Alternative zu iCloud: So richtet ihr Owncloud auf iPhone und iPad ein

Die Festplatte ist abgeschmiert, die Daten-DVD zerkratzt und der Laptop geklaut? Es gibt viele gute Gründe, die eigenen Daten einer Cloud anzuvertrauen. Als Apple-Nutzer liegt es nahe, eure Daten Apples iCloud anzuvertrauen. Wie bei jedem amerikanischen Dienst, gilt dafür aber nicht der strenge deutsche Datenschutz. Wollt ihr ganz sicher sein, was mit euren Daten passiert, erstellt ihr euch gleich eine eigene Cloud. Eine der kostenlosen Lösungen für den eigenen Server ist Owncloud. Ich erkläre euch, wie ihr Owncloud auf eurem iPhone oder iPad einrichtet.

Owncloud ist modular aufgebaut und kommt standardmäßig mit Filesharing, einer Kalender- und einer Kontakte-App, die jeweils mit den gängigen mobilen Betriebssystemen synchronisiert werden können. Die grundlegende Bedienung und Konfiguration erfolgt im Browser. Erweiterungen bringen zum Beispiel einen Passwortmanager und eine eigene Verschlüsselung dazu.

Owncloud iOS-App
Die Owncloud-App für iOS. Screenshot by Anton Knoblach

Eine Warnung gleich vorweg: Alles selbst einzurichten ist nur etwas für IT-Versierte. Ein paar Tipps zum Installation des Servers findet ihr hier. Steht der Server, fehlt nur noch die Einrichtung auf dem Smartphone.

Filesharing mit Owncloud

Für den Filesharing-Kern der Owncloud gibt es eine eigene gleichnamige App im App-Store. Sie kostet 99 Cent und bringt Funktionen mit, die wir auch von den Apps der klassischen Anbieter kennen. Mit dem Dateibrowser können die Files geöffnet und heruntergeladen werden. In den Einstellungen kann festgelegt werden, dass Fotos und Videos automatisch in die Cloud geladen werden. Die App lässt sich mit einem vierstelligen Code schützen, der beim Öffnen eingegeben werden muss. Auch Touch-ID ist möglich.

Die Einrichtung ist einfach: Die App im Store kaufen und installieren. Dann die Adresse Eurer Cloud und die Login-Daten eingeben. Das war’s auch schon. Etwas komplizierter wird es bei den nächsten beiden Modulen.

Kalender und Kontakte für Owncloud

Die Kalenderfunktion synchronisiert sich über die sogenannte CalDAV-Schnittstelle. Unter iOS findet ihr die Einstellungen dazu unter Kalender / Accounts in den Systemeinstellungen. Beim Hinzufügen eines neuen Accounts tippt ihr zunächst auf „andere“ und wählt dann CalDAV aus.

Kalender Owncloud iOS einrichten
Die Einrichtung des Kalenders unter iOS. Screenshot by Anton Knoblach.

Die Serveradresse lautet wie folgt: https://[eureURL]/remote.php/caldav. Nach der erfolgreichen Einrichtung werden die Kalender automatisch in der iOS-App angezeigt. Je nachdem, welche sonstigen Konten ihr konfiguriert habt, lohnt es sich, die Einstellung für das automatische Abrufen zu checken. Steht es auf „manuell“, macht es vielleicht mehr Sinn, ein Zeitintervall festzulegen.

Bei der Kontakt-Synchronisation lautet das Stichwort CardDAV. Die Einrichtung funktioniert genau wie beim Kalender mit dem folgenden Unterschied: In das Serverfeld kommt nun die URL https://[eureURL]/remote.php/carddav.

Ist alles synchronisiert, könnt ihr direkt loslegen.

Allgemeine Tipps zur Sicherheit

Wie so oft in der IT steht gerade bei einer solchen Anwendung die Sicherheit an höchster Stelle. Die Kommunikation mit der Owncloud sollte unbedingt ausschließlich via SSL betrieben werden, sonst verschenkt ihr in jedem offenen WLAN eure Daten. Habt ihr ein SSL-Zertifikat, sorgt eine Einstellung im Backend dafür, dass http-Anfragen (ohne „s“) direkt abgelehnt werden. Im Administrationsbereich gibt es außerdem eine Reihe an Anforderungen und Tipps zur Konfiguration des Servers. Hier geht es neben der Sicherheit auch um Performance.

Habt ihr die Owncloud etwas intensiver konfiguriert, solltet ihr vor einem Update gut überlegen, wie viel graue Haare es euch wert ist. An sich lässt sich die Anwendung mit einem Klick im Backend ganz easy aktualisieren. Bei mir persönlich allerdings hat bisher jedes einzelne Update einen Teil des Systems zerschossen. Nicht nur deswegen gilt: Macht unbedingt regelmäßig Backups von Dateistruktur und Datenbank, bevor ihr irgendetwas verändert.

Und jetzt wünsche ich euch himmlisch viel Spaß in eurer eigenen Cloud!

Anton Knoblach

ist freier Producer und Colorist in Berlin und Mitgründer der Werbefilmproduktionsfirma unfourseen. Zu einem gelungenen Tag gehören für ihn Musik, gutes Essen und viel Abwechslung. Anton liebt Struktur, schnelle Technik und starke Bilder.

More Posts - Website - Twitter