Toshiba FlashAir W-04: SD-Karte mit WLAN im Test am Mac und iPhone

Geht es nach Apple, ist ein zeitgemäßer Tech-Alltag nahezu kabellos. Gut, die Wirklichkeit sieht noch anders aus, wie der ausufernde Adapter-Wahnsinn beweist. Besonders der einkassierte SD-Kartenschacht beim MacBook Pro der Modelljahre 2016 und 2017 erhitzte die Gemüter. Ist es wirklich so unvorstellbar, Bilder per Funk von einer Fotokamera zu einem Apple-Gerät zu übertragen? Dies hatte Apples Marketing-Chef Phil Schiller empfohlen, weil schließlich immer mehr Kameras über WLAN-Chips verfügen. Und selbst wenn sie das ab Werk nicht tun, können Fotografen ihre Knipsen mit einer WLAN-fähigen SD-Karte wie der Toshiba FlashAir W-04 nachrüsten. Wie reibungslos und schnell der Datentransfer zwischen der Funk-Speicherkarte und einem MacBook und einem iPhone funktioniert, habe ich in der Praxis getestet.

So funktioniert die Toshiba FlashAir W-04

Äußerlich handelt es sich bei dem Modell zwar um eine klassische SD-Karte. Doch weil Toshiba in der FlashAir W-04 Technik zum Senden und Empfangen von WLAN-Signalen verbaut hat, kann sie Bilddateien auch ohne physischen Kontakt übertragen. Statt die Karte mit oder ohne Adapter an den Mac zu schließen, steckt sie für die Dauer des Datentransfers im Kameragehäuse. Währenddessen bleibt die Kamera angeschaltet, damit ihr Akku die WLAN-Speicherkarte mit Energie versorgt.

Toshiba FlashAir W-04 Olympus OM-D E-M5
Während des Transfers bleibt die Karte in der Kamera, damit deren Akkus den WLAN-Chip mit Energie versorgen. Image by Berti Kolbow-Lehradt

In ihrer Funktion als SD-Karte gehört die Toshiba FlashAir W-04 zu den schnelleren Modellen. Sie ist mit dem UHS-1-Standard kompatibel und erfüllt die Anforderungen der U3-Geschwindigkeitsklasse. Deshalb liest sie mindestens 30 MB/s und maximal 90 MB/s. Schreiben kann sie Daten mit bis zu 70 MB/s. (Eine kleine Kartenkunde zu den Kennziffern biete ich hier.)

Viel interessanter ist für mich jedoch, wie souverän die Toshiba FlashAir W-04 in der Luft agiert. Laut Toshiba liefert die Karte eine WLAN-Performance von 31,4 Mbit/s. Damit sei sie fast dreimal schneller als die Vorgängergeneration. Zudem kann die FlashAir W-04 nicht nur JPG-Fotos, sondern auch RAW-Dateien übertragen. Letzteres ist bei WLAN-Speicherkarten keine Selbstverständlichkeit. Das klingt beeindruckend. Daher sind meine Erwartungen hoch.

Toshiba FlashAir W-04 am Mac oder iPhone einrichten

Vor dem ersten Luftkontakt bereite ich mein MacBook Pro Late 2015 mit der Einrichtungssoftware von Toshiba vor. Parallel bringe ich noch die Firmware der SD-Karte mit einem Update-Tool auf den neusten Stand der Version 4.0.0. Während der Einrichtungsprozedur baut die Software eine direkte WLAN-Verbindung zwischen Mac und SD-Karte auf.

Sofern der Rechner per WLAN auf das Internet zugreift, wird diese Verbindung standardmäßig unterbrochen. Allerdings lässt sich in der Einrichtungssoftware ein „Pass-Through-Modus“ aktivieren. Er sorgt dafür, dass das FlashAir-Funknetz mich gleichzeitig ins Internet lässt.

Als nächstes binde ich mit der Einrichtungssoftware die FlashAir-Karte als Netzwerklaufwerk in macOS Sierra 10.12.6 ein. Es taucht dann unter der Bezeichnung „flashair.local“ im Finder auf. Auf diesem Weg kann ich Dateien per Drag-and-Drop von der Karte auf die Mac-Festplatte übertragen – und umgekehrt.

Toshiba FlashAir Mac App
Die Mac-Anwendung zur Einrichtung der FlashAir-Karte ist mächtig aber umständlich zu bedienen. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Zu meinem Ärger verschwindet das FlashAir-Netzlaufwerk nach jedem Neustart. Anders als in dieser Anleitung zu lesen, gelingt es mir auch nicht, das Laufwerk mit der FlashAirDrive-App von Toshiba zu aktivieren. Glücklicherweise handelt es sich um eine WebDAV-Verbindung. Daher kann ich die Serveradresse manuell im Finder aufrufen (cmd+K, dann http://flashair.local eingeben).

Als letztes aktiviere ich in der Einrichtungssoftware das Feature „Eyefi Connected“. Dies sorgt dafür, dass sich die Kamera nicht in den Ruhemodus schaltet und dadurch den Dateitransfer von und zur Toshiba FlashAir W-04 nicht unterbricht.

Das klingt zwar alles nach wenigen Klicks. Doch insgesamt erweist sich die Einrichtung per Mac-Software als hakelig, zeitraubend und auch fehleranfällig. Im Vergleich dazu viel selbsterklärender und schneller lässt sich die FlashAir-App für iOS bedienen. Wie ich zu spät bemerke, kann ich auch darüber beispielsweise die „Eyefi Connected“- und „Pass-Through“-Modi aktivieren – und zwar viel einfacher.

Sehr störanfällige Performance am Mac

Beim Blick auf den Dateitransfer zwischen Karte und Mac selbst erkenne ich ebenfalls Licht und Schatten. Zwar erfüllt die Toshiba FlashAir W-04 ihren Job als klassische SD-Karte tadellos. So reizt sie im Blackmagic Disk Speed Test mit 87,3 MB/s (Lesen) und 70,4 MB (Schreiben) fast das Maximum aus. Ein Testpaket mit 530 MB ist unter 10 Sekunden an ein MacBook übertragen.

Hingegen das Tempo im WLAN-Modus schwankt stark. Am besten performt die Funk-Speicherkarte, wenn ich nur einzelne Bilder übertrage. Auch zwei größere Testpakete mit RAW-Fotos und JPG-Fotos gelangen zum Teil beeindruckend schnell auf den Rechner. Doch gerade beim größeren RAW-Paket trüben bei vielen Testläufen nicht nachvollziehbare Hänger und Abbrüche das Erlebnis. Häufig werden nur einige Dateien aber nicht das ganze Set übertragen. Bisweilen hängt sich die Verbindung schlicht auf. Daher dauert es mal drei Minuten, mal 13 Minuten, bis die RAW-Bilder übertragen sind. Und mal klappt es eben gar nicht.

Wireless-Transfer an MacBook Pro Late 2015Wireless-Transfer an iPhone 7 Plus
Raw-Ordner mit 534,1 MB (36 ORF-Dateien)zwischen 3:33 und 13:12 Minuten 9,27 Minuten
JPG-Ordner mit 60,8 MB (36 Dateien)zwischen 0:32 und 2:35 Minutenzwischen 0:42 und 2:11 Minuten
1 Raw-Datei (ORF, 16 MB)zwischen 0:09 und 0:27 Minutenzwischen 0:06 und 0:13 Minuten
1 JPG-Datei (2,1 MB)4,6 Sekunden2,9 Sekunden

Ein Blick ins WLAN-Fenster in der Menüleiste von macOS (mit gedrückter Alt-Taste auf WLAN-Symbol klicken) offenbart stark schwankende Übertragungsraten zwischen 20 Mbit/s und 73 Mbit/s. Die Tempo-Probleme lassen sich nur zum Teil mit den Metallgehäusen der beiden verwendeten Kameragehäuse vom Typ Olympus OM-D EM-5 erklären.

Befindet sich die SD-Karte im Kameraschacht, kann ein Metallkorpus natürlich die Signalstärke empfindlich schwächen. Stecke ich daher zum Vergleich die Karte in den SD-Slot eines MacBooks, nehme aber die Übertragung per WLAN vor, erhöht und stabilisiert sich das Transfertempo deutlich. Der Grund: Dort ist die Karte nur zur Hälfte im Computergehäuse versenkt. Dennoch treten auch bei diesem Setup unerklärliche Verbindungsabbrüche auf, obgleich nicht so häufig.

Transfer via Kartenschacht unter macOS 10.12.6
(mit Black Magic Disk Speed Test)
Transfer via Kartenschacht unter Windows 10
(mit Crystal Disk Mark)
LesenSchreibenLesen (sequentiell)Schreiben (sequentiell)
87,3 MB/s70,4 MB/s92,3 MB/s74,0 MB/s

Stabiler Transfer unter iOS

Ganz anders fällt mein Performance-Eindruck unter iOS 11 aus. Der Datentransfer zu einem iPhone 7 Plus verläuft über mehrere Testläufe hinweg stabiler. Und zwar auch dann, wenn die SD-Karte im Metallgehäuse der Kamera steckt. Die WLAN-Verbindung löst sich zwar auch unter iOS immer mal wieder unerwartet. Aber zum Glück passiert dies nur im Leerlauf, während keine Übertragung stattfindet.

Die Universal-App für iPhone und iPad ab iOS 6, die ich in Version 4.0.0 getestet habe, ist schön schlicht und selbsterklärend. Mit der App kann ich Fotos von der Kamera herunterladen und diese dann entweder auf dem iOS-Gerät speichern, mit einer anderen Foto-App wie beispielsweise Lightroom bearbeiten oder im Internet teilen. Mittels der Reiter am oberen Bildschirmrand kann ich prüfen, welche Dateien sich noch auf der FlashAir-Karte oder bereits auf dem iPhone oder iPad befinden. Dabei kann ich in den Einstellungen zwischen einer Ordner-Ansicht und einer Fotogalerie-Ansicht wählen.

Die FlashAir-App läuft stabil und erledigt ihren Job. Allerdings würde ich mir noch eine feingliedrige Dateiverwaltung wünschen. Zum Beispiel hat mich im Praxistest gestört, dass ich nicht mehrere Dateiordner auf einmal für den Download markieren kann. Die Auswahl ist nur auf Dateiebene innerhalb eines Ordners möglich.

Toshiba FlashAir App
Die FlashAir-App ist schlicht und stabil. Sie ermöglicht eine Galerie- und eine Ordner-Ansicht. Schade, dass man nicht erkennen kann, welches Foto ein JPG und welches das RAW ist. Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt

Ferner kann ich in der Ansicht nicht anhand eines Dateityps selektieren. Habe ich also mit der Kamera ein Bild sowohl als JPG als auch als RAW abgespeichert, werden mir beide Dateien angezeigt, ohne dass ich die Dateiendung unterscheiden kann. Diese Möglichkeiten ließen sich aber sehr leicht in einem App-Update durch Toshiba ergänzen.

Test-Fazit: Toshiba FlashAir W-04

Eine SD-Karte mit WLAN-Funktion ist ein wunderbares Hilfsmittel, um auch nicht-smarte Kameras WLAN-fähig zu machen. Die Karte von Toshiba begeistert über diese Fähigkeit hinaus mit der Übertragung von RAW-Dateien sowie der Funktion von Eyefi Connected.

Die kabellose Übertragungsgeschwindigkeit der Toshiba FlashAir W-04 ist in meinem Test zum Teil rasend schnell. Dass sie dabei nicht an das Tempo eines Transfers via SD-Kartenschacht herankommt, war zu erwarten und ist verschmerzbar. Ärgerlich sind jedoch die großen Schwankungen in der Geschwindigkeit sowie Instabilitäten, was die Verbindung betrifft. Diese Makel treten vor allem im Zusammenspiel mit der Mac-Software auf.

Die iOS-App hinterlässt einen viel besseren Eindruck. Für den Einsatz unterwegs ist die Toshiba FlashAir W-04 sehr empfehlenswert. Wollt ihr zum Beispiel hochwertige Fotos aus eurer großsensorigen DSLR für einen Social-Media-Post am iPhone verwenden, ist die WLAN-Speicherkarte von Toshiba eine prima Lösung.

Hingegen bei der Arbeit am Mac kann die FlashAir W-04 zumindest in meinem Test nicht mit dem Komfort und der Verlässlichkeit eines Transfers per Kartenslot konkurrieren. Natürlich lässt sich von diesem Einzelbeispiel nicht auf die generelle Qualität von kabellosen Datentransfers mit anderen WLAN-SD-Karten oder integrierten WLAN-Chips in Kameras schließen. Aber es zeigt, dass der kabellose Alltag, wie ihn sich Apple vorstellt, noch keine Selbstverständlichkeit ist und selbst die Lösung eines Markenanbieters holprig sein kann.

Die Toshiba FlashAir W-04 ist mit 16, 32 oder 64 GB zu Preisen von 30 Euro, 40 Euro und 50 Euro erhältlich.


Images by Berti Kolbow-Lehradt


Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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