Karma Drohne und HERO5 Kameras: Die GoPro Neuheiten auf der Photokina aus der Nähe betrachtet

GoPro ist seit Jahren der unangefochtene Martkführer im Bereich Actionkameras, sieht sich trotz allem aber immer mehr Konkurrenz, vor allem aus Fernost, ausgesetzt. Mit der Vorstellung seiner Karma Drone hat der US-Hersteller einen vielleicht entscheidenden Schritt getan, um auch in Zukunft die Spitzenposition zu halten. Mit zwei neuen Modellen wurde aber auch das Kameraangebot nicht vernachlässigt. Ich war beim GoPro Event auf der Photokina dabei und hatte Gelegenheit, mir die Neuvorstellungen aus der Nähe anzuschauen.

Karma Drohne: Flexibilität und einfache Bedienung

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Die Karma Drohne ist mit allen HERO5 und HERO4 Kameras kompatibel.

Schon seit langem rüsten viele Drohnenhersteller ihre Modelle zur Nutzung mit GoPro Kameras aus. Da macht es nur Sinn, dass nun auch GoPro selbst ein Stück vom Kuchen abbekommen will und eine eigene Drohne vorgestellt hat. Viele hätten diesen Schritt wohl schon früher erwartet.

Für einen Erstling macht die Karma schon einen sehr durchdachten und ausgereiften Eindruck. Eine einfache Nutzung und gute Portabilität standen bei der Konzipierung der Drohne ganz eindeutig im Vordergrund. Sie passt sich damit nahtlos an die Designphilosophie von GoPros restlicher Produktpalette an. Es war das Ziel, eine leichte und kompakte Drohne zu entwickeln, die bei jeder Freizeitaktivität dabei zu sein und gleichzeitig so einfach zu fliegen ist, dass sich der Nutzer vollkommen aufs Filmen konzentrieren kann.

Und bei näherer Betrachtung sieht es so aus, als ob GoPro diesen Zielen zumindest recht nahe gekommen ist. Die in flugbereitem Zustand schon recht kompakte Karma lässt sich zum Transport zusammenfalten und zusammen mit allen Zubehörteilen zum Transport in einem kleinen Rucksack verstauen, der nur knapp über zwei Kilogramm wiegt.

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Der Controller im Gamepad-Stil erlaubt es, im Simulationsmodus zu üben und ermöglicht eine einfache Steuerung von Drohne und Kamera.

Der mitgelieferte Controller ist einem Gamepad nicht unähnlich und hat ein integriertes 5-Zoll Touch Display mit HD-Auflösung. Über dieses kann der Nutzer verfolgen, was die Drohne gerade filmt, ohne dafür ein zusätzliches Smartphone oder Tablet nutzen zu müssen. Die Kameraausrichtung kann über zwei Drehregler an der Außenkante des Controllers geregelt werden. Ab 23. Oktober soll dann auch GoPros Passenger-App für Android und iOS verfügbar sein. Diese wird es ermöglichen, die Kamera unabhängig vom Controller über ein Mobilgerät von einer zweiten Person steuern zu lassen.

Start und Landung werden automatisch durchgeführt und müssen nur durch einen Knopfdruck eingeleitet werden. Ist die Drohne einmal in der Luft, wird sie, wie üblich, mit Hilfe zweier kleiner Joysticks manövriert. Wer damit noch keine Erfahrung hat, kann mittels Simulationsmodus auf dem Controller-Display vor dem ersten Flug erst einmal üben. Droht die Karma außer Reichweite zu gelangen oder geht die Batterie zu Neige, kehrt sie automatisch zur Startposition zurück.

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Der Bildstabilisator kann von der Drohne abgenommen und am mitgelieferten Karma-Grip angebracht werden.

Zusätzlich hat die Karma ein cleveres Designdetail zu bieten: Der 3-Achsen-Bildstabilisator kann mittels Schnellverschluss von der Drohne abgenommen und an den mitgelieferten Karma-Grip montiert werden. Dieser verwandelt sich dadurch in ein leistungsstarkes GoPro-Gimbal, das stabilisierte Aufnahmen aus der Hand möglich macht oder an vielen GoPro-Halterungen angebracht werden kann.

GoPro gibt die Höchstgeschwindigkeit der Karma mit 35 Meilen an. Die Reichweite des Controllers beträgt ungefähr einen Kilometer. Die GoPro Karma ist mit allen GoPro Kameramodellen der HERO4 und HERO5 Serien kompatibel und wird ab dem 23. Oktober für 869,99 EUR verfügbar sein. Im Bundle mit der ebenfalls neu vorgestellten HERO5 Black werden 1199,99 EUR fällig.

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Drohne und sämtliches Zubenhör passen in ein Rucksack-Case.

HERO5 Black und HERO5 Session: Sinnvolle Evolution statt Revolution

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Die HERO5 ist nun auch ohne Zusatzgehäuse wasserdicht

Außer der Karma Drone hat GoPro auch zwei neue Actioncams vorgestellt, deren Funktionen optional über eine Smartphone-App gesteuert werden können. Die HERO5 Black bietet die gleichen 4K/30fps und 12 Megapixel Video- und Fotospezifikationen wie das Vorgängermodell, wurde ansonsten aber an vielen Stellen konsequent weiter verbessert. Zum Beispiel ist die HERO5 nun auch ohne Zusatzgehäuse bis 10 Meter Tiefe wasserdicht. Das vereinfacht in schwierigen Bedingungen die Bedienung der Kontrollelemente und bedeutet zusätzlich, dass die Gehäuse bedingte dumpfe Tonqualität der Vergangenheit angehört. Der Sound wird außerdem durch ein neues Stereosystem mit insgesamt drei Mikrofonen verbessert. Dabei werden immer die Mikrofone genutzt, die am wenigsten durch Windgeräusche beeinträchtigt werden. In ersten Samplevideos macht das einen merkbaren Unterschied.

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Das TFT-Display auf der Rückseite macht die Bedienung deutlich einfacher

Auch neu ist die Sprachsteuerung, die zu diesem Zeitpunkt in sieben Sprachen verfügbar ist. Letztere funktionierte in unserem Kurztest im Pressebereich der Veranstaltung schon recht gut, aber es bleibt abzuwarten, wie sich die Funktion im harten Alltagsbetrieb schlägt. Ebenfalls einer vereinfachten Benutzung zugute kommt das neuen 2-Zoll Touchdisplay auf der Rückseite. Elektronische Videostabilisierung ist beim neuen Modell nun auch an Bord und auch hier sehen die ersten Testvideos sehr vielversprechend aus. Abgerundet werden die Spezifikationen mit dem neuen integrierten GPS-Modul, zum Einbinden von Geodaten ist also kein Smartphone mehr notwendig. Die HERO5 Black ist ab dem 2. Oktober für 429,99 erhältlich.

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Die HERO5 Session zeichnet sich duch minimalistisches Würfeldesign und simple Ein-Knopf-Bedienung aus.

Das zweite neue Kameramodell, die HERO5 Session, hat das minimalistische Würfeldesign und die Ein-Knopf-Bedienung der ursprünglichen HERO Session übernommen, ist jetzt aber wie die HERO5 ohne zusätzliches Gehäuse wasserfest und bietet ebenfalls Voice Control und Videostabilisierung. Fotos werden mit einer Auflösung von 10 Megapixel aufgenommen, im Videomodus steht die gleiche 4K/30fps-Qualität zu Verfügung wie auf dem Topmodell. Die HERO5 Session wird ab 2. Oktober für 329,99 EUR im Handel erhältlich sein.

Fazit

GoPro scheint gut für die kommenden Monate gerüstet. Die Karma Drone ist eine logische Ergänzung im Produktprogramm, kann mit einfacher Bedienung aufwarten und bietet mit dem Karma Grip und abnehmbaren Stabilisator ein Feature, das bei der Konkurrenz so noch nicht zu sehen war. Trotzdem sollte sie preislich auch für Gelegenheitsnutzer interessant sein. Die neuen Actioncams bieten keine bahnbrechenden Innovationen, wurden aber in fast allen Bereichen verbessert und sollten so dabei helfen, GoPros Position an der Spitze zu festigen.

Teaser „GoPro, IFA 2015“ (adapted) by Kārlis Dambrāns (CC BY 2.0)

Images by Lars Rehm & GoPro

Lars Rehm

Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

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