Erster Test: Warum das neue iPad ein Downgrade ist

Das neue iPad ist als Einstieg in Apples Tablet-Sortiment gedacht. Als echtes Upgrade vom direkten Vorgänger, dem iPad Air 2, taugt es jedoch nicht. Das geht aus dem ersten ausführlichen Test des neuen Flachrechners hervor. Der Zeitschrift Mac & i zufolge schneidet der Neuling leistungsmäßig nicht nennenswert besser als das Vorgänger-Modell ab. Stattdessen bringt es sogar zum Teil gravierende Nachteile mit. Ich fasse für euch die Testergebnisse zusammen und nenne weitere Unterschiede zwischen dem neuem iPad und dem restlichen Tablet-Portfolio von Apple.

Ein derber Diss für das neue Display

Besonders erwähnenswert ist beim neuen 9,7-Zoll-iPad das Display. Hier hat Apple nämlich tatsächlich ein Downgrade gewagt. Anders kann man die fehlende Entspiegelung des Retina-Displays nun mal nicht bezeichnen. Es löst wie das iPad Air 2 mit 1.536 x 2.048 Pixeln bei einer Dichte von 264 dpi auf. Dafür weist es allerdings eine mit 446 cd/qm zu 333 cd/qm beim iPad Air 2 hellere Beleuchtung auf. Im Test von Mac & i kann die bessere Ausleuchtung jedoch nicht das fehlende Entspiegeln wettmachen.

Im Sonnenlicht soll das neue iPad wesentlich schlechter performen als der drei Jahre ältere Vorgänger. Die Tester fühlen sich von der fehlenden Antireflex-Beschichtung des neuen iPads an das erste Modell der iPad-Air-Reihe erinnert.

Übrigens schließt die Displaybeschaffenheit des neuen iPads zudem eine Kompatibilität mit dem Digitalstift Apple Pencil aus. Das ist allerdings nicht ungewöhnlich. Denn das Arbeiten mit dem Apple Pencil soll den iPad-Pro-Modellen vorbehalten sein.

‘Tschuldigung, hast du vielleicht zugenommen? Mehr Gewicht, mehr Akku

Weitere sichtbare Unterschiede zeigen sich in der Größe und im Gewicht des neuen iPads. Ungewöhnlich für Apple: Das neue iPad ist dicker und sogar schwerer als sein Vorgänger. In der Grundversion ohne LTE wiegt es 469 Gramm und ist 7,5 Millimeter dick. Hingegen wieg das iPad Air 2 mit 437 Gramm in der LTE-freien Variante über 30 Gramm weniger und ist zudem mit seinen 6,1 Millimeter deutlich schlanker als das neue iPad.

Die kurvigen Pfunde bringt das iPad deshalb auf die Hüften, weil ein stärkerer Akku verbaut wurde. Der Lithium-Polymer-Akku des neuen iPads bietet 32,9 Wattstunden und 8.820 mAh, während im Datenblatt des iPad Air 2 hier 27,3 Wattstunden mit 7.340 mAh festgehalten sind.

Summa summarum hält das neue iPad also etwas länger aus, als das iPad Air 2. Die Kollegen von Mac & i konnten die Trocken-Analyse der Akku-Werte bereits in der Realität abgleichen und kommen auf eine minimal bessere Laufzeit.

Besserer Prozessor mit weniger Kernen

Die inneren Werte des neuen iPads unterscheiden sich ebenfalls vom direkten Vorgänger, iPad Air 2. Dem neuen iPad wohnt ein A9-Prozessor inne, der auf zwei Kernen mit 1,85 GHz taktet. Das ist zwar ein Kern weniger, als das iPad Air 2 mit dem A8X zur Verfügung hat. Dafür soll der eingesetzte A9-Chip laut Apple 1,6-mal schneller als der A8-Prozessor sein.

Auch hier bestätigen die Tester von Mac & i den theoretischen Wert. Durch die neuere Prozessorarchitektur des A9-Chips im neuen iPad, sei der Wegfall des dritten Prozessorkerns mehr als gut ausgeglichen. Beim Arbeitsspeicher tut sich leider nicht viel – auch beim neuen iPad setzt Apple auf 2 GB RAM.

Vieles ist beim Alten geblieben

iPad Air 2
Das iPad Air 2 aus 2014. Image by Apple

Die restliche Ausstattung des neuen iPads ist identisch mit der des älteren iPad Air 2. Es besitzt eine 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite, die mit 1.080p Aufnahmen in Full-HD ermöglicht und dabei mit 30 fps Videos aufzeichnet. Beide Kameras genießen den Luxus eines automatischen Bildstabilisators. Die Selfie-Kamera an der Front des Geräts bietet 1,2 Megapixel und immerhin HD-Aufnahmen mit 720p und ebenfalls 30 fps. Zudem kommt das neue iPad – wie der Vorgänger – mit einem Fingerabdrucksensor.

Ein Unterschied zum iPad Air 2 zeigt sich besonders in den verfügbaren Speichergrößen. Seit der Vorstellung des iPhone 7 im Herbst 2016 setzt Apple nämlich auf weniger Auswahl. Verschwunden ist die mickrige 16 GB-Variante beim neuen iPad. Stattdessen erfolgt der Einstieg direkt mit einem 32 GB-Modell. Auch die Variante mit 64 GB gibt es beim neuen Basis-iPad nicht mehr. Nach 32 GB kommen direkt 128 GB, für die sich der Käufer entscheiden kann. Mehr Speicher gibt es nicht – das neue iPad ist, wie all seine Vorgänger, immer noch nicht mit einer Speicherkarte erweiterbar.

Fazit: Kauft lieber etwas anderes als das neue iPad

Generell ist das nicht-entspiegelte Display des neuen iPads eine derbe Enttäuschung. Gerade Tablets machen das Arbeiten mit Computern so mobil. Daher möchte ich auf jeden Fall draußen arbeiten können. Zugegeben – wirklich produktiv arbeiten konnte ich mit einem Tablet noch nie, aber zumindest meine E-Books will ich auch in der Sonne genießen können. Da bin ich mit meinem entspiegelten iPad Pro besser bedient. Auch das iPad Air 2 schafft ihr deutlich mehr Filter-Effekt. Leider ist bei dem iPad Air 2 das rosa-glänzende Display störend.

iPad Pro
Das iPad Pro in der 9,7-Zoll-Größe mit Smart Keyboard und Apple Pencil. Image by Apple

Mit dem helleren Display hat Apple beim neuen iPad zwar ein wenig entgegengewirkt. Jedoch wird der Akku dadurch mehr belastet. Mir stellt sich die Frage, wo die neue oder bessere Leistung beim neuen iPad sein soll. Es ist dicker, schwerer, nicht entspiegelt und kann dem iPad Air 2 nur minimal mehr Leistung entgegenbringen. Außerdem finde ich den Schritt von 32 GB verfügbarer Größe auf 128 GB viel zu groß. Hier hätte man durchaus 64 GB anstatt 32 GB anbieten können.

Daher mein Tipp: Kauft euch gebraucht oder als Restposten das iPad Air 2, wenn ihr ein Einsteiger-Gerät wollt. Braucht ihr richtig Leistung, greift lieber gleich etwas tiefer in den Geldbeutel und entscheidet euch für das iPad Pro.

Quelle: Mac & i


Images by Apple


Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet - damit können Medienschaffende einfach am besten arbeiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.

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