Hands down, ihr Turbo-Tipper: Drei gute Tastatur-Apps für iPhone und iPad im Vergleich

Tastatur-Apps sind praktisch. Wer sein iPhone nutzt, um zu telefonieren, zu surfen oder Videos anzuschauen, der dürfte zwar mit der Standard-Tastatur von Apple ganz zufrieden sein. Wer hingegen häufig chattet oder an anderer Stelle viele Wörter eingibt, der fühlt sich mit dem vorinstallierten Keyboard möglicherweise schnell ausgebremst.

Gut, dass es für eilige Vieltipper Alternativen gibt. Durch verschiedene Funktionen ermöglichen optional installierbare Tastatur-Apps auf iPhone, iPad und iPod Touch den Nutzern die Möglichkeit, viel schneller Texte zu verfassen. Statt Buchstaben einzeln auf dem Display zu berühren, wischen Nutzer darüber hinweg. Die Tastatur-Software erkennt trotzdem, welches Wort gemeint ist. Diese Wisch-Funktion bietet einen klaren Geschwindigkeitsvorteil. Zudem heben die zusätzlichen Tastatur-Apps sich auch durch optisch ansprechendere Oberflächen von der Standard-Tastatur ab. Das Design ist meist innovativer und kann in großem Maße individualisiert werden.

Ich habe für euch drei populäre Tastatur-Apps getestet. Sie sind allesamt in der Grundausstattung kostenlos erhältlich, können aber durch In-App-Käufe erweitert werden.

SwiftKey – solider Alleskönner

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SwiftKey ist der wohl bekannteste Vertreter von zusätzlichen Tastatur-Apps. Ursprünglich von der Firma Touchtype entwickelt, wurde die App inzwischen von Microsoft aufgekauft. Die App bietet Tastatur-Layouts und Worterkennungen in über 60 Sprachen. Eine Diktierfunktion ist jedoch nur auf Englisch verfügbar. Das Design lässt sich individuell anpassen, man kann aus verschiedenen kostenlosen Vorlagen im integrierten SwiftKey-Store wählen und diese einfach über einen InApp-Kauf hinzufügen.

Die App merkt sich häufig verwendete Wörter und Textbausteine. Je öfter der Nutzer sie verwendet, desto mehr Schreibarbeit nimmt die App ihm ab. Wenn man sich mit seinem Google-Konto anmeldet, kann man die App noch weiter personalisieren. Anhand der gesendeten E-Mails und dem Verhalten in sozialen Netzwerken bringen Nutzer der App sozusagen ihren individuellen Schreibstil bei. Von allem, was die App über ihren Benutzer im Laufe der Zeit gelernt hat, kann man eine Sicherung durchführen und mit neuen Geräten synchronisieren. So müssen Anwender nicht jedem Gerät erneut ihre Schreibvorlieben beibringen.

Dabei werden Daten auf den Servern des Unternehmens gespeichert. Als US-Unternehmen unterliegt Microsoft dem im Vergleich sehr weichem amerikanischem Datenschutzrecht. Weil gerade viele deutsche Nutzer dies nicht mögen, ist die Sync-Funktion optional. Wer möchte, kann die App also auch nur lokal auf einem Gerät lernen lassen. Was SwiftKey genau mit den Daten anstellt, beschreibt der Hersteller im üppigen Kleingedruckten auf seiner Internetseite.

Erstklassige Leistung beim Wörter wischen

SwiftKey macht einen hervorragenden Job. Vor allem die Wischfunktion überzeugt. Dabei fährt man mit dem Finger in einer einzigen, flüssigen Bewegung über alle Tasten, die man sonst nacheinander antippen würde. Wenn man das zuletzt getippte Wort löschen will, reicht es, die Zurück-Taste einen Moment gedrückt zu halten. Das zu lernen, ist ein Prozess von wenigen Minuten und geht mehr oder weniger intuitiv. Es genügt, diese Art der Texteingabe einmal bei jemand anders beobachtet zu haben, und schon weiß man, wie der Hase läuft.

Ein Leerzeichen nach einem Wort fügt SwiftKey im Swipe-Modus automatisch ein. Über den Schnellzugriff kann man auf Emojis zugreifen. Praktisch: die Emojis sind links und rechts unmerklich abgeschnitten. Dadurch passen mehr Emojis auf eine Seite und man erhält eine viel bessere Übersicht als bei der Standard-Tastatur unter iOS.

SwiftKey ist somit eine sehr hilfreiche Tastatur-App, die kaum Schwachstellen hat. Wer alle Möglichkeiten ausschöpfen will, muss aber Daten preisgeben.

Swype Keyboard – hervorragende Worterkennung

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Auch das Swype Keyboard stammt von einem unabhängigen Entwickler, der inzwischen von einem Big Player geschluckt wurde. In diesem Fall steckt nun Nuance dahinter.

Wie bei SwiftKey kann beim Swype Keyboard gewischt werden, anstatt zu tippen. Die Möglichkeit, den zu schreibenden Text zu diktieren, ist ebenfalls gegeben. Dabei kommt die Spracherkennung von Nuances bewährter Software Dragon Dictation zum Einsatz. Das Wörterbuch ist lernfähig, sodass man mit der Zeit immer schneller schreiben kann, da sich Tastatur und Benutzer aneinander gewöhnen.

Wenn man sich mit einer E-Mail-Adresse anmeldet, kann man das Wörterbuch auch auf anderen iOS-Geräten synchronisieren. Auch hier besteht die Möglichkeit, die App mit deinen Accounts in sozialen Netzwerken zu verknüpfen, damit die Tastatur besser mit ihrem Anwender kooperiert. Wie bei SwiftKey müssen Nutzer drauf vertrauen, dass der Hersteller sorgsam mit den gespeicherten Daten umgeht.

Die Worterkennung des Swype Keyboards funktioniert für meinen Geschmack noch etwas besser als bei SwiftKey. So hat es die Tastatur geschafft, sich unbemerkt auf meinem iPod Touch zu halten und von mir benutzt zu werden. Mir macht das Swypen inzwischen so viel Spaß, dass ich gar keine Lust mehr habe, wieder zu tippen.

Mit vier verschiedenen Tastatur-Ebenen bietet Swype die größte Vielfalt. Es gibt die Standard-Ebene mit Buchstaben, Leerzeichen, Punkt und Komma. Über den Ebenenwechsler gelangt man zu den Ziffern und Sonderzeichen und mit einem anderen Ebenenwechsler zu weiteren Sonderzeichen. Über die bereits erwähnte Swype-Taste kann man außerdem auf die Emoji-Tastatur zugreifen. Deutlicher Minuspunkt: die Emojis sind nicht in Kategorien geordnet und die Darstellung ist nicht hochauflösend. Schade! Positiv überraschend ist dafür, dass es einen zusätzliche Ebene nur mit Ziffern und Rechenzeichen gibt, die man wiederum über die Swype-Taste erreicht. Das ist praktisch, wenn man beispielsweise Ausgaben unterwegs stichpunktartig festhalten will und Preise abtippt.

Versteckte Einstellungen

Die Einstellungen sind etwas versteckt, man erreicht sie weder über die App selbst noch über die Einstellungen-App von iOS. Doch dort findet sich ein Hinweis: man muss, wenn man die Tastatur gerade benutzt, die sogenannte „Swype-Taste“ (ganz unten links, siehe Bild) gedrückt halten und kann dann auf die Einstellungen zugreifen. Diese werden dann in dem Bereich, in dem normalerweise die Tasten sind, dargestellt. Einen Hinweis in der App oder noch besser, die Einstellungen gleich in der App unter zu bringen, wäre einfacher gewesen. Andererseits kann man so Dinge während des Tippens schnell anpassen, ohne dafür extra das Textfeld verlassen zu müssen.

Der Übersetzung ist eher dürftig. Es gibt einige Möglichkeiten, die Tastatur über InApp-Käufe optisch zu individualisieren. Diese sind allesamt kostenpflichtig, ein Layout kostet 0,99 Euro. Man kann diese auch als Paket kaufen, dann liegt der Preis bei 2,99 Euro.

GO Keyboard – gut gestaltet, schlecht übersetzt

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Bei der App GO Keyboard vom kanadischen Entwicklerstudio Go Dev Team funktioniert das Wischen nicht besonders gut. Die Worterkennung ist nicht optimal, nach einem Satzzeichen wird nicht immer automatisch ein Leerzeichen automatisch eingefügt. Auch werden Nomen nicht immer automatisch groß geschrieben, besonders in Fällen der Substantivierung (z.B. „das Schreiben“). Besonders für Eigennamen oder E-Mail-Adressen ist es aber gut, dass man die Möglichkeit hat, auch noch auf herkömmliche Weise zu schreiben. Für die Diktierfunktion nutzt das Unternehmen die Spracherkennung von Google. In den Einstellungen, die leider nicht gut übersetzt wurden, kann man viele Details anpassen, wie die Autokorrektur, automatische Großschreibung und vieles mehr.

Die App überzeugt mich vor allem in Details. Die Komma-Taste ist links neben der Leerzeichen-Taste positioniert, was sehr viel praktischer ist, als bei der Standard-Tastatur, bei der man für ein Komma jedes Mal erst die Ebene wechseln muss. Es wird automatisch ein Leerzeichen eingefügt, wenn man hintereinander die Wörter durch Wischen eingibt. Praktisch: wenn man in ein Textfeld tippt, in das zum Beispiel eine E-Mail-Adresse gehört, wechseln die Schnellzugriffe, sodass statt des Kommas das @-Zeichen bereitsteht.

Darüber hinaus gibt es viele Doppelbelegungen von Tasten, die so funktionieren, wie bei der Standard-Tastatur die Eingabe von Umlauten. Die Buchstaben in der obersten Reihe beinhalten auch die Ziffern, sodass man nicht extra die Ebene wechseln muss. Über die Punkt-Taste rechts vom Leerzeichen und die Komma-Taste lassen sich gängige Sonderzeichen einfügen. Zusätzlich hat man aber auch wie gewohnt die Möglichkeit, die Ebene zu wechseln und dort nach dem passenden Zeichen zu suchen. Unter den Sonderzeichen in der dritten Ebene gibt es solche, die Apple in der Standard-Tastatur nicht bietet. So hab ich zum Beispiel schon oft das Grad-Zeichen vermisst („Schöne Grüße aus dem 30 °C heißen Antalya!“). Außerdem gibt es eine Wurzel, Währungssymbole und Schutzzeichen.

Grottenschlechte Übersetzung

Die Leiste, in der bei der Standard-Tastatur vorgeschlagene Worte stehen, erfährt bei GO Keyboard ebenfalls eine Doppelbelegung. Zum einen stehen dort eben die vorgeschlagenen Worte, jedoch nur, wenn man tippt. Wenn man gerade nicht tippt, kann man über das GO-Symbol (das Blatt mit dem roten Punkt, siehe Screenshot) auf Kurzeinstellungeen zugreifen, was sehr viel intelligenter gelöst wurde als bei Konkurrent Swype. Außerdem ist hier gleich der Link zu den vollständigen Einstellungen in der App. Des Weiteren kann man auf die Emojis und deren Vorgänger zugreifen: die Smileys (\^-^/). Eine große Auswahl an Emoji-Bildern komplettiert das Angebot. Ein weiterer Punkt im Reiter: man kann schnell zwischen einem hellen und einem dunklen Design hin- und her wechseln.

Ein Punkt, der wirklich unglücklich ist: die Übersetzung der App ist grottenschlecht. Auch die Beschreibung der App im Play Store scheint eine automatisch generierte Übersetzung zu sein und ist entsprechend unverständlich.

Fazit: Tastatur-Apps für alle, aber nicht für jeden

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Mit den drei vorgestellten Tastatur-Apps seid ihr gut beraten, wenn ihr schnell und viel tippen wollt. Im Prinzip nimmt es sich nichts, für welche App ihr euch nun entscheidet. Mit SwiftKey macht ihr jedenfalls nichts falsch. GO Keyboard bietet den größten Funktionsumfang, dafür ist die Übersetzung grottenschlecht. Swype Keyboard ist das Richtige für diejenigen von euch, die Wert auf ein großartiges Design legen und auch bereit sind, dafür zu zahlen.

Was den Funktionsumfang von Tastatur-Apps betrifft, solltet ihr euer Geld stecken lassen. Im Test gab es keinen InApp-Kauf, der einen entscheidenden Mehrwert gegenüber der kostenlosen Variante bietet.


Image „typewriter love” by Asja Boroš (CC0 Public Domain)


Mit Material von unserer Geschwisterseite Androidpiloten, wo der Text in modifizierter Fassung zuerst erschien.

Niklas Hamburg

Als Redakteur bei den Netzpiloten, Androidpiloten und Applepiloten beschäftigt sich Niklas Hamburg mit allem, was digital ist. Wenn er in seiner Freizeit Klavier spielt oder im Garten buddelt, weiß er aber auch das analoge Leben zu schätzen.

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