Heavy Metal für iPhone-Fotografen: Objektivvorsätze von ExoLens und Zeiss getestet

Mit dem iPhone zu fotografieren, macht Spaß. Doch manchmal ist die 28-Millimeter-Brennweite der Hauptkamera einfach unpassend. Objektivvorsätze, die die Brennweite verkürzen oder verlängern, verschaffen mehr kreativen Freiraum. Zubehörhersteller Fellowes unter seiner Marke ExoLens und Optik-Spezialist Zeiss haben ein außergewöhnlich hochwertiges und hochpreisiges Vorsatz-Trio auf den Markt gebracht.

exolens-zeiss-applepiloten-komplett
Mit einer passenden Halterung von ExoLens lassen sich (von links) ein Makro-, ein Ultraweitwinkel- und ein Teleobjektiv auf das iPhone schrauben.

Ich konnte das Ultraweitwinkel-, das Tele- und das Makroobjektiv bereits während der Photokina im Kurztest unter die Lupe nehmen. Jetzt standen mir die drei Objektive für einen ausführlichen Praxistest zur Verfügung. Dieser hat den guten Ersteindruck bestätigt. Eingesetzt habe ich die Objektive auf einem iPhone 6. Inzwischen hat der Hersteller auch eine Halterung für das iPhone 7 und iPhone 7 Plus angekündigt. Im Zuge dessen hat er auch den Namenszusatz „Pro“ eingeführt.

Drei Objektive für viele Einsatzzwecke

Bei dem ExoLens Pro Zeiss Mutar 0.6x Asph T handelt es sich um ein Weitwinkelobjektiv mit einer Brennweite von 18 Millimetern, bezogen auf einen sogenannten Vollformatsensor. Es eignet sich für Architektur- und Landschaftsaufnahmen, aber auch für Details. Es bildet nämlich auch Objekte scharf ab, die nur fünf Zentimeter entfernt sind. Das Objektiv kostet 180 Euro ohne Halterung. Als Kit mit Halterung ist es für 250 Euro erhältlich.

exolens-zeiss-applepiloten-beispiel-mutar-ultraweitwinkel
Der Ultraweitwinkelvorsatz eignet sich nicht nur für Architektur und Landschaften, sondern auch, um Details im Kontext zu zeigen.

Weil es die Brennweite der iPhone-Hauptkamera verdoppelt, wird das ExoLens Pro Zeiss Mutar 2.0x Asph T als Teleobjektiv vermarktet. Es sorgt für eine Brennweite von 56 Millimetern, was eigentlich eher im normalen statt im Telebereich liegt. Praktisch ist es etwa bei Porträts, weil es Gesichter nicht verzerrt und keine unansehnlichen Kartoffelnasen produziert (jedenfalls nicht „kartoffelnasiger“, als diese ohnehin schon sein mögen). Der Preis beträgt 220 Euro. Für die Halterung kommen nochmal 65 Euro dazu. Besitzer des iPhone 7 Plus benötigen das Teleobjektiv übrigens nicht. Die zweite Einheit der Dual-Kamera verfügt über die identische Brennweite.

Wenn du die kleinen Dinge des Lebens festhalten möchtest, eignet sich das ExoLens Pro Zeiss Vario-Proxar 40-80 T bestens dafür. Ohne Halterung kostet es 180 Euro. Es ist ein Makro-Zoomobjektiv und sorgt dafür, dass du mit dem iPhone kleine Blüten formatfüllend abbilden kannst. Der Zoom funktioniert allerdings anders, als man es gewohnt ist. Die Entfernung zum Objekt muss der Fotograf selbst durch die Position des iPhones verändern. Das Drehen des Rings verschiebt nämlich die Schärfeebene. Für Objekte in drei bis fünf Zentimetern Entfernung drehen Fotografen den Ring nach rechts. Nach links drehen sie ihn für Objekte, die fünf bis acht Zentimeter weit weg sind.

Makellose Bildqualität

Vor dem ausführlichen Test war ich vor allem auf die Bildqualität gespannt. Auf dem iPhone-Display am Photokina-Stand sahen die Aufnahmen prima aus. Doch wie gut ist der visuelle Eindruck, wenn ich sie auf dem 27 Zoll großen Display des iMac betrachte?

Der Praxistest fällt eindeutig aus: Das Objektiv-Trio bietet eine fantastische Bildqualität. Etwas Besseres habe ich bei Aufsteckobjektiven noch nicht gesehen. Die Linsen von Zeiss und ExoLens bilden knackscharf ab, was nicht selbstverständlich ist. Bei günstigen Modellen habe ich bislang immer einen Schärfeverlust festgestellt. Lilafarbene Farbsäume an harten Kontrastkanten konnte ich keine entdecken. Hingegen bei Objektiven aus dem günstigeren Preissegment habe ich diesen Abbildungsfehler schon oft beobachtet. (Auch Shiftcam und Kamerar können nicht mithalten.)

Beim Ultraweitwinkel ist mir zudem noch positiv aufgefallen, dass es keine Verzeichnungen produziert. Gerade Linien bleiben gerade. Häuser wirken nicht schief oder so als ob sie gleich zusammenstürzen würden.

Wer sich noch nie mit Makrofotografie beschäftigt hat, wird vom Vario-Proxar 40-80 T begeistert sein. Es holt Details näher, die mit dem bloßen Auge kaum oder gar nicht zu erkennen sind. Im Einsatz empfiehlt es sich aber, das iPhone samt Makro-Zoomobjektiv auf einem Stativ zu platzieren. Die Schärfeebene, die das Objektiv erzeugt, ist hauchdünn. Verwackler beim Fotografieren aus der freien Hand können dafür sorgen, dass das Motiv aus der Schärfeebene heraus rückt.

exolens-zeiss-applepiloten-beispiel-mutar-tele
Porträts machen mit dem Teleobjektiv Spaß. Per Unschärfeeffekt lassen sich Motive freistellen, aber nicht so gut, wie bei Kameras mit größeren Sensoren.

Porträts mit dem Mutar-Teleobjektiv aufzunehmen, ist eine Freude. Ich kann ein Gesicht deutlich formatfüllender heranholen. Der Unschärfeeffekt im Hintergrund ist für dieses Motivgenre ebenfalls von Vorteil. Trotzdem solltest du keine zu unruhige Kulisse wählen. So ein schönes Bokeh wie mit einer Kamera mit größerem Sensor gelingt mit dem iPhone einfach nicht.

Heavy Metal

Die Anfassqualität als haptischen Orgasmus zu bezeichnen, würde manche vielleicht übertrieben finden. Ich nicht. Materialwahl und Verarbeitung lassen keinen Zweifel daran, dass ExoLens und Zeiss die Modelle im Premium-Bereich positionieren. Die Oberflächen fühlen sich sich hochwertig an. Die Linsen sind aus optischem Glas, die Objektivgehäuse aus Metall. Kunststoff kommt praktisch gar nicht zum Einsatz. Die ExoLens-Halterung, die passgenau für verschiedene iPhone-Modelle erhältlich ist, besteht aus Aluminium. Sie besitzt einen Gummischlitten, damit bei der Montage nicht das iPhone-Gehäuse verkratzt. Die ExoLens-Halterung gleitet perfekt übers iPhone, die Objektive lassen sich leichtgängig und sauber im Gewinde verschrauben.

exolens-zeiss-applepiloten-beispiel-vario-proxar-makro
Mit dem Makro-Zoomobjektiv gelingen spannende Nahaufnahmen. Die Schärfeebene ist aber so hauchdünn, dass sich der Einsatz eines Smartphone-Stativs empfiehlt.

Die Halterung bietet oben und unten Anschlüsse für eine Videoleuchte und ein Stativ. Wer ein iPhone 7 oder 7 Plus benutzt, profitiert davon, dass die Objektive ebenso wie die Apple-Geräte vor Eindringen von Staub und Spritzwasser geschützt sind.

Die Kehrseite der hochwertigen Verarbeitung: Kompakt und leicht sind die Objektive nicht. Sie stehen weit über das Smartphone hinaus. Angesichts des Eigengewichts sorgen sie auch für eine gewisse Kopflastigkeit. Das besonders schwere Teleobjektiv bringt samt Gegenlichtblende und Halterung 126 Gramm auf die Waage – nur drei Gramm weniger als das iPhone 6 selbst.

Fazit: ExoLens als prima Foto-Ergänzung fürs iPhone

Mit dem Modell-Trio setzen ExoLens und Zeiss ein starkes Zeichen. Aufsteckobjektive fürs iPhone müssen kein Spielkram sein, sondern taugen als hochwertiges Kreativ-Werkzeug. Qualität und Preis spielen in einer eigenen Liga. Apple-Nutzer wissen jedoch, das Gutes eben auch etwas kostet.

Die ExoLens-Produkte mit Zeiss-Optik sind auf der Hersteller-Webseite erhältlich. Dort gibt es auch je eine neue „Bracket“-Halterung für das iPhone 7 und 7 Plus. Sie sind abwärtskompatibel und funktionieren auch für die vorhergehenden beiden iPhone-Generationen. Eine weitere, kompaktere Halterung aus der „Edge“-Linie soll im Januar 2017 erscheinen.


Images by Berti Kolbow-Lehradt


Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

More Posts - Twitter - Facebook