Die private Datenwolke Lima Ultra im Test: Alternative zur Time Capsule und iCloud Drive?

Es hilft doch alles nichts! Wer schon einmal wichtige Dateien verloren hat, weiß dass heutzutage kein digitales Alter Ego mehr ohne Backup überleben kann. Daher will es die Lösung Lima Ultra auch technisch Unbedarften ermöglichen, ihre Daten zu sichern. Das kleine stylische Kistchen speichert per USB-Kabel Dateien auf einer externen Festplatte im Heimnetzwerk ab. Gleichzeitig ist es im Sinne einer privaten Cloud auch unterwegs per iOS-App erreichbar. Obendrein soll die Speicher-Lösung sehr einfach zu bedienen sein. Ist sie für Apple-Nutzer daher eine empfehlenswerte Alternative zu Time Capsule und iCloud?

Prima Cloud in Lima: So funktioniert die private Datenwolke

Mit Time Capsule verfügen Mac-Nutzer seit langem über eine sehr komfortable Möglichkeit, automatisch Dateisicherungen anzulegen. Apples hauseigene Netzwerkfestplatte ermöglicht aber keinen Zugriff per Smartphone. Hingegen Apples Cloud-Dienst iCloud Drive und all die anderen amerikanischen Online-Speicher sind zwar von überall aus zu erreichen. Sie verschrecken aber so manchen deutschen Nutzer mit dem laxen US-Datenschutz.

Im Vergleich dazu versteht das Start-up Lima Technology seine Lösung als „Personal Cloud“. Lima Ultra ist wie ein Cloud-Dienst mit dem Internet verbunden, sodass Nutzer ihre Datensicherungen mit dem Smartphone über eine verschlüsselte Verbindung checken können. Dabei werden die Dateien des Nutzers nicht auf Servern des Anbieters gespeichert.

Lima Ultra
Image by Lima Technology

Alle Dateien, die Lima-Nutzer speichern, verlassen die eigene Festplatte bzw. den Smartphone-Speicher nie. Die verwendete Technologie zur Verschlüsselung der Daten ist sehr sicher. Laden Nutzer Dateien auf die Lima-Festplatte oder von dort auf das Smartphone herunter, kommt der AES256-Standard zum Einsatz.

Lima Ultra ist bereits die zweite Produktgeneration und soll noch im März 2017 für 130 Euro im Handel erhältlich sein. Die erste Lima-Box aus dem Jahr 2015 wurde mit einem Kickstarter-Projekt finanziert und bekam wegen lahmer Ladezeiten durchwachsene Nutzerbewertungen. Lima Ultra soll viel schneller sein.

Ultraschnell eingerichtet

Weil Lima Ultra mit 2,7 x 6,9 x 3,7 Zentimetern sehr kompakt ist, lässt sich die Box recht unauffällig in der Nähe des Routers verstauen. Mit dem LAN-Kabel aus dem Lieferumfang verbinde ich Lima Ultra mit meiner Fritz!Box, per Netzkabel mit dem Strom.

Eine externe Festplatte müssen sich Nutzer selbst besorgen und per USB mit Lima Ultra verbinden. USB-3-Speichermedien werden dabei auf USB 2 gedrosselt. Bis zu 7 Terabyte groß dürfen die Speichereinheiten sein. Meine Festplatte ist mit HFS+ formatiert und wurde sofort erkannt. Mit NTFS und Ext4 versteht sich Lima ebenfalls.

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Unter dem Download-Link für die Desktop-App erkennt die Lima-Webseite automatisch, dass ich macOS nutze. Die heruntergeladene Anwendung führt mich schnell durch den Registrierungsprozess. Damit alle meine Geräte auf den Speicher zugreifen können, brauche ich einen Lima-Account. Danach verschwindet die App als Icon in der Menü-Leiste des Mac. Die mobile Lima-App ist gratis im App Store für iPhones und iPads ab iOS 9 verfügbar. Installieren, Account-Daten eingeben fertig.

Mit Lima Ultra Daten sichern und unterwegs nutzen

Ähnlich wie bei iCloud Drive, Dropbox und anderen Diensten, ziehen Nutzer händisch die gewünschten Dateien an den neuen Speicherort. Automatische Backups wie Apple Time Capsule oder die Online-Dienste Mozy und Backblaze nimmt Lima nicht vor.

Lima Ultra
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Mac-Nutzer greifen auf die mit Lima Ultra gesicherten Dateien über den Finder zu. Dort wird Lima wie ein Laufwerk in der Seitenleiste angezeigt. Einen Zugang per Browser-Maske bietet Lima nicht, weder über das lokale Netzwerk noch über die Lima-Webseite.

Mit den mobilen Apps erhalten Nutzer nicht nur Zugang zum Daten-Fuhrpark. Die Apps dienen gleichzeitig als Musik- und Video-Player oder Dokumenten- und Foto-Browser. Möchte ich vom Internet unabhängig sein, kann ich die Dateien auf dem iOS-Device offline speichern.

Lima Ultra
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Umgekehrt kann ich mit einem automatischen Foto-Upload vom iOS-Device dafür sorgen, dass meine mobil geschossenen Bilder auch mit dem heimischen Desktop synchronisiert werden. Das ist eine prima Alternative für alle, die auf die Auto-Upload-Funktion von iCloud und anderen Cloud-Diensten verzichten möchten. Fotos im JPG-Format erkennt Lima erwartungsgemäß einwandfrei. Hingegen Bilder, die im Rohdatenformat DNG abgespeichert sind, nicht. Da bleibt die Anzeige schwarz.

Lima Ultra besser als der Vorgänger – aber weiterhin mit Mankos

Wie performt Lima Ultra in der Praxis? Am Desktop transferiere ich einen Datensatz von rund 50 Gigabyte im Finder zum Lima-Laufwerk. Das geht gefühlt recht flott. Nach wenigen Minuten kann ich die ersten Fotos und Videos in der mobilen App betrachten. Am nächsten Morgen ist der komplette Datensatz verfügbar.

Backups überträgt Lima Ultra im Hintergrund mit bis zu 240 Mbps. Beim Vorgänger, der jetzt Lima Starter heißt, sind es 16 Mbps. Da mir beide Varianten vorlegen, bemerke ich den Geschwindigkeitsvorteil des Lima Ultra deutlich.

Lima Ultra
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Auch die Software läuft inzwischen sehr stabil. Beim ersten Lima gab es im Herbst 2016 einen Bug, der den Finder abstürzen ließ und den Betrieb unter dem damals noch neuen macOS Sierra praktisch unmöglich machte. Bei den aktuellen App-Versionen im März 2017 fielen mir weder Bugs noch Ruckler auf. Die Software reagiert schnell und flüssig.

Zwei Mankos verbleiben aber weiterhin. So beinhalten die mobilen Apps keine Sharing-Funktion. Das ist für mich kein Beinbruch, aber für eine zeitgemäße Datei-Verwaltung auf dem iPhone oder iPad nicht mehr angemessen.

Schwerwiegender finde ich, dass sich die mit Lima verknüpfte Festplatte nicht ohne Hilfe des Supports wechseln lässt. Reicht der Platz nicht mehr aus oder geht das Speichermedium kaputt, müsst ihr erst Lima kontaktieren, um den Weg im Lima-Account für eine neue Festplatte frei zu machen. Sonst meckert die Lima-Anwendung auf dem Mac. Geht es noch umständlicher? Sharing-Funktion und Festplatten-Wechsel in Eigenregie sollen erst in den nächsten Versionen ergänzt werden, offenbart eine Roadmap.

Fazit

Lima Ultra hält, was der Hersteller verspricht: Die Netzwerkspeicher-Lösung lässt sich schnell einrichten und erfüllt im Betrieb unauffällig und zuverlässig ihren Job. Die Datenübertragung geht schnell vonstatten. Die Apps laufen sowohl auf dem Desktop als auch mobil reibungslos.

In dieser Hinsicht hat der Hersteller Lima Technology bei der zweiten Produktgeneration große Fortschritte erzielt. Die lahme Hardware-Performance und die Instabilitäten der Software des Vorgängers wurden beseitigt. Dass immer noch einige, zum Teil sehr basale Funktionen erst in der Entwicklungs-Pipeline sind, nähren den Eindruck, dass der Hersteller möglicherweise etwas zu früh an den Markt gegangen ist.

Lima Ultra
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Das Konzept von Lima Ultra ist ein guter Kompromiss zwischen Funktionalität und einfacher Bedienung. Apple-Nutzer werden das mögen. Günstig ist die Lösung auch. Selbst wenn man zum Kaufpreis noch die Anschaffung einer externen Festplatte rechnet, kostet das Komplettpaket weniger als eine aktuelle Apple Time Capsule.

Dafür bietet Lima Ultra keine automatischen Backups und weniger Einstelloptionen als eine klassische NAS-Lösung an. Und anders als bei einem reinen Cloud-Dienst wie iCloud Drive müssen Nutzer selbst darauf achten, dass ein altersschwaches Speichermedium rechtzeitig ersetzt wird. Daher sollte Lima Ultra vorsichtshalber nicht die einzige Säule der eigenen Backup-Strategie bleiben.


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Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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