Korg Gadget und Korg Module: Elektro-Orchester für iOS-Musiker im Test

Ich bin ein großer GarageBand-Fan, aber auch immer auf der Suche nach neuen Sounds und Instrumenten. Der bekannte Keyboard-Hersteller Korg beglückt Elektronik-Musiker immer wieder mit hervorragend gemachten Apps, zum Beispiel den exzellenten Synthie iMS-20. Während sich das physische Original in der Regel kein Normalverdiener leisten kann, ist die iPad-App ohne Weiteres bezahlbar. Und klingt trotzdem richtig gut! Zuletzt gab es mit Gadget und Module wieder zwei interessante Neuzugänge bei Korg. Ich habe beide ausprobiert.

Korg Gadget: Spielwiese für Elektromusik-Fans

Gadget ist nicht nur ein Keyboard oder ein Instrument, sondern eine Sammlung von 15 Synthesizern und Drum-Computern, die sich wie Module, hier „Gadgets“ genannt, miteinander mischen lassen. Natürlich finden sich darunter viele Klassiker des Herstellers, die allen Elektronik-Musikern ein Begriff sind – wie etwa der Synthesizer Korg MS-20. Die enthaltenen Instrumente haben viele Tasten und Knöpfe. Daher benötigen sie entsprechend Platz und Rechenleistung. Deshalb solltet ihr Gadget (getestet in Version 3.0.1) bevorzugt auf dem iPad nutzen. Auf dem iPhone macht die App wegen der geringeren Displaydiagonale weniger Freude.

Korg Gadget iPad
Korg Gadget. Screenshot by Stefan von Gagern

Im Mixer lassen sich Songs aus Spuren und Szenen bauen. Unten erscheinen die Gadgets mit Schiebereglern zum Mixen. Tippt dafür auf die Instrumente und holt diese groß auf den Schirm. Dann könnt ihr an den Klängen schrauben und im Sequenzer-Stil Loops erzeugen. Das Herumspielen mit den Sounds in den Keyboards und Drum-Computern macht großen Spaß. Viele Instrumente haben einen gewissen Retro-Charme, sodass sich damit starke Klänge zaubern lassen, die aus der Masse herausstechen.

Korg Gadget iPad
Korg Gadget. Screenshot by Stefan von Gagern

Zwar können Einsteiger auch mit Experimentieren brauchbare Ergebnisse erreichen. Doch etwas Erfahrung mit Synthies, Sequenzern und Musiksoftware ist schon hilfreich, wenn ihr über das bloße Probieren hinauskommen und einigermaßen schnell ganze Songs kreieren wollt. In jedem Fall ist Gadget eine tolle Instrumentensammlung, die ihren Preis von derzeit rund 44 Euro im App Store Wert ist.

Korg Module: Keyboard-Repertoire der Spitzenklasse

Der Name der zweiten App in meinem Blick über den GarageBand-Tellerrand klingt relativ unspektakulär. „Module“ suggeriert, es handele sich um einen kleinen Baustein. Tatsächlich steckt dahinter eine wahre Offenbarung an klassischen Keyboard-Klängen für verschiedene Stilrichtungen. Von Rock über Jazz bis hin zu Streichern findet der Studiotüftler eine große Auswahl.

Korg Module iPad
Korg Module. Screenshot by Stefan von Gagern

In punkto Instrumente erstreckt sich die Spannbreite von elektrischen Pianos wie einem Fender Rhodes über Clavinets und Hammond-Orgeln bis hin zu klassischen Pianos. Dass die Sammlung vor allem für den Live-Einsatz gedacht ist, zeigt sich daran, dass die Presets in einer Setlist für den Auftritt gebündelt werden können.

Korg Module (getestet in Version 2.5.1) ersetzt somit eine ganze Sammlung an herkömmlichen, physischen Keyboards und Instrumenten und stellt sie als miniaturisierte Software-Variante bereit. All dies in einem kompakten Smartphone oder Tablet – Wahnsinn! Dabei bietet Korg nicht nur viel Masse, sondern gleichzeitig auch große Klasse. Die Qualität der Klänge gehört zur Spitze, die Simulationen auf dem iPad klingen verblüffend echt. Praktisch: Die Instrumente aus Module lassen sich in die andere App, Korg Gadget, importieren. Somit stehen die Module-Sounds auch in der Bibliothek von Gadgets Synthie-Sounds bereit.

Korg Module iPad
Korg Module. Screenshot by Stefan von Gagern.

Kleinere Mankos finde ich in meinem Test dennoch. Etwas klein geraten finde ich das Touchscreen-Keyboard in der App. Das macht sich nicht nur in der iPhone-Version, sondern auch in der iPad-Version negativ bemerkbar. Wer ernsthaft Stücke einspielen möchte, ist mit einem externen Keyboard wie zum Beispiel den iOS-kompatiblen Geräten von iK Multimedia deutlich besser bedient.

Zudem werden erfahrene Tastenprofis bei den Orgeln die Klangregelungsmöglichkeiten der echten Vorbilder vermissen, die hier auf Effekte wie Leslie beschränkt sind. Aber das ist angesichts des Gebotenen nur eine Lappalie.

Insgesamt ist der Preis von rund 44 Euro für Module im App Store ein Schnäppchen. Im Vergleich dazu könnte sich kaum ein Freizeit-Musiker die realen Vorbilder leisten, beziehungsweise hätte kaum jemand den Platz, sie alle aufzustellen.

Fazit: Korg dreht auf iOS den Swag auf

Korg hat in der Vergangenheit schon geniale Apps für Tastenmusiker auf dem iPad herausgebracht. Nun legt der Hersteller mit Korg Gadget einen tollen Sequencer und mit Korg Module eine herausragende Keyboard-Sammlung für das iPad nach. Beide Apps begeistern durch ihre Vielfalt und Klangqualität. Kleine Mankos in Sachen Bedienung lassen sich da verschmerzen.


Teaser Image by Korg, Screenshots by Stefan von Gagern


Stefan von Gagern

Stefan von Gagern schreibt als freier Journalist für Zeitschriften und Websites Artikel, Tests und Beiträge über digitale Themen wie Publishing, Internet, Social Media, Gadgets und Digital Lifestyle. Unternehmen berät er bei Konzeption und Umsetzung von Social Media-Auftritten und Content. Privat spielt der Freiberufler aus Hamburg Gitarre und ist oft auf dem Rennrad unterwegs.

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