BT-Kopfhörer mit iOS-App: Denon AH-GC20 im Test

Wenn ich auf Reisen mit dem iPhone meine Lieblingsmusik genieße, möchte ich weder von Kabeln noch vom Umgebungslärm belästigt werden. An solche audiophilen Reisenden wie mich adressiert der japanische Hifi-Spezialist Denon den Kopfhörer AH-GC20. Das Lauscherpaar funkt mit Bluetooth und unterdrückt mit spezieller Elektronik Außengeräusche. Außerdem ist er faltbar und lässt sich daher beim Transport kompakt verstauen. Klingt auf dem Papier nach einem perfekten Unterwegs-Kopfhörer. Wie sich das Modell in der Praxis schlägt, verrät mein Test des Denon AH-GC20.

Hochwertig verarbeitet, gut ausgestattet

Die wenigsten Kopfhörer aus dem Smartphone-Lieferumfang kommen gegen den Bordlärm im ICE oder das Fahrgastgeschnatter in der U-Bahn an. Deshalb boomt das Kopfhörer-Geschäft im Zubehörhandel. Mit einem Listenpreis von 329 Euro gehört der Denon AH-GC20 zu den hochpreisigen Optionen. Dafür erhalten Käufer einen hochwertig verarbeiteten Kopfhörer. Das Kopfband aus Leder trägt sich sehr komfortabel, die Polster aus Memory-Schaumstoff passen sich meiner Ohrform sehr gut an. Die Bügelaufhängung aus Aluminium sieht edel aus und wirkt so stabil, dass sie auch langfristig häufiges Falten überstehen dürfte. Dank Leichtbauweise belastet der Globe Cruiser – dafür steht das GC – mit 275 Gramm das Reisegepäck vergleichsweise wenig.

Vielreisende freuen sich über den guten Lieferumfang. Die Transporttasche wirkt robust und ist angesichts der Kopfhörergröße angenehm kompakt und leicht. Ein Audiokabel inklusive zwei Adaptern verbindet den Kopfhörer mit der Klangquelle, falls Bluetooth – etwa beim Starten und Landen des Flugzeugs – nicht verwendet werden darf. Oder wenn der Akku unerwartet schlappmacht. Während meines Tests muss der Globe Cruiser selten an die Steckdose. Die vom Hersteller angegebene Akkulaufzeit von 20 Stunden zwischen zwei Ladungen liegt im guten Mittelfeld.

Erstklassiger Klang

In den Sitz zurücklehnen, die Reisegesellschaft um mich herum ausblenden und die Musik genießen – der erstklassige Klang des Globe Cruiser macht mir das leicht. Er ist sehr warm, räumlich und detailreich. Statt einer eindeutig neutralen Abstimmung hat sich Denon für eine leichte Bass-Orientierung entschieden. Die 40-Millimeter-Treiber sorgen daher auch für einen druckvollen aber nicht übertriebenen Tiefbass. Zudem steht er im ausgewogenen Verhältnis zu den präzisen Mitten und Höhen. Ganz nach oben hin ist der Globe Cruiser zwar nicht ganz so brillant wie andere Kopfhörer aus dieser Preisklasse, aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

Noise Canceling: Mikrofone halten erfolgreich Störgeräusche draußen

Die ohrumschließenden Polster schirmen an sich schon sehr wirksam Außengeräusche ab. Bei aktiviertem Noise Canceling registrieren zusätzlich zwei integrierte Mikrofone den Umgebungslärm und halten durch Gegenschall weitere störende Töne vom Ohr fern. Das NC tut seinen Job gut und beeinträchtigt den Klang nicht so sehr, wie ich es schon in anderen Fällen erlebt habe. Der Bassbereich wird noch etwas tiefer, das war es aber auch schon. Manch einem gefällt das vielleicht sogar.

Bis zu zwei Geräte fernbedienen

Wie bei Bügelkopfhörern mit Bluetooth üblich, lässt sich die Musik über Steuerelemente an den Ohrmuscheln des Globe Cruiser bedienen. Auf der rechten Seite verändert eine Wippe die Lautstärke, eine vorbildlich gelungene Multifunktions-Taste/Wippe aktiviert Play/Pause, stellt Lieder vor und zurück und spult innerhalb von Tracks. Die Telefon-Taste auf der linken Ohrmuschel nimmt Gespräche entgegen und beendet sie. Weil der Denon AH-GC20 sich mit bis zu zwei Geräten gleichzeitig verbindet, kann ich auf einem iMac iTunes fernbedienen und parallel ein Telefonat auf einem iPhone annehmen. Praktisch!

Siri und der Denon AH-GC20 verstehen sich nicht

Halte ich die Telefon-Taste länger gedrückt, aktiviere ich Siri. Im Test auf einem iPhone 6 reagiert die Sprachassistentin allerdings mitunter verzögert oder gar nicht. Wenn der Befehl ankommt, ist die akustische Qualität der Antwort erheblich schlechter als der musikalische Klang des Denon AH-GC20. Eine bessere Zusammenarbeit wäre in der Kopfhörer-Oberklasse wünschenswert.

Companion-App Denon Travel

Denon Connectivity (Image by Berti Kolbow-Lehradt)
Image by Denon

Mit der Companion-App Denon Travel bietet der Hersteller einen Anreiz, das iPhone trotz Bluetooth-Fernbedienung doch aus der Tasche zu holen. Die Universal-App für iOS 5 und höher ist im Kern ein Audio-Player. Er integriert die reguläre Musik-App, Podcast-App und den Webradio-Dienst TuneIn. Hauptfunktion ist ein 10-Band-Equalizer, mit dem sich die Frequenzkurve individualisieren lässt. Überraschung: Dieses Feature freizuschalten, kostet 1,99 Euro per In-App-Kauf. Das macht niemanden arm, irritiert mich aber angesichts des hohen Kopfhörer-Preises. Hingegen gratis ist eine Launcher-Funktion, die Reise-Apps wie Kayak oder TripAdvisor öffnet. Dies ist „nice to have“, ein App-Ordner auf dem Startbildschirm erfüllt jedoch den gleichen Zweck.

Fazit und Alternativen

Der Denon AH-GC20 ist ein äußerst empfehlenswerter Bluetooth-Kopfhörer. Er ist hochwertig verarbeitet, trägt sich sehr angenehm, lässt sich praktisch transportieren und klingt so famos, wie ich es in dieser Preisklasse erwarte. Für eine Neuauflage würde ich mir noch etwas mehr Brillanz in den Höhen wünschen. Das ist aber kein Manko, sondern berührt bereits den Bereich der Geschmacksfrage. Den Equalizer in der Companion-App kostenpflichtig anzubieten, halte ich angesichts des Kopfhörer-Preises von 329 Euro für kleinlich. Auf diesen Tongestalter dürften aber viele Nutzer verzichten können, da der Kopfhörer auch ohne Tuning grandios klingt.

Unter den ohrumschließenden Bluetooth-Kopfhörern sehe ich zu diesem Preispunkt und mit dieser Feature-Liste derzeit keine direkte Alternative. Der Sennheiser Momentum Wireless sieht im Vergleich nochmals edler aus, ist aber viel teurer (449 Euro). Der Bose Soundlink AE Wireless II ist günstiger (279,95 Euro), bietet aber kein Noise Canceling und ist nicht faltbar.


Images by Denon


Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

More Posts - Twitter - Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.