sensible Infos und Dateien austauschen: Per Touch-ID-Sperre lässt sich Airmail vor unbefugten Blicken schützen. Leider werden nicht alle Einstellungen vom iCloud-Sync berücksichtigt. Etwa, mit welchem Browser ich die Links öffnen möchte oder welche Menüpunkte ich auf der Seitenleiste bevorzuge, muss ich bei jedem verknüpften Device separat auswählen.

In medias res: Mails senden und empfangen

Bei Apple Mail stelle ich mir häufig die Frage: Ist es denn zu viel verlangt, E-Mails möglichst schnell inklusive Anhänge erstellen und effizient zur Wiedervorlage ablegen zu können? Nein, finden die Entwickler von Airmail und erleichtern dies mit einem intuitiven Zugriff auf nützliche Funktionen und vielen Automatiken erheblich.

Toll gelöst: Möchte ich eine E-Mail formatieren und um Anhänge ergänzen, kann ich mit einer Berührung in der Schreibmaske eine Tool-Leiste aktivieren, die kaum einen Wunsch offenlassen dürfte. Und was Airmail in Sachen Organisation so überlegen macht, verbirgt sich hinter den drei Punkte oben rechts in der Einzelansicht einer E-Mail. Dort kann ich zum Beispiel eine Nachricht ruck-zuck in einen Wiedervorlage-Ordner schieben („To-Do“) oder sie für eine Weile auf die lange Bank schieben („Schlummern“) oder sie in ein PDF konvertieren. Per Knopfdruck rufe ich zudem jede Menge Dritt-Apps zur Hilfe. Das ermöglicht mir, Anhänge oder eine E-Mail bei Cloud-Speichern Dropbox abzulegen, bei Evernote abzuheften, als To-Do bei Wunderlist anzupinnen oder Termine bei Calendars 5 einzutragen.

Was noch besser werden könnte

Großer Funktionsumfang, intuitive und effiziente Bedienung, schickes Design – ja, was will ich denn noch mehr?! Wenn die Entwickler die Kinderkrankheiten beseitigen und kleinere Usability-Irrwege verlassen, würde mich Airmail noch glücklicher machen. Ärgerlich aufdringlich erweist sich Airmail etwa beim Abschluss einer Konto-Einrichtung. Jedes Mal muss ich per Opt-out-Schalter bestätigen, dass ich keinen Newsletter vom Entwickler abonnieren möchte. Außerdem ist die Kontaktverwaltung noch so rudimentär, dass sie wohl nicht aus Zufall regulär versteckt ist und erst aktiv sichtbar geschaltet werden muss. So gibt es keine nach Personen geordneten Karteikarten, alle E-Mail-Adressen werden als separate Einträge gelistet. Unübersichtlich!

Und hin und wieder laufen mir Bugs über den Weg, etwa wenn Airmail beim Öffnen einer Dritt-App abstürzt. Aber das ist kein Drama. Mit Versionsnummer 1.1 befindet sich Airmail ja noch in einer frühen Phase.

Fazit

Die Indie-App Airmail zeigt dem großen Plattformer Apple, wie zeitgemäßes E-Mailing heute aussehen sollte. Seit Februar 2016 im App Store verfügbar, hat Airmail zu Recht aus dem Stand viele starke Bewertungen und eine prominente Erwähnung auf der Startseite des App Stores eingeheimst. Airmail hilft mir unter iOS deutlich besser als Apple Mail und noch etwas mehr als Outlook meine E-Mails zu managen. Mit dem iCloud-Sync von Einstellungen und Accounts zwischen mehreren Apple-Geräten bietet Airmail außerdem ein echtes Killer-Feature.

Im Vergleich zum Gratis-Download von Apple Mail und Outlook sind fast 5 Euro für Airmail eine Hausnummer. Aktionsweise gibt es die App günstiger, doch auch zum Vollpreis lohnt sich der Kauf.

Update: Selbst Apple findet Airmail so gut, dass das Programm einen Apple Design Award 2017 erhalten hat.


Images by Bloop


Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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  • Achim Widmaier

    Hallo,
    Wie steht es mit dem Datenschutz?
    Werden meine E-Mail Adresse zusammen mit Passwort auf deren Rechnern gespeichert?
    Kann ich Push Mail auch abwählen?
    DANKE FÜR DIE info

  • Berti Kolbow-Lehradt

    Hallo Achim Widmaier,

    gute Frage. Kann ich auf die Schnelle nicht vollständig beantworten. Die E-Mail-Adresse wird gespeichert. Siehe hier: https://www.iubenda.com/privacy-policy/519354/legal. Ob das auch auf das Passwort zutrifft, werde ich recherchieren.

    Beste Grüße
    Berti Kolbow-Lehradt