VPN-Zensur: Apple beugt sich erneut Druck aus China

Apple hat still und leise zahlreiche Apps, die der Nutzung eines Virtual Private Network (VPN) dienen, aus seinem chinesischen App-Store entfernt. Darüber haben bereits mehrere betroffene Anbieter berichtet. VPNs sind ein wichtiges Werkzeug zur Umgehung von Überwachungs- und Zensurmaßnahmen und als solches der chinesischen Regierung ein Dorn im Auge. Es ist nicht das erste Mal, dass Apple aus opportunistischen Gründen legale und sinnvolle Apps aus seinem App-Store entfernt.

VPNs: Wertvoll gegen Überwachung und Zensur

Ein sogenanntes „Virtual Private Network“ oder VPN ist eine Möglichkeit, Daten sicher über eine eigentlich unsichere Verbindung zu übertragen. Hierzu verbindet sich die Nutzerin oder der Nutzer mit einem VPN-Server, der die Daten dann weiterleitet. Dabei überträgt die Software die Daten in einem verschlüsselten „Tunnel“.

VPNs schützen sensible Daten bei der Übertragung vor unbefugtem Mitlesen. Deswegen betreiben einige größere Unternehmen oder Bildungseinrichtungen ihre eigenen VPNs. Mitarbeiter, die auswärts arbeiten, können so ihre Daten sicher übertragen und dadurch sensible Interna schützen. Internet-Nutzer, die um ihre Privatsphäre besorgt sind oder kriminelle Angriffe auf ihre sensiblen Daten fürchten, können sich ebenfalls durch ein VPN schützen. Es gibt eine Reihe von kostenlosen wie auch kommerziellen Angeboten, die sich im Leistungsumfang unterscheiden.

Neben dem Schutz der Daten vor Überwachung und Angriffen sind VPNs aber auch ein wertvolles Werkzeug zur Umgehung von Zensurmaßnahmen. Durch die Verschlüsselung ist von außen nicht zu sehen, welche Daten die Software wohin überträgt. Somit können missliebige Verbindungen nicht identifiziert und somit auch nicht zensiert werden.

Apple entfernt VPN-Apps

Apple hat offenbar eine ganze Reihe von Apps, die der Nutzung von VPNs dienen, aus seinem chinesischen App-Store entfernt. Das hat einen einfachen Grund: China führt im Rahmen der „Great Firewall of China“ umfangreiche Zensurmaßnahmen durch. Für Chinesinnen und Chinesen ist es sehr schwer, sich im Internet unabhängig zu informieren. VPNs würden eine Umgehung der Zensurmaßnahmen ermöglichen. Diese Möglichkeit ist der Regierung natürlich ein Dorn im Auge. Dementsprechend übt sie Druck auf Unternehmen aus, die Nutzung entsprechender Apps zu unterbinden.

Für Apple ist China (nach den USA) der zweitwichtigste Markt. Dementsprechend ist das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino offenbar schnell bereit, aus wirtschaftlichen Gründen auch Apps, die weder gegen ein konkretes chinesisches (oder US-amerikanisches) Gesetz noch gegen Apples eigene Nutzungsbedingungen verstoßen, aus dem App-Store zu entfernen.

Wie Apple immer wieder politischem Druck nachgibt

Apples Verhalten ist nicht ohne Präzedenzfall. Schon mehrfach hat Apple auf politischen Druck hin legale und sinnvolle Apps aus seinem App-Store entfernt. So löschte der IT-Gigant ebenfalls auf Druck der chinesischen Regierung die App der New York Times aus seinem chinesischen App-Store, weil diese von vielen Chinesinnen und Chinesen genutzt wurde, um sich über Sachverhalte zu informieren, die der Zensur der chinesischen Regierung unterliegen. Dagegen spielte sich ein weiterer, in der Sache ähnlicher Vorfall in den USA ab. Dabei löschte Apple die Info-App „Metadata“. Diese informiert über Drohnen-Angriffe der US-Regierung und wurde von dieser offenbar als Kritik an ihrer Art der Kriegführung ausgelegt. Auf Druck aus Washington hin machte Apple auch diese App – trotz mehrfacher Beschwerden der Entwicklergruppe und zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer – unzugänglich.

Apple wird seiner Verantwortung nicht gerecht

Apples Verhalten ist, vor allem, da es sich eindeutig nicht um einen Einzelfall handelt, ein Armutszeugnis. Natürlich ist der IT-Konzern ein profitorientiertes Unternehmen und will als solches Geld verdienen. Das darf jedoch nicht um jeden Preis geschehen. Wo freiheitliche Werte so eindeutig hinten angestellt werden – und das ohne ernst zu nehmende Bedrohung, einfach nur um der Bequemlichkeit und Gewinnmaximierung willen – wird Apple eindeutig seiner Verantwortung als einflussreicher Global Player noch nicht einmal ansatzweise gerecht.

Es wird Zeit für deutliche Kritik an diesem Verhalten. Apple muss vor allem auch wirtschaftlich zu spüren bekommen, dass die Nutzerinnen und Nutzer einen solchen Verrat an der Meinungsfreiheit nicht ungestraft hinnehmen. Das Bankkonto und der Aktienwert scheinen nämlich die einzigen Werte zu dein, die Apple verteidigt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei den Netzpiloten.


Image (adapted) „Apple Store Hong Kong“ by Robert_z_Ziemi (CC0 Public Domain)


Annika Kremer

schreibt regelmäßig über Netzpolitik und Netzaktivismus. Sie interessiert sich nicht nur für die Technik als solche, sondern vor allem dafür, wie diese genutzt wird und wie sie sich auf die Gesellschaft auswirkt.

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