Netatmo Healthy Home Coach getestet: Prima Raumklima mit HomeKit

Ein elektronisch hoch gerüstetes Smart Home bereitet nur wenig Freude, wenn die Luft darin so schlecht ist, dass man sich am liebsten das Atmen abgewöhnen möchte. Deshalb gibt es im wachsenden Angebot vernetzter Geräte auch zunehmend Sensoren, die den Bewohner vor unwirtlichem Raumklima warnen. Der Netatmo Healthy Home Coach schlägt per Smartphone-Mitteilung Alarm, wenn es im Zimmer zu schwül, zu stickig, zu laut, zu heiß oder zu kalt ist. Da mit HomeKit kompatibel, versteht sich das Gerät prima mit Siri und Apples Home-App. Für die Heimautomatisierung taugt der Home Coach aber noch nicht, wie mein Test zeigt.

Aufgestylte Haustechnik in róse-gold

Der Netatmo Healthy Home Coach ist keine smarte Haustechnik, die man unter Putz oder im Schrank verstecken möchte. Dank seines im rosé-goldem Look beschichteten Aluminiumgehäuses geht der etwas über 15 Zentimeter hohe Zylinder locker als elegante Zimmerdekoration durch. Schnöde Haustechnik aufzustylen liegt erfreulicherweise im Trend, wie auch die HomeKit-kompatible Überwachungskamera D-Link Omna 180 demonstriert. Schade, dass der Eingang für den Netzstecker einige Zentimeter über den Gehäuseboden platziert ist. Sonst ließe sich das Netzkabel noch einen Tick unauffälliger verlegen.

Netatmo Healthy Home Coach
Netatmo Healthy Home Coach im Kinder- oder Babyzimmer-Einsatz. Image by Netatmo

Mit blau ist alles im grünen Bereich

Netatmo Healthy Home Coach
Die App des Netatmo Healthy Home Coach ist funktional und übersichtlich. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Als einziges Bedienelement fungiert die weiße Sensortaste auf der Oberseite. Sie aktiviert die längliche LED an der Front. Leuchtet diese blau, ist alles im grünen Bereich. Dann bewertet der Healthy Home Coach das Raumklima als „gesund“. Rot gäbe hingegen Anlass zur Sorge, es steht für „ungesund“. Als Zwischentöne signalisieren grün, gelb und orange, wenn die Luft okay bis so lala ist.

Wer sich im betreffenden Raum selbst aufhält, wird das Raumklima vermutlich auch ohne Status-LED des Healthy Home Coaches einzuschätzen wissen. Seinen Mehrwert beweist das Gerät bei anderen Anwendungsszenarien. Zum Beispiel dann, wenn Eltern per Smartphone aus der Distanz prüfen möchten, ob das Babyzimmer angenehm temperiert oder die Luft im Kinderzimmer des asthmatischen Nachwuchses nicht zu feucht ist. Zudem können Anwender mit einem morgendlichen Blick auf die App nach raumklimatischen Ursachen für ihre Schlaflosigkeit forschen.

Funktionale App, einfache Einrichtung

Dazu können Anwender entweder direkt einen Blick in die kostenlos nutzbare iOS-App werfen oder sich Warnungen an iPhone, iPad und Apple Watch schicken lassen. Auf Wunsch lässt sich das Feedback bestimmter Sensoren komplett ausklammern. Aber die Schwellenwerte für alarmierende Messergebnisse legt die Software selbst fest. Nutzer können sie nur bedingt personalisieren, indem sie in der App eines der drei Profile „Ganze Familie“, „Baby“ oder „Asthmapatient“ wählen. Die aufgezeichneten Daten lassen sich 24 Stunden lang rückwirkend einsehen. Dann werden sie gelöscht.

Im Praxistest erweist sich die iOS-App auf einem iPhone 7 Plus in Verbindung mit einer Apple Watch 2 als übersichtlich, funktional und stabil. Die Einrichtung des Netatmo Healthy Home Coach geht damit leicht von der Hand. Während einige Amazon-Rezensenten über Installations- und Verbindungsprobleme klagen, blieben die App in der Version 1.0.8 und die Geräte-Firmware in der Version 36 in meinem Praxistest unauffällig.

HomeKit nutzt nicht alle Fähigkeiten

Netatmo Healthy Home Coach
Über die Apple Watch könnt ihr Mitteilungen vom Netatmo-Raumsensor empfangen oder ihn mit Siri befragen. Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt

Als HomeKit-kompatibles Gerät bietet der Netatmo Healthy Home Coach Apple-Nutzern weitere Vernetzungsfunktionen. HomeKit-Geräte lassen sich per Siri bedienen, können Daten an Apples Home-App übermitteln und sind in Routinen für die Heimautomatisierung integrierbar. Zwei dieser drei Aspekte erfüllt der Home Coach tadellos. So kann ich problemlos die Sensorwerte über Siri erfragen und in der Home-App beziehungsweise im iPhone-Kontrollzentrum ablesen.

Zur Einbindung in selbstablaufende Routinen im Zusammenspiel mit anderen HomeKit-kompatiblen Geräten taugt der Home Coach aber in der Praxis nicht. Ein Versuch, den Temperaturfühler als Auslöser für einen vernetzten Ventilator zu verwenden, scheiterte daran, dass Apples Home-App nicht auf den Temperaturwert zugreifen kann. HomeKit kann keine Regeln auf Basis von „niedriger/höher“ erstellen und ruft daher die Möglichkeiten des Healthy Home Coach schlicht nicht vollständig ab.

Lediglich der CO2-Sensor taucht während meines Praxistests als Menüeintrag auf. Damit lässt sich aber im Rahmen von HomeKit nichts anfangen, weil es keine Geräte gibt, mit denen man etwas gegen stickige Luft unternehmen könnte. Auf Nachfrage teilte Netatmo mit, dass Automatisierungen auf Basis von Temperatur und Luftfeuchtigkeitswerten ab iOS 11 möglich sein sollen. Apples neue Betriebssystemversion erscheint im Herbst.

Netatmo Healthy Home Coach
Bei der Sensorautomation in der Apple Home-App ist das Netatmo-Gadget noch nicht zu gebrauchen. Mit dem CO2-Sensor kann man nichts anfangen. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Test-Fazit Netatmo Healthy Home Coach

Der smarte Raumklima-Sensor Netatmo Healthy Home Coach gefällt durch sein ansprechendes Design und einer zuverlässigen Anbindung ans iPhone mittels einer übersichtlichen App. Die Bedienung per Siri-Sprachkommando und die Einbindung in die Status-Übersicht von Apples Home-App ist praktisch und funktioniert einwandfrei. Daher ist der Preis von 99,99 Euro im Hersteller-Shop zweifellos angemessen.

Schade, dass der smarte Sensor noch nicht zur Heimautomatisierung mit HomeKit taugt. Entgegen Netatmos Aussage müssen Anwender aber nicht bis zum Erscheinen von iOS 11 warten. Als Alternative bietet sich der Sensor Eve Room von Elgato an. Er kann auch jetzt schon Temperaturwerte als Auslöser für Apple HomeKit zur Verfügung stellen. Allerdings nur über die hauseigene App Elgato Eve, nicht über die App von Apple Home. Eve Room ist sogar 20 Euro günstiger als das Netatmo-Produkt, sieht allerdings nicht so glamourös aus.


Images by Netatmo, Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt


Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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