iPhone 8 Plus Splitgate: Wiederholt sich das Note-7-Debakel?

Seit Ende September erlebt die Technikwelt ein Déjà-Vu, das bei Apple wohl alle Alarmglocken läuten lässt. Mehrere Berichte über aufgeblähte iPhone-8-Plus-Geräte machen im Netz die Runde. In sozialen Netzwerken liest man immer mehr über den sogenannten iPhone 8 Plus Splitgate. Nach Angaben der betroffenen iPhone-Besitzer seien die Geräte entweder schon bei Lieferung beschädigt gewesen oder hätten sich während des Aufladens verformt. Apple hat bereits interne Ermittlungen eingeleitet. Unser Testexemplar des iPhone 8 Plus verhielt sich unauffällig.

Schadenfrohen Samsung-Nutzern dürften die Apple-Schlagzeilen dieser Tage ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben. Der Samsung-Konkurrent aus Cupertino hat offensichtlich mit Akku-Problemen in seinen nagelneuen iPhone-8-Plus-Modellen zu kämpfen. Eine Käuferin des iPhone 8 Plus aus Taiwan berichtete zuerst von einem aufgeblähten iPhone. Demnach habe sich das Gerät während des Aufladens an einem Original-Netzteil verformt. Das Display sei daraufhin aus seiner Verankerung gesprungen. Chinesische Medien berichten, dass das betroffene Gerät sich bereits bei Apple zu Untersuchungszwecken befindet.

Der zweite bebilderte Bericht zum iPhone 8 Plus Splitgate erschien am 25. September auf Twitter. Der japanische Nutzer Magokoro0511 hat nach eigenen Angaben das iPhone 8 Plus bereits beim Öffnen der Verpackung aufgebläht vorgefunden. Die Bilder zeigen ein völlig verformtes Display, das durch den Akku aus dem Aluminium-Rahmen gedrückt wurde. Die Klebestreifen für die wasserdichte Versiegelung des Smartphones sind ebenfalls erkennbar. Ein Abgleich mit den Bildern eines geöffneten iPhone 8 Plus der iFixit-Techniker bestätigt, dass es sich bei dem Gerät um ein iPhone 8 Plus handelt.

iPhone 8 Plus Splitgate
Screenshot by Julia Froolyks

iPhone 8 Plus Splitgate: Wiederholung des Note-7-Debakels unwahrscheinlich

Insgesamt soll es laut Medienberichten sechs dokumentierte Fälle in China, Japan, Kanada und Griechenland von aufgeblähten iPhone 8 Plus geben. Apple hat indes gegenüber macrumors.com bestätigt, dass Ermittlungen zu den Vorfällen eingeleitet wurden. Einen herben Beigeschmack bekommt der iPhone 8 Plus Splitgate durch die Tatsache, dass Apple bei der Produktion des iPhone 8 Plus auf Akkus des Zulieferers ATL zurückgegriffen hat. Das Unternehmen war nachweislich für die defekten Akkus im Samsung Galaxy Note 7 verantwortlich. Dass es beim iPhone 8 Plus zu ähnlichen Ausmaßen kommt, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

Dass sich das Display aus seinem Aluminium-Rahmen löst, stellt allem Anschein nach eine Sicherheitsmaßnahme dar. Weil der defekte Akku im Note 7 während des Aufblähens keinen Platz mehr hatte, und die Hardware nicht aufbrach, entwickelte sich in einigen wenigen Fällen eine so starke Hitzeentwicklung, dass das Note 7 zu schmelzen begann. Die Folge war unter anderem ein weltweites Flugverbot für das Samsung Galaxy Note 7. Durch das Aufbrechen des iPhone 8 Plus ist eine solch enorme Hitzeentwicklung nahezu auszuschließen. So sieht es auch ein Akku-Experte aus den USA. Gegenüber The Verge sagt Sam Jaffe, Direktor der Cairn Energy Research Advisors, dass eine Schwellung ein Vorbote für Batteriebrände sei. „Allerdings ist der tatsächliche Prozentsatz an Bränden gering“, so Jaffe weiter.

Der weltweite Verkauf der neuen iPhone-Generation war am 22. September gestartet. Schätzungen zufolge sind bereits mehrere Millionen Geräte verkauft worden. Bei sechs bekannten Fällen hält sich die Anzahl der Splitgate-Geräte also in Grenzen. Zum Vergleich: Beim Galaxy-Note-7-Debakel waren innerhalb kürzester Zeit gleich mehrere hundert Geräte von defekten Akkus betroffen. Während unseres Tests zum iPhone 8 Plus sind etwaige Probleme ausgeblieben. Ein weiterer Test, bei dem das iPhone 8 Plus über einen langen Zeitraum am Ladekabel hing, brachte ebenfalls keine Probleme mit sich.


Screenshots by Julia Froolyks / Image by Magokoro0511


Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet - damit können Medienschaffende einfach am besten arbeiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.

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