B&O Beoplay H9 im Test: So edel klingt Luxus

Es ist die Ära der Bluetooth-Kopfhörer. Der Beoplay H9 von Sound-Spezialist Bang & Olufsen macht mit satten 499 Euro schon eine Ansage. Doch kann er sie erfüllen? Ein Praxistest.

Es gibt ein paar Marken, bei denen ist ein leichtes Bauchkribbeln vorprogrammiert. Bang & Olufsen ist so eine, wenn es um Sound geht. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an einen Kopfhörer, der mit knapp 500 Euro eine ordentliche Investition bedeutet.

Für den mobilen Musikgenuss ist Bluetooth längst etabliert. Vorbei sind die Zeiten, in denen kabelloses Musikstreaming zwar möglich, aber sehr kompromissbehaftet war. Anders als bei mit Klinkensteckern verbundenen Kopfhörern liegt der Analog-Digital-Wandler bei kabellosen Modellen im Gerät und nicht in der Quelle. Das bedeutet: Mit Bluetooth kann eure Musik im Vergleich sogar besser klingen.

Die Ausstattung: Alles dran und drin

Nun aber zum Beoplay H9. Mitgeliefert werden in einer schicken Box ein Ladekabel, ein Klinkenkabel, ein Flugzeugadapter und ein Beutel zur Aufbewahrung. Material und Verarbeitung sind perfekt, anders kann ich es nicht sagen. Die verschiedenen Materialien fühlen sich richtig gut an, der Kopfhörer ist stabil, wo er stabil sein soll und komfortabel weich, wo er am Körper sitzt. Nichts wackelt, nichts fühlt sich unfertig und erst recht nichts billig an. Den Beoplay H9 gibt es in Schwarz sowie in Beige und Grau.

Die Steuerung des Kopfhörers erfolgt über die berührungssensitive Außenseite der rechten Ohrmuschel. Außer einem An-Aus-Schieber besitzt der H9 keine Knöpfe. Im Test funktioniert das sehr intuitiv, nur ganz am Anfang erwische ich mal die falsche Funktion. Für Play, Pause und das Annehmen von Gesprächen tippt man einmal auf die Touchfläche, für vor und zurück sind es gerade Streichbewegungen und die Lautstärke lässt sich mit einem Kreisen des Fingers im beziehungsweise gegen den Uhrzeigersinn anpassen. Die Touch-Steuerung wird in manchen Testberichten als ungenau und nervig beschrieben, ich kam ganz gut damit klar.

Beoplay H9
Image by Bang & Olufsen

Anders als einige andere Modelle lässt sich der Kopfhörer nur mit einem Gerät gleichzeitig verbinden, man kann also nicht ganz so einfach zwischen Musik und Telefon wechseln, wenn nicht beides über das gleiche Smartphone läuft.

Der Akku hält nach Herstellerangaben 14 Stunden mit und 16 ohne Rauschunterdrückung durch. Zudem ist er auswechselbar. Das ist eine edle Geste für User, die ihr Gerät lange benutzen und das nicht an einem schwächelnden Akku scheitern lassen wollen. Ein Ersatzakku kostet im Hersteller-Shop 44 Euro. Ist der Akku leer, lässt sich der Kopfhörer mit dem mitgelieferten Klinkenkabel auch stromlos weiterverwenden.

Der Beoplay H9 klingt super – aber nur ohne Geräuschunterdrückung

Der Klang des Beoplay H9 überzeugt. Der Bass sitzt gut, die Mitten sind ausgeglichen und die Höhen scheppern nicht. Am meisten Spaß macht der Kopfhörer in einer ruhigen Umgebung. Bei Musik unterschiedlichster Genres und Lautstärken macht der Kopfhörer durchgehend einen guten Eindruck.

Der H9 dämpft als Over-Ear-Gerät schon von Haus aus die Außenwelt. Die zusätzliche aktive Geräuschunterdrückung funktioniert und dämpft gut, ohne zu viel Druck auf den Ohren zu erzeugen. Allerdings leidet meiner Meinung nach der Klang zu stark darunter. In der Berliner U-Bahn als meine Standard-Testsituation Nummer 1 sind Fahrgeräusche und Unterhaltungen gut weggefiltert, um den Klang ist es aber viel zu schade.

Das gleiche Urteil habe ich für Testsituation Nummer 2, meinem Büro. Das ist grundsätzlich recht ruhig, bei offenem Fenster untermalt vom Grundrauschen der mehrspurigen Straße. Hier hatte ich im Direktvergleich lieber das Rauschen dabei und dafür den satteren Klang, bei aktivierter Rauschunterdrückung klingt der Kopfhörer längst nicht mehr so satt und ausgeglichen. Daher lohnt sich ein Griff zum nächst kleineren Modell Beoplay H7 ohne Active Noise Cancelling.

Spielereien wie einen Play/Pause-Sensor beim Auf- und Absetzen oder einen Open-Listening-Modus gibt es beim H9 nicht, die durchgehend gute Funktion lässt das aber nicht vermissen. Beim Plantronics BackBeat Pro 2 SE etwa passierte es im Test manchmal, dass die Musik einfach so stoppte – darüber hinaus nerven die ständigen Ansagen, wenn man Features auswählt. Der H9 hingegen „funktioniert einfach“, was im Alltag viel Spaß macht. Einige wenige Steuerungsbefehle wie Rauschunterdrückung an/aus oder das Verbinden mit dem Quellgerät werden mit einem angenehmen unauffälligen Signalton quittiert. Sonst hält sich der Kopfhörer angenehm zurück.

Beoplay H9
Image by Bang & Olufsen

Mit dem Beoplay H9 kann man auch telefonieren. Wie auch bei In-Ear-Stöpseln ist das eine Geschmacksfrage. Ich persönlich telefoniere lieber mit meinen EarPods, die mich nicht von meiner Umgebung abkapseln. Im Test klappt das Telefonieren gut.

Fazit: Gut, aber so teuer, dass es auch anders geht

Der Beoplay H9 überzeugt durch seine hervorragende Verarbeitung und seinen eindrucksvollen Klang. Selbstverständlich aber ist beides bei dem hohen Preis auch Pflicht. Wer so viel Geld für einen Kopfhörer ausgeben möchte, dem kann ich das Gerät sehr ans Herz legen. Wer auch mit einem weniger stylischen Look leben kann, findet viele gute Kopfhörer-Alternativen. Eine mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist zum Beispiel der Teufel Mute BT.


Images by Bang & Olufsen


Anton Knoblach

ist freier Producer und Colorist in Berlin und Mitgründer der Werbefilmproduktionsfirma unfourseen. Zu einem gelungenen Tag gehören für ihn Musik, gutes Essen und viel Abwechslung. Anton liebt Struktur, schnelle Technik und starke Bilder.

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