Neuer Passwort-Manager: Avira schützt eure Kennworte – und verschweigt noch die Preise

Facebook, Twitter, Instagram, Onlinebanking, Amazon, Ebay, Gmail – Ich könnte ewig so weitermachen. Kennt ihr? Kennt ihr! Wir alle haben mittlerweile wohl einen größeren Haufen Accounts im Internet angelegt, von denen wir einige davon jeden Tag verwenden. Ich persönlich halte es mit meinen Passwörtern da nicht so streng. Alle unterschiedlich und ewig-lang – aber wechseln? Mache ich nie. Bisher habe ich meine Passwörter zudem immer aus dem Kopf und per Hand eingegeben. Passwort-Manager sollen dies leichter und sicherer machen. Ich habe mir deshalb den neuen Avira Password Manager angesehen, der mit einem einzigen Master-Kennwort auf all meine Accounts zugreifen kann.

Neben bekannten Vertretern wie 1Password und Lastpass gibt es Passwort-Manager für macOS, iOS und Safari oder Chrome wie Sand am Meer. Aber wer würde schon irgendeiner App alle sensiblen Passwörter und Account-Daten verraten? Die Marke „Avira“ hingegen ist bekannt und hat daher einen Vertrauensbonus. Wenn’s noch nicht Klick gemacht hat: Avira Antivirus ist wohl die bekannteste deutsche Schädlingsbekämpfungs-Software der Welt.

Avira hat mit dem Password Manager eine Lösung herausgebracht, die plattformübergreifend Kennwörter sichert. Sie funktioniert auf Mac und iPhone ebenso wie auf Android und Windows. Ich habe mir die im App Store kostenlos herunterladbare iOS-App genauer angeschaut.

So funktioniert Avira Password Manager unter iOS

Der Zugang zur iPhone-App geht auch über Touch-ID. Screenshot by Julia Froolyks
Der Zugang zur iPhone-App geht auch über Touch-ID. Screenshot by Julia Froolyks

Dabei ist das Prinzip von anderen Daten-Tresoren bekannt: Ein Master-Passwort zum Ausführen der App ermöglicht Zugriff auf alle erdenklichen Accounts- und Passwörter, die man sich so im Alltag ansammelt. Dabei kann der Avira Password Manager entweder ein neues, sehr sicheres Passwort zufällig generieren, oder ein beliebiges Passwort wird in die App eingepflegt.

Wenn die App aus dem App Store installiert wurde, fragt sie direkt nach einem sicheren Masterpasswort. Dabei zeigt sie den Grad der Sicherheit mithilfe von rotem, orangenen und grünen Balken an – grün ist super-sicher. Danach kann ich festlegen, dass meine Touch-ID zum Entsperren genutzt wird. Danach war es das eigentlich auch schon. Keine Einführung, keine Erklärungen, keine Anleitung. Für mich als Daten-Tresor-Neuling richtig ärgerlich.

Einsatz  auf dem iPhone

Was ich nur durch Zufall herausgefunden habe: Unter iOS funktioniert Avira Password nicht im mobilen Safari-Browser. Generell werden keine mobilen Browser unterstützt. Die Passwörter werden auf dem iPhone über die App von Avira generiert, gespeichert und eingegeben.

Innerhalb der App muss die gewünschte Website, auf welcher sich der Account befindet, angegeben werden. Außerdem verlangt der Avira Password Manager nach dem Login-Namen und, natürlich, dem Passwort. Daraufhin sind die Login-Daten in der App gesichert. Ich habe das mit meinen Facebook-Login-Daten ausprobiert. Ein Tipper auf den entsprechenden Account bringt mich direkt zur Website (jedoch innerhalb des Avira Password Managers) und loggt sich mit meinen Daten ein, wenn ich diese nicht ohnehin als dauerhaft gespeichert habe.

Passwörter zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren

Einmal eingegeben, kann das Passwort auf anderen Geräten automatisch eingegeben werden. Screenshot by Julia Froolyks
Einmal eingegeben, kann das Passwort auf anderen Geräten automatisch eingegeben werden. Screenshot by Julia Froolyks

Sehr wichtig für einen Daten-Tresor ist das Abrufen der generierten Passwörter auf allen anderen Geräten, auf denen ich mich in meine Accounts einloggen möchte. Das ist auch mit dem Password Manager von Avira möglich. Hier kommt allerdings ein Haken: Die Funktion, alle Passwörter auf den Geräten zu synchronisieren, kostet Geld. Momentan können Nutzer der App noch bis März diese Funktion als Maßnahme zur Kundenbindung kostenfrei nutzen.

Was für den Service nach dem Zeitpunkt fällig wird, teilte Avira auch auf meine Nachfrage nicht mit. Die Preise stünden noch nicht fest, heißt es. Wer sich also jetzt an das System bindet, indem er mühevoll alle Passwörter überträgt, kauft die sprichwörtliche Katze im Sack.

Avira Password Manager auf dem iPad

An der Funktionalität ist jedenfalls nichts auszusetzen. Tatsächlich ist es sehr unkompliziert, seine Passwörter und Account-Daten auf anderen Geräten abzurufen. Ich habe mir den Password Manager auf dem iPad installiert. Durch die einmalige Registrierung via E-Mail-Adresse, sind all meine gesicherten Informationen auch dort abrufbar, nachdem ich mein Master-Passwort auf dem jeweiligen Gerät eingegeben habe. Auch das iPad erlaubt den Zugriff auf meine Daten via Apples Touch-ID. Der Zugriff über den In-App-Browser läuft ebenfalls reibungslos.

Avira Password Manager auf dem Mac

Auf dem iPhone ruft man aus der App einen integrierten Browser auf. Auf dem Mac wird das Avira-Programm als Add-on für Firefox und Chrome installiert. Screenshot by Julia Froolyks
Auf dem iPhone ruft man aus der App einen integrierten Browser auf. Auf dem Mac wird das Avira-Programm als Add-on für Firefox und Chrome installiert. Screenshot by Julia Froolyks

Auch auf dem Mac funktioniert der neue Passwort-Manager von Avira. Dort allerdings nicht über eine App, sondern über den Desktop-Browser. Leider wird Safari nicht unterstützt. Kompatibel ist der Avira Password Manager nur mit Firefox (ab Version 48) oder Googles Chrome-Browser (ab Version 32).

Die Anwendung wird im Browser dabei als Add-on installiert und läuft im Hintergrund. Praktisch ist hier, dass das Add-on nach der Eingabe von Account-Daten und Passwörtern via Pop-Up um Erlaubnis bittet, die Daten im Password Manager zu übernehmen. So können im Laufe der Zeit recht unkompliziert alle Accounts automatisch übernommen werden und sind auf allen Geräten synchronisiert.

Wie sicher meine Passwörter gespeichert sind

Die Frage, wie sicher der Password Manager von Avira ist, beantwortet der Hersteller auf seiner Website, indem er die AES-256-Verschlüsselungstechnik hervorhebt. Das ist eine allgemein anerkannte und bislang sichere Methode zum Schützen von Daten. Außerdem findet die Verschlüsselung der Daten nur auf dem Endgerät statt. Das kann ich im Rahmen meines Tests nicht überprüfen. In diesem Punkt muss man dem Hersteller gegenüber ein Grundvertrauen aufbringen.

Fazit: Lieber noch warten, bis die Preise feststehen

Avira Password Manager funktioniert gut und lässt sich einfach bedienen, wenn man das Prinzip verstanden hat. Eine bessere Einweisung für Einsteiger wäre wünschenswert.

Ein richtig großes Manko ist Aviras Preispolitik. Die Preise für die zum Gebrauch unbedingt notwendigen Premium-Funktionen zu verschweigen, ist ein Unding! Ich kann nur davon abraten, sich jetzt die Mühe zu machen, die Passwörter in den Avira-Account einzupflegen, ohne zu wissen, ob mir der Service später sein Geld wirklich wert ist. Da die wichtigste Funktion eines Passwort-Manager wohl das Synchronisieren mit allen gewünschten Geräten ist, kann ich den Avira Password Manager leider nicht weiterempfehlen.

Als iOS-Nutzerin und Mac-Besitzerin würde ich das Schlüsselbund von iCloud ohnehin jedem Passwort-Manager vorziehen, da Apple hier eine sehr ausgefeilte und gänzlich kostenfreie Möglichkeit bietet, auf allen Apple-Geräten synchron zu sein. Wer neben dem Apple-Ökosystem auch Windows und Android verwendet, kann alternativ einen Blick auf Lastpass werfen. Bei reiner Nutzung im Desktop-Browser ist das Add-on kostenlos. Für die mobile Nutzung werden 12 US-Dollar im Jahr fällig.

Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet - damit können Medienschaffende einfach am besten arbeiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.

More Posts - Twitter