Apple iPhone 7 Plus im Test: Die Kamera macht den Unterschied

Wenn Apple ein neues iPhone vorstellt, ist die Nachfrage meist so hoch, dass es schon mal ein paar Wochen dauern kann, bis das neue Modell nach einer Online-Bestellung zuhause eintrifft. Dieses Jahr hatte ich allerdings Glück und war kurz nach dem Launch des iPhone 7 auf der Photokina in Köln. Im dortigen Apple-Store war das iPhone 7 Plus am Abend vor meiner Abreise plötzlich und unerwartet verfügbar. Nach einer Online-Reservierung konnte ich das Gerät am nächsten Morgen auf dem Weg zum Flughafen abholen. Ich hatte inzwischen also einige Wochen, um das neue Apple-Flaggschiff auf Herz und Nieren zu testen. Hier sind meine Eindrücke:

Design und Verarbeitung

bild2-image-by-lars-rehm
An der Unterseite wird der Lighting-Port von Stereolautsprechern flankiert, ein Klinkenstecker fehlt leider.

Das Design ist gegenüber dem Vorgänger iPhone 6s Plus praktisch unverändert. Es gibt zwar neue Farboptionen und die Antennenstreifen sind besser ins Gehäuse integriert und daher weniger sichtbar, Dimensionen und Grundform haben sich aber nicht geändert. Wie von Apple gewohnt, weist das Alu-Unibody-Gehäuse eine sehr gute Verarbeitungsqualität auf und ist jetzt endlich auch staubgeschützt und spritzwasserfest. Letzteres hat sich schon auf mehreren Regenfahrten auf dem Rad, mit dem iPhone in der Trikottasche, bewährt. Wegen des fehlenden Spritzwasserschutzes hatte ich es immer vermieden, die Vorgängermodelle für derartige Aktivitäten zu nutzen. Das iPhone 7 Plus kann nach kurzem Trockenwischen problemlos weitergenutzt werden, das ist ein echter Pluspunkt.

Home-Taste mit haptischem Feedback

Auch die Home-Sensortaste mit integriertem Fingerabdruckensor kann mit einer Neuigkeit aufwarten und liefert auf Druck haptisches Feedback. Das Gefühl lässt sich wohl am besten als „aktives Feedback“, im Gegensatz zu einem passiven Klickwiderstand, beschreiben. Das fühlt sich interessant, weil neu, an, bietet aber keinen wirklichen Mehrwert in der täglichen Nutzung. Der in der Taste integrierte Fingerabdrucksensor arbeitet sehr schnell und zuverlässig, hat aber Probleme mit nassen oder schmutzigen Fingern. Das kennt man aber auch von den Fingerabdrucklesern an den meisten anderen Smartphones.

Sound: Jetzt in Stereo aber ohne Klinkenstecker

bild3
Das iPhone 7 Plus glänzt mit der gewohnt edlen Verarbeitung und Premiummaterialien

Was am neuen iPhone fehlt, ist der Kopfhöreranschluss. Die mitgelieferten Kopfhörer werden jetzt per Lighting-Port angeschlossen, was eine bessere Soundqualität und mehr Platz im Gehäuse, zum Beispiel für einen größeren Akku, ermöglicht. Herkömmliche Kopfhörer können mittels mitgeliefertem Adapter angeschlossen werden. Es ist jedoch egal, welches Kabel genutzt wird, das Telefon kann bei angeschlossenem Kopfhörer nicht mehr gleichzeitig geladen werden. Wer, wie ich, aber hauptsächlich Bluetooth-Kopfhörer benutzt, wird dies nicht allzu problematisch finden. Die siebte iPhone-Generation ist auch die erste mit Stereo-Lautsprechern. Diese sind etwas lauter als beim 6 Plus und klingen, für ein Smartphone, durchaus ansprechend, reichen aber nicht ans Klangerlebnis „soundoptimierter“ Geräte, wie dem ZTE Axon 7 oder dem HTC One M8 heran.

Display: Kontraststark und reflektionsarm

Das LCD-Display bietet die gleiche 1920 x 1080 Pixel zählende Auflösung wie im iPhone 6s Plus, ist laut Apple aber 25 Prozent heller. Das ist in der Praxis durchaus bemerkbar. Bildschirminhalte sind auch in hellem Licht gut zu erkennen und Farb- und Kontraständerungen sowie Reflektionen bei schrägem Blickwinkel halten sich sehr in Grenzen. Trotz der im Vergleich eher geringen Auflösung ist das iPhone-LCD ganz klar eines der besten Smartphone-Displays am Markt. Zusätzlich bietet das Display mit DCI-P3 einen größeren Farbraum als bisherige Versionen. Das ist aber nur bei speziell dafür optimiertem Content relevant und in der Praxis bisher kaum bemerkbar.

Performance

Der A10 Fusion Quad-Core Prozessor im iPhone 7 Plus bietet in Zusammenarbeit mit 3 GB RAM eine sehr flüssige und schnelle Performance. Das Betriebssystem reagiert blitzschnell auf jegliche Art von Eingaben, Apps laden und starten schnell und auch andere Inhalte werden ohne Verzögerung angezeigt. Hier spielt das neue iPhone ganz eindeutig in der Oberklasse mit. Auch die Akkulaufzeit kann überzeugen. Nominell ist der 2900 mAh Akku zwar nichts Besonderes, aber dank Apples Energiespartechnologie schafft es das 7 Plus auch bei intensiver Nutzung problemlos durch den Tag.

Dual-Kamera: Innovation mit Verbesserungspotenzial

bild4-image-by-lars-rehm
Der optische 2-fach Zoom bringt einen näher ans Motiv

Trotz aller sonstigen Neuerungen und Verbesserungen, die Hauptattraktion des iPhone 7 Plus ist die Dual-Kamera. Diesen Kameratyp gab es bei anderen Herstellern schon öfter zu sehen, Apples Version ist aber die erste, in der neben der Standard-Weitwinkelkamera ein Objektiv mit längerer Brennweite zum Einsatz kommt. Das Objektiv mit 56mm äquivalenter Brennweite ermöglicht einen 2-fach Zoomfaktor und bietet einen Bildwinkel, der vor allem bei Portraitaufnahmen Vorteile bringt. In Verbindung mit digitalem Zoom, können Motive sogar bis zu 10-fach vergrößert werden. Damit bietet das 7 Plus die momentan beste Zoomperformance im Smartphonebereich.

bild5-image-by-lars-rehm
Der Portraitmodus simuliert die geringe Tiefenschärfe einer Spiegelreflexkamera mit lichtstarkem Objektiv

Außerdem gibt es einen neuen Portraitmodus. Dank der beiden leicht versetzt angeordneten Kameras, kann die Imaging-Software zwischen Vorder- und Hintergrund unterscheiden. Im Portraitmodus wird letzterer verschwommen dargestellt, um den Einsatz einer Spiegelreflexkamera und eines Objektivs mit großer Blende zu simulieren. Die Ergebnisse sind nicht immer perfekt, aber meist besser als auf vergleichbaren Systemen der Konkurrenz. Außerdem kann zur Sicherheit zusätzlich zum Portraitmodus-Bild eine Standardaufnahme abgespeichert werden.

Die Dual-Kamera bietet also gegenüber so gut wie allen anderen Smartphonekameras mehrere erhebliche Vorteile. Das ist allerdings nur in guten Lichtverhältnissen der Fall. Das 56mm Objektiv hat eine kleinere Blende als das 28mm Weitwinkel und keine optische Bildstabilisierung. In schlechteren Lichtverhältnissen, zum Beispiel in schummrig beleuchteten Räumen oder bei Nachtaufnahmen, stößt es deshalb schnell an seine Grenzen. Die Kamerasoftware nutzt deshalb in solchen Situationen das Weitwinkel und zoomt digital. Das Teleobjektiv ist de facto deaktiviert. Im Gegensatz zur iPhone Kamera App ermöglicht es die im App Store erhältliche Adobe Lightroom App, auch bei schlechtem Licht weiter mit dem Teleobjektiv zu fotografieren. Die Ergebnisse zeigen aber, warum Apple sich in der eigenen App für eine Kompromisslösung entschieden hat: Die Bilder zeigen starkes Bildrauschen und oft merkbare Unterbelichtung.

A photo posted by Lars Rehm (@larsrehm) on

Der Portraitmodus lässt sich auch gut bei nicht-menschlichen Motiven einsetzen.

Im Gegensatz dazu bietet das Standardweitwinkel gewohnte Apple-Bildqualität. Die Aufnahmen zeigen selbst in schwierigen Lichtverhältnissen sehr gute Bilddynamik, Farben und Belichtung, können allerdings in puncto Bilddetail nicht ganz mit den Klassenbesten mithalten. Panorama- und Videoaufnahmen sind allerdings vom Feinsten. Vor allem letztere können mit butterweicher Bildstabilisierung und tollem Zeitlupenmodus überzeugen.

Fazit

bild6small
Apples Panoramamodus produziert exzellente Ergebnisse.

Die Dual-Kamera ist ganz klar das Highlight des iPhone 7 Plus und in der Konfiguration mit Teleobjektiv bisher einzigartig. Zwar ist das Tele-Modul in schlechteren Lichtverhältnissen mehr oder weniger nicht zu gebrauchen, aber für viele iPhone-Fotografen sollten schon die Vorteile in gutem Licht einige schlagende Kaufargumente bieten.

Wer allerdings meint, auf die Dual-Kamera verzichten zu können und vielleicht schon ein iPhone der 6s Generation nutzt, der wird beim 7 Plus nicht allzu viel Neues finden. Wie immer wurde zwar das Gesamtpaket etwas verbessert, aber im Alltag hält sich der Mehrwert in Grenzen. Mit Preisen zwischen, je nach Speichergröße, 899 und 1119 Euro gehört das Apple iPhone 7 Plus, wie erwartet, mit zum Teuersten, was der Smartphonemarkt zu bieten hat. Diese Investition ist wohl am leichtesten für diejenigen Nutzer zu rechfertigen, die planen, ausgiebigen Gebrauch von der Dual-Kamera zu machen.

Images by Lars Rehm

Lars Rehm

Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

More Posts - Twitter