Endlich Komplett-Sync zwischen iOS und Mac: Lightroom CC 2017 angetestet

Schon im vergangenen Jahr kündigte sich auf der Adobe Max, der Hausmesse von Adobe, an, dass eine neue Bildbearbeitungs-Plattform kommen wird, die einen großen Schritt in Richtung Fotografie-Workflow der Zukunft vollziehen soll. Letztes Jahr hieß die Vorschau auf die Foto-Plattform noch „Project Nimbus“. Grundidee: Jeder Schritt konnte dabei rückgängig gemacht werden und alle Bilder sollten auf iPhone, iPad, Mac und anderen Systemen immer auf dem neuesten Stand verfügbar sein. Das gilt nicht nur für ausgewählte Sammlungen, sondern tatsächlich für den gesamten Dateibestand. Eine komplette Foto-Cloud eben. Auf der Adobe Max 2017 in Las Vegas ist es soweit. Project Nimbus heißt ab sofort Lightroom CC. Ich habe den Cloud-Neustart von Adobe bereits auf iPhone und Mac ausprobiert.

Neue Benutzeroberfläche von Lightroom CC spricht auch Einsteiger an

Abgesehen vom neuen Namen hat sich einiges beim neuen Lightroom CC geändert. Zwar soll es die gleiche Qualität bieten wie die bisherige Version (die es als Lightroom Classic weiterhin geben wird). Allerdings soll die Bedienung deutlich Ergebnis-orientierter und deutlich intuitiver werden. Deshalb findet ihr euch nach dem Start auch in einer komplett neuen Benutzeroberfläche wieder. Der Umstieg fällt jedoch leicht. Denn die Elemente sind zwar etwas anders angeordnet, aber die Funktionen heißen genauso wie vorher. Zudem ist das Migrieren eines bestehenden Foto-Katalogs ein Leichtes. Wer zuvor schon mit Lightroom gearbeitet hat, freut sich über den nahtlosen Umzug. Denn alle Fotos meiner Bibliothek werden bei meinem ersten Test auf Anhieb ohne Probleme ins neue Programm geladen.

Die größte Veränderung hat Lightroom CC auf dem Desktop erfahren. Was mir beim Start unter macOS sofort auffällt, sind die interaktiven Lernhilfen. Auch totale Neulinge finden sich in Lightroom CC zurecht, weil jetzt kleine Sprechblasen und Animationen dem Nutzer sagen, was er in der aktuellen Ansicht tun kann. Ansonsten zeigt sich die Oberfläche extrem aufgeräumt und zeigt zunächst fast nur das Wichtigste, nämlich die Fotos. Erst nach einem Klick auf das Archiv-Symbol werden zum Beispiel Alben eingeblendet. Rechts am Rand finden sich die Bearbeitungs- und Korrekturwerkzeuge. Lightroom erklärt vor der ersten Bildbearbeitung dem Nutzer erst einmal, dass er sich entspannen darf. Denn jede Änderung an einer Bilddatei kann rückgängig gemacht werden, weil die Originale stets unberührt bleiben.

Lightroom CC 2017 Test
Die neue Oberfläche von Lightroom CC ist übersichtlicher. Image by Stefan von Gagern

Komplettes Cloud-Backup des Bildbestandes

Zweiter Grundsatz ist, dass alle Fotos immer in Originalauflösung auf allen Geräten verfügbar sind. Daher werden alle in Lightroom CC vorhandenen Bilder in voller Auflösung in der Cloud gesichert. Und nicht nur alle Fotos sind überall, sondern die Änderungen werden ebenfalls synchronisiert. Damit stehen die jüngsten Dateiversionen samt Änderungsverlauf auf allen Geräten zur Verfügung. Das gilt für die Programme für Mac und Windows genauso wie für die Web-Oberfläche im Browser sowie Smartphones und Tablets mit iOS und Android. Das Synchronisieren erledigt Lightroom automatisch im Hintergrund. Ein Klick auf die kleine Wolke verrät den Status der aktuellen Synchronisierung und wie viel Cloudspeicher in Benutzung und noch verfügbar ist.

Der Komplett-Sync ist in diesem Sinne eine „Rundum-sorglos-Lösung“. Denn wer zum Beispiel auf dem Desktop versehentlich ein Bild löscht, kann immer noch das Original aus der Cloud herunterladen. Abstürze von Laptops, kaputte Festplatten oder verlorene Smartphones bereiten aus diesem  künftig weniger Sorgen, denn immerhin bleiben so die unersetzlichen Aufnahmen von der letzten Session, vom Familienfest oder vom Hochzeitsurlaub erhalten. Das klingt zwar noch einer inzwischen selbstverständlichen Funktion eines Cloud-Dienstes. Doch in Kombination mit einem profi-tauglichen Bildbearbeitungsprogramm ist dies neu.

Bearbeitungsschritte werden jetzt ganz einfach erklärt

Nicht nur beim Erkunden des Programms, auch beim Bearbeiten der Fotos helfen neue, interaktive Lerninhalte, die sich bei Bedarf einblenden. Wer zum Beispiel noch nie wusste, was der Regler „Belichtung“ eigentlich macht, berührt einfach mit dem Mauszeiger den Begriff im Desktop Programm. Ein kleines Fenster zeigt mit einer Animation was der Regler bewirkt.

Lightroom CC 2017 Test
Die Bearbeitung geht jetzt auch Einsteigern leichter von der Hand. Mouseover-Anleitungen sei dank. Image by Stefan von Gagern

So ist die Hilfe direkt im Programm eingebaut, jedoch ohne zu stören oder aufdringlich zu wirken. Der Effekt ist enorm: Die Bearbeitung in Lightroom CC geht mir so intuitiv wie noch nie von der Hand. Was den einfachen und schnellen Einstieg betrifft, ist Adobes Lösung nun vergleichbar mit Apple Fotos, bietet aber ungleich mehr Möglichkeiten. Zudem wirkt die Oberfläche moderner und aufgeräumter, obwohl es fast alle bekannten Funktionen aus dem klassischen Lightroom auch in die neue Version geschafft haben.

Mit Lighroom CC kreativ zu experimentieren ist damit so einfach wie noch nie. Um verschiedene Bild-Looks auszuprobieren, reicht es die bekannten Vorgaben aufzuklappen und mit dem Mauszeiger darüber zu fahren. Lightroom CC zeigt dann in Echtzeit eine Vorschau des mit den Vorgaben korrigierten Bilds. Diese eignen sich hervorragend als Ausgangspunkt für feinere Bearbeitungen mit den Schiebereglern.

Lightroom CC 2017 Test
Dank Vorgaben lassen sich Bilder auch weiterhin mit wenigen Klicks aufhübschen. Image by Stefan von Gagern

Künstliche Intelligenz erspart Verschlagwortung und erleichtert Suche

Jeder hat heute mit einer riesigen Masse an Fotos zu kämpfen. Für das Verwalten bleibt oft kaum Zeit. Es dürfte nur wenige Nutzer geben, die sich die Zeit nehmen, jede Aufnahme nach einer Fotosession mit Schlagwörtern zu taggen. Das würde zwar späteres Suchen und Finden vereinfachen, bedeutet aber eben auch einen Riesenaufwand. Bisher jedenfalls. Lightroom CC schafft mit einer neuen Vorgehensweise Abhilfe.

An dieser Stelle kommt Adobe Sensei ins Spiel. Das ist die im vergangenen Jahr vorgestellte Technologie für Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Der Hersteller setzt sie in immer mehr Programmen seiner Kreativ-Komplettlösung Creative Cloud ein. Nun eben auch in Lightroom CC. Ab sofort wird jedes Bild in Lightroom nicht nur in die Cloud geladen, sondern auch automatisch verschlagwortet. Dies macht die Suchfunktion sehr viel bequemer. Wer nach Begriffen wie „Fahrrad“ sucht, bekommt treffsicher die Bilder aus der Sammlung, die den Gegenstand enthalten. Auch ohne, dass er vorher selbst das Bild nach dem Import mit dem Begriff versehen hat.

Updates für Web und mobile Apps

Nicht erst seit Apple Raw-Bilder unterstützt, ist Lightroom auch als mobiler Fotobearbeiter unter iOS eine beliebte Wahl. Daher bringt Adobe auch für iPhone, iPad und Android-Geräte eine aktualisierte Lightroom-Version. Unter iOS und Android kann das Programm jetzt hierarchische, also verschachtelte Alben verwalten. Die Sensei-Suche ist ebenfalls an Bord. Zudem ist das mobile Lightroom CC erstmals nicht nur auf Smartphones, sondern auch Tablets mit Android verfügbar.

Viele vergessen, dass es Lightroom auch als Software im Webbrowser gibt. Die Web-Version kann jetzt öffentliche Webgalerien erzeugen und verwalten. Zudem wurde die Integration mit Adobe Portfolio, dem Online-Dienst für die Erstellung von professionellen Portfolio-Webseiten verbessert.

Lightroom CC 2017 iPhone
Die iPhone-Version von Lighroom CC 2017 wurde ebenfalls aktualisiert. Image by Stefan von Gagern.

Klassisches Lightroom, Update fürs Foto-Abo und neues Lightroom-Abo

Neben dem neuen Lightroom gibt es weiterhin das bekannte Lightroom, jetzt unter dem Namen „Lightroom Classic“. Sie eignet sich für den ambitionierten Fotografen  und alle, die lieber ihre gewohnten Arbeitsabläufe weiter nutzen möchten. Im Unterschied zur neuen Version beinhaltet die Klassik-Variante weiterhin die Möglichkeit, Presets und Metadaten beim Importieren hinzufügen. Außerdem bleibt ihm zum Beispiel das Druckmodul exklusiv vorbehalten.

Adobe betont, dass der Begriff „Classic“ weder das Abstellgleis noch das Ende bedeutet. Man will im Gegenteil das Programm auch langfristig unterstützen und weiter entwickeln. Das unterstreicht Adobe mit Neuerungen: So wurde es in Sachen Performance dank GPU-Beschleunigung verbessert. Funktionen wie lokale Pinsel, Rauscherkennung und das automatische Maskieren sollen ebenfalls deutlich performanter laufen.

Ebenso gibt es das bisherige Foto-Abo weiterhin. Darin sind das neue Lightroom CC, Lightroom Classic CC, Photoshop CC und 20 GB Speicherplatz zum bisherigen Preis von 11,89 Euro enthalten. Wer etwas drauflegt, bekommt 1 Terabyte Speicher für rund 23,79 Euro monatlich. Aktuelle Abonnenten des Foto-Abo können im ersten Jahr für rund 15 Euro monatlich auf diese Variante vergünstigt umsteigen.

Komplett neu ist das Lightroom-CC-Abo, in dem nur das neue Prgoramm auf allen Geräten, aber kein Photoshop und kein Lightroom Classic enthalten sind. Es bietet für 11,89 Euro zusätzlich 1 Terabyte Cloud-Speicher. Die Abonnenten können weiteren Speicher dazu kaufen.

Fazit: Sinvolles Upgrade für Ligthroom CC

Der eine oder andere alteingesessene Lightroom-User mag die Nase angesichts der radikal anderen, aber nicht minder leistungsfähigeren Oberfläche rümpfen. Und wer das neue Lightroom nicht mag oder seine Workflows weiterhin braucht, kann außerdem problemlos mit der Classic-Version weiter arbeiten. Der Rest freut sich wie ich über den neuen Ergebnis-orientierten Workflow, mit dem Bildbearbeitung in bekannter Lightroom-Manier einfach Spaß macht. Der Schritt in Richtung geräteübergreifende Cloud-Fotoplattform mit Blick auf die Zukunft ist ebenso richtig wie logisch.


Images by Stefan von Gagern


Stefan von Gagern

Stefan von Gagern schreibt als freier Journalist für Zeitschriften und Websites Artikel, Tests und Beiträge über digitale Themen wie Publishing, Internet, Social Media, Gadgets und Digital Lifestyle. Unternehmen berät er bei Konzeption und Umsetzung von Social Media-Auftritten und Content. Privat spielt der Freiberufler aus Hamburg Gitarre und ist oft auf dem Rennrad unterwegs.

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