Apples Nachhaltigkeit: Greenpeace kürt iPhone-Konzern zum zweitgrünsten IT-Unternehmen

Um Apples Nachhaltigkeit ist es gut bestellt. Denn der iPhone-Konzern belegt den zweiten Platz der umweltfreundlichsten Unternehmen – nach Fairphone auf Platz 1. Das geht aus dem Guide to Greener Electronics von Greenpeace hervor. Dabei hat die Non-Profit-Organisation 17 führende Elektronik-Unternehmen in den Kategorien „Energie“, „Rohstoffverbrauch“ und „Chemikalien“ unter die Lupe genommen. Auf den letzteren Plätzen landen Unternehmen wie Samsung oder Amazon.

Apple kann besonders mit der Verwendung erneuerbarer Energien punkten. Das Unternehmen hat sich als erstes in der IT-Branche dazu verpflichtet, bei der Produktion seiner Produkte zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien zu setzen. Zudem geht Apple energisch auf sein Ziel für das Jahr 2020 zu, vier Gigawatt Strom durch grüne Energie in seiner Lieferkette bereitzustellen.

Bisher hat das Unternehmen als Teil seines Clean-Energy-Programms 500 Kilowatt durch Solar- und Windenergie in China erzeugt. Laut Apple laufen alle Datenserver und somit Apps wie Siri, iMessage und FaceTime mit erneuerbaren Energien. Im Guide to Greener Electronics bekommt das Unternehmen deshalb eine A-Wertung in der Kategorie „Energie“.

Hingegen an anderer Stelle offenbart Apples Nachhaltigkeit noch Verbesserungsbedarf. So dürfte die Transparenz in der Lieferkette laut Greenpeace noch besser werden. Der iPhone-Konzern sollte den ökologischen Fußabdruck der Zulieferer besser erfassen und in das Reporting aufnehmen, fordert die Umweltorganisation.

Schickes Design – zu Lasten von Apples Nachhaltigkeit

Schlechter sieht es bei Apples Nachhaltigkeit in Sachen Rohstoffverbrauch aus. Denn obwohl der iPhone-Konzern bereits Fortschritte bei der Verwendung von Sekundärmaterialien gemacht und ein umfangreiches Rücknahme-System etabliert hat, erhält das Unternehmen in dieser Kategorie lediglich eine C-Wertung. Grund dafür ist das Design der Apple-Produkte, wodurch diese oftmals schwierig oder gar nicht zu reparieren sind. Der Austausch von Batterien oder auch Upgrades der Hardware gestaltet sich schwierig. Apple ist außerdem Gegner des „Right to Repair“-Gesetzesentwurf, der in den USA von acht Bundesstaaten unterstützt wird.

Besonders bei den Flaggschiffen, dem iPhone 8 Plus und dem iPhone X, wirkt das jüngste Design eher fragil als beständig. Greenpeace kritisiert diese Entwicklung, da das Apple-Design ein Orientierungspunkt für die Designs der Produkte anderer IT-Firmen ist. Apple müsse in seiner Vorreiterrolle hier mehr Verantwortung beweisen. Andererseits hat Apple angekündigt, auf lange Sicht einen geschlossenen Kreislauf für seine Produkte zu kreieren. Das Ziel ist es, das Unternehmen unabhängig vom Rohstoffabbau zu machen.

Apples Nachhaltigkeit
Greenpeace veröffentlichte erstmals seit 2012 wieder den Guide to Greener Electronics und analysierte dafür die 17 führenden IT-Unternehmen. Image by Greenpeace

In der dritten Kategorie „Chemikalien“ steht Apple wieder besser da – mit einer B-Wertung. Bisher sind Apple und Google die einzigen Unternehmen, die auf den Gebrauch von bromierten Flammschutzmitteln (BFR) und PVC in allen Produktlinien verzichten. In der EU sind einige BFR verboten oder eingeschränkt verwendbar. Diese Gemische aus künstlich hergestellten chemischen Stoffen sind bedenklich auf Grund ihrer Persistenz.

Außerdem führt Apple eine Liste mit eingeschränkt nutzbaren Substanzen. Auf dieser verbietet Apple den Einsatz von giftigen Substanzen bei der Produktion, wie beispielsweise N-Hexan oder Benzol. Chinesische Arbeiter klagten über Taubheitsgefühle, Müdigkeit und Erschöpfung, nachdem sie N-Hexan ausgesetzt waren. Dies ergab ein 2010 erschienener Bericht des australischen Senders ABC.

Fairphone ist der Sieger – aber Apples Nachhaltigkeit kann mithalten

Alles in allem landet Apple von allen 17 untersuchten Unternehmen auf dem zweiten Platz. Nur Fairphone ist noch grüner, weil der ökobewusste Smartphone-Hersteller noch stärker bei den Ressourcen punkten können. Jedoch übertrifft Apple Fairphone bei der Verwendung erneuerbarer Energien. Es ist also ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Es ist schön zu sehen, dass weltführende Unternehmen ein Zeichen für die Umwelt setzen. Wünschenswert ist es, dass sich das noch stärker durch die gesamte Branche zieht. Besonders wenn man bedenkt, dass Apples größter Konkurrent Samsung auf Platz 13 gelandet ist. Auch wenn es in vielen Bereichen noch Luft nach oben gibt, kann man doch optimistisch hoffen, dass durch Engagement und Forschung in der Zukunft mehr grüne IT vorhanden sein wird. Und so auch die Welt wieder ein Stückchen grüner wird.


Images by Apple, Greenpeace


Jessica Julia Mrzik

Jessica ist Technikjournalistin und befasst sich leidenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umwelt. Wenn sie nicht gerade erklären muss, was eine Technikjournalistin macht, bloggt sie über die neuesten plastikfreien Alternativen. Außerdem befasst sie sich gern mit Tech-Neuheiten und lustigen Gadgets rund ums iPhone und Co. Als Digital Native interessiert sie sich für alles, was mit Medien zu tun hat und probiert alles aus, was sie in die Finger bekommt.

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