Beyerdynamic Aventho Wireless im Test:  Persönlicher geht’s nicht

Der neue High-End-Kopfhörer des Heilbronner Audio-Spezialisten Beyerdynamic hebt sich mit einer einzigartigen Funktion von der Konkurrenz ab. Dabei lässt sich per App der On-Ear-Kopfhörer auf das Gehörvermögen des Besitzers einmessen. Ich habe mir den Beyerdynamic Aventho Wireless im Test angehört.

Design vom Allerfeinsten

Bereits beim Auspacken des Bluetooth-Kopfhörers wird deutlich, dass Beyerdynamic hier sein Flaggschiff eingepackt hat. Der hochwertige Beyerdynamic Aventho Wireless kommt in einem robusten und ebenso schick designten Stoffbeutel mit Extra-Fach für mitgelieferte USB-Typ-C- und Klinkenkabel daher. Beim ersten Anfassen spüre ich sehr weiches Leder, das Beyerdynamic beim Aventho Wireless großzügig verarbeitet hat.

So ist der gesamte obere Bügel in Leder gehüllt. Ebenso die beiden noch weicheren Ohr-Polster. Als zweites Material setzt Beyerdynamic bei seinem Aventho Wireless auf sehr leichtes Aluminium. Insgesamt macht der Kopfhörer einen sehr gut verarbeiteten Retro-Eindruck. Dabei sind beide Ohrstücke voll flexibel und drehbar. Deshalb passen sie sich perfekt an jede Kopfform an. Wie es sich für einen Over-Ear-Kopfhörer gehört, sind die beiden Hörer außerdem höhenverstellbar.

Touch-Gesten für eine bequeme Steuerung

Der rechte Hörer des Beyerdynamic Aventho Wireless beherbergt den zeitgemäßen USB-Typ-C-Anschluss, einen Klinke-Anschluss, den Power-Button sowie die Gestensteuerung des Kopfhörers. Mit sachten Fingerbewegungen kann hier während des Musikhörens lauter und leiser gestellt oder Tracks geskippt werden. Ebenso könnt ihr Anrufe per Tippen auf dem Touch-Pad entgegennehmen und auch wieder auflegen. Schauen wir uns die Wischgesten einmal genauer an:

  • Nächster Track: Wischbewegung nach vorne
  • Track zurück: Wischbewegung nach hinten
  • Lauter: Wischbewegung nach oben
  • Leister: Wischbewegung nach unten

Die Sensivität der Touch-Steuerung lässt sich außerdem über die kostenlose MIY-App individuell anpassen. Eine hohe Sensivität bedeutet, dass die Gesten zügig ausgeführt werden können. Steht die Empfindlichkeit auf niedrig, müssen die Gesten deutlich und langsamer ausgeführt werden. Ideal ist hier der Mittelweg: Denn bei einer hohen Empfindlichkeit können die Gesten schon mal falsch ausgeführt werden, da präzise Wischer notwendig sind.

MIY-App

Die Beyerdynamic-MIY-App zeichnet sich besonders durch ihre vielen Einstellungsmöglichkeiten und ein intuitives Design aus. Dabei bietet die MIY-App nicht nur die gewöhnlichen Einstellungen, wie sie mittlerweile bei vielen Kopfhörer-Herstellern zu finden sind. Die größte Besonderheit ist wohl der personalisierte Hör-Test, um den Aventho Wireless perfekt auf das Gehör des Besitzers abzustimmen. Die Klang-Personalisierung des Aventho Wireless hat Beyerdynamic in Kooperation mit Mimi Hearing Technologies entwickelt. Das Besondere: Das erstellte Profil wird nicht auf dem Smartphone innerhalb der App, sondern direkt im Kopfhörer gespeichert. So ist das Klangprofil auch bei der Verwendung anderer Audio-Quellen als dem Smartphone verfügbar.

Ein Test bestimmt das Hörvermögen

Die Technologie bestimmt auf Basis des eigenen Hörvermögens, welche Frequenzen der Besitzer besonders gut oder besonders schlecht hören kann. Innerhalb der MIY-App lässt sich der Test im Reiter „Profil“ starten. Er dauert etwa sechs Minuten und sollte in einer ruhigen Umgebung vorgenommen werden. Ob sich die Umgebung dafür eignet, misst die MIY-App vor dem Test über das Smartphone-Mikrofon.

Die Lautstärke des Smartphones muss für den Test auf 50 Prozent reguliert werden. Daraufhin startet der Test. Separat werden auf dem linken und rechten Kopfhörer niedrige und hohe Frequenzen abgespielt. Per Fingerdruck auf dem Smartphone-Display muss ich hier angeben, wann und wie lange ich die einzelnen Frequenzen hören kann. Je älter man übrigens ist, desto weniger hohe Frequenzen kann das menschliche Ohr wahrnehmen. Da ich noch so blutjung bin, ist mein Test natürlich sehr gut ausgefallen. Ich verfüge noch über ein gutes Hörvermögen, wie mir die App nach dem Test mitteilt.

Aventho Wireless
Image by Julia Froolyks

Der Unterschied ist hör- und spürbar

Der Unterschied zwischen aktiviertem Profil und normaler Wiedergabe des Beyerdynamic Aventho Wireless lässt sich nach dem Test direkt überprüfen, indem über die Musik-App des Vertrauens ein Song angespielt wird. Innerhalb der App kann ich dann das Profil aktivieren und deaktivieren. Die Wirkung ist wirklich unglaublich.

Während der Sound des Aventho Wireless bereits mit deaktiviertem Profil richtig tief und zentriert im Kopf platziert ist, macht der personalisierte Klang hier den kleinen aber feinen Unterschied. In meinem Fall werden die Höhen etwas hervorgehoben, sodass beim Einschalten des Profils der Klang noch mehr Raum einnimmt. Die kräftigen Bässe und die melodische Stimme des Linkin-Park-Sängers sind perfekt im Gehör platziert und es wird ein voluminöses Sound-Spektrum im ganzen Körper spürbar.

Die MIY-App bietet noch einige weitere nette Spielereien. So passt sie beispielsweise auf, dass ich nicht zu viel und zu laut Musik höre. Der entsprechende Reiter innerhalb der App heißt „Tracking“ und zeichnet täglich auf, wie laut und wie lang Musik gehört wird. Laut Info-Box innerhalb der App vertrage das Gehör pro Tag nur ein gewisses Pensum, bis es sich erholen sollte. Eine willkommene Funktion, die besonders Tracking-Wütigen sehr gefallen dürfte. Innerhalb der MIY-App lässt sich der Aventho Wireless außerdem mit der neuesten Software-Version bespielen, die Beyerdynamic wohl regelmäßig aktualisieren wird.

Beyerdynamic Aventho Wireless
Image by Julia Froolyks

Technische Daten: Das steckt im Beyerdynamic Aventho Wireless

Der ausgewogenene und satte Sound des Aventho Wireless kommt nicht von ungefähr. Beyerdynamic hat auch hier im traditionellen Stil hochwertige Tesla-Hardware verbaut. Der dynamische Tesla-Wandler sorgt beim Musikhören für den detailreichen Klang. Der noch recht frische Qualcomm aptX-HD-Codec verbessert zudem die Bluetooth-Übertragung zwischen Smartphone und Aventho Wireless. Schade für iPhone-Nutzer, da Apple den aptx-HD-Codec bislang nicht unterstützt. Auch nicht von meinem neuen iPhone X. Beyerdynamic hat hier mitgedacht. Der Aventho Wireless unterstützt auch iPhone-freundliches AAC. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das aber nicht. Beispielsweise der deutlich günstigere (aber auch nicht nicht so klangstarke) Optoma Nuforce BE2 beherrscht ebenfalls AAC.

Der Akku des Aventho Wireless fasst 1.050 mAh und soll den Bluetooth-Kopfhörer mehr als 20 Stunden mit Strom versorgen. Das ist für einen kabellos betriebenen Kopfhörer sehr viel. Im Praxistest konnte ich diese Angabe nicht verifizieren. Ich musste den Aventho Wireless bei moderater Nutzung in einem Zeitraum von zwei Wochen allerdings noch nicht aufladen. Eine LED am rechten Hörer gibt übrigens Auskunft über den Akkustand. Eine freundliche Frauenstimme weist euch zudem bei jedem Einschalten auf den Ladestand des Kopfhörers hin.

Fazit: Technischer Luxus hat seinen Preis

Der Beyerdynamic Aventho Wireless gefällt mir richtig gut. Optisch ist der Kopfhörer filigran gehalten, besticht aber durch Detailverliebtheit und nahtlos verarbeitete Materialen. Der Kopfhörer ist leicht und wendig und schmiegt sich dem Kopf perfekt an. Tesla-Technologie, Klang-Personalisierung und ein aktueller Bluetooth-Codec haben allerdings ihren Preis. Knapp 450 Euro möchte Beyerdynamic für den Aventho Wireless haben. Ich habe schon Kopfhörer im selben Preissegment gesehen und gehört, die zwar auch klangvoll und dynamisch begeistert haben. Beim Aventho Wireless machen die Klang-Personalisierung, ein starker Akku und die hochwertige Hardware samt MIY-App allerdings den Unterschied. Wer auf der Suche nach einem richtig guten und hochwertigen Kopfhörer ist, sollte den Aventho Wireless auf jeden Fall ins Auge fassen.


Images by Julia Froolyks


Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet. Neben neuen Gadgets testet sie gerne Smartwatches und Kopfhörer.

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  • Rolf

    Hallo
    Wie ist der Klang gegenüber einem P7
    Grüße Rolf

  • Berti Kolbow-Lehradt

    Würden wir auch gern wissen. Wir hatten aber nur dieses eine Gerät zum Test. Daher ist leider keine Vergleichsaussage möglich.

  • Berti Kolbow-Lehradt

    Würden wir auch gern wissen. Wir hatten aber nur dieses eine Gerät zum Test. Daher ist leider keine Vergleichsaussage möglich.