Mehr Foto-App braucht keiner – ACDSee Pro für iOS im Test [Update]

ACDSee ist auf Mac und PC schon seit vielen Jahren eines der beliebtesten Programme für die Bearbeitung und Verwaltung von Fotos. In meinen Fall ist sie sogar der Favorit! Bei Windows- und Mac-Nutzern ist der Bekanntheitsgrad hoch. Hingegen die mobilen Ableger von ACDSee für iPhone und iPad kennen nur wenige. Während die Standardversion generell gratis zu haben ist, werden für die mobile Pro-Variante normalerweise einige wenige Euro fällig. Seit kurzem gibt es jedoch auch ACDSee Pro im App Store kostenfrei zum Download. Für mich ist das ein Grund, einmal einen genaueren Blick auf die App zu werfen.

Drei Module in einer App

ACDSee Pro kombiniert eigentlich drei Apps in einer. Die Software verbindet eine Kamerafunktion mit einem Bildbetrachter und einem Bildbearbeitungsmodul.

ACDSee Kamera
Die Kamera App bietet eine Vielzahl an Einstellmöglichkeiten. Screenshot by Lars Rehm

Das Design der Kamera steht im direkten Gegensatz zur simplen Struktur der vorinstallierten Kamera-App des iPhone. Die Kamera in ACDSee Pro bietet eine Vielzahl an Parametern und Einstellungen, die zum Großteil direkt vom Hauptbildschirm aus angewählt oder justiert werden können. Neben Bildformat, Blitzeinstellungen, Weißabgleich und manuellem Fokus trifft das auch für eine Reihe Filter, wie zum Beispiel Kontrast, Vignette und Schärfe zu. Die Filter können kombiniert werden und sind in der Bildvorschau sichtbar. Sehr nützlich sind auch eine digitale Wasserwaage und eine Warnfunktion gegen Verwackler.

Die Kamera von ACDSee Pro kann Dateien in DNG Raw abspeichern, es fehlen allerdings manuelle Einstellmöglichkeiten für Verschlussgeschwindigkeit und ISO. Auch gibt es keine Panoramafunktion, keinen Zeitlupenmodus und keine 4K-Auflösung für Video. Nutzer des iPhone 7 Plus müssen zudem auf das „Teleobjektiv“ in der Dual-Kamera verzichten, die nicht unterstützt wird.

Trotz der Vielzahl an Funktionen kann die App mit einer intuitiven Benutzeroberfläche glänzen. Sie lässt allerdings auch einige Features vermissen, die man von einer Kamera-App dieser Komplexität erwarten würde. Konkurrenten wie Manual Camera oder Camera+ haben mehr zu bieten.

Bildbetrachtung mit praktischen Metadaten

Wie in der iPhone-eigenen Bildmanagement-App Apple Fotos lassen sich bei ACDSee Pro im Betrachtermodul Bilder in Alben oder nach Aufnahmedatum sortieren sowie auf der Karte anzeigen. In der Einzelbildbetrachtung hat ACDSee Pro aber etwas mehr zu bieten. Die wichtigsten Exif-Daten werden direkt über dem Bild angezeigt. Zudem öffnet ein Klick auf die Info-Taste eine sehr schöne Zusammenfassung mit Histogramm und Kartenansicht des Aufnahmeortes. Sogar Spitzlichter und Tiefen können angezeigt werden. Auch der komplette Exif-Datensatz einer Bilddatei ist verfügbar.

ACDSee Exif-Daten
Exif-Daten können in einer sehr nützlichen Zusammenfassung angezeigt werden. Screenshot by Lars Rehm

Bildbearbeitung für Anspruchsvolle

Das Bildbearbeitungsmodul ist ohne Zweifel das Highlight von ACDSee Pro. Sowohl Anzahl als auch Qualität der angebotenen Editierfunktionen und Effekte liegen weit über dem Durchschnitt. Es gibt eine Vielzahl an Werkzeugen zum Anpassen von Farbe, Tonverteilung, Detaildarstellung, inklusive Farb- und Ton-Equalizer. Dieser Werkzeugkasten ermöglicht eine sehr feinstufige Bearbeitung.

Zusätzlich kann man sich an einem schier endlosen Angebot an Effekten wie Filmsimulationen, Lichtlecks oder Nostalgie-Filtern austoben, die Bildgeometrie korrigieren, Vignettierung hinzufügen oder oder verschwommene Hintergründe erzeugen. Die Werkzeuge lassen sich auch auf Raw-Dateien anwenden und sind meist variabel bezüglich ihrer Intensität. Mehr Bildbearbeitung ist auf einem Mobilgerät kaum möglich.

ACDSee Filter
Fast alle Filter lassen sich bezüglich Intensität und Bildregion anpassen. Screenshot by Lars Rehm

Test-Fazit ACDSee Pro: Besser geht es kaum

Die Bildbearbeitungs- und Betrachtungsmodule in ACDSee Pro gehören mit zum Besten, was es momentan fürs iPhone zu haben gibt. Auch das Kameramodul hat einiges für ambitionierte Mobilfotografen zu bieten, muss aber auch ohne einige Funktionen auskommen, die bei der Konkurrenz schon länger mit an Bord sind. ACDSee Pro ist aber alleine schon wegen der Bildbearbeitung eine Installation wert und solange die App gratis angeboten wird, ist selbst das Ausprobieren absolut risikofrei. Angenommen, ihr wollt nur eine Foto-App nutzen – nehmt diese! Mehr braucht Foto-Software braucht niemand auf dem iPhone oder iPad.

[Update 22.3.17.]

Inzwischen kostet die App wieder Geld – und zwar mehr als ich erwartet habe. Rund 7 Euro werden fällig. In Anbetracht dessen, dass ACDSee Pro nicht mit der Dual-Kamera funktioniert, würde ich als Nutzer des iPhone 7 Plus diesen Preis nicht bezahlen wollen. Zudem gibt es viele gute Bearbeitungsapps gratis, zum Beispiel Snapseed oder Lightroom Mobile.

ACDSee Pro: Zum Download im App Store.


Screenshots by Lars Rehm


 

Lars Rehm

Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

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