iPhone-Feature: Wie nützlich der Notfallpass wirklich ist

Notfallpass
Screenshot by Julia Froolyks

Ob beim Unfall oder bei einem allergischen Schock: Bist du bewusstlos, können wichtige Daten zu deiner Gesundheit Rettungskräften helfen, dich zu behandeln. Erleichtern soll dies die Notfallpass-Funktion in Apples mobilen Geräten. Darin kannst du die wichtigsten Gesundheitsdaten abspeichern. Diese können dann im Ernstfall von Ärzten oder Ersthelfern aufgerufen werden. Dafür muss das iPhone oder iPad nicht entsperrt werden. Die Informationen sind im Sperrbildschirm über einen Softbutton unten links im Display erreichbar. Ich habe mir die Einrichtung des Notfallpasses mal genauer angesehen und erkläre, warum der Notfallpass in der Praxis mitunter nutzlos sein kann.

Was du im iPhone-Notfallpass eintragen kannst

Neben grundlegenden physischen Daten wie Größe, Gewicht und Blutgruppe, können im Notfallpass auch Erkrankungen und Befunde, Medizinische Aufzeichnungen, Allergien und Unverträglichkeiten sowie notwendige Medikationen abgespeichert werden. Zudem lässt sich dort vermerken, ob der Besitzer des Smartphones Organspender ist. Die letzten Angaben im Notfallpass beziehen sich auf Notfallkontakte. Hier können mehrere Menschen aus den Kontakten ausgewählt werden, die über einen Unfall benachrichtigt werden sollen.

Warum die Angaben wichtig sein können

Ein Beispiel. Bei einem Unfall können Verletzungen entstehen, die eine Bluttransfusion erfordern. Dafür muss die Blutgruppe des Verletzten bekannt sein. Der Notfallpass im iPhone oder iPad kann direkt Auskunft über diese geben, ohne dass die Blutgruppe erst im Labor ermittelt werden muss. Wer seine Blutgruppe nicht kennt, kann diese zum Beispiel beim Blutspenden ermitteln lassen.

So richtest du den Notfallpass unter iOS ein

Notfallpass
Screenshot by Julia Froolyks

Um den Notfallpass mit Informationen zu bestücken und zu aktivieren, musst du die App „Health“ auf dem iPhone oder iPad öffnen. Dort befindet sich unten links der Reiter „Notfallpass“. Dort kannst du nun beliebig viele Daten einfügen und Notfallkontakte bestimmen.

Der Notfallpass verfügt über die Einstellung „Im Sperrbildschirm anzeigen“. Wer sich für die Einrichtung des Notfallpasses entscheidet, sollte den Button aktivieren – ansonsten kommt niemand an die Notfalldaten heran. Ist das Smartphone oder Tablet dann gesperrt, kann anstelle einer Code-Eingabe auch „Notfall“ ausgewählt werden. Hier lässt sich entweder der Notdienst anrufen oder eben der Notfallpass öffnen. Alle Eingaben zur Person sowie die Notfallkontakte erscheinen dann auf dem Display. Die Notfallkontakte können außerdem direkt angerufen werden.

Rettungskräfte haben keine Zeit dein iPhone zu checken

Da du sensible medizinische Daten für jeden, der das Smartphone in die Finger bekommt, frei zugänglich machst, stellt sich die Frage, ob sich dieses Datenrisiko lohnt. Kennen Rettungskräfte eigentlich den iPhone-Notfallpass und nutzen sie ihn?

Als Stichprobe habe ich mich an die Johanniter-Unfall-Hilfe gewandt. Sie ist einer der großen Rettungsdienste in Deutschland. Dort teilte mir die Pressestelle mit, dass an einem Unfall- oder Notfallschauplatz keine Zeit sei, elektronische Geräte mit etwaigen Daten zu suchen und vor Ort auszuwerten. Auch dann nicht, wenn der Apple-Notfallpass dem Rettungssanitäter oder Notarzt bekannt sei.

Es ist nicht auszuschließen, dass andere Rettungsdienste dies anders handhaben. Die Stichprobe legt aber den Schluss nahe, dass es kein regulärer Bestandteil der Arbeit bei Rettungseinsätzen ist, eine elektronische Hilfe wie den iPhone-Notfallpass zu nutzen.

Setze dich nicht dem Datenschutzrisiko aus

Notfallpass
Screenshot by Julia Froolyks

Vor diesem Hintergrund rate ich davon ab, sämtliche abgefragte persönlichen medizinischen Daten in den Apple-Notfallpass einzutragen. Der Nutzen steht in keinem Verhältnis zum Risiko, dass deine Daten in die falschen Hände geraten.

Als sinnvoll betrachte ich es lediglich, die Notfallkontakte anzugeben. Sie können im Krankenhaus abgerufen werden, wenn das medizinische Personal mehr Zeit dafür hat. Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass im Ernstfall meine Liebsten benachrichtigt werden können.

Solltest du unter ernsten Erkrankungen und Unverträglichkeiten leiden oder brauchst du eine besondere Medikation, solltest du lieber zu einer Alternative greifen. Gängig sind sogenannte SOS-Kapseln oder SOS-Anhänger. Sie sind auf den ersten Blick für Ärzte und Rettungsdienste als solche erkennbar und daher praxistauglicher als digitale Notfallpässe.


Image by Negativespace.co / Pexels (CC0 License); Screenshots by Julia Froolyks


 

Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet. Neben neuen Gadgets testet sie gerne Smartwatches und Kopfhörer.

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  • Lars E.

    Bei einer Bluttransfusion wird nicht ohne serologische Bestimmung transfundiert. Weder iPhone, Anhänger oder Aufnäher werden berücksichtigt. Grund: man kann das falsche iPhone eingesteckt haben (oder die eingegebene Blutgruppe muss nicht stimmen), die Jacke muss nicht die eigene sein, usw.

  • Julia Froolyks

    Danke für die Erläuterung :) Das ist natürlich beruhigend, und zeigt einmal mehr, wie sinnlos der Notfallpass wirklich ist.