Schnäppchen-Watch Alcatel Go Watch: Smarter Fitnesstracker für 90 Euro im Test

Smartwatches, die für iOS optimiert sind, muss man suchen – und sich etwas kosten lassen. Rund 350 Euro aufwärts für eine Apple Watch, 230 Euro für eine Pebble Time Round. Geht das nicht günstiger? Doch, findet Alcatel. Und präsentiert mit der Go Watch eine Datenuhr für unter 100 Euro, die funktionell teilweise mehr drauf hat, als die teurere Konkurrenz. Ich habe mir die Go Watch für einen Praxistest um das Handgelenk geschnallt.

Brutalistisches Techno-Design

Aha, so einen seltsamen Design-Geschmack haben also Millenials? Anders als das aus Metall gefertigte Designjuwel Onetouch Watch ist Alcatels Go Watch ein sperriger Plastik-Bomber mit zum Teil quietschbunten Farben. Die 55 Gramm leichte Go Watch ist in Schwarz, Weiß oder Grün-Weiß erhältlich und wirkt optisch wie ein Zeitreisender aus den 80ern. Sie lässt sich nachträglich mit Ersatzarmbändern in verschiedenen Farben kombinieren, auch die Uhrabdeckung ist wechselbar. Das sieht schrill aus. Für die nächste Techno-Party im Freibad ist man damit definitiv gerüstet.

Für den Einsatz am Strand und in der Menschenmenge ist die Go Watch bestens vorbereitet, denn das klobige Kunststoffgehäuse bietet reichlich Knautschzone gegen Stöße. Außerdem können ihm Staub und ein bis zu 30-minütiges Tauchbad in einem Meter tiefen Süßwasser nichts anhaben. Dies gewährleistet der IP67-Standard, nach dem die Uhr zertifiziert ist. Für ein Wearable dieser Preisklasse ist das prima. Das unattraktive Design rechtfertigt die Wetterfestigkeit aber nicht, denn so robust war auch schon die stylischere Onetouch Watch. Gäbe es Brutalismus im Produktdesign – dies wäre ein würdiger Vertreter.

Farbdisplay für Fingerbedienung

Von außen ist die Go Watch jetzt also keine Augenweide im engeren Sinn. Aber die technischen Werte sind durchaus respektabel. Das 1,22 Zoll große Farbdisplay ist auf höchster Stufe angenehm hell und mit 240 x 204 Pixel ausreichend scharf. Benachrichtigungen von Facebook, Whatsapp oder einem E-Mail-Client werden übersichtlich abgebildet. Der Touchscreen reagiert verzögerungsfrei auf Eingaben. Allerdings beeinträchtigt der mehrere Millimeter über den Bildschirm hinausragende Gehäuserand die Bewegungsfreiheit.

Dauerhaft aktivierbar ist das Display nicht. Die Uhrzeit lässt sich ablesen, wenn die Go Watch die typische Geste des gehobenen und gedrehten Handgelenks registriert. Alternativ weckt man das Display über eine der zwei physischen Tasten oder einen Fingertipp auf dem Glas aus dem Standby.

Akku mit Ausdauer

Für eine Smartwatch mit farbigem Touchdisplay hält die Go Watch lange durch. Zwei Tage ringe ich dem 225 mAh starkem Akku mindestens ab. Die von Alcatel in Aussicht gestellte Maximallaufzeit von fünf Tagen halte ich bei sparsamen Gebrauch für realistisch. Praktisch: Im Gegensatz zur Pebble setzt Alcatel nicht auf einen proprietären Anschluss. Ich kann die Go Watch mit jedem beliebigen Micro-USB-Kabel aufladen. Eine entsprechende Steckverbindung befindet sich auf der Unterseite der Uhr.

Hochklassige Features

In punkto Features und Apps bietet die Go Watch mehr als der Preis vermuten lässt. Auf ihr sind 14 Apps installiert, wobei einige davon lediglich One-Touch-Funktionen wie das Ein- und Ausschalten des Flugmodus beinhalten. Erweiterbar ist das App-Angebot allerdings nicht. Anders als bei Apple Watch oder Pebble fehlt die Anbindung an einen Store.

Ein Highlight ist der per App steuerbare Herzfrequenzsensor auf der Unterseite der Uhr. Ein solches Feature ist sonst meist deutlich teureren Wearables vorbehalten. Schrittzähler und Schlaftracker sind ebenfalls an Bord. Zudem lassen sich die Musik- und die Kamera-App des iPhone mit der Go Watch fernbedienen. Das funktioniert auf bis zu zehn Metern Entfernung einwandfrei. Schade: Die Musiksammlung wird nur im Shuffle-Modus abgespielt. Eine gezielte Titelauswahl ist nicht möglich.

Apps für die Auswahl von sechs Ziffernblätter, Joggen, Wetter und Kompass ergänzen den nützlichen Teil der App-Sammlung.

Emotion Pulse: Was hat sich Alcatel dabei gedacht?

Leider als völlig mehrwertbefreit erweist sich im Test ausgerechnet ein Feature, das Alcatel besonders hervorhebt. Per „Go“-Taste kann ich meinen „Emotion Pulse“ messen. Eigentlich soll dabei die Uhr eine zu meinem Puls passende Stimmung anzeigen. Tatsächlich werden mir völlig willkürlich Handlungsempfehlungen wie „Go Dive“, „Go Jam“ oder „Go Love“ unterbreitet. Es ist nicht nachvollziehbar, wie die App darauf kommt, dass ich bei unverändertem Puls mal tauchen, mal musizieren oder plötzlich Liebe machen möchte (ernsthaft jetzt, Alcatel?).

Und dann auch das noch: Die „Emotion Pulse“-Funktion sieht vor, dass ich das Ergebnis auf meiner Facebook-Timeline posten kann. Zumindest unter iOS komme ich dazu aber nicht, weil die Companion-App „Onetouch Move“ (Version 1.3.22) bei der Autorisierung der Verknüpfung reproduzierbar abstürzt (auf einem Android-Smartphone funktionierte es dann übrigens).

Companion-App „Onetouch Move“

Bis auf diesen Autorisierungspatzer performt die iOS-App von Onetouch Move in meinem Test tadellos. Sie ist kompatibel ab iOS 7. Zum einen lässt sich darüber die Go Watch einrichten und updaten. Zum anderen handelt es sich um eine Fitness-App, die die aufgezeichnete Aktivität beim Gehen, Laufen, Puls messen und Schlafen veranschaulicht. Über ein persönliches Konto kann ich meine Aktivitätsdaten bei der hauseigenen Fitness-Community von Alcatel speichern und mit weiteren Smartphones und Alcatel-Smartwatches synchronisieren. Über Schnittstellen zu anderen großen Fitness-Ökosystemen wie Apple Health oder MyFitnesspal verfügt Onetouch Move allerdings nicht. Das ist für einen Nischenanbieter im Jahr 2016 nicht mehr zeitgemäß.

Fazit

Keine Frage: das Beste an der Alcatel Go Watch ist der Preis. Für einen Straßenpreis von etwa 90 Euro bietet sie viel. Bei der Akkulaufzeit schlägt sie die Apple Watch locker, im Gegensatz zur Pebble bietet sie ein farbiges Touchdisplay. Mit einem staub- und wasserdichten Gehäuse sowie einen Herzfrequenzsensor können beide teureren Wettbewerber nicht aufwarten. Weil Alcatel ein eigenes Betriebssystem verwendet, funktioniert die Go Watch prima auf dem iPhone.

Die Companion-App Onetouch Move macht auf iOS einen (fast) einwandfreien Eindruck. Nur beim Einrichten der Funktion Emotion Pulse patzte sie. Das ist aber verschmerzbar. Hingegen bedauerlich: Ziffernblätter und andere Apps lassen sich nicht nachinstallieren. Eine Anbindung an andere Fitness-Apps erlaubt die Go Watch auch nicht. Zudem ist sie zweifelsfrei robust aber auch für eine Sportuhr unfassbar unelegant anzusehen. Unter dem Strich ist die Alcatel Go Watch ein grobschlächtig designter, gut ausgestatteter Fitnesstracker mit smarten Funktionen zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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  • SigismundRuestig

    „Eine Life-App wacht über mein Leben.
    In Sicherheit soll ich mich wiegen.
    Macht mich gläsern fürs Gewinnstreben.
    Versicherungsprämien sind bald gestiegen….“

    Der Song „nur virtuell“ bringt es auf den Punkt:

    http://youtu.be/WzvpF6JR1cE

    Viel Spaß beim Zuhören und: lasst Euch die Realität nicht vermiesen!