Huawei MateBook X im Test: Das MacBook für Windows-Fans

Das MacBook gilt für Apple-Nutzer als das Nonplusultra in Sachen portabler Computertechnik. Das liegt zum einen an der Software, zum anderen aber auch am schnörkellosen Design und der hochwertigen Verarbeitung. Gerade in Sachen Formfaktor will nun der aufstrebende chinesische Hardware-Hersteller Huawei eingreifen und Käufer abspenstig machen. Doch kann das auch gelingen? Ich habe das Windows-Schmuckstück Huawei MateBook X in den vergangenen Wochen getestet.

Design-Meisterstück auf Apple-Niveau

Bereits bei der offiziellen Präsentation in Berlin vor einigen Monaten waren sich Journalisten, Blogger und geladene Gäste einig: Das Huawei MateBook X ist eine echte Augenweide und kann es äußerlich ohne weiteres mit den Lifestyle-Geräten aus Cupertino aufnehmen. Und das selbst im Vorserien-Status. Jetzt, da ich das Laptop als Serienmodell intensiver nutzen konnte, bin ich so richtig begeistert. Mit Abmaßen von 286 x 211 x 12,5 Millimeter ist das Notebook mit 13,3-Zoll-Display so groß wie ein DIN A4 Blatt und damit angenehm kompakt. Dank eines Gewichts von etwas über einem Kilogramm eignet es sich perfekt für unterwegs.

Huawei MateBook X
Das Design des Alu-Gehäuses ist schnörkellos. Image by Jonas Haller

Wer das hochwertige Aluminium-Gehäuse des MacBook gewohnt ist, braucht beim Huawei MateBook X keinerlei Abstriche zu machen. Das chinesische Pendant besteht ebenfalls komplett aus Alu und besitzt eine sehr gute Haptik. So werden die Kanten per Fräsverfahren mit einer Fase versehen. Scharfe Ecken sucht man vergebens. Tastatur und Touchpad sind perfekt eingepasst, nichts wackelt und knarzt. Auch das Scharnier, das Tastatur und Bildschirm verbindet, ist robust verarbeitet. Das Display lässt sich mit etwas Kraftaufwand perfekt justieren. Dieser Widerstand verhindert das Wippen auf holprigen Bahnfahrten.

Paradedisziplin Display

Quasi aus dem Stand schafft Huawei ein beeindruckendes Display-Erlebnis. Nur rund 5 Millimeter beträgt der Rand rechts und links des Panels. Ein echter Bestwert. Mit 2.160 x 1.440 Pixel ist nicht nur die Auflösung des 13,3 Zoll großen IPS-LCD-Panels erfreulich hoch. Auch in Sachen Helligkeit und Blickwinkelstabilität macht der chinesische Hersteller vieles richtig. Je nach Bildschirminhalt wird die Leuchtintensität variiert. Das sorgt für eine gute Lesbarkeit, aber auch für etwas Unruhe – etwa beim Surfen.

Huawei MateBook X
Mit rund fünf Millimetern ist der Rand des Displays überraschend schmal. Image by Jonas Haller

Natürlich kann die Helligkeit des LCD-Panels auch manuell eingestellt werden. Die Abstufung ist fein und somit sehr gut regelbar. Für meinen Geschmack ist das Maximum allerdings recht dürftig. Aufgrund des stark spiegelnden Displayglases sind Inhalte bei direkter Sonneneinstrahlung kaum lesbar. Für den Outdoor-Einsatz ist das Huawei MateBook X denkbar ungeeignet.

Dolby Atmos bietet keine überzeugende Atmosphäre

Ein Feature, auf das der Hersteller beim Huawei MateBook X besonders stolz ist, ist der Dolby-Atmos-Sound. Er kommt erstmals in einem Laptop zum Einsatz. Die Lautsprecher oberhalb der Tastatur sollen also für ausgewogenen, atmosphärischen Klang sorgen. Im Praxistest war ich sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite stellt sich ein beeindruckender 3D-Effekt ein, den ich so bei einem Mobilgerät noch nicht erlebt habe. Auch die maximale Lautstärke ist umwerfend. Doch bewege ich den Kopf leicht, verändert sich auch das Klangbild. Das heißt auch, dass nur im exakten Winkel das optimale Hörerlebnis empfinde. Dieser „Sweet Spot“ ist aber leider sehr klein.

Huawei MateBook X
Erstmals erschallt Dolby Atmos Sound aus Notebook-Lautsprechern. Image by Jonas Haller

Negativ finde ich die starke Präsenz der Höhen. Mitten werden zwar ausgegeben, sind mir persönlich allerdings zu schwach. Von den tiefen Frequenzen brauchen wir gar nicht zu sprechen. Wer mehr herausholen will greift auf den vorinstallierten Dolby-Equalizer zurück. Mit etwas Sachverstand lässt damit der Sound noch etwas aufpolieren. Das Niveau etwa des iPad Pro 10.5 erreicht das Huawei Matebook X dennoch nicht. Zudem gab es bei der Audiowiedergabe hin und wieder Knarzgeräusche, die sich erst durch einen Programmneustart abstellen ließen.

Perfekt fürs Office, weniger für Filmemacher und Gamer

Wer das aktuelle Notebook-Flaggschiff aus dem Hause Huawei für seine Office-Aufgaben nutzen will, wird vom MateBook X nicht enttäuscht werden. Dank Intel i5 U-Prozessor, 8 GB Arbeitsspeicher und 256 GB internem SSD-Speicher ist das Gerät für alltägliche Aufgaben bestens gewappnet. Der komplette Windows-Startvorgang inklusive Anmeldung gelingt dank integriertem Fingerabdrucksensor innerhalb von 10 Sekunden. Anschließend lässt sich mit dem Boliden schnell zwischen Anwendungen wechseln.

Huawei MateBook X
Dank Powerbutton mit Fingerabdrucksensor ist das Huawei MateBook X schnell gestartet. Image by Jonas Haller

Entgegen der Erwartungen eignet sich das Huawei MateBook X allerdings nicht für ressourcenintensive Anwendungen. Das wird unter anderem bei Bewegtbildbearbeitung oder auch beim Spielen sichtbar. Das bereits in die Jahre gekommene F1 2015 etwa läuft selbst in einfacher HD-Auflösung nur in der niedrigsten Grafikeinstellung flüssig. Die subjektiven Eindrücke verstärken sich auch beim 3D Mark Skydiver Benchmarktest, der sich besonders für Mittelklassegeräte eignet. Dort erreicht die flache Flunder auch aufgrund der integrierten Grafiklösung lediglich 3941 Punkte. Das sind im Mittel magere 15 Bilder pro Sekunde.

Wer sich also in der Multimedia-Branche bewegt und öfters ressourcenlastige Aufgaben ausführen muss, ist beim MateBook X an der falschen Adresse. Hinzu kommt die starke Wärmeentwicklung bei Auslastung. Zwar soll eine Heatpipe aus der Raumfahrttechnik Hitzestau verhindern, allerdings kommt diese scheinbar schnell an ihre Grenzen. Nach einigen YouTube-Videos erwärmt sich die Geräteunterseite auf dem Schoß spürbar. Dann verringert sich auch die Akkulaufzeit beträchtlich. Während im Sparbetrieb mit einfachen Office-Anwendungen rund sieben Stunden möglich sind, reduziert sich die Laufzeit bei Auslastung auf zwei bis drei Stunden.

MateDock bringt zusätzliche Konnektivität

Was die Konnektivität betrifft, hat sich Huawei das Schlechte an den jüngsten Versionen des MacBook Pro abgeschaut. Von Haus aus besitzt das Huawei MateBook X lediglich zwei USB-C Anschlüsse. Über die linke Buchse erhält das Notebook Strom per mitgeliefertem Netzteil. Das 36-Watt-Modul lädt den Energiespender in etwa zwei Stunden wieder vollständig auf. Die zweite Buchse auf der rechten Geräteseite ist dem mitgelieferten MateDock vorbehalten. Es erweitert die Konnektivität erheblich. Für externe Geräte steht etwa ein USB-A sowie USB-C Anschluss zur Verfügung. Ein digitaler HDMI- und analoger VGA-Anschluss bringt Anschlussmöglichkeiten für Projektor oder externe Monitore.

Huawei MateBook X
Das MateDock erweitert die Konnektivität des Huawei MateBook X. Image by Jonas Haller

Fazit: Das Huawei MateBook X ist das perfekte Office-Gerät für unterwegs

Mit dem MateBook X wagt sich Huawei erstmals in das Segment der kompakten Premium-Notebooks und bläst direkt zum Angriff auf das Apple MacBook. In einigen Bereichen kann das Erstlingswerk des chinesischen Herstellers spannenderweise mithalten. Das sind unter anderem die Design, Materialwahl und Verarbeitungsqualität. Hinzu kommt die fantastisch perfekte Integration des hochauflösenden Displays mit etwas unter 5 Millimeter Rahmen. Ein Pluspunkt ist zudem das beigelegte MateDock, das beim Macbook von Fremdherstellern oder von Apple in Form diverser Adapter dazu gekauft werden muss.

Allerdings muss sich Huawei auch Kritik gefallen lassen. So ist der verbaute i5-Ultrabook-Prozessor für ressourcenlastige Aufgaben einfach unterdimensioniert. Der stärkere i7-Chip sowie der größere 512 GB SSD-Speicher wird dem deutschen Markt leider vorenthalten bleiben. Der kompakten Bauweise muss in Form einer starken Wärmeentwicklung Tribut gezollt werden. Schnell taktet dann der Intel-Prozessor herunter.

Wer daher auf der Suche nach einem adäquaten Windows-Ersatz zum Apple MacBook ist und in Sachen Performance keine großen Ansprüche stellt, der sollte unbedingt einen Blick auf das schicke Pendant aus dem Hause Huawei werfen. Leider müssen deutsche Kunden jedoch auf die farbliche Vielfalt verzichten. Denn hierzulande ist das Gerät nur in Grau erhältlich. Mit etwas über 1.300 Euro bewegt sich der Preis immerhin auf marktüblichen Niveau. Beispielsweise im Vergleich zum ähnlich teuren Samsung Galaxy Book bietet es deutlich mehr.


Images by Jonas Haller


Jonas Haller

Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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  • sgo

    Da wäre es ja immer noch besser, sich ein Macbook oder Macbook Pro zu kaufen und Windows zu installieren… Starten ab 1499€ (MB 256GB, MBP 128GB) direkt bei Apple, andere Anbieter haben sie bestimmt günstiger… Da sind dann auch fast alle obigen Kritikpunkte (Sound, schwacher Prozessor, Displayhelligkeit und -unruhe) behoben und die Verarbeitungsqualität, Touchpadqualität, … ist auch gleich nochmal besser.

    Warum also zum fast gleichen Preis beim frech kopierenden China-Hersteller kaufen?

    Und warum werden Apple Produkte als „Lifestyle Produkte“ beschrieben? Ich hab damals gewechselt, weil vergleichbar gespecte Geräte mit Windows teurer wahren. Und nicht nur das, mit Windows Laptops hatte ich nach spätestens 2 Jahren immer Probleme mit dem Akku oder der Leistung oder beidem und noch mehr. Auch mit diversen Linux Distros drauf. Macbooks sind keine Lifestyle Geräte, sondern Arbeitsgeräte. Und dazu noch ziemlich gute. Wer unter dem Namen „Applepiloten“ bloggt, sollte auch dazu stehen und keine billigen Entschuldigungen für den Preis o.ä. machen. Man bekommt eben, was man bezahlt. Das hat mit Lifestyle nichts zu tun. Beim iPhone ist das ähnlich. Ob man da wirklich alle Features braucht, ist natürlich fraglich.

  • Danke für den Kommentar und deine Meinung! Ja klar ist das MacBook für Applenutzer die bessere Alternative. Wobei das MacBook auch keinen besseren Prozessor besitzt (kleine Variante Intel m3, große Variante identischer i5 U) und auch keinen besseren Sound.

    Zum Thema Lifestyle: Natürlich haben die Apple-Geräte ihre Berechtigung, vor allem für Medienschaffende. Das Wort Lifestyle ist da vielleicht auch das falsche Wort. Aber schau dich mal in den Natur- und Ingenieurswissenschaften um. Da kommen die Apple-Laptops kaum zum Einsatz – auch weil ein Großteil der Software nur auf Windows-Geräten läuft.

  • Danke für den Kommentar und deine Meinung! Ja klar ist das MacBook für Applenutzer die bessere Alternative. Wobei das MacBook auch keinen besseren Prozessor besitzt (kleine Variante Intel m3, große Variante identischer i5 U) und auch keinen besseren Sound.

    Zum Thema Lifestyle: Natürlich haben die Apple-Geräte ihre Berechtigung, vor allem für Medienschaffende. Das Wort Lifestyle ist da vielleicht auch das falsche Wort. Aber schau dich mal in den Natur- und Ingenieurswissenschaften um. Da kommen die Apple-Laptops kaum zum Einsatz – auch weil ein Großteil der Software nur auf Windows-Geräten läuft.