Marshall Stanmore im Test: Rockige Klänge in allen Räumen

Wer als Hersteller auf dem hart umkämpften Lautsprecher-Markt bestehen will, muss innovativ und offen für neue Technologien sein. So auch die Traditionsmarke Marshall, die seit jeher für ihre Expertise im Audio-Bereich bekannt ist. Mit Acton, Stanmore und Woburn hat das Unternehmen auf der IFA 2017 in Berlin sein erstes Multiroom-System vorgestellt. Es konkurriert mit Platzhirsch Sonos und anderen Newcomern wie Yamaha MusicCast. Ich hatte die Möglichkeit, den Marshall Stanmore für zwei Wochen ausgiebig zu testen. Ist er die 450 Euro Anschaffungspreis wert?

Klassisches Schwergewicht mit Drehreglern

Den meisten Lesern dürfte Marshall vor allem als Hersteller von Verstärkungsanlagen für E-Gitarren bekannt sein. Doch auch im Heimbereich hat das Unternehmen einiges zu bieten. Vor allem äußerlich richten sich die Geräte an Freunde klassischer Lautsprecher. Das Gehäuse besteht aus Holz mit Kunstlederoptik. Die Lautsprecher auf der Frontseite verbergen sich unter feinmaschigen Gewebe, umrahmt von einer goldenen Kordel.

Mit Maßen von 350 x 185 x 185 Millimeter und einem Gewicht von 4,7 Kilogramm gehört der Stanmore von Marshall zu den schwereren Exemplaren. Aber der Lautsprecher ist ja auch nicht für den mobilen Outdoor-Einsatz gedacht. Wer dafür etwas braucht, sollte eher zu Lautsprechern von Ultimate Ears greifen. Das Revier des Stanmore sind die Wohnzimmerregale und Schrankwände dieser Welt. Und dort macht er eine ausgesprochen gute Figur.

Dafür sorgen auch die schicken goldenen Drehregler auf der Kopfseite des Gerätes. Neben der Lautstärke lassen sich Höhen, Tiefen und erstmals die Audioquelle wählen. Offline-Hörer wählen zwischen Klinkenanschluss, optischen Audioeingang und kabellosen Bluetooth. Die große Neuerung ist die WLAN- und damit Multiroom-Kompatibilität.

Lautsprecher miteinander koppelbar

Marshall hat seiner neuen Multiroom-Serie umfangreiche Konnektivitäten per WLAN spendiert. Sowohl das 2.4 GHz als auch 5 GHz Frequenzband wird unterstützt. Für Apple-User dürfte die AirPlay-Kompatibilität von Interesse sein. Audio-Daten landen direkt per WLAN vom Smartphone oder Tablet auf dem Lautsprecher. Android-Geeks freuen sich auf den integrierten Chromecast.

Im Test arbeitete der Marshall Stanmore auch mit Google Home zusammen. In der Google-App taucht er als Speaker auf, dem Raum und Name zugeordnet werden können. Selbst Fabrikate einander unbekannter Hersteller ließen sich als Stereo-System verbinden. Ein echt praktisches Feature. Wer in Besitz eines Spotify-Abos ist, kann den Stanmore per Spotify Connect ansteuern. Das funktionierte im Test prompt und ohne Komplikationen.

Marshall Stanmore Buttons
Auf der Oberseite befinden sich physische Drehregler etwa für Lautstärke, Tiefen und Höhen. Image by Jonas Haller

Rock hui, Elektro pfui

Das wichtigste Feature eines Lautsprechers ist und bleibt jedoch die Soundqualität. Und hier haut Marshall so richtig auf die sprichwörtliche Pauke. Die beiden Hochtöner des Stanmore liefern eine Leistung von 15 Watt, der zentral platzierte Tieftöner leistet 50 Watt. Im Frequenzbereich zwischen 50 und 20.000 Hz ist dabei ein beeindruckender Schalldruckpegel von 108 dB möglich. Im Test waren selbst 50 Prozent der maximalen Lautstärke ausreichend. Er beschallt also auch mühelos große Räume.

Seine Expertise spielt Marshall besonders beim Genießen von Rockmusik aus. Gitarrenriffs und Drum-Soli klingen rund und füllig. Eine wahre (Hör-)Freude. Gegenteiliges lässt sich von elektronischem Synthesizer-Sound sagen. Besonders im unteren Frequenzbereich fehlt Druck. Aber mal ehrlich: Wer gönnt sich solche Klänge auf einem Marshall-Speaker?

Marshall-App lässt Favoriten konfigurieren

Neben den physischen Reglern am Stanmore selbst, bietet Marshall für die Konfiguration eine eigene Multi-Room App an. Sie ist im App Store kostenlos verfügbar. Die klassische Oberfläche erlaubt etwa das Verbinden mehrerer Geräte oder das Regeln von Lautstärke, Tiefen und Höhen. Des Weiteren lassen sich auf sieben Speicherplätzen die Lieblingssongs platzieren. Die Tracks sind dann nicht nur in der App, sondern auch auf einem Drehregler hinterlegt. Musik im Handumdrehen!

Marshall Stanmore Multiroom-App
Volle Kontrolle über den Stanmore erlaubt die Marshall Multi-Room App. Screenshots by Jonas Haller

Fazit: Marshall Stanmore ist ein schickes Must-Have für alle Rockfans

Lange Zeit plätscherte die Speaker-Serie aus dem Hause Marshall sanft neben den Verstärkern nebenher. Mit den neuen Multiroom-Modellen zeigt der traditionsreiche Hersteller sein Potential und verbaut die aktuelle Creme de la Creme der Lautsprechertechnik. Fans der kabelgebundenen Audiowiedergabe werden mit Analog- und Digital-Eingang ebenso glücklich wie “WLAN-Nerds” mit Chromecast und Spotify Connect. Die Kompatibilität mit Google Home ist dabei der größte Mehrwert.

Wenig überraschend klingen besonders rockige Klänge auf dem Marshall Stanmore super. Für elektronische Technomusik fehlt ein anpassbarer Equalizer, mit dem sich die einzelnen Frequenzen anpassen lassen. Die beiden Höhen- und Tiefenregler sind da zu wenig. Trotz der kompakten Dimensionen ist der maximale Schalldruckpegel eine echte Wucht.

Der Marshall Stanmore ist ab sofort zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 450 Euro verfügbar. Der kleine Bruder Acton schlägt mit 350 Euro zu Buche, für den großen Woburn werden geschlagene 600 Euro fällig. Interessenten haben die Wahl zwischen weißen oder schwarzen Modellen.


Images & Screenshots by Jonas Haller


Jonas Haller

Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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