Nice try, Huawei! Warum das MateBook X nicht das bessere MacBook ist

Wenn es um die mobile Arbeit geht, so setzen viele Laptop-Nutzer auf das potente und ultraportable MacBook von Apple. Mit dem Release des ersten eigenen Notebooks MateBook X schickt sich der chinesische Elektronikhersteller Huawei an, den Primus aus dem Silicon Valley anzugreifen und Marktanteile für sich zu beanspruchen. Er ist eigentlich für sehr gute Android-Smartphones wie das Mate 9 oder P10 bekannt. Nun will Huawei auch das Laptop-Geschäft aufmischen. Beim Launch-Event in Berlin hat Huawei Apples MacBook deutlich attackiert und das MateBook X als Alternative angekündigt. Was ist an dieser Kampfansage dran? Ich war vor Ort und konnte mir ein Bild von den Vor- aber auch Nachteilen des neuen Windows-Boliden machen.

Audio, Fingerabdrucksensor und Co: Das kann das MateBook X besser

Zunächst einmal überzeugt das MateBook X bei Formfaktor und Portabilität. Mit 286 mm in der Breite und 211 mm in der Höhe ist es kleiner als ein vergleichbares MacBook. Den 13 Zoll großen IPS-Bildschirm im 3:2-Format umrahmt ein nur 4 mm schmaler Rahmen. Im Vergleich zum 12 Zoll messenden Apple-Produkt ist das MateBook X mit 12,5 mm rund einen halben Zentimeter dünner und mit 1,05 kg rund 300 g leichter.

Außerdem erringt Huawei einen Punktsieg im Bereich Performance. Im MateBook X werkelt mit dem Core i5-7200 ein Intel-Prozessor der siebten Generation. Im MacBook 2016 steckt noch ein Prozessor der sechsten Generation, und dann auch nur als schwächere m3- oder m5-Variante.

Der MateBook-Prozessor taktet bis zu 3,1 GHz und bietet somit genug Power für Fotobearbeitung und Videoschnitt. Zudem sorgen 8 GB Arbeitsspeicher für flüssiges Arbeiten. Vor Überhitzung schützt eine lüfterlose Kühlung. Ebenfalls praktisch: Der integrierte Fingerabdrucksensor beschleunigt den Start- und Anmeldevorgang ungemein, wodurch nerviges Warten entfällt.

Zwar besitzen beide Geräte lediglich einen USB-C-Anschluss. Allerdings legt Huawei eine Docking-Station gratis bei. Sie erweitert die Konnektivität um einen VGA-, HDMI- sowie USB-A-Anschluss. Leider fehlt auch hier ein SD-Karten-Lesegerät.

Ferner bietet das MateBook X für Audio-Fans ein besonderes Schmankerl. Die Lautsprecher geben Sound in Dolby Atmos Qualität wieder. Die physikalischen Möglichkeiten im Hinterkopf, erstaunt die Soundqualität allenthalben.

Ökosystem, Trackpad, Image: Das kann das MacBook besser

Trotz all der Vorzüge dürfte für viele das MacBook auch weiterhin die erste Wahl darstellen. Gründe dafür gibt es einige. Das wohl größte für Kulturschaffende ist das ausgeklügelte Apple-Ökosystem.  Hard- und Software stammt aus eigenem Hause und ist daher bestens aufeinander abgestimmt. Das zieht eine deutlich bessere Update-Möglichkeit nach sich als es Huawei zu tun vermag. Huawei ist auf den Systemlieferanten Microsoft angewiesen.

Ein weiterer Vorteil des Apple-Ökosystems ist die geräteübergreifende Integration. Dank Features wie Handoff oder AirDrop können Apple-Nutzer nahtlos über die Gerätegrenzen hinweg arbeiten. Zwar versucht Huawei per eigenem Manager das Prinzip zu kopieren, allerdings funktioniert das bisher nur rudimentär.

Wer es einmal benutzt hat, möchte es nicht missen: das sehr gelungene Trackpad des Apple-Laptops. Multigesten-Bedienung funktioniert darauf so gut wie nirgendwo anders. Mit Force-Touch ist es noch besser geworden. Dadurch wird der Workflow bei nicht vorhandener Maus spürbar beschleunigt. Die Gestensteuerung ist ausgereift und funktioniert mit einer geringen Fehlerrate. Geräte der letzten Generation besitzen optional eine zusätzliche OLED-Bedienleiste, auf der Zusatzinformationen zu sehen sind. Der Mehrwert der Touch Bar ist allerdings umstritten.

Das Apple MacBook ist in drei verschiedenen Farben erhältlich. Image by Apple

Außerdem schwören Apple-Fans auf das Image des pfiffigen Unternehmens aus Cupertino. In der Geschichte gibt es keinen Hersteller, der die Branche der Elektronikgeräte so nachhaltig geprägt hat. Ob MacBook, iPhone oder iPad – all das waren Produkte, die den Markt auf den Kopf gestellt haben. Auch wenn die Innovationskraft in den letzten Jahren abgenommen hat, so bietet Apple grundsolide Technik mit herausragender Qualität. Den Vorteil des großen Erfahrungsschatzes spielen die Entwickler Jahr für Jahr aus.

Fazit: Huawei holt auf, wird Apple in naher Zukunft aber nicht überholen

Das Huawei MateBook X ist ein großer Wurf für den chinesischen Hersteller Huawei, keine Frage. Das Debüt-Notebook braucht sich aufgrund der Abmaße, der Performance, den cleveren Gimmicks und besonders der Qualität nicht vor den Mitbewerbern aus dem Windows-Segment zu verstecken.

Allerdings etwas übertrieben finde ich die direkte Stänkerei gegen Apple. Denn so herausragend die technischen Spezifikationen auch sind – um den Primus schlagen zu können, benötigt es auch (sehr) gute Software. Daher werden MacBook-Nutzer sicherlich in ihrem Ökosystem bleiben. Des Weiteren bietet der Markt für Windows-Freunde eine große Auswahl mit allerhand Alternativen, zum Beispiel in Form der Surface-Geräte. An der Vormachtstellung Apples dürfte auch nicht ändern, dass das MateBook X in der i5-Variante zu einem Preis von 1.399 Euro genau 400 Euro günstiger ist als ein vergleichbares MacBook – für ein Windows-Gerät trotzdem eine Menge Geld.

Huawei reiht sich damit neben Porsche Design und Samsung ein. Auch diese Unternehmen wollten zuletzt eine Alternative zu erfolgreichen Apple-Geräten präsentieren, kommen aus unserer Sicht aber nicht an die Vorbilder heran.


Images by Jonas Haller & Apple


Jonas Haller

Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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