Fossil Q Accomplice im Test: Schicke Smartwatch für Smartwatch-Verweigerer

Bereits im vergangenen Jahr hat mir eine Hybrid-Smartwatch aus der Q-Serie von Fossil so gut gefallen, dass ich meine Apple Watch Series 1 verkauft habe. Als sogenannte hybride Uhren kombinieren diese Modelle ein echtes Ziffernblatt und physische Zeiger mit der Möglichkeit, Informationen vom Smartphone darzustellen. Weil sie kein mobiles Betriebssystem oder Apps nutzen, stellt sich auch die Frage der Rechengeschwindigkeit nicht. Nervige Ruckler wie bei watchOS 3 auf der ersten Apple Watch können mit einer Hybrid-Uhr nicht passieren. Außerdem ist das Design hybrider Uhren nicht so auffällig und computerhaft wie bei regulären Smartwatches. Nun habe ich das neueste Modell dieser Serie, die Fossil Q Accomplice, in Verbindung mit meinem iPhone getestet und verrate euch, was der Hersteller bei der neuen Uhren-Generation noch besser gemacht hat.

Fossil Q Accomplice: Smarter Hybrid

Die Hybriden des texanischen Uhrenherstellers Fossil haben mich bereits 2016 sehr beeindruckt. Die Fossil Q Taylor war makellos verarbeitet und hat technisch einwandfrei funktioniert. Einzig die klobige Aufmachung der Uhr hat mich etwas gestört, da ich in Sachen Schmuck eher auf filigrane, unauffällige Stücke stehe. Während der IFA 2017 in Berlin konnte ich erste Blicke auf die neue Hybrid-Kollektion von Fossil werfen und war begeistert vom neuen, schlankeren Design der aktuellen Hybrid-Kollektion. Die Fossil Q Accomplice hat es mir dabei besonders angetan.

Die Fossil Q Accomplice ist auf den ersten Blick überhaupt nicht als Hybrid-Smartwatch zu enttarnen. Aufgrund ihrer asymmetrischen Form wirkt sie deutlich filigraner, als sie in Wirklichkeit ist. Denn weil im Gehäuse unter dem Zifferblatt weiterhin auch etwas digitale Technik stecken muss, ist es etwas dicker als bei herkömmlichen Uhren. Trotzdem genügt für die Stromversorgung eine Knopfzelle, die laut Fossil rund sechs Monate hält. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Knopfzelle meiner Q Taylor nun bereits seit zehn Monaten ihre Dienste tut und immer noch mit meinem Smartphone verbunden ist. Da euch der Ladestand der Hybrid-Uhr auf dem iPhone angezeigt wird, wisst ihr immer ganz genau, wann es mit der Batterie zu Ende geht.

Schmuckstück mit Strass

Das Design ist sehr markant und ein echter Hingucker. Das Metallgehäuse der Fossil Q Accomplice kommt in einem Roségold daher, das, anders als Apples Interpretation dieser Farbe, mehr ins Kupfer und nicht ins Pink geht. Am rechten seitlichen Rand der Uhr befinden sich eine Krone und zwei Taster, die ebenfalls in Roségold gehalten sind. Der Wechsel zwischen glänzenden und polierten Flächen am Gehäuse macht die Fossil Q Accomplice zu einem Schmuckstück, das ausgiebig entdeckt werden will. Etwa 90 Strass-Steine zieren die innere, unbewegliche Lünette der Hybrid-Watch.

Das Uhrband ist, anders als bei meiner Q Taylor, ebenfalls aus Edelstahl gefertigt. Designtechnisch wurde am Band ebenfalls mit matten und glänzenden Polierungen gearbeitet. Das Lederband des Vorjahresmodells passt leider nicht auf die neue Uhr, obwohl sich die Bänder der beiden Uhren problemlos vom Body lösen ließen. Um das Band der Q Accomplice zu wechseln, ist ein 16 Millimeter breites Band notwendig. Fossil verkauft weitere Bänder in seinem Online-Shop.

Kochrezepte ausprobieren statt Fitness-Ziele erreichen

Das Ziffernblatt der Fossil Q Accomplice zeigt euch wie beim Vorgänger sechs Haupt-Ziffern (12, 2, 4, 6, 8, 10) und sechs Linien für die dazwischenliegenden Ziffern an. Der feine Unterschied zur Q Taylor: beim neuen Modell sind auch die Ziffern modelliert und liegen auf dem Ziffernblatt auf, anstatt aufgedruckt zu sein. Auf der linken Seite befindet sich außerdem der erste smarte Teil der Hybrid-Uhr in Form einer separaten Anzeige. Die Anzeige visualisiert Schritte und Fitnessziele, die zuvor in der App eingestellt werden.

Innerhalb der unbeweglichen Lünette, am äußersten Rand des Zifferblatts, befindet sich außerdem die kreisrunde Anzeige für das Datum. Diese Anzeige lässt sich ebenfalls nur über den smarten Part der Uhr ansteuern. Im mittleren Halbkreis werden die Ziffern null bis 100 angezeigt, die den prozentualen Anteil eurer geleisteten Schritte oder anderer Ziele anzeigen. Mit der Fossil Q App könnt ihr selbst entscheiden, welche Ziele visualisiert werden. Neben euren Schritten trackt die Uhr auch euren Schlaf. Beides wird mit Apple Health abgeglichen, wenn ihr wollt. Sportarten kann sie nicht unterscheiden.

Stattdessen hat sich Fossil ein charmantes Ziele-System ausgedacht, bei dem ihr statt Fitness-Aktivitäten Lifestyle-Ziele eingeben könnt. Voreingestellt ist hier beispielsweise das Kochen neuer Rezepte, Tragen heller Kleidung oder Begrüßen einer fremden Person. Mit einem Druck auf den eingestellten Taster könnt ihr der Uhr signalisieren, dass ihr ein solches Ziel erfüllt habt. Ihr könnt auch über Texteingabe eigene Lifestyle-Ziele definieren.

Die Zeiger drehen durch: Tasten selbst konfigurieren

Neben erreichten Zielen anzeigen zu lassen, beherrscht die Fossil Q Accomplice noch einige weitere smarte Funktionen. So könnt alle drei Tasten der Fossil Q Accomplice beliebig mit folgenden Aktionen belegen:

  • Steuerung von Musik (Zweimal drücken: Lied vor, Gedrückthalten: Lied zurück, Kurz drücken: Musik starten / anhalten)
  • Musik lauter, Musik leiser
  • Smartphone suchen (einmal drücken: Klingelton auf Handy ertönt, noch mal drücken: Ton erlischt)
  • Zweite Zeitzone anzeigen (Auf dem Ziffernblatt ändern sich die Zeiger)
  • Datum (Äußerer Anzeigenring)
  • Benachrichtigung (Kann konfiguriert werden)
  • Schrittzähler (Innerer Ring)
  • Foto-Auslöser (Foto-App auf dem iPhone muss aktiv sein)
Fossil Q Accomplice
Screenshot by Julia Froolyks

Je nachdem, welche Funktion ihr auf die Taster legt, verändern sich die Zeiger der Fossil Q Accomplice, da es ja keine digitale Anzeige gibt. Ein Beispiel: Eine WhatsApp-Nachricht meiner Mutter wird mir im Alltag per Vibration und im Ziffernblatt auf der Ziffer „3“ angezeigt. Alle Zeiger bewegen sich also kurz nach der Vibration auf die drei. Ihr könnt mit ein bisschen Übung in der App viele weitere Neuigkeiten-Regeln einstellen. Zum Beispiel, dass eine Nachricht eurer Oma als E-Mail mit der Ziffer 7 angezeigt wird.

Das Anzeigen-Management auf der Fossil Q Accomplice klingt wegen der analogen Umsetzung zunächst wirklich kompliziert. Aber diese Vorgehensweise hat auch etwas angenehm Entschleunigendes. Ich finde, dass wir zu sehr an digitale Anzeigen gewohnt sind. Benachrichtigungen von einer Hybrid-Smartwatch haben beinahe schon etwas sehr Intimes, Geheimnisvolles, weil nur der Träger der Uhr weiß, wofür die unterschiedlichen Zeigerstände stehen.

Test-Fazit Fossil Q Accomplice

Die neue Fossil Q Accomplice hat mich durch ihre schlankere Aufmachung sehr überzeugt. Während ihr Vorgänger noch sehr massig daherkam, liegt die roségoldene Uhr unauffällig auf meinem Handgelenk und zeigt mir mit angenehmer Vibration meine konfigurierten Benachrichtigungen an. Toll finde ich, dass mittlerweile meine Musik mit der Uhr gesteuert werden kann. Ich höre beinahe täglich Musik über mein iPhone und mag die Möglichkeit, das Handy in der Tasche zu lassen und stattdessen direkt am Handgelenk die Lautstärke anzupassen oder Lieder zu skippen.

Zu einem Preis von knapp 200 Euro bietet Fossil ein schönes Schmuckstück, das seine Digitalisierung völlig inkognito ausleben kann – und mir dadurch nur so viele Benachrichtigungen meines Smartphones ans Handgelenk gibt, wie ich wirklich will und brauche. Hybrid-Smartwatches sind vor allem für Menschen bestimmt, die eher unentschlossen sind, ob sie eine Smartwatch wirklich brauchen. Die Q Accomplice ist ein Eye-Catcher und gleichzeitig ein digitaler Geheimniskrämer, der nur seinen Besitzer die Zeigerstellung entschlüsseln lässt.


Images by Julia Froolyks


Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet. Neben neuen Gadgets testet sie gerne Smartwatches und Kopfhörer.

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