Der langsame Abschied vom Apple iPod: Ein Blick zurück

Falls ihr euch einmal überlegt habt, einen Apple iPod anzuschaffen, standet ihr sicherlich spätestens bei der Recherche nach dem geeigneten Modell vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe. Bei den zahlreichen Modellen mit unterschiedlichen Funktionen und in verschiedenen Generationen, kann man anfangs schon mal leicht den Überblick verlieren. Aber damit wird zumindest im eigenen Store von Apple bald Schluss sein. Ab sofort nimmt Apple euch die Entscheidung ab, welchen Music-Player ihr kaufen wollt. Übrig bleibt nämlich nur noch ein Modell, da der Nano und Shuffle aus dem Sortiment geflogen sind. Reisen wir also einmal gemeinsam durch die Zeit und sehen uns an, wie sich Apples Klassiker in den vergangenen 16 Jahren entwickelt hat.

2001 – das Jahr, in dem wir Kontakt mit dem iPod aufnahmen

Zuerst gehen wir zurück ins Jahr 2001, als Steve Jobs der Welt erstmals einen Musik-Player von Apple präsentierte. Anfänglich hielt sich die Begeisterung damals allerdings in Grenzen. Vor allem, weil der erste Apple-MP3-Player nur mit Apples eigenen Computern kompatibel war, wurde der erste iPod kritisiert. Obwohl die erste Variante für heutige Verhältnisse riesig war, wies sie eine schlankere Linie als seine Konkurrenz-Geräte auf. Mit seinen 5 GB Speicherplatz besaß das erste Modell zudem richtig viel Speicherplatz. Dies ließ sich Apple gehörig was kosten: Er wurde zu einem Preis von 399 Dollar eingeführt. Die Keynote mit Steve Jobs aus 2001 könnt ihr euch hier ansehen:

Apples Click Wheel kam erst mit der 3. Generation

Obgleich nur wenige Monate vergangen waren, präsentierte Apple noch im selben Jahr die nächste iPod-Generation. Sie war mit einer 10 oder 20 GB großen Festplatte ausgestattet und konnte außerdem mit Windows-Computern verbunden werden. Somit erreichte Apple wesentlich mehr Menschen mit dem iPod. Der erste Nachfolger, der sich optisch von den ersten beiden Geräten abhob, gehört allerdings zur dritten Generation, die Apple 2003 mit bis zu 40 GB Speicherplatz auf den Markt brachte. Das berühmte und beliebte Click Wheel nahm anschließend hier konkrete Formen an. Bis zum Jahr 2009 sollten noch sechs weitere Classic-Modelle folgen, die sich Schritt für Schritt zügig den technischen Möglichkeiten anpassten und beispielsweise mit Farbdisplays und Video-Funktionen ausgestattet waren.

Von Mini zu Nano

Anschließend präsentierte Apple die erste Auskopplung mit Namenszusatz „mini“ im Jahr 2004. Der iPod mini war, wie der Name schon sagt, kleiner als der Classic, fasste dafür aber auch maximal 6 GB an Daten. Der Mini gilt infolgedessen als der Vorreiter des iPod nano. Dieser erschien erst im Jahr 2005 mit einem rund 60 Prozent kleinerem Gehäuse als sein Vorgänger. Der Nano war vorerst in den drei Speichergrößen 1 GB, 2 GB und 4 GB, sowie in Schwarz oder Weiß erhältlich. Vom allseits bekannten Nano als Miniatur-Viereck war damals allerdings noch nichts zu sehen.

Der klassische Miniatur-iPod mit Touch-Display kam erst im Jahr 2010 auf den Markt. Trotz des Displays sollte der Nano der sechsten Generation mit seinen 21,1 Gramm das Fliegengewicht seiner Klasse bleiben. Immerhin war das 1,54-Zoll-Display erstmals über Multi-Touch bedienbar und bot eine Auflösung von 240 x 240 Pixeln. Wohingegen sein Nachfolger, der Nano der siebten Generation, 2012 präsentiert, merklich in die Höhe gewachsen war. Es sollte übrigens der letzte, jemals produzierte iPod nano in Apples Sortiment sein.

Alle iPod-Generation in der Übersicht

Images by Apple

Der Shuffle – geliebt oder verhasst

Parallel zum Nano der ersten Generation präsentierte Apple im Folgenden einen Musikspieler, dessen Funktionsweise auf ein Minimum reduziert wurde. Wie sein Name bereits verrät, kann der Shuffle Musik folglich nur in fester Reihenfolge beziehungsweise zufälliger Reihenfolge (eng. to shuffle) wiedergeben. Dies entschied der Besitzer, indem er einen Stellschalter betätigte. Aber nicht jeder wollte seinem Musik-Player einfach die Kontrolle über die Playlist überlassen. Insofern fand der Shuffle entweder leidenschaftliche Anhänger oder kopfschüttelnde Verweigerer. Zwischen 2006 und 2010 sollten ferner drei weitere iPod shuffle die außergewöhnliche Produktlinie komplettieren. Allerdings bekam keiner der Shuffle je ein Display spendiert.

Wem die Shuffle-Geschichte zu lästig war, konnte zum Beispiel auf den deutlich luxuriöseren iPod Touch zurückgreifen, den Apple erstmals im 2007, im Erscheinungsjahr des iPhones, der Öffentlichkeit präsentierte. Dabei sah der Touch dem ersten iPhone zum Verwechseln ähnlich. Auch funktional leistete der Touch mit den Jahren immer mehr, sodass die jüngste Generation aus 2015 alles kann, was das iPhone ebenfalls bietet. Ein fehlender SIM-Karten-Slot für mobiles Internet, Telefonate oder SMS unterscheidet den iPod Touch aber grundlegend vom iPhone.

iPod Touch letzter MP3-Player von Apple

Somit ist der iPod Touch der einzige Musikspieler, der von Apple ab sofort offiziell vertrieben wird. Apple senkt außerdem die Preise für die sechste Generation des Touch-Players um bis zu 100 Euro. Allerdings bietet Apple inzwischen nur noch die 32-GB-Variante für 199 Euro und die 128-GB-Version für 299 Euro im Apple Store online oder in einer Filiale an. Wenn ihr trotzdem noch eines der Auslaufmodelle Nano oder Shuffle kaufen möchtet, werdet ihr im Internet noch bei zahlreichen Elektronik-Händlern fündig.

iPod nano und shuffle passen nicht mehr ins Apple-Konzept

Ungeachtet dessen verschlankt Apple nun sein MP3-Player-Angebot deutlich. Denn die beiden Urgesteine der iPod-Produktfamilie passen einfach nicht mehr ins iTunes-Konzept. Apple möchte unter dem Strich mit seinem 2003 eingeführten Music-Store vor allem die Apple-Music-Abonnements in die Höhe treiben. Weder der Nano noch der Shuffle waren bisher mit dem Musik-Streaming-Dienst kompatibel. Deshalb bleibt nur der iPod Touch im Programm. Das ist schließlich das einzige Modell, das derzeit auf Apple Music zugreifen kann. Da immer mehr Menschen ihre Musik mit Streaming-Diensten konsumieren und dabei auch immer häufiger das Smartphone nutzen, ist es nicht verwunderlich, dass Apple sich von zwei Legenden verabschiedet. Daher sagen wir schlussendlich: Bye, bye iPod nano und iPod shuffle.


Teaser Image by Herbert2512 / Pixabay (CC0-Lizenz), Images by Apple


Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet. Neben neuen Gadgets testet sie gerne Smartwatches und Kopfhörer.

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