Getestet: Teufel Mute BT sorgt für himmlische Ruhe in der U-Bahn-Hölle

Nennt dieses Verhalten asozial, aber wenn ich U-Bahn fahre, will ich meine Ruhe. Kopfhörer mit meiner Lieblingsmusik begleiten mich daher auf Schritt und Tritt. Im besten Fall halten sie dank spezieller Elektronik den Umgebungslärm mit einer sogenannten aktiven Geräuschunterdrückung von meinen Lauschern fern. Das ist bislang ein sehr teures Oberklasse-Feature. Der Bluetooth-Kopfhörer Teufel Mute BT drückt es nun unterhalb der psychologisch wichtigen Grenze von 200 Euro in den Markt. Wie gut das in der Mittelklasse angesiedelte kabellose Modell seinen Job macht, habe ich in der Praxis getestet.

Praxistest des Teufel Mute BT in der U-Bahn. Image by Berti Kolbow-Lehradt
Praxistest des Teufel Mute BT in der U-Bahn. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Geräusche-Abwehr galore

Eigentlich bräuchte der Teufel Mute BT keinen zusätzlichen Abschirmdienst für Geräusche. Die massiven Muscheln aus Hartplastik und Kunstleder umschließen meine Ohren auf regelrecht undurchdringliche Weise. Weder belästige ich meine Mitmenschen mit meiner Musik, selbst wenn ich sie sehr laut stelle. Noch belästigen sie mich mit ihrem Gemurmel, selbst wenn sie laut nerven. Allein die Konstruktion sorgt also für eine respektable Schalldämmung. Die behaglich sitzenden Ohrteile und der drall gepolsterte Bügel tun ihr Übriges, damit ich in meinen Sound eintauchen kann.

Weil Active Noise Cancelling (ANC) aber nun mal so ein klasse Verkaufsargument ist, hat Teufel eben auch auch noch diese Feature hinzugefügt. Dabei sondiert der Kopfhörer mit äußeren Mikrofonen die Umgebungsgeräusche und neutralisiert sie mit Gegenschall derart, dass ich sie nicht mehr wahrnehme. Geräusche-Abwehr galore, sozusagen!

Der Teufel Mute BT sorgt mit Active Noise Cancelling für noch mehr Ruhe. Image by Berti Kolbow-Lehradt
Der Teufel Mute BT sorgt mit Active Noise Cancelling für noch mehr Ruhe. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Aktiviere ich ANC per Schiebeschalter an der linken Ohrmuschel, ist der Unterschied tatsächlich spürbar. Störende Motorengeräusche neben viel befahrenen Straßen und das Hintergrunddröhnen in der U-Bahn klingen schwächer hindurch. Das Stimmengewirr um mich herum wird zu einem erträglichen Gesäusel. Nur Lautsprecheransagen bleiben – wie bei ANC üblich – aus Sicherheitsgründen hörbar.

Die aktive Geräuschunterdrückung beim Teufel Mute BT wirkt. Aber nicht so leistungsstark wie bei teureren Kopfhörern, etwa den als ANC-Referenz geltenden Modellen von Boses QuietComfort-Serie. Als alleiniges Kaufkriterium solltet ihr diese Funktion beim Teufel Mute BT nicht heranziehen. Zum Glück stört sie auch nicht. Anders als bei anderen Modellen, verändert aktiviertes ANC den Klang nicht nennenswert. Hört man genau hin, wird er leicht tiefer, ohne dass er sich dabei negativ verfärbt.

Kein BT-Kopfhörer von Teufel klingt besser

Ob ich ANC nun aktiviere oder nicht – der Teufel Mute BT gibt sich klanglich keine Blöße. Er ist der beste der drei BT-Kopfhörer, die Teufel bisher veröffentlicht hat (zu den Tests von Teufel Airy und Teufel Move BT).

Die Bluetooth-Übertragung erfolgt beim Teufel Mute BT zuverlässig und rauschfrei. Tiefen, Mitten und Höhen bildet er gut differenzierbar sowohl auf niedriger als auch hoher Lautstärke ab. Dabei klingt das Modell in meinen Ohren recht ausgewogen und gar nicht mal so bassbetont, wie ihn Teufel bewirbt. Er dürfte für meinen Geschmack ruhig etwas wärmer und voluminöser aufspielen.

Der Teufel Mute BT performt klanglich insgesamt auf sehr hohem Niveau und kratzt an der Oberklasse. Von Spitzenmodellen trennt ihn die nicht ganz so ausgeprägte feine Detailzeichnung in den Höhen. Dafür kostet er aber deutlich weniger als die Flaggschiffe von Parrot, Sennheiser oder Bose.

Kein Schnick-Schnack

Zum schlank kalkulierten Preis trägt auch die Ausstattung bei. In diesem Punkt setzt Teufel auf solide Hausmannskost ohne Chichi. Bis auf die Metallscharniere kommt Kunststoff zum Einsatz. Die Oberflächen sind makellos verarbeitet und fühlen sich angenehm an. Leider knarzt der Lautsprecher bei Bewegung, was den insgesamt guten Eindruck minimal trübt.

Die physischen Knöpfe sind doppelt belegt - das nervt. Sie könnten auch besser ertastbar sein. Image by Berti Kolbow-Lehradt
Die physischen Knöpfe sind doppelt belegt – das nervt. Sie könnten auch besser ertastbar sein. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Statt einer Touch-Bedienung setzt der Teufel Mute BT auf physische Tasten an der linken Ohrmuschel. Sie reagieren gut, könnten beim Ertasten aber etwas besser unterscheidbar sein. Die Mehrfachbelegung von Lautstärke- und Skipping-Tasten empfinde ich als eine Unart, die Teufel mit einigen anderen Hersteller verbindet. Separate Kommandos für jede Aktion betrachte ich als deutlich bedienfreundlicher.

Auf Schnick-Schnack wie eine Equalizer-App und Sensoren, die Musik bei Nicht-Benutzung automatisch stoppen, verzichtet Teufel zu Recht. Beides halte ich bei den meisten teureren Modellen für überflüssig oder wirkungslos.

Bärenstarker Akku, solide Transporttasche

Stattdessen investiert Teufel in einen überdurchschnittlich leistungsstarken Akku. Bis zu 50 Stunden soll er laut Hersteller im reinen Akku-Betrieb durchspielen. Schaltet man ANC dazu, sollen es bis zu 28 Stunden Spielzeit sein. Im Praxistest kann ich die Ausdauerleistung in dieser Größenordnung bestätigen. So selten musste noch keiner meiner Kopfhörer an die Steckdose. Dass Teufel einen wechselbaren Akku verbaut hat, ist leider noch ohne Wert. Noch ist kein Ersatzakku bestellbar.

Der Akku ist wechselbar. Das bringt aber noch nichts. Ersatzakkus sind noch nicht erhältlich. Image by Berti Kolbow-Lehradt
Der Akku ist wechselbar. Das bringt aber noch nichts. Ersatzakkus sind noch nicht erhältlich. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Bei der Aufbewahrung spart Teufel ebenfalls nicht am falschen Ende. Die Transporttasche ist, wie beim Hersteller üblich, sehr stabil ausgelegt. Weil ich die Ohrmuscheln um 90 Grad drehen kann, lässt sich der Kopfhörer darin sehr kompakt verstauen.

Test-Fazit Teufel Mute BT

Mit dem Teufel Mute BT bleibt der Hersteller seinem Weg treu. Der Kopfhörer kommt mit seiner Klangleistung den Top-Modellen bekannterer Hersteller sehr nahe, ruft aber einen 50 bis 200 Euro niedrigeren Preis auf. Mit einem bequemen, aber optisch schlichten Kunststoffchassis und einem außergewöhnlich starken Akku konzentriert sich Teufel aufs Wesentliche. Eine Equalizer-App und diverse weitere Sensoren, die teurere Premium-Geräte bieten, vermisse ich nicht. Selbst das Haupt-Verkaufsargument, die aktive Geräuschunterdrückung, wäre streng genommen entbehrlich. Der Teufel Mute BT hält auch ohne diese Elektronik den Umgebungslärm gut ab und eignet sich daher in jedem Fall hervorragend als Reisekopfhörer.

Der Teufel Mute BT ist für 199,99 Euro im Web-Shop des Direktversenders erhältlich.


Images by Berti Kolbow-Lehradt


Der Teufel Mute BT ist sehr gut geeignet als Reisekopfhörer. Image by Berti Kolbow-Lehradt
Der Teufel Mute BT ist sehr gut geeignet als Reisekopfhörer. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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