Smartes Thermostat im Test: Eve Thermo erwärmt HomeKit-Nutzern das Herz

Der Winter streckte seine kalten Fingerchen unangenehm weit ins Jahr 2018 rein. Und selbst, wenn das Thermometer jetzt endlich wieder höher steigt, werden wir zumindest um das stundenweise Heizen noch eine Weile nicht herumkommen. Sehr bequem regulieren lässt sich die Wärme mit smarten Heizkörperthermostaten. Nachdem ich bereits mit einem Exemplar vom Spezialisten Tado Erfahrungen gesammelt habe, folgte nun ein Praxistest mit dem Modell Eve Thermo von Elgato.

Wie alle Produkte aus der Eve-Reihe ist das Thermostat speziell für die Zusammenarbeit mit Apples Smart-Home-Plattform HomeKit optimiert. Im Test erleichterte das die Einrichtung und ermöglichte eine bequeme Bedienung. Doch obwohl das auf der IFA vorgestellte 2017er-Modell von Eve Thermo bereits in der zweiten Generation vorliegt, sind noch nicht alle Funktionen perfekt ausgereift.

Smarter heizen mit HomeKit: Das kann Elgato Eve Thermo (2017)

Als Smart-Home-Thermostat kennzeichnen Eve Thermo sehr bequeme und individuelle Möglichkeiten, die Wohnraumtemperatur zu regulieren. So könnt ihr das Thermostat von Elgato per App-Eingabe und Siri-Sprachbefehl steuern. In der App programmierte, persönliche Heizpläne und HomeKit-Szenen für die Heimautomation unterstützt der Temperaturregler ebenfalls. Außerdem möchte eine integrierte Fenstererkennung euch das Mitdenken beim Stoßlüften abnehmen.

Natürlich lässt sich Eve Thermo auch ganz konventionell am Heizkörper selbst bedienen. Dazu verfügt das aktuelle Modell im Vergleich zur ersten Generation über zwei Sensortasten und ein weißes LC-Display. Das Display selbst ist nicht berührungsempfindlich, lässt sich aber praktischerweise zur Betrachtung aus zwei Richtungen ausrichten.

Dabei stammt die etwas klobig designte Hardware des Thermostats vom Spezialisten Eurotronic, während Elgato die Anbindung an HomeKit realisiert und die Steuer-App Eve entwickelt.

Dank HomeKit-Schnittstelle lässt sich Eve Thermo leicht einrichten

Eve Thermo ist schnell installiert. Dazu löst ihr mit einer Rohrzange den bisherigen Temperaturregler und ersetzt ihn durch Eve Thermo. Damit das Elgato-Thermostat das Heizkörperventil steuern kann, setzt ihr zuvor zwei AA-Zellen in das Batteriefach. Die Energiespender sollen mindestens zwölf Monate durchhalten und rechtzeitig vor der vollständigen Entladung warnen. Das erscheint realistisch, da die Ladestandsanzeige in der App nach viermonatigem Testeinsatz noch die volle Kapazität bescheinigt.

Elgato Eve Thermo 2017
Elgato Eve Thermo (2017), montiert am Heizungskörper und mit aktiviertem Display. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Damit ihr Eve Thermo über Siri und HomeKit-Szenen bedienen könnt, fügt ihr das Thermostat in der Apple-Home-App via HomeKit-Code hinzu. Mehr ist nicht nötig, was den Installationsaufwand im Vergleich zu Modellen anderer Hersteller deutlich reduziert. Anders als etwa bei Tado müsst ihr keine Bridge mit eurem Router verbinden und keinen zusätzlichen Account zur Cloud-Steuerung einrichten. Stattdessen verbindet sich Elgatos Gadget kabellos und direkt mit HomeKit und der iCloud.

Weil eine Bridge entfällt, fallen auch die Anschaffungskosten niedriger aus. Statt eines Starterkits mit zwei Thermostaten und Bridge genügt ein einzelnes Thermostat zum Preis von 70 Euro als Einstieg.

Die Heizung hört aufs Wort und achtet auf den Ort

Eve Thermo per Siri zu bedienen, macht Spaß und klappte im Test über die Spracheingabe per iPhone, iPad und Apple Watch tadellos. Ihr könnt via „Hey, Siri“-Befehl eine direkte Anweisung geben oder eine Szene starten. Alternativ könnt ihr die Szene auch per Touch-Bedienung in der App aktivieren oder deaktivieren.

Eve Thermo Szenen mit Siri aktivieren
Dank der HomeKit-Anbindung lässt sich Eve Thermo über Szenen steuern, die entweder per Siri oder manuell in der Apple-Home-App aktiviert werden. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Neben einer manuell gestarteten Szene lässt sich Eve Thermo auch automatisch über eine Anwesenheitserkennung steuern. Dafür nutzt Elegato die seit iOS 11 in HomeKit integrierte Funktion. Diese richtet ihr im Reiter „Automation“ der Apple-Home-App ein. Dort könnt ihr festlegen, dass Eve Thermo den Heizkörper ins Standby schickt, wenn alle Bewohner das Haus verlassen und wieder aufweckt, sobald sich ein Bewohner dem Heim nähert.

Wichtig: Sowohl für das Verlassen als auch das Ankommen ist jeweils eine Regel nötig. Weil ich anfangs versäumt hatte, auch eine Rückkehr-Regel einzurichten, habe ich eine Weile vergeblich darauf gewartet, dass Eve Thermo das Zimmer auf Wohlfühltemperatur heizt.

Die ortsabhängige HomeKit-Steuerung von Eve Thermo funktioniert im Test zwar reibungslos. Doch wie auch bei der Tado-Lösung hat diese Funktion einen prinzipbedingten Haken. Sie kann nämlich nur dann Wirkung zeigen, wenn alle Bewohner ihren Standort über die Cloud freigeben. Sonst sitzen die Daheimgebliebenen im Kalten. Besucher, die nicht Teil des HomeKit-Zuhauses sind, und generell alle Nutzer ohne Apple-Smartphone, lassen die Wirksamkeit dieses Features ebenfalls ins Leere laufen.

Das Elgato-Thermostat in welcher Weise auch immer fernzusteuern ist aber empfehlenswert. Denn die manuelle Bedienung am Regler selbst enttäuscht. Dafür reagieren die Sensortasten einfach zu träge. Weil ihr Druckpunkt zudem sehr schwammig ist, tippe ich häufig versehentlich zu oft darauf und schieße bei der Temperatur übers Ziel hinaus.

Heizen mit System in der Eve-App

Heizpläne unterstützt die Smart-Home-App von Apple noch nicht. Dafür ist eine zusätzliche App nötig. Elgato schickt dafür die umfangreiche Universal-App namens Eve ins Rennen. Sie kommt bei allen Produkten des Herstellers zum Einsatz, zum Beispiel auch beim Eve Button.

In der Eve-App lassen sich für jeden Heizkörper, der mit einem Eve Thermo ausgestattet ist, Ziele für die Wohlfühltemperatur und die Standby-Temperatur festlegen. Zu welchen Zeitpunkten die Heizung laufen soll, könnt ihr für jeden einzelnen Tag bestimmen. Diese Heizphasen verkürzt oder verlängert ihr per Wischgeste.

Eve Thermo Heizpläne
Mit der Eve-App lassen sich Heizphasen und Temperaturziele für jeden Wochentag und jedes Zimmer festlegen. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Sollen Räume an bestimmten Tagen nur auf Standby-Temperatur erwärmt werden, löscht ihr durch längeres Drücken alle Heizphasen. Alternativ könnt ihr freie Tage, Feiertage oder Urlaube in die Apple-Kalender-App eintragen und Eve Zugriff darauf geben. Die Heizplanung mit Eve gelingt im Test auf diese Weise sehr gut.

Weitere Komfortfunktionen: Temperaturabweichung, Displayausrichtung und mehr

Darüber hinaus bietet die App von Elgato weitere Komfortfunktionen, die in Apple Home nicht verfügbar sind. Leider sind sie aufgrund der verschachtelten Menüs nicht leicht zu finden. Das ist wohl der Kompromiss, den eine Multi-Geräte-App erfordert, in der sehr viele Inhalte untergebracht sind.

Sehr hilfreich ist die Möglichkeit, eine Temperaturabweichung zwischen Heizkörper und Raummitte zu definieren. Damit lässt sich das Problem lösen, dass es an anderer Stelle kälter sein kann als direkt am Heizkörper, wo Eve Thermo die Temperatur misst.

Elgato Eve Thermo App Temperaturabweichung
Die Messung der Temperatur am Heizkörper und in der Raummitte lässt sich mit dieser Funktion in der Eve-App in Einklang bringen. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Ein weiteres praktisches Feature bietet der Menüpunkt „Installation“, unter dem ihr die Displayausrichtung des Thermostats um 180 Grad drehen könnt. Das ist dann von Vorteil, wenn sich die Anzeige aus einem bestimmten Blickwinkel nicht einsehen lässt.

Automatisch aktiviert und nicht abschaltbar ist eine Fenstererkennung. Sie soll die Heizung vorübergehend für zehn Minuten abschalten, wenn Eve Thermo einen plötzlichen Temperatursturz feststellt, wie er beim Stoßlüften entsteht.

Im Test überzeugt mich diese Funktion aber nicht, da ich auch bei sehr großen Temperaturunterschieden zwischen Drinnen und Draußen kein erkennbares Pausieren des Heizplans feststellen konnte. Anders als bei Tado gibt das Display von Eve Thermo kein entsprechendes Feedback. Nur sehr tief in der App lässt sich einsehen, ob das Ventil gerade offen oder geschlossen ist. Ein besseres Ergebnis könnte ein dedizierter Kontaktsensor bieten, der direkt am Fenster angebracht ist. Diesen bietet Elgato als „Eve Door & Window“ optional für rund 40 Euro an.

Elgato Eve Thermo Displayanzeige drehen
Lässt sich das Display von einem Blickwinkel aus nicht gut ablesen, kann man die Anzeige via App um 180 Grad drehen. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Test-Fazit: Software zum Wohlfühlen, Hardware zum Frösteln

Das smarte Heizkörperthermostat Eve Thermo in der Generation von 2017 ist für rund 70 Euro eine empfehlenswerte Ergänzung für alle, die ihr Smart Home mit Apple HomeKit managen und außerdem schon stark in das Eve-System investiert sind.

Durch die native HomeKit-Integration ohne Bridge ist die Einrichtung sehr leicht. Dass sich Eve Thermo zusammen mit anderen Elgato-Geräten in der Eve-App organisieren lässt, entschlackt außerdem den iPhone-Homescreen. Heizpläne, Siri-Befehle, Einbindung in Szenen – vieles von dem, was ein smartes Thermostat ausmacht, erfüllt Eve Thermo prima. Die variable Displayausrichtung ist zudem ein praktisches Schmankerl.

Auf Software-Seite fehlt daher nur wenig zur Perfektion. Lediglich die integrierte Fenstererkennung beim Stoßlüften offenbarte im Test nicht ihren Mehrwert. Wünschenswert wäre zudem, dass Elgato die Menüführung der Eve-App aktualisiert. Das Produktportfolio ist jetzt schon so breit, dass es umständlich sein kann, schnell auf alle Funktionen eines einzelnen Produkts wie Eve Thermo zuzugreifen.

Was das Hardware-Design betrifft, wird diese Eve-Thermo-Generation ihrem Premium-Charakter nicht vollständig gerecht. Mit der etwas massigen Formsprache kann vermutlich noch leben, wer keinen grazileren Vergleich kennt. Hingegen die trägen und schwammigen Sensortasten dürften die Nerven jedes Anwenders strapazieren. Dass Eve Thermo zum Glück auch eher auf die smarte Bedienung aus der Ferne ausgelegt ist, kann darüber gerade so hinwegtrösten.

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Images by Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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