Top oder Flop? Wieviel Innovation bieten iPhone 7 und 7 Plus im Vergleich zur Konkurrenz?

Wenn es nach Apple geht, sind die iPhone-Modelle der siebten Generation natürlich „awesome“. Doch was bleibt vom Hype übrig, nachdem sich der PR-Nebel verflüchtigt hat? Können das neue iPhone 7 und 7 Plus die jedes Jahr gesteigerten Konsumentenerwartungen erfüllen? Wo lassen sie sich technologisch im Vergleich mit der Konkurrenz aus dem Android-Lager einordnen? Wie haben sie sich gegenüber den Vorgängern verbessert? Ich habe mir die neuen Funktionen und technischen Daten etwas näher angeschaut.

Gehäuse-Design: Resistent gegen Staub, nicht gegen Schläge

Design wird bei Apple groß geschrieben, mit der siebten iPhone-Generation hat es sich allerdings nicht grundlegend verändert. Die Antennen sind nun besser ins Gehäuse integriert und daher weniger sichtbar und es gibt neue Farboptionen, aber ansonsten sind die neuen Modelle immer noch deutlich als iPhones zu identifizieren. Echten Mehrwert für den Nutzer verspricht die Wasser- und Staubresistenz der Geräte. Was bei Apple als Innovation gefeiert wird, ist bei anderen Herstellern allerdings schon länger Standard. Lenovos Moto Z Force bietet sogar eine schlagfestes Display. Wer einmal im Apple Store einen Displayaustausch bezahlt hat, würde sich dieses Feature auch auf seinem iPhone wünschen.

Lenovo Moto Z Force
Das Lenovo Moto Z Force hat ein schlagfestes Display.

Display: Heller aber nur durchschnittlich scharf

Apropos Display, auch in diesem Bereich hat sich nicht allzu viel getan. Laut Apple sind die neuen Bildschirme zwar 25% heller und bieten ein besseres Farbmanagement als zuvor, die ungewöhnliche Auflösung von 1334 x 750 Pixeln im kleineren iPhone 7 und die Full-HD Auflösung des iPhone 7 Plus Displays wurden gegenüber den Vorgängern aber nicht erhöht und sind im Vergleich zur Konkurrenz bestenfalls Durchschnitt. Samsung, LG, Lenovo und andere Konkurrenten bieten in ihren Top-Modellen schon länger Bildschirme mit weitaus höherer Quad-HD Auflösung.

Samsung Galaxy Note 7
Das Samsung Galaxy Note 7 bietet ein Display mit Quad-HD Auflösung.

Sound: Zwei Lautsprecher, kein Kopfhörerausgang

Beim Thema Sound hat sich Apple dafür schon verbesserungsfreudiger gezeigt. Die iPhones 7 und 7 Plus sind die ersten Apple Smartphones mit Stereolautsprechern. Laut Apple bieten diese die doppelte Lautstärke der bisherigen Monokomponenten und eine verbesserte Klangdynamik. Im Marktvergleich kann man allerdings auch damit kaum mehr punkten. HTC Smartphones bieten schon einige Jahre Stereoton und dedizierte Soundchips. Das gleiche gilt für die ZTE Modelle der Axon 7 Serie, die mit ihren nach vorne gerichteten Lautsprechern eine für Smartphones aussergewöhnliches Klangerlebnis bieten. Auch müssen die Nutzer bei Apple ab jetzt auf einen Kopfhörerausgang verzichten. Standardkopfhörer können nur noch per Lightning-Adapter angeschlossen werden, was gleichzeitiges Laden des Akkus unmöglich macht. Für diejenigen, die die mitgelieferten EarPods mit Lightning-Anschluss nicht nutzen wollen, scheinen momentan kabellose Modelle die beste Lösung zu sein.

ZTE Axon 7
Dank vorne liegenden Stereolautsprechern und dediziertem Soundchip bietet das ZTE Axon 7 ausgezeichneten Klang.

Kamera: Das Beste an den neuen iPhones

Die Kamera ist ohne Zweifel die Komponente, bei der Apple am meisten Innovation an den Tag gelegt hat, allerdings nur im grösseren iPhone 7 Plus. Im kleineren iPhone 7 hat die letztjährige 12 Megapixel Kamera eine optische Bildstabilierung und eine lichtstärkere F1,8 Blende spendiert bekommen. Ausserdem kann sie jetzt Bilder im DNG Raw-Format abspeichern. Dies sind sehr sinnvolle Neuerungen, vor allem für diejenigen, die viel in schlechten Lichtverhältnissen fotografieren. Bei der Konkurrenz sind diese Spezifikationen allerdings schon länger die Norm.

Beim Blick auf die Kamera des iPhone 7 Plus dürften Mobilfotografen schon eher feuchte Hände bekommen. Zusätzlich zu den Funktionen des Standardmodells bietet diese ein zweites Kameramodul mit einem 56mm Teleobjektiv, was der doppelten Brennweite der standardmässigen Weitwinkellinse entspricht. In der Kamera-App kann man zwischen beiden Objektiven umschalten und das Tele zusätzlich mit einem 5-fachen Digitalzoom kombinieren. LG bietet zwar auf dem G5 und dem ebenfalls brandneuen V20 ein ähnliches System, beim koreanischen Hersteller ist die Zusatzlinse jedoch ein Superweitwinkel. Da dieses in vielen Situationen durch eine passende Panorama-App ersetzt werden kann, werden die meisten User Apples Teleobjektiv wohl nützlicher finden.

LG G5
Auch das LG G5 hat eine Dual-Kamera, allerdings mit zusätzlichem Weitwinkel- anstatt Tele-Objektiv.

Zusätzlich kann das iPhone 7 Plus dank der Dual-Kamera die geringe Tiefenschärfe einer Spiegelreflexkamera simulieren. Auch dieses Feature, dessen Präsentation auf dem Apple Event einige Zeit einnahm, war schon auf mehreren Android-Geräten, zum Beispiel dem HTC One M8 oder dem Huawei P9, zu sehen. Die Bildergebnisse waren bisher allerdings eher enttäuschend. Es bleibt abzuwarten, ob die Apple-Variante im täglich Gebrauch Ergebnisse produzieren kann, die näher an einer SLR oder Systemkamera mit grossem Sensor liegen. Dann wäre dem iPhone 7 Plus wohl der Titel des beliebtesten Fotografen-Smartphones sicher.

iPhone 7 mit Dual-Kamera
Die Dual-Kamera im iPhone 7 Plus verspricht echten Mehrwert für Mobilfotografen.

Marketing: Apples große Stärke

Natürlich hat Apple auch die Leistung der CPU und des Grafikprozessors erhöht, aber zusammenfassend bleibt zu sagen, dass, ausser der Kamera im Plus Modell, die meisten Verbesserungen bei den neuen iPhones unter der Kategorie „Solides Update“ abgelegt werden können. Die Dual-Kamera ist zwar auch keine ganz neue Idee mehr, aber die Apple-Variante hat dank Teleobjektiv auf jeden Fall das Potenzial, gegenüber den bisher am Markt erhältlichen Systemen echten Mehrwert zu bieten. Trotzdem versteht es Apple besser als anderen, Funktionen, die anderswo schon längst verfügbar sind, als bahnbrechende Innnovationen zu verkaufen.

Das iPhone 7 ist ein prima Gesamtpaket zum gepfefferten Preis

Natürlich macht es aber auch nur bedingt Sinn, Features und Spezifikationen isoliert zu betrachten. Bei Apple stimmt eben meist einfach das Gesamtpaket, sonst könnte die Marke nicht global so erfolgreich sein. Dieses Gesamtpaket hat aber auch seinen Preis. Das iPhone 7 wird in Deutschland ab 759 Euro erhältich sein. Wer die Dual-Cam des iPhone 7 Plus will, muss mindestens 899 Euro anlegen. Ich fange schon mal an zu sparen.

Teaser by Apple

Images by Lenovo, Samsung, ZTE, LG, Apple

Lars Rehm

Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

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