Papyrus Autor im Test: Texte schreiben 2.0

Das Wort „Textverarbeitung“ lässt mich immer an Microsoft Word, Libre Office oder Pages denken. So geht es vermutlich vielen anderen Textschaffenden, die beruflich oder in ihrer Freizeit als Autor oder Texter unterwegs sind. Vor einem halben Jahr entdeckte ich für meinen Mac eine Alternative namens Papyrus Autor, die ich nun nicht mehr missen möchte. Ich stelle euch das smarte aber weitestgehend unbekannte Textverarbeitungsprogramm für macOS vor.

Mit Papyrus Autor kommt ein ausgeklügeltes Textverarbeitungsprogramm der R.O.M. Logicware Soft- & Hardware GmbH aus Berlin auf den Mac. Das Programm steht auch für Windows zur Verfügung. Da ich beruflich und privat Apple-Geräte bevorzuge, installierte ich vor einigen Wochen die Test-Version von Papyrus Autor auf meinem iMac. Apple bietet mit Pages im Vergleich ein eher mageres Textverarbeitungsprogramm. Einzig das perfekte Synchronisieren mit anderen Apple-Produkten macht Pages für mich attraktiv. Seit der Einführung von iCloud-Drive ist das aber eher nebensächlich.

Papyrus Autor: Auf den ersten Blick gewöhnlich

Meine Aufmerksamkeit bekam Papyrus Autor durch einen glücklichen Zufall. Einer meiner deutschen Lieblingsautoren und Schreibtrainer, Andreas Eschbach („Das Jesusvideo“), hat mir auf Nachfrage Papyrus Autor als Textverarbeitungsprogramm empfohlen. Er schwöre darauf und entwickelte zudem mit den Machern in den vergangenen Jahren ein interessantes Feature für Papyrus Autor. Das hat mich neugierig gemacht und Papyrus Autor fand schnell den Weg auf meinen iMac.

Auf den ersten Blick kommt Papyrus Autor wie ein gewöhnliches Textverarbeitungsprogramm daher. In der oberen Leiste befinden sich gängige Möglichkeiten Fließtext zu formatieren. Doch in den Tiefen der Software stecken vor allem drei Features, die ich bei keinem anderen Programm in dieser Form gefunden habe und euch nun vorstellen möchte.

1.   Duden-Korrektor integriert

Den Duden-Korrektor nutze ich für meine Texte seit eh und je. Meiner Meinung nach können die Rechtschreibprüfungen von Word oder Pages da einfach nicht mithalten. Nervig ist dabei allerdings, dass Texte immer per Copy and Paste aus meinem Dokument durch die Website des Duden gejagt werden müssen. Möchte ich meine korrigierten Fehler in das Dokument übertragen, ohne dabei meine Formatierung zu verlieren, geht das nur sehr aufwendig händisch. Papyrus Autor arbeitet eng mit den Entwicklern des Duden-Korrektors zusammen und hat die ausgereifte Rechtschreibprüfung in das Textverarbeitungsprogramm integriert. Das neueste Papyrus-Update brachte die aktuellste Duden-Version aus März 2017 in die Software.

Papyrus Autor Duden-Korrektor
Screenshot by Julia Froolyks

Bereits während des Schreibens werden kleine Tipper oder fahrlässige Grammatik-Fehler automatisch korrigiert und farblich gekennzeichnet. Ein Ton macht außerdem auf die Korrektur aufmerksam. Dieser lässt sich allerdings in den Einstellungen abschalten. Generell sind die individuellen Konfigurationsmöglichkeiten in Papyrus Autor sehr umfangreich. Es ist kein Wunder, dass die Entwickler der Software ein 400-seitiges Handbuch mitliefern. Das ist zum einen etwas abschreckend, zum anderen können alle Funktionen des 179 Euro teuren Programms nur durch das Handbuch in vollem Umfang entdeckt und verstanden werden.

Der Duden-Korrektor kann innerhalb der Software auf die persönlichen Vorlieben angepasst werden. Das akustische Signal habe ich zum Beispiel ausgeschaltet, da die visuelle Kennzeichnung genügt. Wer sich erst mal nicht von Nebensächlichkeiten wie Rechtschreibung und Grammatik ablenken lassen will, kann mit einem Klick am unteren Rand der Benutzeroberfläche den Duden-Korrektor abschalten.

2.  Einmalig in Papyrus Autor: Die Stil-Analyse

Wird bei einem Text die Stil-Analyse eingeschaltet, entstehen bunte Markierungen im Text, die auf den ersten Blick schockieren. Doch anders als der Duden-Korrektor markiert die Stil-Analyse keine Fehler im Text, sondern gibt dem Autor lediglich Empfehlungen an die Hand, wie der Stil des Textes sich verbessern lässt. Hier kommt Erfolgsautor Andreas Eschbach ins Spiel. Sein „Leitfaden für Schreibstil“ wurde für Papyrus Autor in Programmiersprache verwandelt und analysiert Texte von Bloggern, Autoren, Wissenschaftlern und Journalisten. Da sich die Werke von Roman-Autoren, Journalisten und Wissenschaftlern jedoch grundlegend unterscheiden, lässt sich auch die Stil-Analyse in Papyrus-Autor umfangreich konfigurieren. Generell empfehle ich, die Stil-Analyse erst ganz zum Schluss über den Text zu jagen. Während des Schreibens stören die farblichen Markierungen sehr und behindern einen zügigen Schreibfluss.

Papyrus Autor Stil-Analyse
Screenshot by Julia Froolyks

Damit die Nachbearbeitung mit Stil-Analyse nicht mehr Zeit als das eigentliche Schreiben in Anspruch nimmt, lohnt sich ein Blick ins Handbuch, wo alle farblichen Markierungen erklärt werden. Ziel der Stil-Analyse ist es außerdem nicht, alle farblichen Markierungen im Text loszuwerden, sondern Anregungen für „schönere“ Formulierungen zu erkennen und dann bei Bedarf umzusetzen.

Papyrus Autor bietet an dieser Stelle unterschiedliche Stilanalyse-Sets an, die auf unterschiedliche Probleme eingehen:

  • Basis (Level 0)
  • Überarbeiten (Level 1)
  • Korrekturlesen (Level 2)

Das sind die drei Allzweck-Sets, die das ganze Spektrum der Stil-Analyse beinhalten. Ein höheres Level bedeutet eine strengere Beurteilung – der Text wird bei Level 2 an ziemlich jeder Stelle farblich markiert. Leider sind diese Sets für Papyrus-Anfänger noch sehr unübersichtlich. Für Textschaffende lohnt sich deshalb eines der „eingeschränkten“ Sets auszuwählen. Neben Allzweck-Sets bietet Papyrus Autor nämlich weitere, sogenannte Fokus-Modi innerhalb der Stil-Analyse. Sie konzentrieren sich auf bestimmte stilistische Bereiche.

Die Fokus-Modi in der Übersicht

„Aufräumen“ markiert Füllwörter und Adjektive, die in Texten häufig überflüssig sind. Was gelöscht wird, entscheidet am Ende der Textschaffende allerdings selbst. Der Fokus-Modus „Umformulieren“ markiert Begriffe, die mit anderen, sinnvolleren ersetzt werden könnten. Hierunter fallen unnötige Gleichzeitigkeiten, wie „als“ und „während“ oder künstliche „Erschrecker“, wie „plötzlich“ oder „überraschenderweise“. Der Modus „Umformulieren“ ist somit besonders für Belletristik-Autoren interessant. Genauso wie „Restrukturieren“. Hier werden flache Phrasen, Nominalstil oder Amtsdeutsch markiert.

Wer in Papyrus-Autor gänzlich ohne Belletristik-Stil schreibt, sollte bei der Stil-Analyse Office/Science auswählen. Der Modus analysiert Geschäftsbriefe, Werbung, Handbücher und wissenschaftliche Arbeiten.

3. Eine Wissenschaft für sich: Die Lesbarkeit von Texten

Vor allem Blogger und Online-Journalisten stehen häufig mit hochgezogenen Augenbrauen vor einem Parameter namens Flesch-Wert. Spätestens mit dem Yoast-SEO-Tool in WordPress musste ich mich persönlich mit diesem, auch Lesbarkeitsindex genannten, Parameter auseinandersetzen. Der Lesbarkeitsindex ist eine mathematische Berechnung, für den mittlerweile über 200 Verfahren existieren. Deshalb sind die SEO-Tools dieser Welt oft auch mit unterschiedlichen Ergebnissen unterwegs: Während ein Text in Yoast für WordPress als eher schwierig lesbar angezeigt wird, kann die Lesbarkeit in anderen Programmen als gut markiert sein.

Papyrus autor Lesbarkeitsindex
Screenshot by Julia Froolyks

Papyrus Autor setzt hier auf das Verfahren von Rudolf Flesch. Wie das Verfahren genau funktioniert, sprengt hier den Rahmen. Generell werden bei der Berechnung die durchschnittliche Satzlänge sowie die durchschnittliche Silbenzahl pro Wort berücksichtigt. Papyrus Autor markiert innerhalb der Lesbarkeitsanalyse einzelne Absätze in unterschiedlichen Farben. Dieser Artikel hier wurde auf Anhieb als schwer zu lesen eingestuft. Das liegt vor allem daran, dass es sich hierbei nicht um einen Belletristik-Text handelt. Innerhalb der Einstellungen musste ich den Index auf „Anspruchsvollerer Text“ setzen, damit sich die Farbe mehr ins Grüne bewegt.

Um den Flesch-Wert zu verbessern, genügt es, kürzere Sätze und einfachere Formulierungen zu bilden. Einschübe, Schachtelsätze und zu lange Satz-Kombinationen führen zu einem schlechteren Wert. Übrigens ist der Lesbarkeitsindex nicht nur für das menschliche Auge von Bedeutung. Im Online-Journalismus erzielen Textschaffende durch gute Flesch-Werte auch ein höheres Ranking in Suchmaschinen.

Papyrus Autor: Weitere Features, die Spaß machen

Das Textverarbeitungsprogramm bietet nicht nur zahlreiche Möglichkeiten zur Analyse von Texten, sondern einige weitere Features. Die Klemmbretter sind beispielsweise nützlich, um ganze Textpassagen aus dem Text herauszulösen und kurzzeitig sichtbar neben dem eigentlichen Artikel abzulegen. Das ist sinnvoll, wenn noch Recherchearbeit zu einem Thema ansteht oder die Passage noch nicht sicher in den Text übernommen wird. Ich habe mit den Klemmbrettern eine gute Übersicht innerhalb eines Projekts und kann viele Text-Passagen schnell zwischenlagern.

Die Kompatibilität mit Apple ist den Machern von Papyrus Autor ebenfalls gut gelungen. Word für Mac lässt sich beispielsweise nicht im Split-Screen nutzen. Den nutze ich persönlich immer, um mich auf meine Recherchequellen im Internet zu konzentrieren und gleichzeitig, meist auf der linken Seite, meinen Text zu erstellen. Papyrus Autor lässt sich, wie alle anderen kompatiblen Programme, mit gedrückter Maustaste auf dem oberen grünen „Vergrößern“-Symbol beliebig in den Split-Screen befördern. Nach Bedarf kann ich dann ein anderes Fenster daneben setzen.

Unter „Ablage“ kann ich außerdem mein Dokument in iCloud sichern. Dafür muss ich zunächst einen Pfad auswählen, also den Speicherort in iCloud. Ich habe mich für den Ordner „Dokumente“ in iCloud-Drive entschieden. Meine gesicherten Papyrus-Dokumente sind daraufhin automatisch mit meinem iCloud-Passwort gesichert, was besonders für sensible Dokumente wie die Bachelor-Arbeit oder Roman-Ideen sinnvoll ist. Falls mein MacBook geklaut wird, kann so niemand ohne Passwort auf die Dateien zugreifen.

Ein tolles und umfangreiches Feature für Self-Publisher ist außerdem das Gestalten des gesamten Layouts. Dabei werden alle gängigen E-Book-Formate, unter anderem auch Amazons Kindle-Format, unterstützt. Vom Cover bis zur korrekten Formatierung können Autoren hier alles konfigurieren. Papyrus Autor lässt seit Version 8.5 außerdem den Im- und Export von .docx- und .odt-Dateien zu.

Fazit: Nie mehr ohne Papyrus Autor für macOS

Papyrus Autor hat mir zu Beginn mein Texter-Dasein etwas erschwert. Das liegt vor allem daran, dass mir das Programm meine Fehler auf dem Silbertablett präsentiert. Wer blickt seinen Fehlern schon gerne so direkt in die Augen? Sich durch das komplexe Handbuch zu kämpfen, dauert außerdem einige Tage. Es lohnt sich aber auf jeden Fall. Nach einigen Artikeln habe ich eine gewisse Korrektur-Routine entwickelt und gemerkt, dass ich lange nicht alle Funktionen benötige, die das Programm bietet. Dennoch bleibe ich flexibel und kann für all meine Texte unterschiedliche Funktionen nutzen. Seien es wissenschaftliche Hausarbeiten für die Uni, verrückte Roman-Ideen oder journalistische Texte. Wer beruflich und privat viel schreibt und sich gleichzeitig in seinem Schaffen weiterentwickeln will, findet in Papyrus Autor ein exzellentes Textverarbeitungsprogramm.

Der Preis von 179 Euro (149 Euro für Studenten) ist hier gerechtfertigt. Kostenlose Updates mit Verbesserungen schieben die Entwickler regelmäßig nach. Einziger Nachteil: Wer Papyrus Autor erwirbt, kann das Programm nur auf einem Gerät nutzen. Hier würde ich mir noch eine Einbindung in die Cloud wünschen, damit ich das Programm auf all meinen Apple-Rechnern benutzen kann. Ansonsten solltet ihr nicht denselben Fehler machen wie ich, sondern Papyrus Autor direkt auf einem mobilen Mac installieren, damit ihr immer und überall kreativ sein könnt. Über die Hersteller-Website von Papyrus Autor könnt ihr euch eine Testversion herunterladen und zeitlich begrenzt alle Funktionen und Features von Papyrus Autor testen.


Screenshots by Julia Froolyks / Image by „Free-Fotos“ / Pixabay / CC0 Public Domain


Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet - damit können Medienschaffende einfach am besten arbeiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.

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