Apple Music vs. Qobuz: Shootout der alternativen Streaming-Dienste

Spotify gilt als Urvater der Musik-Streamingdienste. Dabei mischen noch zahlreiche andere Anbieter auf dem Streaming-Markt mit. Nutzer eines iPhones, iPads oder Macs haben beispielsweise die Möglichkeit, direkt bei Apple das Music-Abo abzuschließen. Der relativ unbekannte Anbieter Qobuz bietet ebenfalls ein Abo-Modell für Apple-Geräte. Ich habe mit Apple Music und Quobuz zwei spannende Streaming-Dienste über Monate getestet und verrate euch, welcher Dienst sich für wen lohnt.

Wenn es um die Abonnenten geht, ist Spotify immer noch die Nummer eins der Streaming-Dienste. Die Schweden waren die Pioniere im Streaming-Markt und führen mit 140 Millionen aktiven Nutzern den Markt an. Zwar sind viele nicht-zahlende Kunden ohne Abonnement darunter, doch rund 50 Millionen haben die Premium-Variante abonniert. Der Vorsprung zu Apple Music ist groß. Apple gab für seinen Musik-Dienst auf der WWDC 2017 erstmals Nutzerzahlen bekannt. Mit 27 Millionen Abonnenten sei man auf einem guten Weg.

Apple gibt sich selbst als Vorreiter, zögerte aber lange, was das Thema Streaming-Dienste betraf. Vermutlich weil man mit iTunes schon ein gutes Pferd im Stall hatte und nicht unbedingt das Download-Geschäft unterwandern wollte. Apple Music ist erst Ende 2015 gestartet und ging aus dem übernommenen Dienst Beats Music des gleichnamigen Kopfhörerherstellers hervor. Apple Music bietet keine kostenlose Nutzung, die etwa mit Werbung finanziert wird, gönnt Interessierten mit drei Monaten kostenlosem Probeabo allerdings einen großzügigen Testzeitraum. Sicher auch zum eigenen Nutzen, denn hat man sich erst einmal so lange an das Angebot gewöhnt, fällt der Verzicht schwer.

Streaming-Dienste im Vergleich: Apple mit perfekter Integration

Nach dem Start seines Streaming-Dienstes musste Apple aufgrund der umständlichen Bedienung der App einige Kritik erfahren. Mit einem deutlich überarbeitetem Interface hat das Unternehmen aus Cupertino dieses Manko aber inzwischen in den Griff bekommen. Gerade mit dem Update auf iOS 11 sieht man, dass Apple Music dem System hier einen Schritt voraus war, denn jetzt sieht das Betriebssystem an vielen Stellen so aus, wie Apple Music schon seit dem großen Update. So wurde beispielsweise der App Store dem Design der Streaming-App angepasst, und bietet nun eine übersichtliche Darstellung und unterschiedliche Tabs.

Die besondere Stärke von Apple Music und der große Unterschied zum vermeintlichen König der Streaming-Dienste, Spotify, sind die direkte Integration ins gesamte Apple-Ökosystem. Wenn es im Apple oder iOS-Universum um Musik geht, ist alles direkt über Apple Music griffbereit – zum Beispiel per Fernsteuerung von der Apple Watch oder direkt auf dem Apple TV. Ein weiterer Unterschied zu jedem anderen Streaming-Dienst ist, dass Apple Music die eigene Musikbibliothek mit dem Streaming-Angebot mischt.

Bei der Suche innerhalb der Music-App kann der Nutzer noch innerhalb von Tabs unterscheiden, ob er die eigene Musikbibliothek oder den Abo-Katalog durchforsten möchte. Beim Abspielen ist es dann egal, ob ein Album von Apple Music oder von einer importieren CD der iTunes-Bibliothek stammt. Anfangs musste ich mich an diese Vermischung etwas gewöhnen – wo ich doch jahrelang Streaming und meinen iTunes-Fundus strikt trennte. Inzwischen sehe ich es als Vorteil, denn letztendlich ist es mir egal, woher ein Album stammt, wenn ich es hören möchte.

Apple kennt den Geschmack der Nutzer

Apple Music protzt mit 40 Millionen Songs (mehr als Spotify, die laut eigenen Angaben über 30 Millionen im Programm haben), trifft somit fast jeden Geschmack, und ködert immer öfter Künstler mit Exklusiv-Verträgen. Ebenfalls exklusiv und für viele interessant ist der Musiksender Beats 1 Radio. Allgemein gilt die Faustregel, dass eigentlich alles was bei iTunes zu haben ist, auch per Streaming-Abo verfügbar ist. Bei Raritäten freue ich mich dann, wenn diese nahtlos von der eigenen Musiksammlung in der gleichen App griffbereit sind.

Musik Streaming-Dienste
Screenshot by Stefan von Gagern

Sehr gut gefallen mir die in letzter Zeit zu fast allen Songs verfügbaren Musiktexte. In Sachen Bedienbarkeit und Feature-Vielfalt gibt es hier nichts zu meckern. Zum Beispiel startet Apple Music auf Knopfdruck ein Künstler-Radio, das auf ähnlichen Songs basiert. Gut gefallen mir auch die Vorschläge für neue Musik, die auf meinem bisherigen Geschmack basieren. Die Inhalte sind redaktionell gut gepflegt und Apple kennt meine Vorlieben als langjähriger iTunes-Nutzer sowieso am besten.

Qobuz: Für den Musikliebhaber

Wer den alternativen Streaming-Dienst Qobuz zum ersten Mal öffnet, merkt auf Anhieb, dass hier vor allem kein Mainstream im Vordergrund steht. Statt Pop-Charts finden sich hier viele Empfehlungen für Jazz, Klassik und Künstler, die von Musikmagazinen wie Rolling Stone, Classic Rock oder Spex stammen. Theoretisch sind auf Qobuz alle Stilrichtungen im Katalog und ebenfalls rund 30 Millionen Titel vorhanden. Dennoch stieß ich bei Qobuz vereinzelt auf Lücken im Angebot, die andere Anbieter im Programm hatten.

Doch bei Qobuz ist nicht die Vielfalt die Stärke, sondern die Qualität der Inhalte. Der Service war der erste, der schon im Jahr 2011 sein Musik-Angebot in CD-Qualität angeboten hat. Heute gibt er an, der einzige Streaming-Dienst in Europa zu sein, der die Auszeichung “Hi-Res 24-Bit “ der renommierten Japan Audio Society vorzeigen kann. Die höhere Hörqualität zahlt sich aus – vorausgesetzt ich höre zuhause mit einem guten bis sehr guten Kopfhörer oder über ein wirklich gutes Soundsystem.

Da die Musik-Dateien allerdings auch mehr Bandbreite und Speicherplatz brauchen, empfiehlt sich der Download von Songs aufs iPhone oder iPad über ein WLAN-Netzwerk. Ansonsten könnte das oft begrenzte Datenvolumen merklich leiden. Schade ist, dass nicht das komplette Angebot in Qobuz in Hi-Res vorhanden ist. Nur 700.000 Alben der 40 Millionen bieten diese Audio-Qualität – meistens sind das zwar die Bekanntesten, doch gerade Qobuz-Hörer interessieren sich auch für Nischen.

Viele Features und gehobene Qualität haben ihren Preis

Qobuz ist eher der Musikdienst für den Audiophilen, der es sich auf dem Sessel mit einem Top-Kopfhörer gemütlich macht und dann die Musik bewusst hört. Dazu liefert der Dienst Informationen über Produktion, Songschreiber, Künstlerbiografien und viele redaktionelle Inhalte wie Interviews und Reportagen. Mir gefällt auch, dass Qobuz als einziger Dienst die Albumcover in hoher Qualität und voller Pracht auf dem ganzen Bildschirm zeigt. Auch die von mir immer schmerzlich vermissten Booklets gibt es hier beim Hören zu lesen und bestaunen. Für den Musikliebhaber hat der Dienst neben der hohen Qualität vieler Stücke wirklich einiges mehr zu bieten.

Screenshot by Stefan von Gagern

Leider hat das aber auch seinen Preis. Wer mehr als über 320 Kbps in CD-Qualität haben möchte, zahlt 19,99 Euro im Monat. Damit ist Qobuz deutlich teurer als andere Streaming-Dienste, und rund doppelt so teuer, wie das Apple-Music-Abo. Es gibt zudem noch Angebote für eine Einmalzahlung zum Beispiel ab 199 Euro im Jahr. Qobuz ist auch ein Download-Shop wie iTunes, aber mit höherer Qualität. Alles in allem nicht gerade ein Schnäppchen. Das „normale“ und günstigere Abo ist durch die fehlende Hi-Res-Option irgendwie auch nur eine halbe Sache. Umso ärgerlicher, da sich die App streckenweise als absturzanfällig oder störrisch bei den Downloads zeigt. Der Nutzer stößt auch immer wieder auf Stellen im Angebot, wo sich der französische Ursprung des Dienstes mit nicht übersetzten Texten auf Bildschirmseiten und Bedienelementen zeigt. Hier sind andere Streaming-Dienste, unter anderem das Angebot von Apple, besser aufgestellt.

Mein Fazit: Qobuz für Musikliebhaber

Im Shootout der Spotify-Alternativen kann Apple-Music als „allgemeintauglicher“ Streaming-Dienst mit der nahtlosen Integration ins System und mit iTunes-Bibliothek punkten. Qobuz ist für Musikliebhaber eine interessante Alternative und vielleicht ein Einstieg für alle, die Streaming noch skeptisch gegenüber stehen. Denn der Dienst bietet neben sehr hoch aufgelöster Musik auch zahlreiche Hintergrundinformationen für Musik-Fans.


Screenshots by Stefan von Gagern / Image by Pixabay (FirmBee) / CC0 Creative Commons Lizenz


Stefan von Gagern

Stefan von Gagern schreibt als freier Journalist für Zeitschriften und Websites Artikel, Tests und Beiträge über digitale Themen wie Publishing, Internet, Social Media, Gadgets und Digital Lifestyle. Unternehmen berät er bei Konzeption und Umsetzung von Social Media-Auftritten und Content. Privat spielt der Freiberufler aus Hamburg Gitarre und ist oft auf dem Rennrad unterwegs.

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