Nicht lang schnacken, Kabel in’ Nacken: Teufel Move BT und NuForce BE Sport3 im Test

Kürzlich regten sich neben mir zwei AWM (angry white man) darüber auf, dass sich „die jungen Leute“ beim Sport immer die „Ohren abstöpseln“ würden. Mal ganz abgesehen von der nervigen Stammtisch-Rhetorik wissen die Beiden aus eigener Erfahrung sicher nicht, wie fantastisch es ist, sich körperlich zu bewegen und dabei gute Musik hören zu können.

Um jetzt mal wieder ganz sachlich auf gehobenes intellektuelles Gadget-Niveau zurückzukommen: Viele Pendler und Jogger bevorzugen ja Kopfhörer, die dank Bluetooth-Funk keinen Kabelsalat verursachen. Gute ohraufliegende Kopfhörer (wie die Beats Solo 2 Wireless) oder ohrumschließende Kopfhörer (wie die Denon AH-GC20) gibt es schon länger ohne Kabel. Immer häufiger bringen Hersteller jetzt auch In-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth.

Der Trend geht dabei gar zu Lauscherpaaren, die völlig ohne Strippe auskommen. Die Apple AirPods sind ein Beispiel dafür. Ein interessanter Zwischenweg sind Produkte, deren Ohrteile durch ein Nackenkabel mit Strom und Audiosignalen versorgt werden. Solche Modelle sind günstiger als die völlig kabelbefreiten In-Ears. Außerdem besteht kein Risiko, eines von beiden Ohrteilen zu verlieren.

Der Teufel Move BT (Produktseite) und der Optoma NuForce BE Sport 3 (Produktseite) gehören genau in diese Kategorie. Ich habe mir beide Modelle für euch angeschaut und angehört.

Bei Regen schwitzen und dabei auch noch gut aussehen

Beide In-Ears richten sich speziell an Fitnessbegeisterte. Sie sind so abgedichtet, dass kein Staub und kein Spritzwasser eindringen können. Dafür stehen beim Teufel-Modell die Schutzklasse IP54 und beim NuForce-Modell die Schutzklasse IPX55. Der Unterschied: mit dem BE Sport 3 in den Ohren könnt ihr auch im Regen sporteln und euch nach dem Sport noch mit dem Strahlwasser einer Duschbrause abkühlen.

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Spritzwasser macht dem Teufel Move BT nichts aus.

Wer sich so abenteuerlich verausgabt, dass er einen abgedichteten Kopfhörer benötigt, legt möglicherweise keinen Wert darauf, dabei trotzdem wie aus dem Ei gepellt auszusehen. Falls Design aber doch wichtig ist, können die Modelle von Teufel und Optoma mithalten.

Beide Testprodukte sind hochwertig verarbeitet. Die aus Metall und Kunststoff gefertigten Gehäuse fühlen sich schön glatt und geschmeidig an. Beim Teufel trägt die Gummikappe hinter dem Ohrpassstück etwas dick auf und sorgt für einen leicht pummeligen Eindruck.

Das Design des NuForce-Geräts wirkt noch etwas eleganter und mehr wie aus einem Guss. Die Tasten der Fernbedienung im Nackenkabel sind beim NuForce-Hörer zudem etwas filigraner eingearbeitet als beim Teufel. Dass die gelben und pfirsichfarbenen Wechseladapter des NuForce BE Sport 3 dem Träger ermöglichen, Farbakzente zu setzen, ist Geschmacksache.

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Der NuForce BE Sport 3 richtet sich an eine fitness- und lifestyle-orientierte Klientel.

Werden die Kopfhörer nicht benötigt, lassen sie sich in einer im Lieferumfang enthaltenden Hülle verstauen. Die Transportbox von Teufel ist sehr robust und hat eine Aufwickelhilfe integriert, die Stofftasche von Optoma ist kompakter und bietet einen praktischen Karabinerhaken.

Mehr Silikon, besserer Sitz

Wer partout keinen Kopfhörer mit Strippe wünscht, der wird über das kurze Verbindungskabel beider Modelle vielleicht die Nase rümpfen. In meinem Praxistest stören sie nicht. Weder beim Joggen, noch beim Kontakt mit Hoodie- und Jackenkapuze während des Stadtbummels. Für mehr Stabilität lassen sich die Kabel mit einem beigefügten Clip am Stoff fixieren.

Viel wichtiger als das Nackenkabel ist jedoch der Sitz der Ohrpassstücke. Nur wenn sie sich ideal ins Ohr schmiegen, kann der Sound seine beste Wirkung entfalten. Beide Hersteller liefern Silikonadapter in verschiedenen Größen mit, damit jede noch so individuelle Ohrform abgedeckt wird.

Den besten Sitz und Klang erreiche ich beim Teufel-Modell, wenn ich zwei verschieden große Passstücke kombiniere: ein mittleres im einen Ohr, ein großes im anderen. Leider reicht der Andruck in meinem Fall nicht aus, um auch heftigeren Bewegungsdrang standzuhalten. Während des Spaziergangs sitzen die Move BT stabil in meinem Ohr, beim Joggen lösen sie sich alle paar Minuten.

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Dank der besonderen Ohrpassstücke und Stabilsatoren sitzt der NuForce BE Sport 3 bei mir auch beim Joggen sehr stabil.

Optoma packt für einen besonders stabilen Sitz noch Stabilisatoren in den Karton. Bereits beim verwandten Modell NuForce BE6i gehörten solche „Flügelchen“ zum Lieferumfang. Sie werden zwischen Kopfhörer und Silikonadapter montiert und „haken“ sich in die Ohrmuschel. In diesem Fall gilt: Viel Silikon hilft viel.

Darüber hinaus hat Optoma eine besondere Adapterform entwickelt, die der Hersteller „SpinFit TwinBlade“ nennt. Was nach der Superwaffe einer Action-Figur klingt und auf den ersten Blick wie ein Marketing-Gimmick aussieht, funktioniert in meinem Fall richtig gut. Das Passstück ist etwas länger als üblich, besteht dabei aber aus zwei statt einem „Hütchen“. Dadurch passen die „SpinFit TwinBlade“-Adapter etwas tiefer in den Gehörgang. Mit diesen Spezialadaptern und den Stabilisatoren sitzt der NuForce BE Sport 3 bei mir auch während eines 60-minütigen Joggings perfekt stabil. Warum ist bisher noch kein anderer Hersteller auf solch eine Lösung gekommen?

Klangqualität: Das Teufelchen schlägt das Flügelchen

In puncto Design und Sitz hat der NuForce BE Sport 3 zwar leicht das Silikonnäschen vorn. Klanglich überzeugt mich der Move BT von Teufel jedoch mehr.

Der Bass des NuForce-Modells ist druckvoll, die Mitten sind okay, aber in den Höhen fehlt es an Brillanz. Töne in den höheren Frequenzbereichen zu unterscheiden, fällt mir schwer. Da hilft auch der perfekteste Sitz mithilfe der Flügelchen nichts. Hifi-Fans werden mit dem NuForce nicht glücklich. Um sich beim Sport von fetten Beats antreiben zu lassen, genügen sie aber.

Der Teufel Move BT bietet im Vergleich ein besseres Auflösungsvermögen. Über den gesamten Frequenzbereich hinweg höre ich bei den gleichen Songs mehr Details heraus. Alles wirkt kristallklar. Zudem bietet der Teufel eine breitere Klangbühne, die regelrecht zum Eintauchen einlädt.

Leicht zu bedienen und aufzuladen

Bei Over-Ear- und On-Ear-Kopfhörern mit BT befinden sich die Funktionstasten außen auf den Ohrmuscheln. Die Oberflächen von In-Ears sind dafür natürlich zu klein. Die Steuerung über die drei Tasten der Fernbedienung am Nackenkabel haben Teufel und Optoma durch eine clevere Mehrfachbelegung gut gelöst.

Ebenfalls an der Fernbedienung befindet sich ein microUSB-Slot, über den sich der Kopfhörer aufladen lässt. Der Akku des Move BT hält laut Teufel bis zu 20 Stunden. Hingegen der NuForce BE Sport 3 kommt laut Herstellerangabe auf zehn Stunden, also nur die Hälfte. Das ist ein krasser Unterschied, der sich im Praxistest auch bemerkbar gemacht hat. Beim NuForce ertönte das akustische Feedback „Power low“ öfter als beim Teufel.

Des Teufels Waschmaschine

Eine originelle Lösung hat Teufel für die Reinigung der Ohrpassstücke entwickelt. Wie die Hühner auf der Stange, lassen sich die Adapter des Move BT auf einem Träger in einem Röhrchen verstauen. Befüllt man dies zur Hälfte mit Wasser und schüttelt es, soll alles wieder sauber sein.

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Der Teufel Move BT kommt mit Transportbox, Kabelclip und Trägerröhrchen für Ersatz-Adapter. Das Trägerröhrchen funktioniert auch als „Waschmaschine“.

In der Praxis ziehe ich aber die gezielte Reinigung mit einem feuchten Brillenputztuch vor. Schließlich möchte ich nicht immer die unbenutzten Adapter vor dem Großreinemachen vom Träger entfernen müssen. Und andersherum diese einfach dort zu belassen und zur „sauberen Wäsche“ die „schmutzige Wäsche“ hinzuzufügen, erscheint mir nicht sinnig.

Test-Fazit Teufel Move BT und NuForce BE Sport 3

Auf den ersten Blick klingt das Angebot von Teufel Move BT und Optoma NuForce BE Sport 3 identisch: Beide sind In-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth und Nackenkabel. In meinem Vergleichstest offenbaren sich jedoch große und kleine Unterschiede.

Das NuForce-Modell ist eleganter designt und bietet dank stabilisierenden „Flügelchen“ und besonderen „Doppelhut“-Ohradaptern mehr Möglichkeiten, auch beim Sport einen stabilen Sitz zu finden. Gegen Staub und Wasser ist er zudem noch etwas besser geschützt. Der Teufel-Kopfhörer hat hingegen klanglich viel mehr zu bieten. Außerdem bietet er mit 20 Stunden gleich die doppelte Akkulaufzeit des NuForce-Geräts. Dafür erweisen sich seine „Move“-Qualitäten in meinem Praxistest als nicht joggingtauglich. Die Ohrhörer lösen sich einfach zu schnell.

Preislich liegen beide eng beieinander. Der Optoma NuForce BE Sport 3 ist für 99 Euro bei Amazon und anderen Online-Händlern verfügbar. Alternativ zur schwarzen Variante mit gelben und pfirsichfarbenen Ohrpassstücken können Käufer auch eine weiße Version mit grünen und pinken Silikonadaptern wählen. Der Rivale kostet 20 Euro mehr: Für 119,99 Euro ist der Move BT im Online-Shop von Teufel erhältlich. Dafür räumt der Direktversender Kunden acht Wochen Rückgaberecht ein.

Images by Teufel, Optoma
Teaser-Montage by Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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