Shiftcam for iPhone 7 Plus im Test: 5 Objektive in einem

Die Auswahl an Aufsteckobjektiven für Smartphones, insbesondere Apples iPhone-Modelle, ist schier unendlich. Sie reicht von billigstem Plastik bis hin zu hochpräzisem optischem Gerät in das mehrere hundert Euro investiert werden müssen. Bei Apples aktuellem Vorzeige-Smartphone, dem iPhone 7 Plus, sieht die Situation allerdings etwas anders aus. Die Dual-Kamera mit 28-Millimeter-Weitwinkel und 56-Millimeter-Teleobjektiv erfordert maßgeschneiderte Objektiv-Lösungen, weshalb die Auswahl noch sehr begrenzt ist. Dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne gibt es jetzt allerdings eine neue Alternative: Eine Objektiv-Hülle namens Shiftcam.

Das System besteht aus einer Smartphone-Hülle mit gummiertem Kameragriff und einem „Objektiv-Schlitten“, der auf einer Leitschiene in der Hülle verschoben werden kann. Folgende Objektiv-Paare, die auf dem Schlitten jeweils über die die beiden iPhone-Linsen geschoben werden können, sind verfügbar:

  • 120-Grad Weitwinkel / 2-fach Tele
  • 10-fach Makro / 20-fach Makro
  • 180 Grad Fischauge / 2-fach Tele

Damit handelt es sich zwar nominell um sechs Objektive. Weil das 2-fach Tele in identischer Form zweimal vorhanden ist, bekommt ihr faktisch aber nur fünf Objektive. Aber auch das ist eine Menge auf dem kleinen Platz.

Die Crowdfunding-Kampagne wurde vor einigen erfolgreich beendet. Die ersten Shiftcam-Exemplare sollten in Kürze im Handel erhältlich sein. Ich hatte schon vorab die Gelegenheit, einen Prototypen zu testen. Hier sind meine Eindrücke.

Einfache Bedienung und solide Verarbeitungsqualität

Die Verarbeitungsqualität ist funktionell und relativ solide, die Plastikmaterialien kontrastieren aber mit der Premium-Haptik des iPhone. Der gummierte und leicht vorstehende Griff erlaubt sicheres und komfortables Halten des iPhones beim Fotografieren. Zudem kann zusätzlich kann ein Halteriemen angebracht werden. Das Objektiv-Modul von Shiftcam trägt etwas auf. Wer den Look nicht mag, kann dieses Bauteil abnehmen und verstauen, wenn er es nicht braucht.

Shiftcam für iPhone 7 Plus
Shiftcam für iPhone 7 Plus. Image by Lars Rehm

Bei der Nutzung von Shiftcam und ähnlichen Systemen, wie zum Beispiel Kamerar (hier zum Test), solltet ihr daran denken, eine Kamera-App zu nutzen, die auch in schlechtem Licht die Tele-Kamera des iPhone nutzt. Nicht empfehlenswert ist eine App, die, wie die Standard-App des iPhone, aufs Weitwinkel umschaltet und digital zoomt. Letzteres führt nämlich dazu, dass die Shiftcam-Objektive und die iPhone-Linsen nicht mehr korrekt übereinander liegen und die Teleobjektive sowie das 2-fach Makro nicht mehr funktionieren.

Akzeptable Bildqualität

Wie man an meinen Testbildern sehen kann, haben die Objektiv-Aufsätze nur einen minimalen Einfluss auf Belichtung und Farben der Bilder. Sowohl Weitwinkel als auch Fischauge sind im Bildzentrum recht scharf, werden zu den Rändern hin aber deutlich verschwommener. Auch eine Randabschattung ist bei helleren Szenen zu bemerken, hält sich aber in einem akzeptablen Rahmen.

Im Großen und Ganzen ist die Bildqualität des Weitwinkels und des Fischauges nicht überragend aber im Rahmen dessen, was man von Zubehörobjektiven in der mittleren Preisklasse erwarten kann. Beide Objektive sind nützlich, wenn man mehr Inhalte im Bild unterbringen will, ohne sich weiter von der Szene zu entfernen.

Shiftcam
Testbild iPhone-Weitwinkel. Image by Lars Rahm
Shiftcam
Testbild Shiftcam-Weitwinkel. Image by Lars Rehm
Shiftcam
Testbild Shiftcam-Fisheye. Image by Lars Rehm

Die beiden Teleobjektive sind bezüglich der Brennweite identisch. Zwei Teles bedeuten aber, dass ihr das Objektiv-Modul weniger oft bewegen müsst. Unterschiede gab es mit meinem Testexemplar bezüglich der Bildschärfe. Eines der Teleobjektive liefert scharfe Bilder, das andere ist deutlich weicher. Wenn in den Serienmodellen beide Objektive scharf sein sollten, bieten die Teles aber eine gute Option, um näher ans Motiv heran zu zoomen.

Shiftcam
Testbild iPhone-Tele. Image by Lars Rehm
Shiftcam
Testbild Shiftcam-Tele. Image by Lars Rehm

Das dritte Objektiv-Paar von Shiftcam besteht aus 10-fach und 20-fach Makroobjektiv. Beide Objektive bieten gute Schärfe in der Fokusebene und beindruckende Vergrößerungsfaktoren. Die Tiefenschärfe ist allerdings minimal, was das Fokussieren zu einer Herausforderung machen kann. Außerdem muss man sich mit den Makroobjektiven dem Subjekt bis auf wenige Millimeter annähern. Daher sind sie zum Fotografieren lebender Insekten und anderer sich schnell bewegender Motive weniger geeignet. Das haben sie allerdings mit den meisten Smartphone-Makros gemeinsam.

Shiftcam
Testbild Shiftcam 10-fach Marko. Image by Lars Rehm
Shiftcam
Testbild Shiftcam 20-fach Makro. Image by Lars Rehm

Test-Fazit Shiftcam

Die optische Qualität der Shiftcam-Objektive ist auf dem Niveau typischer Zubehörobjektive der unteren bis mittleren Preisklasse. Das Alleinstellungsmerkmal ist allerdings nicht die Bildschärfe, sondern die Tatsache, dass es fünf Objektive in einem System vereint und den Nutzer schnell und einfach zwischen diesen Objektiven wechseln lässt. Dank des „Objektiv-Schlittens“ ist die Bedienung wesentlich weniger umständlich als bei der Nutzung individueller Objektive. Zudem ist Shiftcam einfacher zu handhaben als Kamerar, bei dem ihr trotz ähnlichem Konzept immer noch zwischen zwei verschiedenen Objektiv-Modulen wechseln müsst.

Alles in allem macht dies das System zu einer relativ erschwinglichen und einfachen Methode, die Brennweitenabdeckung und damit die kreativen Möglichkeiten der Kamera des iPhone 7 Plus zu erweitern. Ihr könnt Shiftcam zurzeit für 99 US-Dollar (87 Euro) auf der Herstellerseite vorbestellen.


Images by Lars Rehm


Lars Rehm

Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

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