Smarter “BackBeat Boy”: Bluetooth-Kopfhörer Plantronics BackBeat Pro 2 SE im Test

In meinem Artikel über das aktuelle MacBook Pro habe ich mich über die Adapterschlacht beim iPhone 7 lustig gemacht. Wer gleichzeitig das Handy laden und mit alten Klinken-Kopfhörern Musik hören will, braucht dafür zwei Adapter im Wert von insgesamt knapp 50 Euro. Die Lösung für den Alltag ist natürlich, auf kabellose Kopfhörer und Headsets zu setzen. Ich habe das Headset Plantronics BackBeat Pro 2 SE für euch getestet.

Viele aktuelle hochwertige Geräte kommen mit professionellem Sound, aktiver Rauschunterdrückung und hervorragenden Akkulaufzeiten. In Sachen Leistung stehen sie kabelgebundenen Kopfhörern nichts mehr nach. Immer mehr Hersteller mischen auf dem Markt mit. Auch Plantronics will unterwegs für richtig guten kabellosen Musikgenuss sorgen.

Der BackBeat Pro 2 SE (Special Edition) liegt mit aktuell 279,99 Euro im gehobenen Mittelfeld und verspricht eine Reihe von Features: Aktives Noise-Cancelling, hohe Audioqualität dank aptX und Bluetooth 4.0 sowie laut Specs eine Akkulaufzeit von 24 Stunden bei 289 Gramm Gewicht. Das Standard-Modell kommt ohne NFC (was bei iOS ja eh nichts nützt) und mit einem Stoffbeutel statt eines Hard Case. Dafür ist es 30 Euro günstiger.

Image by Plantronics
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Fühlt sich gut an, ist bestens ausgestattet

Material und Verarbeitung wirken sehr hochwertig, nur die Anruftaste fühlt sich ein kleines bisschen wackelig an. Insgesamt gibt es acht haptische Kontrollelemente, die sinnvoll und gut erreichbar platziert sind. Die Tasten und Schalter sind so gut platziert, dass ich schnell nicht mehr suchen muss und intuitiv immer die richtige Funktion erwische. Das Headset baut zu Beginn etwas zu viel Druck auf, nach längerem Tragen sitzt es aber gut und bequem auf dem Kopf.

Brauche ich den Kopfhörer nicht, verstaue ich ihn im mitgelieferte Case. Es überzeugt durch eine Stabilität, der man seine Investition gerne anvertraut. Geladen wird das Headset mit einem Mini-USB-Kabel (nur drei Stunden soll das Aufladen für 24 Stunden Dauereinsatz brauchen) – und wem unterwegs doch der Saft ausgeht, der kann mit dem mitgelieferten Klinkenkabel trotzdem weiter hören.

Image by Plantronics
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Ausgiebiges, kabelloses Hören ist aber kein Problem. Mit der großzügigen Akkulaufzeit von ganzen 24 Stunden (Herstellerangabe) bei Dauerbetrieb kommt das Gerät so locker durch die Tage, dass ich zwischendurch vergesse, dass ich es irgendwann auch wieder aufladen muss.

Smart bis an die Ohren

Das Gerät ist vollgestopft mit Technik. So erkennt ein Sensor, ob das Headset auf dem Kopf sitzt und startet oder stoppt je nachdem die Musik und nimmt beim Aufsetzen Anrufe entgegen.

Setze ich das Headset ab, muss ich mich nicht darum kümmern, ob die Musik weiter spielt, der „SmartSensor“ stoppt die Wiedergabe automatisch bei allen Apps, die auf Play/Pause-Signale reagieren (das ist am Desktop beispielsweise Spotify, nicht aber YouTube im Browser). Auch beim Aufsetzen klappt das Starten der Musik zuverlässig. Das Feature ist auf den ersten Blick eine Kleinigkeit, die im Alltag aber schnell Spaß macht und meiner Meinung nach einen echten Mehrwert bietet.

Im Test gab es nur an einem Punkt Probleme: Bei der Verbindung mit meinem MacBook Pro startet und stoppt die Musik manchmal auch, wenn ich mich bei aufgesetzten Kopfhörern nicht bewege. Da ich den Fehler jedoch nicht reproduzieren kann und er bei allen anderen Geräten nicht auftritt, muss es nicht zwangsläufig am Kopfhörer liegen. In jedem Fall aber kann man den Sensor, wenn man möchte, mit einer Tastenkombination ausschalten.

Die Verbindung zu zwei Geräten gleichzeitig ermöglicht zum Beispiel, mit einem Laptop Musik zu hören und ohne viel Aktion einen Anruf auf dem Handy entgegen zu nehmen. Das eingebaute Mikrofon kann auch auf die Kopfhörer gelegt werden, um ohne ein Absetzen beispielsweise eine Durchsage zu hören.

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Eine App gibt es auch. Anders als üblich verfügt die kostenlos nutzbare iOS-App Plantronics Hub über keine Möglichkeit, den Klang den eigenen Vorstellungen anzupassen. Stattdessen bietet sie eine Übersicht häufig gestellter Fragen sowie die Funktion, das Gerät mit einem Ton oder mit seiner zuletzt bekannten Position zu finden.

So klingt der „BackBeat Boy“

Musik klingt mit dem BackBeat 2 Pro SE gut, aber nicht überwältigend. Bei basslastigen Songs liefert der Kopfhörer einen satten und ausgeglichenen Sound. Bei eher unauffällig gemischten Tracks neigt er zu einem etwas undifferenzierten, etwas schwammigen Klang. Dieses Verhältnis wird allerdings bei steigender Lautstärke besser. Insgesamt ist die Klangqualität für die Preisklasse angemessen und sowieso immer auch ein sehr subjektives Empfinden – hier empfehle ich, den Kopfhörer vorab mit eigener Musik zu testen.

Auch ohne die die manuell zuschaltbare aktive Rauschunterdrückung dämmt der Over-Ear-Kopfhörer Lärm von außen. Das Noise Cancelling selbst funktioniert per Gegenschall gut und blendet ohne Druck auf den Ohren problemlos den größten Teil der Berliner U-Bahn aus. Was hier auffällt: In einer leisen Umgebung kommen bei aktivierter Rauschunterdrückung viele Songs knackiger daher, in einer lauten Umgebung allerdings geht die Tendenz eher wieder leicht Richtung blechern. Der Open-Listening-Modus ist praktisch für Situationen, in denen man kurz ein freies Gehör für seine Umwelt braucht, etwa bei einer Ansage am Flughafen oder beim Überqueren einer Straße.

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Nervige Sprachansagen sind nervig

Was mich beim Testen des BackBeat Pro 2 SE etwas gestört hat, sind die Sprachansagen. Sie sind gut gemeint und geben Feedback über fast alles, was man tut. Dass ich beim Anschalten über den Akkustand und bei Verbindung und Trennung von Geräten informiert werde, ist ein schönes und hilfreiches Feature. Wirklich nervig allerdings sind die Ansagen beim ANC-Schalter mit seinen drei Einrastpunkten Außenmikro an, Noise-Cancelling an und weder noch. Hier kommt die Sprachansage bei jeder Veränderung, nämlich: „Open Mike On“/“Open Mike Off“ und „Noise Cancelling On“/“Noise Cancelling Off“.

Hier würde ich mir wünschen, dass die Einstellungen wie auch bei Play/Pause und vor/zurück durch ein unauffälliges Piepen quittiert werden – wenn überhaupt: Die Haptik und Positionen der Bedienelemente sind eigentlich gut genug, um die Einstellungen nicht noch kommentieren zu müssen. Dazu kommt leider und unverständlicherweise, dass die Audioqualität der Ansagen nicht so gut ist.

Mit dem BackBeat 2 Pro SE kann man auch telefonieren. Im Test klappt das ganz gut, wenn auch auf beiden Seiten etwas leise. Wer gerne gedämmt telefoniert, wird den nahtlosen Wechsel zwischen Musik und Telefonie zwischen zwei verbundenen Geräten lieben.

Fazit: BackBeat Pro 2 SE überzeugt

Der Plantronics BackBeat Pro 2 SE überzeugt durch seine umfangreiche Ausstattung, die lange Akkulaufzeit sowie seine sinnvolle und intuitive Bedienung. Leichten Abzug gibt es für die Sprachansagen und die nicht ganz so gut verarbeitete Anruftaste. Der Klang ist der Preisklasse angemessen und dürfte für die meisten Ohren ausreichen. Wer mehr will, muss auch mehr ausgeben.


Teaser by Anton Knoblach; Images by Plantronics


Dieser Text erschien in modifizierter Fassung zuerst auf unserer Geschwisterseite Androidpiloten.

Anton Knoblach

ist freier Producer und Colorist in Berlin und Mitgründer der Werbefilmproduktionsfirma unfourseen. Zu einem gelungenen Tag gehören für ihn Musik, gutes Essen und viel Abwechslung. Anton liebt Struktur, schnelle Technik und starke Bilder.

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