Browser „Ulli“ bringt künstliche Intelligenz auf iOS – dürfte aber ruhig schlauer sein

Selbst lernende digitale Assistenten, die auf die sogenannte künstliche Intelligenz setzen, liegen im Trend. In der idealen Welt muss irgendwann man niemals mehr Software per Hand bedienen, sondenr spricht einfach seine Wünsche aus. Bis es soweit ist, versucht der Entwickler Biggerpan, die vorhandene Kategorie der am häufigsten genutzten Programme etwas aufzuschlauen: Browser.

Aktuelle Browser wie Safari oder Chrome sind meist nach folgendem Schema aufgebaut: Tabs, Lesezeichen, Verläufe und natürlich die Suchleiste stehen dem Nutzer zur Verfügung. Dass das zu umständlich sein könnte, kam mir bisher nicht in den Sinn – bis ich mit dem Ulli-Browser eine ganz neue Surf-Erfahrung auf dem iPhone erleben durfte. Ulli verzichtet auf vieles, was einen Browser ausmacht. Dabei steuert eine künstliche Intelligenz die nächsten Schritte. Klingt mysteriös bis gruselig – ist es auch. Hier kommen meine Erfahrungen mit dem „hellsehendem“ Browser namens Ulli.

Ist „Smart Searching“ das neue Websurfen?

Browser Ulli hat Künstliche Intelligenz
Der Magic Button soll das Suchen erleichtern.

Der smarte Webbrowser Ulli soll die Surf-Gewohnheiten des Nutzers kennenlernen und so nächste logische Schritte voraussagen. Dabei fallen neue Suchanfragen bei Google oder das hin- und herwechseln zwischen etlichen Tabs weg. Möglich machen es selbstlernende Algorithmen, auf denen Ulli basiert. „Smart Searching“ nennt der Entwickler Biggerpan das Verfahren, das selbsttätig mutmaßlich sinnvolle Surfziele und Aktionen für den Nutzer einblendet. Dabei können das weiterführende Links und Websites sein. Aber auch bei der Recherche von Filmen oder Restaurants schlägt Ulli vor, ein Taxi zu rufen oder Kinokarten zu reservieren.

Schnelles Finden durch „Magic Button“

Ein besonderes Feature von Ulli ist der „Magic Button“, der sich in der Mitte des unteren Bildschirmrandes befindet. Der grüne Knopf mit Zauberstab-Symbol soll das Suchen via Google und anderen Suchmaschinen gänzlich überflüssig machen. Die künstliche Intelligenz von Ulli analysiert markante Keywords auf der aktuellen Webseite und schlägt nach einem Tipp auf den Button relevante Seiten vor, die sich als nächstes lohnen könnten. Im Praxistest hat das auch gut funktioniert. Leider wurden mir hier jedoch überwiegend englischsprachige Ergebnisse zu meiner Suchanfrage angezeigt. Einzig im Bereich „News“ kann die Sprache umgestellt werden, sodass Nachrichten von deutschen Diensten dort angezeigt werden.

Shortcuts als Startrampe

Tabs gibt es doch auch.
Tabs gibt es doch auch.

Auf der Startseite von Ulli befinden sich viele Shortcuts (Lesezeichen), die beliebig angepasst werden können. Hier sind beispielsweise die gängigen sozialen Netzwerke und Portale aufgelistet. Ganz intuitiv können die Symbole wie Apps auf dem iPhone-Display mit einem langen Druck neu sortiert oder gelöscht werden. Des Weiteren sind außerdem gespeicherte Links und Seiten abgelegt, die mit einem einfachen Tipper aufgerufen werden können. Diese Herangehensweise ist gelungen und leistet deutlich bessere Orientierungshilfe als das klassische Lesezeichen-Chaos.

So simpel mit Fingern zu bedienen, wie ein mobiler Browser sein sollte

Im unteren Fensterbereich kann ich zudem die neuesten Nachrichten ansehen und wandere mit dieser Aktion direkt einen Schritt weiter in den Browser. Von hier aus lässt sich der intelligente Browser ganz bequem nur mit einem Finger bedienen, da die Eingabeleiste für URLs unten anstatt oben platziert ist. Angenehm für die Augen ist außerdem der automatische Vollbildmodus, der sich einstellt, sobald auf der Seite gescrollt wird.

Ulli bringt von Haus aus einen Ad-Blocker mit, der sich bei Bedarf ein- und abschalten lässt. Die möglichen Einstellungen können sehr einfach über die untere Action-Bar aufgerufen werden. Zwar will Ulli das Surfen mit Tabs für den Nutzer vermeiden. Es besteht glücklicherweise dennoch die Möglichkeit, Tabs zu öffnen und zu schließen.

Das Kaufen von Konzert- oder Kinokarten funktioniert hierzulande leider noch nicht, deshalb konnte ich diesen sehr interessanten Aspekt des Browsers noch nicht unter die Lupe nehmen.

Wie funktioniert die künstliche Intelligenz? Man weiß es nicht

Der Vollbildmodus von Ulli sieht toll aus.
Der Vollbildmodus von Ulli sieht toll aus.

Gern würde ich genauer erfahren, wie die künstliche Intelligenz funktioniert. Entwickler Biggerpan lässt sich leider nicht in die Karten schauen. Auf der Website des Start-Ups finden sich keine näheren Informationen zur Funktionsweise des intelligenten Browsers.

Meine Erfahrungen mit Ulli haben gezeigt, dass der „hellsehende“ Browser zwar relativ intelligente Vorschläge geben kann. Letztlich scheint es jedoch so, als würde der Browser lediglich eine Keyword-Analyse auf Webseiten vornehmen und seine Vorschläge danach richten. Mit künstlicher Intelligenz hat das dann weniger zu tun, eher etwas mit maschinellem Lernen. Das kann Fluch oder Segen gleichzeitig sein, da der Browser mich als Nutzer eben doch nicht so in den Vordergrund stellt, wie er beworben wird.

Ulli muss noch viel dazulernen

Künstliche Intelligenz hin oder her – in meinem Praxistest wird deutlich, dass der Browser für den deutschen Markt noch nicht ausgereift ist. Die Suchergebnisse werden teilweise auf Englisch dargestellt. Auch das direkte Ordern von Produkten klappt noch nicht. Die Sprache des Browsers ist ebenfalls Englisch. Da Ullis Mehrwert mit jeder Nutzung größer werden soll, werde ich ihm nach ein paar Online-Dates noch keinen Korb geben. In einer guten Beziehung muss man sich eben erst besser kennenlernen. Ein erfrischend anderes Surf-Erlebnis bietet mir der smarte Browser jetzt schon.

Der Browser Ulli ist als kostenloser Download für iPhone, iPad und iPod Touch ab iOS 9 im App Store erhältlich.


Screenshots by Julia Froolyks


 

Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet - damit können Medienschaffende einfach am besten arbeiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.

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