Einfach besser Musik machen mit GarageBand: Großes iOS-Update 2.2 ausprobiert

Apple hat seiner Heimstudio-Software GarageBand auch dieses Jahr ein großes Update spendiert. Als GarageBand-Veteran und Homerecording-Fan habe ich das umfangreiche Update für iPad und iPhone auf Version 2.2 mit ein paar Probeaufnahmen ausprobiert.

Producer-Paradies im Apple-Ökosystem

Apples Einsteiger-Software für Musikproduktion, GarageBand, kenne und nutze ich seit der ersten Version. Damals lief sie nur auf dem Mac, inzwischen längst auch unter iOS. Die einfache Bedienung ist auf beiden Systemen geblieben. Obwohl ich normalerweise in jedem Lebensbereich gerne viel Technik einsetze, halte ich das Aufnehmen von Musik gerne so simpel wie möglich: Am liebsten würde ich immer noch mit einem guten alten Vierspurband meine Songideen aufnehmen, weil ich mich so gut auf die Musikidee selbst konzentrieren kann, statt mich tief in Effekt- und Soundeinstellungen zu vergraben.

GarageBand machte genau das seit der ersten Version möglich. Vorher gab es nur Logic, was mich beim ersten Anlauf mit seinem riesigen Mischpult und Spuren mit komplexen Send/Return-Effektschleifen glatt überforderte. Bei GarageBand hingegen fühlte ich mich sofort wohl wie mit dem alten Vierspurband.

Mit dem iPad schaffte GarageBand in leicht vereinfachter Variante den Sprung aufs Mobilgerät. Später auch aufs iPhone, was ich gerne zum Aufnehmen von Demos, also dem Festhalten einer spontanen Songidee nutze. Vergangenes Jahr kam dafür noch die neue, geniale App Musikmemos dazu, wie auch ein Update für GarageBand, das mit LiveLoops vor allem Elektronik-Musikern und Einsteigern eine neue Variante und Einstiegsmöglichkeit in die Musikproduktion bot.

GarageBand ist auf allen in den vergangenen Jahren neu gekauften Macs, iPhones und iPads vorinstalliert und wird somit kostenlos mitgeliefert. Das gilt zum Beispiel für alle iOS-Geräten die ab September 2013 gekauft wurden. Wer es nicht auf seinem Gerät findet oder kostenlos nachladen kann, kann die mobile Version im App Store für 4,99 Euro kaufen.

GarageBand lernt von Logic Pro X

Interessant ist, dass Apple im Laufe Jahre viel von GarageBand in das Profitool Logic Pro X übernommen hat. Es gibt einen Einsteiger-Modus, der aussieht wie die Oberfläche von GarageBand. Damit habe ich den Sprung in Logic Pro X geschafft und nutze beim finalen Aufnehmen und Mix meistens jetzt den „großen Bruder“. Widerum beim jüngsten Update für GarageBand in der Version 2.2, hat Apple ein paar Funktionen für ambitionierte Anwender von Logic Pro X übernommen.

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Beim Keyboard steht jetzt der Alchemy-Synthesizer zur Verfügung. Screenshot by Stefan von Gagern

Zu den wichtigsten Transfers gehört Alchemy. Der Synthesizer ist nach dem Update auf die neueste Version nicht mehr nur auf dem Mac, sondern auch unterwegs in iOS dabei. Er steht unten im Spuren-Modus bereit, sobald Sie das Keyboard-Instrument auswählen.

Mit Alchemy lassen sich schell und unkompliziert starke Synthie-Sounds einstellen und ebenso leicht direkt auf die Spur aufnehmen. Über 150 Patches aus verschiedenen Kategorien wie Bass, Leads und Sound Effects lassen in Qualität und Quantität für alle möglichen Stilrichtungen von EDM bis Rock keine Wünsche offen.

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Mit Alchemy spielen Nutzer von GarageBand auf dem Keyboard auch dann gut, wenn sie nicht wirklich Keyboard spielen zu können. Screenshot by Stefan von Gagern.

Um sie zu nutzen, müssen Anwender noch nicht einmal Keyboard spielen können. Die von den Smart-Instrumenten bekannten Akkord-Strips können sie jetzt in einem so genialen Keyboard wie Alchemy einblenden. Einfach gewünschte Akkorde antippen, fertig. Wer automatisiert spielen möchte, kann „Autoplay“ einschalten. Beim Abspielen können Nutzer mit dem Transform-Pad zwischen acht Sounds wählen. Durch Streichen auf dem Touchscreen können sie zudem Effekte auf die Sounds anwenden – ähnlich wie mit den Live Loops in GarageBand.

Bei Alchemy lassen sich Akkord-Strips einblenden. Screenshot by Stefan von Gagern
Bei Alchemy lassen sich Akkord-Strips einblenden. Screenshot by Stefan von Gagern

Leichter Musik aufnehmen

Auch die anderen Instrumente in GarageBand sind zugänglicher geworden. Zum Beispiel stehen beim Gitarrenamp die Sounds schon eingeteilt in „Clean“, „Verzerrt“ oder „Bass“ bereit – so wie ein Gitarrist die Idee für eine Spur schon im Kopf hat. Mit einem Tipp darauf erhält man einen Grundsound aus der Kategorie und die Aufnahme kann starten. Mit „Mehr Sounds“ öffnet sich ein Browser zum gezielteren Einstellen und Durchblättern der Sounds. Das macht das schnelle Einspielen einer Idee viel besser möglich, da ich mich nicht mehr lange mit dem Drehen der Knöpfe an den virtuellen Amps und Bodeneffekten in GarageBand aufhalten muss.

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Die Verwendung der Instrumente in GarageBand ist in Version 2.2 einfacher geworden. Screenshot by Stefan von Gagern

Der Audio-Recorder hat jetzt spaßige Audio-Effekte von Roboterstimmen bis Autotune-Stimmverfremdern an Bord. Antippen reicht und los geht die Aufnahme mit dem internen Mikrofon. Wer einen Kopfhörer anschließt, kann die Aufnahme über einen Monitor verfolgen. Die Effekte machen Spaß und könnten auch Kinder motivieren mit GarageBand aufzunehmen. Die Aufnahme selbst wird durch visuelles Einzählen – auf dem Bildschirm erscheint „1 2 3 4“ – einfacher. So werden „Fehlstarts“ oder zu spätes Einsetzen  verhindert.

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Endlich wie ein Roboter klingen. Spaßige Sound-Effekte im neuen GarageBand machen es möglich. Screenshot by Stefan von Gagern

Endlich Multi-Take

In der neuen Version 2.2 kommt ein Feature in GarageBand, das viele Nutzer schon lange vermisst haben und das bisher nur in Logic zu finden war. Bisher mussten sich GarageBand-Nutzer zum Beispiel bei einem Gitarrensolo immer nach der Aufnahme entscheiden, ob man noch einen Anlauf wagt und damit die bisherige Version löscht oder ob man dies mit Tricks umgeht, wie zum Beispiel die Spur zu duplizieren.

Mit Multi-Take-Recording wird es einfacher: Jetzt können Nutzer einfach mehrere Durchläufe aufnehmen und zwischen den „Takes“, wie es in der Studiosprache heißt, einfach wechseln. Die Funktion ist per Voreinstellung deaktiviert. In den Spureinstellungen können Nutzer Multi-Take-Aufnahme für eine Spur, und damit im ganzen Song, einschalten. Zwischen den Aufnahmen können sie wechseln, indem sie auf der Spur „Takes“ im Kontextmenü antippen.

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Mehrere Takes hintereinander aufzunehmen, geht in GarageBand 2.2 nun ganz einfach. Screenshot by Stefan von Gagern

Profis freuen sich zudem über erweiterte Plug-Ins und Equalizer für jede Spur wie Noise Gate und Kompressor, sowie Master-Effekte wie Echo und Hall. Damit wird ein schneller Mix auf dem Mobilgerät einfacher und besser als zuvor.

Fazit: Applaus für dieses Update

Der Alchemy-Synthesizer ist der Synthie, den man sich schon lange in GarageBand für iOS gewünscht hat. Sounds in dieser Qualität und Bandbreite gab es bisher nur in Synthies von Drittherstellern. Erfreulich ist, dass der Synthie so einfach zu bedienen ist, dass auch Einsteiger damit schnell starke Sounds zaubern können. Der zweite große Fortschritt ist Multi-Take-Recording, bei dem viele Nutzer bislang mit Desktop-Workstations wie Logic Pro X Vorlieb nehmen mussten. Besonders erfreulich ist, dass GarageBand mit den Neuerungen seinem einfachen Bedienprinzip nicht nur treu geblieben ist, sondern gleichzeitig neue Attraktionen für Einsteiger zu bieten hat.


Teaser Image by Apple; Screenshots by Stefan von Gagern


Stefan von Gagern

Stefan von Gagern schreibt als freier Journalist für Zeitschriften und Websites Artikel, Tests und Beiträge über digitale Themen wie Publishing, Internet, Social Media, Gadgets und Digital Lifestyle. Unternehmen berät er bei Konzeption und Umsetzung von Social Media-Auftritten und Content. Privat spielt der Freiberufler aus Hamburg Gitarre und ist oft auf dem Rennrad unterwegs.

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