Rocketbook Wave im Test – Dieses smarte Mikrowellen-Notizbuch hält ein Leben lang

Die Begeisterung für digitale Notizbücher auf Tablets und Smartphones hält sich bei mir in Grenzen. Ich bevorzuge Stift und Papier. Doch meine Zettelwirtschaft ist ein Chaos und ich möchte dennoch auf meine digitalisierten Inhalte zugreifen. Ein großer Konflikt, der nun gelöst zu schein scheint: Das Rocketbook Wave ist alles andere als ein gewöhnliches Notizbuch. Es digitalisiert all meine Notizen, Zeichnungen und Ideen. Dank Mikrowelle hält es vielleicht sogar ein Leben lang. Ich stelle euch das Rocketbook Wave vor.

So unauffällig, so genial

Das Rocketbook Wave ist optisch ein gewöhnliches, eher unansehnliches blaues Notizbuch. Es hat 80 nummerierte Seiten, die weder kariert noch liniert sind. Stattdessen befindet sich auf der Seite ein sehr unauffälliges Punktmuster, mit dem ich beim Schreiben oder Zeichnen eine gerade Linie verfolgen kann.

Dass mehr hinter dem Rocketbook Wave stecken muss, zeigt ein QR-Code, der sich unten links oder rechts auf den Seiten befindet. Außerdem zieren sieben unterschiedliche Symbole den unteren Seitenrand. Der Code und die Symbole sind für die Rocketbook-App relevant. Im Scann-Modus der App muss ich mein Handy über die Seite halten. Blitzschnell wird der Inhalt erkannt und innerhalb der App erfasst.

Rockebook Wave
Image by Julia Froolyks

Sogenannte Scan-Apps können das schon länger. Das Rocketbook arbeitet allerdings richtig clever: Die sieben Symbole kann ich innerhalb der Rocket-App unterschiedlichen Cloud-Diensten zuordnen. An diese werden meine Notizen dann gesendet. Durch Ankreuzen der Symbole vor dem Scan-Vorgang kann die App erkennen, zu welchem Dienst ich das Dokument schicken möchte.

Doch das ist nicht das Beste am Rocketbook Wave. Sind alle Seiten vollgeschrieben, kann ich das Notizbuch in die Mikrowelle legen und heraus kommt ein blankes, neues Notizbuch mit 80 leeren Seiten. Das finde ich großartig. Aber wie funktioniert das mit der Mikrowelle eigentlich? Das Geheimnis ist der mitgelieferte Stift.

Der Stift: Frixion Tintenroller von Pilot

Das Rocketbook Wave kommt mit einem Tintenroller der Firma Pilot. In meinem Set befand sich der blaue Stift. Rocketbook versendet allerdings entweder den blauen oder den schwarzen Stift. Das scheint Zufall zu sein, denn man kann beim Kaufprozess keine Farbe wählen. Der Frixion-Tintenroller ist etwas Besonderes: Er schreibt mit nicht-hitzebeständiger Tinte, die bei Temperaturen ab 65 Grad unsichtbar wird. Am anderen Ende des Stiftes befindet sich außerdem eine Art Radiergummi, mit dem ihr Geschriebenes bereits ohne die Mikrowelle aus eurem Rocketbook Wave entfernen könnt. Durch die Hitze, die beim Reiben entsteht, wird die Tinte unsichtbar.

Besonders interessant: Bei -15 Grad soll die Tinte wieder sichtbar werden. Für den Gebrauch des Rocketbooks ist das allerdings eher irrelevant. Würde ich mein Rocketbook ins Tiefkühlfach legen, wären die Seiten mit allerhand unterschiedlicher Notizen vollgeschrieben. Man könnte also nichts mehr lesen.

Image by Julia Froolyks

Zu meiner Freude gibt es weitere Farben des Frixion-Tintenrollers. Auf Amazon habe ich unterschiedliche Sets gefunden. Wenn ihr euch Stifte in weiteren Farben kaufen wollt, müsst ihr darauf achten, dass ihr wirklich die passenden Modelle von Pilot kauft. Alle müssen sich ausradieren lassen können.

Pilot hat außerdem ein Marker-Set im Frixion-Sortiment. Die Marker verschwinden nach einem heißen Date in der Mikrowelle ebenfalls. Diese Marker sind außerdem genial, weil sie ausradiert werden können. Wenn ihr also Stellen in Büchern oder Zeitschriften markiert, könnt ihr die Farbe später wieder entfernen.

Schreiben, scannen, teilen, freuen

Das Rocketbook Wave gibt mir ein ziemlich gutes Gefühl. Meine Notizbücher und ich standen bisher stets auf Kriegsfuß. Ich liebe das Schreiben auf echtem Papier. Für jeden Bereich meines Lebens habe ich ein Notizbuch: Ideen für einen Roman, Notizen für Artikel und Tests, Notizen für Uni-Kram, Sprechertexte für Videos, Notizen für Finanzen, Rezept-Ideen, Einkaufslisten und Ernährungspläne. Mit meinen vollgeschriebenen Notizbüchern könnte ich Bibliotheken füllen. Das Rocketbook Wave scheint wirklich ein wahrer Segen zu sein. Denn ich liebe zwar das Schreiben auf Papier per Hand, wünsche mir aber sehr oft, dass ich diese Notizen digitalisiert aufrufen kann.

Die Rocketbook-App erledigt das für mich. Die App ist in englischer Sprache, aber sehr intuitiv gehalten. Zu Beginn habe ich mich mit meiner E-Mail-Adresse registrieren müssen. Die E-Mail-Adresse ist dann außerdem als Standard-Empfänger für die Scans eingetragen. Ihr könnt nämlich nicht nur eure vorhandenen Cloud-Dienste (iCloud, DropBox, Google Drive) als Empfänger auswählen, sondern auch eure E-Mail-Adresse, Microsoft OneNote, Evernote und Slack.

Dann habt ihr außerdem die Möglichkeit Eingescanntes direkt zu verschicken. Ebenfalls per E-Mail, WhatsApp oder iMessage. Ihr könnt die Scans auch direkt auf dem iPhone sichern oder ausdrucken. Die Möglichkeiten sind hier wirklich sehr vielfältig. Doch besonders gelungen ist die einfache Zuordnung der Notizen über die sieben Symbole.

Für jede Notiz einen Ordner

Rockebook waveIm Bereich „Destinations“ in der App ganz unten rechts könnt ihr den Symbolen Empfänger zuordnen. Ich nutze für alle Symbole Google Drive. Hier erkennt die App, nachdem ich mich mit meinem Google-Account eingeloggt habe, welche Ordner ich angelegt habe. Für jedes Symbol habe ich also einen anderen Google-Drive-Ordner ausgewählt. Nun kann ich entweder direkt meine Notizen digitalisieren und in den entsprechenden Ordner schicken, oder ich schreibe das ganze Buch voll und scanne dann alle Seiten in einem Schwung ein. Die App schickt die Notizen dann in die entsprechenden Ordner.

Für die Zuordnung spielen die Symbole auf den Seiten eine Rolle. Ich muss auf jeder Seite das entsprechende Symbol ankreuzen, das für einen meiner Google-Drive-Ordner steht. Damit ich mir nicht merken muss, für welches Symbol nun welcher Ordner steht, gibt es ganz hinten im Buch eine Legende, wo ich die Ordner schriftlich festhalten kann. Die Seite ist aus Karton, deswegen wird sie beim Mikrowellen-Besuch nicht gelöscht. Da ich mich ungern festlege, habe ich mir einen einfachen Zettel hinten in das Buch gelegt, wo ich erkenne, welches Symbol zu welchem Ordner gehört.

So gut funktioniert das Scannen mit der Rocketbook-App

Besonders begeistert bin ich von der Tatsache, dass die Rocketbook-App meine Notizen so einscannt, dass sie im DIN-A4-Format gesichert werden. JPG ist hier übrigens das Standardformat. Aber ich kann mich auch dazu entscheiden, die Notizen als PDF zu sichern. Eine Texterkennung gibt es nicht. Das Scannen funktioniert blitzschnell. Der QR-Code, das Punkte-Raster sowie die Symbole sind auf dem Scan nicht zu sehen. Es wird nur mein Geschriebenes oder Gezeichnetes eingescannt. Die Qualität ist dabei außerordentlich gut – alles wird detailliert und 1:1 festgehalten.

Rocketbook voll? Ab in die Mikrowelle!

Nachdem ich einige Seiten in meinem Rocketbook vollgeschrieben und bekritzelt hatte, wagte ich den ersten Mikrowellen-Gang. Hier gilt es eine Anleitung zu befolgen.

Zunächst muss eine Tasse mit Wasser zu drei Vierteln gefüllt werden. Auf der Front des Rocketbooks befindet sich ein kreisrundes Symbol, auf das die Tasse gestellt werden muss. Es ist wichtig, dass das Buch in der Mikrowelle rotieren kann – mein Buch in der Größe „Executive Size“ passt geradeso in die Mikrowelle rein. Über dem Symbol für die Tasse befindet sich außerdem das Rocketbook-Logo in blau. Es verändert während des Erhitzens in der Mikrowelle die Farbe von Blau zu Weiß. Ist das Symbol weiß, ist das Buch ausreichend erhitzt. Im Test dauerte das bei 800 Watt etwa anderthalb Minuten.

Image by Julia Froolyks

Nun muss das Rockebook unbedingt kurz abkühlen, da es sehr heiß ist. Das Buch wird dann umgedreht und mit der Tasse Wasser erneut erhitzt, bis auch das rückseitige Symbol verschwunden ist. Nach etwa drei Minuten ist das Rocketbook Wave abgekühlt und die Symbole sind wieder blau.

Jetzt lässt sich deutlich erkennen, dass die Wärme die Tinte des Frixion-Stiftes nicht löscht, sondern lediglich unsichtbar macht. Die Schrift ist noch deutlich zu sehen, auch wenn sie eher unsichtbar wirkt. Das erinnert mich an das Löschen von Tinte mit einem Tintenkiller – ein leicht gelblicher Schleier bleibt da immer noch zu sehen.

Das Positive ist, dass das Rocketbook Wave die unsichtbaren Schlieren nicht auf neue digitale Dokumente überträgt. Man kann tatsächlich eine Seite mehrmals überschreiben, und trotz Rückständen der vorherigen Notizen werden die neuen sauber und problemlos eingescannt. Ich empfehle allerdings, mit dem Stift nicht zu fest in die Seiten zu drücken. Die Druckstellen verschwinden nämlich durch die Mikrowelle nicht.

Die Seiten sind nach dem Mikrowellen-Gang wellig geworden. Das ist allerdings meiner Ungeduld zu verschulden: In der Anleitung steht eindeutig, dass man das Rocketbook nicht herausnehmen und öffnen soll, bevor es nicht komplett abgekühlt ist, da die Seiten sich erst setzen müssen.

Image by Julia Froolyks

Jeder Student braucht das Rocketbook

„Hat jemand die Mitschriften von Mathe? Inklusive Lösungen? Kann das jemand abfotografieren?“ Während meines Studiums habe ich Tage damit verbracht, an Mitschriften zu kommen und eigene Notizen für andere optimal und lesbar abzufotografieren und in irgendeinen Sammel-Ordner oder bei Facebook hochzuladen. Viele Kommilitonen hatten darauf erst gar keine Lust, und so entstand ein regelrechter Handel mit Mitschriften von Mathe, Physik, Medienrecht und Co.

Das Rocketbook Wave ist eine grandiose Alternative. Schluss mit einer nervigen Zettelwirtschaft, Schluss mit Einscannen, Abfotografieren und Sammeln von Mitschriften. Einfach die Rocketbook-App öffnen, alles einscannen und automatisch in die Studiengruppe schicken. Das klingt fast zu schön um wahr zu sein. Hochschulen und Universitäten sollten vielleicht mal über eine Sammelbestellung nachdenken.

Preis und Verfügbarkeit

Das Rocketbook Wave wird leider in Deutschland nicht vertrieben. Über den Hersteller direkt könnt ihr euch das mikrowellenfeste Buch allerdings für 27 Dollar importieren. Da müsst ihr allerdings noch mal 12 Euro für den Versand über UPS drauflegen. Summa summarum kostet das Rocketbook Wave dann 35 Euro inklusive eines Frixion-Stifts. Meiner Meinung nach sind die Euros richtig gut investiert. Für Studenten und Medienschaffende, die viel schreiben, kritzeln oder schriftlich nachdenken müssen, lohnt sich die Anschaffung vor allem, weil das Rocketbook mehrmals in der Mikrowelle gelöscht werden kann.

Mein Fazit

Ich bin verliebt in das Rocketbook Wave. Leider sieht es nicht so hübsch aus, aber es kommt ja auf die inneren Werte an, richtig? Das Rocketbook Wave ist in meinen Augen eine absolut sinnvolle Innovation und mit Geld nicht zu bezahlen. Dafür ist der Preis wirklich günstig – man benötigt für die nächsten Monate oder vielleicht sogar Jahre kein neues Notizbuch mehr.

Das Übertragen in meine Cloud-Dienste funktioniert einwandfrei. Das Einordnen über die Symbole ist ein genialer Einfall der Erfinder – das funktionierte im Test immer und zuverlässig. Ob ich nun an meinen Gedichten schreibe, Notizen für Artikel oder Tests sammle, oder einfach nur ein neues Rezept erfunden habe, ich kann einfach alles in ein Buch schreiben und dann digital sortieren lassen. Super finde ich, dass es noch andere kompatible Stifte gibt, die ebenfalls recht erschwinglich sind. Von mir gibt’s eine klare Kaufempfehlung.


Teaser Image by Adam Glanzman/Rocketbook; Images by Julia Froolyks


Julia Froolyks

Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Hat vieles ausprobiert, ist aber am Ende immer wieder bei Apple-Produkten gelandet - damit können Medienschaffende einfach am besten arbeiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.

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