Astropad im Test: Was taugt die App, die das iPad in ein Grafik-Tablet verwandelt?

Wer gern und häufig zeichnet, nutzt ein Grafik-Tablet. Besitzer eines Macs und eines iPads müssen sich kein solches Gerät zusätzlich anschaffen. Zumindest, wenn es nach den Entwicklern der Software Astropad geht. Sie will für Zeichner eine Brücke schlagen zwischen Mac inklusive seiner Software und den Stärken des iPads und damit gleichsam eine vollwertige Grafiklösung bieten.

Denn bisher war es für digitale Künstler immer so: Entweder am Mac mit Tools wie Photoshop und Illustrator arbeiten, oder unterwegs am iPad, wo es vor allem für unterwegs leicht im Funktionsumfang reduzierte Apps wie Sketchbook Pro, Adobe Photoshop Sketch und Illustrator Draw gibt. Sketchbook Pro gibt es sogar auf beiden Plattformen, doch die Desktop-Version ist wesentlich reichhaltiger ausgestattet.

Image by Astropad
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Wie gut ist Astropad also als Grafik-Tablet? Als großer Fan des Zeichnens habe ich das Programm im Zusammenspiel zwischen dem Rechner und dem Tablet von Apple auf die Probe gestellt.

Grundidee von Astropad: Das iPad als Grafik-Tablet

Wer wiederum auf dem Mac mit Stift Zeichnen möchte, braucht ein spezielles Grafiktablett. Die gängige Wahl der Profis ist ein Modell von Wacom. Hier gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: Entweder ein drucksensitives Tablet, mit dem man beim Zeichnen auf den Mac-Bildschirm schaut. Wacoms Cintiq-Tablets bringen hingegen Display und Stifteingabe zusammen. So fließt die Tinte beim Zeichnen direkt aus dem Display, aber natürlich haben solche Stiftdisplays ihren Preis, der in der Liga eines iPad Pro beginnt.

Astropad will hingegen die bei vielen schon vorhandene Hardware – ein iPad oder sogar das iPhone – nutzen und sie nach dem Verbinden mit dem Mac in ein Grafiktablett verwandeln. Dabei gibt es zwei Varianten: Astropad Standard zielt auf jedermann und kostet einmalig rund 30 Euro. Astropad Studio setzt ein iPad Pro voraus und zielt auf Profis und anspruchsvollere Zeichner. Hier wird eine monatliche Mietgebühr ab 8,49 Euro oder 72,99 Euro im Jahr fällig. Wer nur ein iPhone nutzt, kann sich die kostenlose App Astropad Mini holen.

Theoretisch kann man in allen Apps mit dem Finger (oder mit der Standard-Edition mit jedem iPad Stylus) zeichnen. Dafür gibt es sogar einen speziellen Modus. Es ist aber klar, dass ein Apple Pencil und damit das iPad für fortgeschrittene Zeichnungen praktisch Pflicht sind. Zudem kommt die Studio-Version mit auf einer fürs iPad Pro abgestimmten Performance, Tastaturkürzeln und Gesten, die für flüssiges Zeichnen sorgen.

Image by Astropad
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Setup: Mac und iOS im Spiegelmodus

Die Einrichtung läuft mit jeder Version praktisch gleich: Zuerst die iOS-App laden und dann das Gegenstück auf dem Mac herunterladen und installieren. Das iPad wird dann per WLAN oder USB-Kabel verbunden. Für die drahtlos Variante müssen sich nur beide im gleichen Netzwerk befinden – fertig. Eine gestrichelte Linie zeigt dann auf dem Mac-Bildschirm den Ausschnitt an, in dem das Grafiktablett arbeitet. Der Inhalt vom Mac Bildschirm wird dann auf dem Tablet gespiegelt.

Praktisch ist, dass man mit so gut wie jedem Zeichenprogramm auf dem Mac arbeiten kann. Sinnvoll sind aber natürlich Grafikprogramme, die für Stifteingabe auch Werkzeuge mitbringen, also zum Beispiel Photoshop, Illustrator und Sketchbook Pro 6.

In Photoshop können Nutzer dann zum Beispiel mit den vielen Pinseln des Grafik-Primus von Adobe zeichnen, dazu die gewohnten Farbwähler und Techniken wie Ebenen nutzen. Beim Arbeiten mit jedem Programm hilft in der Studio-Version zudem eine Seitenleiste, die häufige Befehle wie Rückgängig (nur auf englisch also „Undo“) auf Tastendruck anbietet. Das hilft beim Zeichnen sehr. Mit Gesten gelingt es, die Zeichenfläche weiterzuschieben und deren Ausschnitt zu vergrößern. Zudem gibt es zu jedem Programm Shortcuts, für die sich eine iPad-Tastatur lohnt.

So geht’s – Astropad Schritt für Schritt erklärt

Zeichengefühl mit Stärken und Schwächen

Wie gut das Zeichnen gelingt, hängt immer ein wenig vom Programm und dem gewählten Werkzeug ab. Das Zeichengefühl und die Präzision sind erstaunlich gut und in der Studio-Version kommt es mit dem iPad Pro auch bei Wifi-Verbindung kaum zu merklichen oder störenden Verzögerungen.

An einigen Stellen zeigt sich jedoch, dass die verbreiteten Grafik-Programme für den Desktop und die Maus erdacht wurden und nicht für das iPad. Zudem reagieren manche nicht auf die Spezialitäten des Apple Pencils. Ganz anders macht das eine richtige iPad-App wie Photoshop Sketch: Darin lässt sich mit schräg gestelltem Stift schraffieren. Astropad und zum Beispiel Sketchbook Pro interpretieren den schräg gestellten Stift als gewöhnliche Linie.

Ansonsten sind die Vor- und Nachteile im Bereich des Vergleichs eines Grafiktabletts mit dem iPad: Das Tablet oder Pen Display fühlt sich mehr nach Zeichnen auf dem Papier an, während das iPad Pro mehr an eine Glasscheibe erinnert. Auch das Reagieren auf Druckstufen mit Astropad gelingt mal besser und schlechter und hängt stark vom Werkzeug und Programm ab. Wer unzufrieden ist, kann immerhin in den Settings das Stiftverhalten nachjustieren.

Test-Fazit Astropad

Astropad und das iPad als Touch-Erweiterung für den Mac gegen ein Grafiktablett oder gar Stiftdisplay antreten zu lassen wäre sicher nicht ganz fair – natürlich kann die reine Zeichenlösung die ein oder andere Disziplin besser und fühlt sich insgesamt natürlicher und präziser an. Aber dennoch ist Astropad eine hochinteressante App, die eine Menge Möglichkeiten für iPad und vor allem iPad Pro und Apple-Pencil eröffnet. Wie gut, kommt drauf an, was man genau vorhat. Also, ausprobieren!

Übrigens: eine Alternative für das iPad als Bildschirmerweiterung ist die App Duet. Hier geht es zum Test.


Images by Astropad; Screenshots by Stefan von Gagern


Stefan von Gagern

Stefan von Gagern schreibt als freier Journalist für Zeitschriften und Websites Artikel, Tests und Beiträge über digitale Themen wie Publishing, Internet, Social Media, Gadgets und Digital Lifestyle. Unternehmen berät er bei Konzeption und Umsetzung von Social Media-Auftritten und Content. Privat spielt der Freiberufler aus Hamburg Gitarre und ist oft auf dem Rennrad unterwegs.

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1 comment

  1. Alles schön und gut, aber mit den Abo-Modellen haben viele Apps mittlerweile den Bogen maßlos überspannt. So einfach möchte man sich regelmäßige Einnahmequellen schaffen. Hier 20 €, da noch 50 € für den Virenscanner, dann noch ein bisschen was zum streamen usw. usw., da hat der eine oder andere schon den Überblick verloren, über das, was der ganze Spaß pro Jahr eigentlich kostet.
    73 € für eine App, die den Monitor erweitert, ist schon viel. Und dann noch jedes Jahr. Ohne mich.

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