Kamera-Hülle Miggö Pictar weiß, wie man bei iPhone-Fotografen die Buttons pusht

Kaum jemand macht heutzutage noch Fotos mit einer klassischen, einfachen Kompakt-Digitalkamera. Die immer besser werdenden Smartphone-Kameras haben sie fast vollständig ersetzt. Fortgeschrittene Fotografen vermissen jedoch die praktischen Tasten und Knöpfe einer DSLR oder ähnlich leistungsfähiger Kameras. Mit der Smartphone-Hülle Pictar will der israelische Hersteller Miggö Abhilfe schaffen. Die Miggö Pictar rüstet euer iPhone mit vielen Bedienfunktionen auf, wie ihr sie von einer traditionellen Kamera für höhere Foto-Anspröche kennt. Ich habe das Gadget auf der IFA 2017 ausprobieren können.

Miggö Pictar
Miggö Pictar für „normale“ und „Plus“-Modelle des iPhone. Image by Timo Brauer

Diese Funktionen bietet euch Miggö Pictar

Miggö Pictar ist keine Hülle, die eurem iPhone permanent mehr Schutz oder einen persönlichen Look verleihen soll. Schließlich bedeckt Pictar euer iPhone auch nur zum Teil. Stattdessen schiebt ihr das Smartphone immer dann seitlich in die Pictar-Hülle, wenn ihr euch fürs Fotografieren ein stabilieres Handling und eine präzisere Steuerung wünscht.

Zunächst einmal besticht Miggö Pictar durch einen ausgeprägten, gummierten Griff, der für einen besseren Halt beim einhändigen Fotografieren im Querformat sorgen soll. Wie bei einer herkömmlichen Kamera, ist die Anordnung der Bedienelemente für die waagerechte Bedienung optimiert.

Miggö Pictar
Miggö Pictar, Oberseite mit Rädern für Belichtung und Kameramodus sowie Auslöser.

Auf der Oberseite von Miggö Pictar befinden sich neben einem physischen Auslöseknopf auch zwei Räder. Mit einem Rad wechselt ihr den Kameramodus, mit einem zweiten Rad die Belichtungswerte. Drückt ihr den Auslöser halb durch, fokussiert er zunächst. Erst bei einem festen Druck, nimmt er ein Foto auf – so, wie man es von einer herkömmlichen Kamera gewöhnt ist. Auf der Vorderseite befindet sich ein Multifunktionsrad. Dreht ihr es, betätigt ihr den digitalen Zoom. Drückt ihr es, wechselt ihr zwischen Front- und Rückkamera.

Miggö Pictar
Blitzschuh an Miggö Pictar. Image by Timo Brauer

Damit ihr weiteres Kamerazubehör mit eurem Smartphone nutzen könnt, bietet das Case außerdem noch ein Stativgewinde an der Unterseite sowie einen Anschluss für einen externen Blitz an der Oberseite.

Miggö Pictar
Stativgewinde an Miggö Pictar. Image by Timo Brauer

Dadurch, dass die Kamera des iPhones nicht von dem Case verdeckt wird, ist es auch möglich, zusätzliche Aufstecklinsen mit dem Case zu verwenden. Allerdings sollten die dann per Klemme oder Schieber wie bei Olloclip befestigt sein. Die normale Bracket-Halterung der Linsen von ExoLens und Zeiss würde sich mit der Pictar-Hülle ins Gehege kommen. Anders als bei den Gadget-Hüllen Kamerar oder Shiftcam bietet Pictar selbst keine integrierten Brennweiten-Konverter.

Einrichten leicht gemacht: Miggö Pictar und iPhone kommunizieren via Ultraschall

Das Einrichten des Gadgets ist denkbar einfach. Die mitgelieferte Batterie wird in das Batteriefach eingelegt. Anschließend schiebt ihr das iPhone seitlich in das Case. Dann braucht ihr nur noch die rund 70 Megabyte große App herunterzuladen. Eine Verbindung via Bluetooth ist nicht vorgesehen. Schließlich kommuniziert die Hülle via Ultraschall mit dem iPhone. Dadurch entfällt das langwierige Koppeln per Bluetooth, bevor man das Gadget verwenden kann. Andererseits ist es so nicht möglich, eine andere Foto-App verwenden. Beispielswiese im Zusammenspiel mit der nativen Kamera-App des iPhone oder mit Snapchat funktioniert Miggö Pictar nicht.

Gut durchdachte Software, Hardware mit Verbesserungspotenzial

Die Pictar-App macht einen sehr guten Eindruck. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase lässt sie sich sehr einfach und schnell bedienen. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass sich sehr viele Funktionen individualisieren lassen. So kann ich beispielsweise auswählen, welche Kameramodi ich beim Drehen des Rades an der Oberseite vorfinden möchte oder welche Optionen ich als Schnellzugriff beim Fotografieren auf dem Display sehen möchte.

Miggö Pictar Kamera-App
Miggö Pictar kommt mit einer eigenen Kamera-App. Image by Timo Brauer

Die Hardware hingegen wirkt angesichts des vergleichsweise hohen Preis des Gadgets doch etwas billig. Das gesamte Case besteht aus Plastik, der nicht sehr hochwertig wirkt. Auch die Passgenauigkeit lässt zu wünschen übrig. Insbesondere beim Einsatz an einem iPhone 6 Plus oder iPhone 7 Plus liegt die Hülle nicht passgenau an. Zudem empfinde ich das Rad für den Kameramodus als zu leichtgängig. Zu schnell passiert es, dass es einen Tick zu weit dreht und somit einen Modus überspringt. Wenn es bei einer Schnappschuss-Gelegenheit schnell gehen soll, ist das ungünstig.

Test-Fazit Miggö Pictar

Miggö Pictar ist eigentlich keine Smartphone-Hülle in engerem Sinne, sondern ein interessantes Foto-Gadget. Es ist praktisch für alle, die die manuellen Bedienelemente herkömmlicher Kameras bevorzugen und gern Stativ oder Anstecklinsen mit ihrem iPhone verwenden. Funktional sind Hülle und App ausgereift. Hingegen die haptische Qualität und die Verarbeitung der Hülle dürften bei einer etwaigen Revision gern noch besser werden.

Miggö Pictar
Miggö Pictar im Einsatz. Image by Timo Brauer

Miggö Pictar wurde per Crowdfunding finanziert. Die Kampagne ist bereits vor einigen Monaten zu Ende gegangen und hat den Machern mehr als das Dreifache des benötigten Betrags eingebracht. Inzwischen ist das Gadget auch für Interessenten außerhalb das Backer-Kreises erhältlich. Bestellen könnt ihr es direkt beim Hersteller. Es gibt zwei Modelle. Die „One“-Variante für das iPhone 4S, 5, 5S, 6, 6S, SE und 7 kostet 100 Euro. Die „One Plus“-Variante, die für iPhone 6 Plus, 6S Plus und 7 Plus optimiert ist, schlägt mit 10 Euro mehr zu Buche.


Images by Timo Brauer


Timo Brauer

Timo studiert Technikjournalismus in Bonn und beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.

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