iPhone X Hands-On: 5 Gründe, warum es jeder haben will

Die Nachfrage ist gigantisch, der Preis ebenfalls: Apple hat heute sein Jubiläums-Smartphone offiziell auf den Markt gebracht. Ich habe mir das Spektakel im Apple Store in Köln angesehen und eines der begehrten iPhone X ergattert. Welche Vorzüge das neue Apple-Juwel mit sich bringt, und wo nachgebessert werden muss, verrät mein erstes iPhone X Hands-On.

1.319 Euro kostet das iPhone X in der Speichervariante mit 256 GB. Das ist eine ganze Stange Geld, die heute am Release-Tag anscheinend einige bereit waren, auf die edle Holz-Theke zu legen. In Köln warteten um sieben Uhr morgens etwa 300 Menschen darauf, dass sich die Apple-Pforten öffnen und das begehrte iPhone X gekauft werden kann. Tatsächlich konnte der Apple Store in Köln auf der Schildergasse zahlreiche iPhone-Fans bedienen. Für mein iPhone X in Silber musste ich knapp vier Stunden Schlange stehen. Doch wie fühlt es sich denn nun an?

iPhone X im Unboxing – Ein Gefühl, das süchtig macht

Ein neues Gerät auszupacken ist für mich und wohl viele andere Technik-Fans immer etwas Besonderes. Bei der Verpackung des iPhone X hat Apple sich nicht lumpen lassen und das Abbild des 5,8 Zoll großen iPhone X (gesprochen iPhone Ten/Zehn) sehr ansehnlich und mit einer glänzenden Prägung des Edelstahlrahmens aufgedruckt. Beim Öffnen der Verpackung liegt oben der kleine Einschubkarton mit Anleitungen und Apple-Aufklebern auf. Gleich darunter thront das iPhone X. Wirklich imposant wird das Unboxing allerdings erst beim Einschalten des Super-Retina-Displays. Ein echtes Wow-Gefühl hat sich eingestellt und das liegt daran, dass Apple endlich ein OLED-Display verbaut hat.

iPhone X im Hands-On
iPhone X mit Super-Retina-Display. Image by Julia Froolyks

1. Pluspunkt: Super-Retina-Display

Apple tauft sein von Samsung hergestelltes Display „Super Retina“. Dem Namen macht der große Bildschirm auch alle Ehre. Gleich beim Einschalten fällt auf, dass der Start-Apfel nicht unter, sondern direkt auf dem Display zu sein scheint. Das mag ich persönlich sehr an OLED-Displays. Ähnlich wie bei der E-Ink-Technologie, die in diversen E-Readern gerne Verwendung findet, werden die Displayinhalte sehr dicht unter dem Glas angezeigt. In diesem Punkt ist Apple sehr nah an sein „Lebens-Ziel“ gelangt, die Hardware hinter dem Erlebnis verschwinden zu lassen. Das Display nimmt beinahe die gesamte Front des recht klotzigen iPhone X ein.

Mit einer Auflösung von 1.125 x 2.436 Pixeln und einer Pixeldichte von satten 463 ppi wird das frische iOS 11.1 visualisiert. Das Display wirkt wirklich gigantisch und sehr farbintensiv. Die neue True-Tone-Technologie verrichtet ihre Dienste ebenso gut wie 3D-Touch. Einzig ein leichter Blaustich ist bemerkbar, wenn das iPhone X nicht frontal angesehen, sondern leicht abgewinkelt vor das Gesicht gehalten wird. Ein bekanntes OLED-Problem.

iPhone X im Hands-On
Das iPhone X ist trotz OLED-Display relativ blickwinkelstabil. Image by Julia Froolyks

2. Pluspunkt: Face ID

Bei der Einrichtung des iPhone X erfolgt außerdem ein neuer Schritt: Statt eines Fingerabdrucks könnt ihr das Jubiläums-Smartphone mit eurem Gesicht entsperren. Hierfür hat Apple ein ausgeklügeltes Infrarot-System im oberen Sensor-Steg verbaut, der das Display mittig oben splittet. Die Einrichtung von Face ID ist schnell über die Bühne gebracht und funktioniert so intuitiv, wie man es von Apple-Software gewohnt ist. Nachdem der Kopf einige Male im Kreis geneigt und gewendet wurde, kann das iPhone X das Gesicht des Besitzers erkennen. Apple verspricht hier eine Wahrscheinlichkeit von 1:1 Million, dass kein Fremder das iPhone über Face-ID entsperren kann. Im alltäglichen Gebrauch funktioniert Face-ID gut, aber nicht immer perfekt.

Im hellen Sonnenlicht braucht das iPhone X etwas länger, um das Display freizugeben. Je nach Winkel entsperrt es gar nicht. In der Dunkelheit macht Face ID allerdings eine sehr gute Figur und funktioniert ohne wenn und aber. Kein Smartphone, das ich bisher getestet habe, konnte das Smartphone in völliger Dunkelheit nur mit Gesichtserkennung entsperren. Wem Face ID zu lästig oder unausgereift ist, kann in gewohnter Manier auf die Eingabe eines PIN-Codes zum Entsperren setzen. Das dürfte für einige Datenschützer ohnehin die bessere Alternative sein.

3. Pluspunkt: Animojis

Kurz nachdem Apple einigen wenigen Medienvertretern das GO für erste Berichte zum iPhone X gegeben hatte, kursierten die ersten lustigen Animoji-Videos im Netz. Animojis – das sind animierte Emojis, die iPhone X-Besitzer dank der neuen Front-Kamera erstellen können. Einige bekannte Smileys des Unicode-Konsortiums lassen sich hier in iMessage erstellen und verschicken. Die animierten Bildchen spiegeln das Abbild des Nutzers wieder und können dann an Freunde verschickt werden, die ebenfalls ein iOS-fähiges Gerät besitzen. Im ersten Test konnten meine Freunde mit iOS 11 die Animojis sehen, aber auch meine Mutter, die mit ihrem iPad 2 und iOS 9 noch vollends zufrieden ist.

Über einen kleinen Umweg lassen sich die Animojis auch in anderen Chat-Apps teilen. Dazu muss das Animoji, das bereits über iMessage an einen Freund gesendet wurde, lange gedrückt werden. Daraufhin kann man es in der Camera-Roll sichern und weiter verschicken. Ein Spaß, der sich vor allem in der Anfangszeit des iPhone X lohnt. Animojis auf dem iPhone X sind eine nette Spielerei und ein willkommenes Feature für die Generation Snapchat und Jung-Gebliebene.

4. Pluspunkt: Selfie-Kamera

Sehr lange habe ich darauf gewartet, dass Apple ein iPhone präsentiert, das auch frontseitig mit der Android-Konkurrenz mithalten kann. Schon lange verfügen die Smartphones von Samsung, Huawei und Co. über richtig gute Front-Kameras mit einer Software, die mehr ermöglicht, als ein pures Selfie. Zwar hat Apple keinen übertriebenen „Verschönerungs-Modus“ oder lustige Filter mit Hasenohren eingeführt. Dafür bietet die TrueDepth-Kamera, wie Apple sie nennt, nun ebenfalls einen ansehnlichen Porträtmodus, der eher reif statt kitschig wirkt. Er macht genau so ein schönes Bokeh wie das Huawei Nova 2.

Auch das neue, noch in der Beta befindliche Porträtlicht kann hier angewendet werden. Es sorgt für Studio-Effekte auf den Fotos. Wie mein Kollege Berti Kolbow-Lehradt aber schon in seinem Test zum iPhone 8 festgestellt hat, ist Porträtlicht noch ausbaufähig. Das gilt für die Front- sowie die Hauptkamera des iPhone X. Ansonsten freue ich mich tierisch über die neue Selfie-Spielerei.

5. Pluspunkt: Das Design des iPhone X

Das iPhone X fühlt sich wirklich gut an. Nachdem ich in den letzten Wochen ein iPhone 5 an meiner Seite hatte, ist das iPhone X ein Upgrade, das sich gewaschen hat. Mein silbernes Modell verfügt über einen hochglänzenden Edelstahlrahmen, in den das Display und die Glasrückseite eingefasst sind. Kein Spalt ist hier zu groß. Über Glas habe ich mich sehr gefreut, da mir die Modelle ab iPhone 4 designtechnisch schon damals sehr gefallen haben. Außerdem liegt Glas, anders als Aluminium ab iPhone 5, wieder sehr gut und stabil in der Hand. Das iPhone X ist allerdings dicker als sein iPhone-7-Vorgänger, und auch das Gewicht fühlt sich in der Hand zunächst recht massig an.

Das liegt aber vermutlich daran, dass mein altes iPhone 5 ein echtes Fliegengewicht war. Das ist aber Gewöhnungssache. Glas hat allerdings auch zur Folge, dass Fingerabdrücke und Schmutzschlieren wieder den Weg auf die Rückseite des Luxus-iPhones finden. Der Edelstahlrahmen ist ebenso anfällig für detaillierte Fingerabdrücke. Mich persönlich stört es eher weniger. Viel wichtiger ist mir der sichere Halt des teuren Smartphones. Eine Schutzhülle lohnte sich wohl noch nie so sehr, wie beim neuen iPhone X.

iPhone X Hands-On – Das bereitet Sorgen

1. Der ominöse Balken

Gewöhnungssache ist der Bereich über dem Display, in den zahlreiche Sensoren und die Selfie-Kamera eingelassen sind. Die Technik-Welt hat noch keinen Begriff für diesen Bereich, der das 5,8 Zoll große Display oben splittet, gefunden. Einige nennen es „Balken“, andere wollen die Aussparung als „Steg“ bezeichnen. Doch egal, welchen Namen das Kind hat, Apple hat mit der Aussparung einiges gewagt. Sie stört beim täglichen Gebrauch unter iOS 11 nicht. Allerdings haben noch nicht alle App-Entwickler ihre Anwendungen darauf angepasst. So spielt sich Asphalt 8 beispielsweise aufgrund der Aussparung nicht ideal. Text und Grafik werden von ihr verdeckt und sorgen für den ein oder anderen Frontal-Crash.

Anders ausgedrückt wird es noch einige Zeit dauern, bis alle Apps im App Store auf das iPhone X angepasst wurden. Zu beobachten, wie Entwickler und Unternehmen das Problem lösen, ist spannend. Außerdem hat der Steg auch seine Vorteile. So wird der unschöne Namen des Mobilfunkbetreibers nur noch im Sperrbildschirm oben links in der Ecke angezeigt.

2. Der Preis ist heiß

Das iPhone X hat nach seiner Präsentation im September nicht nur für positive Furore bei Apple-Jüngern gesorgt. Auch die alljährliche Preis-Diskussion kochte wieder hoch. Diesmal wohl heißer denn je, da das iPhone X mit 64 GB Speicher ab 1.149 Euro zu haben ist. Das ist viel Geld. Dennoch ist es legitim, soviel für dafür auszugeben. Smartphones können genauso Luxus-Güter sein wie beispielsweise Autos.

iPhone X im Hands-On
Image by Julia Froolyks

Ich sehe allerdings ein anderes Problem: Das iPhone X mit sich herumzutragen birgt einige Gefahren. Einerseits könnte es natürlich geklaut werden. Das passiert allerdings nicht nur beim brandneuen iPhone X. Andererseits ist es deutlich nervenaufreibender, mit der Angst herumzulaufen, dass das iPhone X herunterfallen könnte. Es ist beinahe ein unangenehmes Gefühl, mit so einem teuren Smartphone unterwegs zu sein. Das ansehnliche iPhone X will man andererseits auch nicht in einen überdimensionalen Bumper stecken und Panzerglas auf das Display anbringen.Man muss das ganz klar als „Luxus-Stress“ bezeichnen.

Mein Fazit: Ein begehrenswertes Jubiläums-iPhone

Das iPhone X ist eine Augenweide, so viel steht fest. Es hat so vieles, was ich bei Vorgänger-Modellen immer vermisst habe. Auch wenn ich das Apple-Ökosystem immer mit all seinen Vorzügen genossen habe, und das Arbeiten mit Apple-Geräten einfach Spaß macht, die Vorgänger-iPhones konnten in Sachen Display und Frontkamera selten mithalten, wenn es um die Konkurrenz aus dem Hause Samsung oder mittlerweile auch Huawei ging. Dabei ist das Super-Retina-Display der erste Bildschirm in einem iPhone, der einen so hohen Preis wirklich rechtfertigt.

Es entsteht ein echter Mehrwert bei der Benutzung des iPhone X. Ich persönlich habe bisher noch kein schärferes Display gesehen. Auch die neue TrueDepth Kamera ist ein Schritt in die richtige Richtung. Apple beweist, dass die oftmals arrogant wirkende Sturheit der vergangenen Jahre auflockert. Das ist eine Win-Win-Situation: Apple hat mit dem iPhone X einen grandiosen Coup gelandet und nach zehn Jahren endlich wieder für einen Hype gesorgt. Andererseits bekommen Besitzer eines iPhone X mehr Features und profitieren von Apples neuer, offener Design-Politik. Wie sich das iPhone X im Alltag beweist, verrate ich euch in den kommenden Tagen in einem ausführlichen Test.


Images by Julia Froolyks


Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet. Neben neuen Gadgets testet sie gerne Smartwatches und Kopfhörer.

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