Intergalaktisches Duell: So gut ist das Samsung Galaxy S8 im Vergleich zum iPhone 7

Das frisch vorgestellte Samsung Galaxy S8 setzt neue Maßstäbe in der Android-Welt. Ihm gegenüber steht mit dem Apple iPhone 7 ein Gerät, das für viele das Nonplusultra-Smartphone überhaupt ist. Doch ist das auch zurecht? Ein Wettbewerb auf hohem Niveau.

Die Spannung war groß, als Samsung vergangene Woche seine neuen Flagschiff-Smartphones vorstellte. Zum einen stand das Unternehmen nach der Akku-Misere des Galaxy Note 7 enorm unter Zugzwang. Zum anderen war ich neugierig, mit welchen neuen Features der Marktführer des Android-Kosmos in den Ring steigen würde.

Interessant war auch die Frage, wie das Galaxy S8 und das S8 Plus (hier zum Kurztest bei den Androidpiloten) im Vergleich zum iPhone 7 und 7 Plus abschneiden. Was unterscheidet die Geräte? Welche der beiden Firmen hat das überzeugendere Gesamtkonzept und wo geht die Reise hin? Nun ist das Geheimnis gelüftet. Ich konnte beide neuen Android-Geräte zumindest schonmal für zwei Stunden in der Hand halten und mit meinem iPhone 7 vergleichen.

Galaxy S8 Plus ist handlicher als das iPhone 7 Plus

Sowohl das Galaxy S8 als auch das iPhone 7 sind definitiv zwei der am hochwertigsten verarbeiteten Geräte auf dem Markt. Im direkten Vergleich macht das Galaxy S8 fast noch einen besseren Eindruck. Denn das randlose und sehr sauber abgerundete Display lässt das Gerät ein wenig futuristisch wirken. Die Haptik und Verarbeitung sind bei beiden Konkurrenten makellos.

Was bei den beiden S8-Modellen direkt auffällt, ist das Seitenverhältnis des Displays von 18,5:9 gegenüber dem Standard 16:9. Das macht das S8 extrem hoch, lässt das Gerät aber trotz der Displayspanne von 5,8 Zoll beim S8 und 6,2 Zoll beim S8 Plus nicht sperrig aussehen. Sogar das Display des „kleineren“ S8 ist schon größer als das Display des iPhone 7 Plus. Trotzdem liegt auch das S8 Plus noch extrem gut in der Hand, während ich persönlich das iPhone 7 Plus schon zu unhandlich finde (zum ausführlichen Test des iPhone 7 Plus).

Galaxy S8
Image by Samsung

Bixby könnte mächtiger als Siri sein

Samsung hat sich mit Bixby nun auch in die Phalanx der Sprachassistenten eingereiht. Das Konzept ist alles andere als neu. Wie viel Mehrwert bringt die Funktion?

Bixby soll intelligent sein. Das sagen zwar alle, Samsung bringt aber ein paar Beispiele: So ist der Assistent dafür optimiert, Fotos von Objekten auszuwerten. So soll Bixby beispielsweise ein Gebäude vor meiner Nase anhand des Fotos erkennen können. Oder mir passende Angebote in meiner Umgebung zeigen, wenn ich ihm ein Fahrrad zeige.

Innovativ soll auch der fließende Übergang zwischen Sprache und Haptik sein, etwa wenn ich ein Bild zuschneiden und verschicken will. Der Befehl und das Verschicken läuft dann per Sprache, das Zuschneiden selbst aber mit den Fingern, weil es schneller und intuitiver funktioniert.

Leider stand mir Bixby beim Test noch nicht zur Verfügung, weswegen diese Entscheidung vertagt werden muss. Etwas unverständlich ist die Tatsache, dass Bixby erst zum Jahresende auf deutsch nachgerüstet wird.

Spannend bleibt, wie gut Samsung seinen Assistenten ins eigene Ökosystem eingebunden hat und wie intelligent er tatsächlich ist. Samsung hat Bixby extra einen eigenen physischen Button verpasst – es wird sich zeigen, ob sich das gelohnt hat.

Siri hingegen ist längst etabliert und hat ein klares und breites Funktionsspektrum. Bislang fehlt es aber an wirklich intelligenten Features, die über das bloße Aufrufen von Funktionen und Apps hinausgehen. Bixby könnte dort etwas Land gutmachen, wird aber viel dafür aber viel beweisen müssen.

Auge um Auge: Sicherheit und Kamera-Features

Neu beim S8 und S8 Plus sind zwei neue Sicherheits-Features: Eine Gesichtserkennung und ein Iris-Scanner. Während erstere beim Vorseriengerät noch mit einem Foto ausgetrickst werden konnte, soll der Iris-Scanner deutlich sicherer als ein Fingerabdrucksensor sein. Beides funktionierte beim ersten Test schon ganz gut, muss sich beim ausführlicheren Review aber ebenfalls noch härteren Bedingungen stellen.

Was bei Samsung nach wie vor fehlt, ist die zweite vollwertige Kamera, wie sie das iPhone 7 Plus bietet. Die Dual-Kamera ermöglicht einen verlustfreien optischen Zoom. Das ist für mich persönlich ein echter Mehrwert, der das iPhone 7 Plus auch für professionelle Anwender sehr interessant macht.

iPhone 7 Plus mit Dual-Kamera
Die Dual-Kamera im iPhone 7 Plus verspricht echten Mehrwert für Mobilfotografen. Image by Apple

Der Grund: Das Standardobjektiv aller aktuellen Smartphones ist sehr weitwinklig. Das ist für Schnappschüsse und Landschaftsaufnahmen gut. Insbesondere Gesichter werden aber etwas unschön verzerrt. Mit der „näheren“ Brennweite der zweiten Linse des iPhone 7 Plus sind schicke Porträt-Aufnahmen mit einer schönen Unschärfe im Hintergrund möglich. Das geht beim S8 und S8 Plus nur mit externen Objektiven.

Wetterschutz: Das S8 macht das iPhone 7 Plus nass

Bei vielen anderen Aspekten sind sich die Geräte ziemlich ähnlich. Interessant ist vielleicht der Schutz gegen Wasser: Das mit IP67 zertifizierte iPhone 7 wirbt zwar damit, wasserdicht zu sein, jegliche Flüssigkeitsschäden sind jedoch von der Garantie ausgenommen. Das Galaxy S8 ist mit IP68 zertifiziert, was bedeutet, dass es bis 30 Minuten in 1,5 Metern Wassertiefe überlebt. Allerdings gilt das auch nur für klares Süßwasser – alle anderen Flüssigkeiten sind nicht gedeckt.

Das Ökosystem macht den Unterschied

Werden Apple-User nach ihrem Grund für ihre Entscheidung gefragt, ist es oft die nahtlose Anbindung der verschiedenen Geräte des Herstellers. Alles arbeitet alles vom Laptop bis zur Uhr perfekt zusammen, was einige Dinge extrem bequem macht. Ich etwa besitze ein MacBook Pro, ein iPad und ein iPhone. Dank iCloud muss ich nie darüber nachdenken, wie ich meine Fotos von A nach B bekomme. Wenn ich wollte, könnte ich diesen Artikel von jedem Ort mit jedem Gerät weiterschreiben und muss mir kaum Gedanken über das letzte Backup machen. Samsung macht mit der Samsung Cloud gerade einen Vorstoß in Richtung eigenes Ökosystem. Aber den Entwicklungsorsprung von Apple müssen die Koreaner erstmal aufholen.

iMovie
Apple bietet bereits ein ausgewachsenes Ökosystem über diverse Gerätekategorien hinweg. Image by Apple

Samsung geht dabei einen etwas anderen Weg. Anders als Apple baut der Hersteller keine Laptops, dafür aber beispielsweise Haushaltsgeräte und eine VR-Brille. Gerade VR ist ein Thema, das es auf dem iPhone fast gar nicht gibt. Die Gear VR von Samsung hingegen ist perfekt auf das riesige Display des Galaxy S8 angepasst und liefert gemeinsam mit dem Controller ein beeindruckend immersives VR-Erlebnis.

Was beide Hersteller gemeinsam haben, ist die ausschließliche Kompatibilität im eigenen Universum. Bei Apple ist das unter anderem der Lightning-Anschluss, bei Samsung ist es neben der Brille auch die News-App upday, die es ausschließlich für Samsung-Geräte gibt. Bedenkt man, dass Samsungs eigene Großgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen in den Häusern der User stehen und voll integriert werden können, könnte ein solches Setup in Zukunft ein neues Alleinstellungsmerkmal sein.

New Work: Mit dem S8 wie am Desktop arbeiten

Schon Realität ist die Docking-Station Samsung DeX, die ein Galaxy S8 zusammen mit jeden freistehenden Bildschirm zum (fast) vollwertigen Arbeitsplatz macht. Die Lösung ist noch ausbaufähig: Bislang fehlen viele Funktionen für anspruchsvolle Anwender. Aber die steigende Leistungsfähigkeit der Smartphones eröffnet eine extrem spannende neue Möglichkeit für Arbeitsnormaden.

Auch diese Idee ist nicht neu. Microsoft bietet eine solche Lösung bereits für Windows-Smartphones an. Samsung dürfte wegen seiner höheren Verbreitung aber mit DeX die praxistauglichere Lösung schaffen. Apple hat dergleichen gar nicht im Programm.

Fazit: Samsung mit Nasenspitzen-Vorsprung

Insgesamt habt ihr zwei beziehungsweise vier Geräte zur Verfügung, die meiner Meinung nach gleichwertig sind. Egal ob ihr euch für Samsung oder Apple entscheidet, beide Hersteller haben ein hochwertiges und überzeugendes Portfolio an Produkten am Start. Die Entscheidung wird vor allem davon abhängen, in welchem Ökosystem ihr lieber unterwegs seid und welches Features ihr wirklich braucht. Beide Geräte haben Stärken und Schwächen. In jedem Fall können wir gespannt sein, was sich Apple für das iPhone 8 (oder 7S oder wie auch immer es heißen mag) ausdenkt. Zum jetzigen Zeitpunkt hat Samsung meiner Meinung nach ganz leicht die Nase vorn, wenn es um Design und Innovation geht.


Images by Apple, Samsung, Anton Knoblach


Anton Knoblach

ist freier Producer und Colorist in Berlin und Mitgründer der Werbefilmproduktionsfirma unfourseen. Zu einem gelungenen Tag gehören für ihn Musik, gutes Essen und viel Abwechslung. Anton liebt Struktur, schnelle Technik und starke Bilder.

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