Teufel Airy vs. Libratone Q Adapt: Zwei richtig gute Bluetooth-Kopfhörer im Vergleich

Ich liebe Bluetooth-Kopfhörer. Umso besser, dass ich in den vergangenen Wochen in den Genuss von gleich zwei Top-Modellen gekommen bin. Der Teufel Airy und der Libratone Q Adapt haben mich auf Schritt und Tritt begleitet. Beim Sport, auf der Couch, in der Bahn – überall. Hier kommen meine Erlebnisse im Praxistest.

Im Airy steckt der Teufel

Der „luftige“ Airy von Teufel war der erste On-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth, den ich je auf den Ohren hatte. Die erste Begeisterung galt also bereits dem fehlenden Kabel. Der Kopfhörer kommt in einer sehr robusten, großen Transporttasche, die leider in keine meiner Handtaschen, dafür aber in die Sporttasche passt. Mitgeliefert wird ein Micro-USB-Ladekabel sowie ein Miniklinke-Anschlusskabel. Der Airy spielt nicht nur Musik, er besitzt auch eine integrierte Freisprecheinrichtung, über die Telefonate möglich sind.

Seine Lautsprecher decken einen Frequenzbereich von 20 bis 19.500 Hz ab, zwei 40-Millimeter-Treiber mit Neodym-Magneten im Inneren sollen für tiefe Bässe sorgen. Via Bluetooth-4.0-Technologie verbindet der Airy sich mit dem Smartphone. Ich habe den Kopfhörer mit einem iPhone 7 Plus getestet. Das iPhone findet den Teufel Airy auf Anhieb und nimmt problemlos Kontakt auf.

Style-Faktor 10/10

Optisch macht der Airy einiges her. Sein Design ist schlicht und dennoch stylisch gehalten. Teufel bietet eine gute Verarbeitung der Plastikteile – die Bügel lassen sich ohne großen Widerstand verstellen und bleiben während des Tragens in der gewünschten Position. Auf der rechten Seite befinden sich am Kopfhörer die Steuerelemente: Der Play/Pause-Knopf, das Lautstärke-Rad, sowie zwei Skip-Tasten. Die Lautsprecher sind mit Kunstleder umhüllt. Besonders toll: Sie sind austauschbar und lassen sich deshalb auch einfach reinigen. Nach dem Sport ist das ein absolutes Muss.

Der Teufel Airy ist mit seinen 150 Gramm wirklich ein Fliegengewicht. Leider jedoch kein gelenkiges. Außer um den Hals kann ich den Teufel Airy unterwegs nirgendwo sinnvoll verstauen. Aber die Zeiten von einklappbaren Kopfhörern sind wohl auch schon länger vorbei.

Image by Julia Froolyks
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Das drückt!

Generell liegt der Kopfhörer relativ eng an meinem Kopf. Ich hatte den Eindruck, als sei der Kopfhörer ein wenig zu unflexibel, um sich da anzupassen. Die Lautsprecher lassen sich ebenfalls nicht beliebig bewegen, nur ein wenig neigen.

In den ersten Minuten des Tragens ist der Airy sehr komfortabel, leider war bei mir immer nach 20 Minuten Schluss, da der Kopfhörer Druckstellen an meinen Ohren verursacht hat. (Ich habe mal gefühlt – meine Ohren sind schon von recht harter Knorpel-Konsistenz, vielleicht liegt’s daran). Das Abnehmen des Kopfhörers tat nach dieser Zeit auch ein wenig weh. Für mich ist der Komfort von Kopfhörern mindestens genauso wichtig, wie sein Klang – und darüber wollen wir jetzt mal sprechen.

So klingt der Teufel Airy

Mein Musikgeschmack reicht von italienischem Pop über Metal, bis hin zu softem R’n’B und House-Musik. Genügend Genres also, um die Klang-Qualität des Airy genauestens unter die Lupe zu nehmen. Die ersten Klänge aus dem Airy sind beeindruckend. Die Musik spielt sich genau mittig in meinem Kopf ab, hat richtig satte Bässe und angenehme Höhen. Die Mischung ist beim Teufel Airy wirklich perfekt.

Da Teufel für den Airy keine App zur Verfügung stellt, in der zwischen mehreren Sound-Profilen ausgewählt werden kann, lohnt sich das Ausprobieren mit Apples eigenen Equalizern. Ich höre am liebsten im Rock- oder R’n’B-Modus. Aber auch ohne Equalizer kann der Airy von Teufel sich auf jeden Fall hören lassen.

Schirmt Geräusche auch ohne Extra-Elektronik gut ab

Der Airy kann baubedingt die Umwelt richtig gut ausblenden, da er laut Hersteller über eine Außenschalldämpfung verfügt. Richtiges Noise-Cancelling kann der Airy leider nicht – im täglichen Gebrauch hat sich das allerdings nicht als negativ gezeigt. In der Bahn werden nervige Brumm-Geräusche weitestgehend gefiltert, alles andere kommt durch, und das ist im Straßenverkehr auch sinnvoll. Ich bin kein Freund von Noise-Cancelling – außer im Büro.

An die vom Hersteller prognostizierten 20 Stunden Laufzeit kommt der Teufel nicht ganz heran. Er überlebte in meinem Alltag allerdings mehrere Tage am Stück – was wirklich sehr angenehm ist in der heutigen „Charge Every Day“-Zeit.

Telefonieren funktioniert mit dem Airy ganz genau so, wie es soll. Dabei kommt die Stimme des Gesprächspartners klar und deutlich rüber, und auch meine Stimme soll (trotz vorbei rasender Züge) gut und deutlich am anderen Ende der Leitung angekommen sein.

Libratone Q Adapt: Ein Däne haut auf die Pauke

Libratone klingt jetzt nicht so dänisch, ist es aber. Bis vor kurzem noch ein Start-Up, hat sich das Unternehmen schnell einen Namen im Bereich Lautsprechern und Kopfhörern gemacht. Besonders die hochwertigen Stoff-Überzüge geben den Produkten von Libratone einen hohen Wiedererkennungswert. So auch der ohraufliegende (on-ear) Bluetooth-Kopfhörer Libratone Q Adapt.

Image by Julia Froolyks
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Genau wie der rund 100 Euro günstigere Teufel Airy kommt der Q Adapt mit einer Schutzhülle, einem Klinkenkabel und einem USB-Aufladekabel. Technisch gesehen ist der Q Adapt allerdings etwas üppiger ausgestattet. Das „City Mix“-Noise-Cancelling ist hier wohl an erster Stelle zu nennen. Das hat es nämlich wirklich in sich. Vier Stufen stehen hier zur Verfügung – und die vierte zieht einem beinahe das Gehirn aus den Ohren. So unwirklich ist Kontrast zwischen dem, was ich sehe, und dem, was ich (nicht) höre. Auf der vierte Stufe könnte um einem herum die Welt untergehen, man würde es akustisch einfach nicht bemerken.

„Vorsicht, Zugdurchfahrt!“ – hochwirksames Noise-Cancelling

So kam es während meiner Zeit mit dem Libratone Q Adapt auch einmal zu einer brenzlichen Situation an einem Kaff-Bahnhof. Es wäre besser gewesen, die Durchsage „Achtung, Zugdurchfahrt!“ auch zu hören. Den Herzinfarkt meines Lebens hatte ich, als dann knapp vor meiner Nase ein ICE vorbei raste. Deshalb kann ich nur dazu aufrufen, Noise-Cancelling generell nicht im Straßenverkehr zu verwenden. Man verpasst nicht nur die schönen und lustigen Alltags-Situationen mit seinen Mitmenschen, sondern bringt sich und andere womöglich in echte Gefahr. Im Büro und beim Arbeiten sind die vier Stufen im City Mix von Q Adapt allerdings ganz großes Kino.

Komfortable Touch-Steuerung

Besonders komfortabel am Q Adapt ist die Touch-Steuerung am rechten Lautsprecher. Per Fingerbewegung lassen sich hier die Lautstärke einstellen, Tracks skippen oder pausieren. Wird die Hand komplett auf die Fläche gelegt, unterbricht der Kopfhörer  dank „Hush-Funktion“ sofort die Musik und deaktiviert das aktivie Noise-Cancelling. Wird die Hand wieder drauf gelegt, spielt die Musik weiter und die Geräuschunterdrückung greift wieder. Richtig praktisch im Alltag. Wird der Q Adapt vom Kopf genommen, stoppt die Wiedergabe ebenfalls.

Erstklassiger Klang

Libratone hat für seinen Q Adapt außerdem eine App entwickelt, über die sich neben der Standard-Variante zwei weitere Sound-Profile für mehr Bass oder Höhen einstellen lassen. Diese sind allerdings in der Praxis zu vernachlässigen, da zumindest ich keinen markanten Unterschied zwischen den einzelnen Equalizern feststellen konnte.

Image by Julia Froolyks
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Dafür liefert der Q Adapt von Libratone einen ausgewogenen, detailreichen Klang. Satte Bässe produziert der Q Adapt ebenfalls mithilfe von zwei 40 mm-Treibern mit Neodym-Magneten. Die Tiefen sind richtig gut und gehen fast schon ins Blut über.

Der Musikgenuss ist mit den Q Adapt insgesamt noch ein bisschen besser als mit dem Airy von Teufel. Allerdings muss man das bei einem Preis von 250 Euro auch erwarten. Der Q Adapt ist ebenfalls zum Telefonieren geeignet, und ich kann auch Befehle an Siri weitergeben.

Himmlischer Komfort: Auf Wolke 7 mit dem Libratone Q Adapt

Was den Komfort angeht, ist der Q Adapt wirklich unschlagbar. Stundenlang kann der On-Ear-Kopfhörer auf meinen Ohren verweilen. Das liegt wohl besonders an den unfassbar weichen Leder-Lautsprechern. Hier ist nicht bloß eine Polsterung außen angebracht, wie beim Airy – die Lautsprecher sind gänzlich mit weichem Material bestückt, was meinen Ohren sehr schmeichelt. Zudem sind die Lautsprecher komplett drehbar, sodass der Kopfhörer sich ideal an den Kopf anpassen kann. Der stoffüberzogene Bügel liegt ebenfalls sehr angenehm am Kopf. Designtechnisch ist der Q Adapt von Libratone ein kleines Meisterwerk.

Der Kopfhörer ist mit 200 Gramm etwas schwerer als der Airy, dafür stehen die beiden sich in Sachen Akkulaufzeit in nichts nach. Auch der Q Adapt soll 20 Stunden am Stück Musik auf die Ohren geben. Mehrere Tage hält das gute Stück aus, bis es etwa für drei Stunden vollständig aufgeladen werden muss. Der Airy lädt mit 3,5 Stunden hier etwas länger.

Fazit

Zugegeben, der Vergleich hatte schon etwas von David gegen Goliath. Der Airy kann in der Kernkompetenz Sound aber grundsätzlich mit dem 100 Euro teureren Q Adapt mithalten. Dennoch hat der Libratone klanglich noch einen Tick mehr zubieten.

Was den Komfort angeht, passt mir der Airy leider gar nicht. In meinem Freundeskreis befinden sich allerdings zwei Personen, die den Airy ebenfalls besitzen, und ich glaube, dass der Kopfhörer an ihren Köpfen bereits angewachsen ist – sie haben keine Probleme mit Druckstellen am Ohr. Der Q Adapt ist dagegen die reinste Freude. Die fluffigen Leder-Lautsprecher sind mehr als bequem und die Flexibilität sorgt für eine perfekte Passform.

Image by Julia Froolyks
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Das Noise-Cancelling des Libratone-Modells ist wirklich krass wirksam. Es übertrifft sogar die richtig gute Geräuschunterdrückung der Bose QuietComfort 20 In-Ear-Kopfhörer, die ich ebenfalls verwende.

Für den Airy sprechen die austauschbaren Lautsprecher und der Plastik-Bügel. Schmutz, Schweiß und sonstiger Dreck kann einfach abgewaschen werden. Das bieten die Q Adapt mit ihrem Stoffbezug und fest-verbauten Lautsprechern leider nicht. Tatsächlich wird der Bügel recht schnell schmutzig.

Den Teufel Airy gibt es im Direktversand des Herstellers für rund 150 Euro. Der Q Adapt von Libratone ist im Hersteller-Shop derzeit von 250 Euro auf 220 Euro reduziert.


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Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet - damit können Medienschaffende einfach am besten arbeiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.

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