Das iPhone als Systemkamera: Drei ExoLens-Aufsteckobjektive von Zeiss im Kurztest

Neben dem iPhone noch die Systemkamera einstecken? Diese Frage stelle ich mir immer wieder, wenn ich mich für einen Ausflug mit potenziellen Fotogelegenheiten rüste. Das iPhone habe ich sowieso dabei und es ist schnell gezückt. Die Systemkamera ist sperriger, aber ihre Wechselobjektive erlauben mir mehr Spielraum. Ein Dilemma!

Ein Kompromiss: Aufstecklinsen für Smartphones. Das Angebot ist inzwischen groß. Darunter ist auch viel unscharfer Spielkram, bei dem Verzerrungen und Farbfehler so offensichtlich sind, dass sie ein Blinder mit dem Krückstock erkennt. Hingegen drei hochwertige (und ausgesprochen hochpreisige) iPhone-Aufsteckobjektive hat jetzt Optik-Spezialist Zeiss in Kooperation mit der Marke ExoLens des Herstellers Fellowes in den Handel gebracht. Auf der Photokina konnte ich mir bei einem Kurztest einen Eindruck davon bilden, ob das Linsen-Trio hält, was der gute Markenname verspricht.

Das kann der Objektiv-Fuhrpark von Zeiss fürs iPhone

Zeiss und ExoLens verfolgen das Systemkonzept und haben die Lösung für bestimmte iPhone-Modelle maßgeschneidert. Die Vorsatzobjektive lassen sich mit einer Aluminium-Halterung auf das iPhone 6 und 6s bzw. mit einer weiteren Halterung auf das iPhone 6 Plus und 6s Plus montieren. Außerdem verfügt die Halterung über ein integriertes Standardgewinde (1/4”-20) für ein Stativ sowie einen Zubehörhalter, an dem sich ein externes Mikrofon oder eine Videoleuchte anschließen lassen. Ist die Halterung am iPhone befestigt, passt keine Schutzhülle mehr um das Gerät.

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Das Trio deckt gängige Einsatzzwecke ab. Das Zeiss Mutar 0.6x Asph T, ist ein Ultraweitwinkelobjektiv, das einer Brennweite von 18 Millimetern am Vollformatsensor entspricht. Mit 56 Millimetern Kleinbild-Äquivalent geht das Zeiss Mutar 2.0x Asph ganz leicht in den Telebereich. Damit eignet es sich zum Beispiel für Porträts besser als die Standard-Brennweite des iPhones.

Das Makro-Zoomobjektiv Zeiss Vario-Proxar 40-80 T hat eine Brennweite von 40 bis 80 Millimetern. Das Drehen des Rings vergrößert oder verkleinert allerdings in diesem Fall das Sehfeld nicht, sondern verschiebt die Schärfeebene. „Möchte man Objekte fotografieren, die drei bis fünf Zentimeter entfernt sind, dreht man den Ring bis zum Anschlag nach rechts, für Objekte im Abstand von fünf bis acht Zentimetern dreht man den Ring ganz nach links“, erklärt Produktentwickler Vladan Blahnik von Zeiss.

Look & Feel: Die Zeiss ExoLens-Objektive angeschaut und angefasst

Von den weit verbreiteten fummeligen Plastik-Aufsätzen heben sich die ExoLens-Objektive von Zeiss angenehm ab. Die Metallgehäuse fühlen sich massiv und wertig an. Häufigem Montieren dürften sie standhalten. Auf der Halterung sitzen sie passgenau und stabil, nichts wackelt. Der Verstellring des Makro-Zoomobjektivs ist leichtgängig und präzise.

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Im Vergleich zu gängigen Produkten ist das Zeiss-Trio länger und schwerer. Der größte Vertreter, das Teleobjektiv, bringt inklusive Gegenlichtblende 98 Gramm auf die Waage. Das kommt nahe ans Gewicht eines iPhone 6 selbst heran (129 Gramm). Die Aluminium-Halterung ist dabei noch nicht eingerechnet. Mit 46,5 Millimetern inklusive Gegenlichtblende ragt das Teleobjektiv zudem weit über das Smartphone-Gehäuse hinaus. Die Maße der beiden anderen Objektive sind zwar kompakter (alle Spezifikationen hier), aber auch sie fallen auf.

Die Kombination mit einem iPhone in Standardgröße wirkte etwas unverhältnismäßig. Zusammen mit einem iPhone Plus dürfte das Verhältnis besser ausbalanciert sein. Alles in allem ist die Lösung jedoch definitiv jackentaschentauglich – ganz im Gegensatz zu einer üblichen DSLR oder spiegellosen Systemkamera.

Die drei Objektive sind übrigens gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Da dies auf die Gehäuse der iPhone-6-Familie nicht zutrifft und ja auch keine Schutzhülle verwendet werden kann, ist das vorerst kein großer Mehrwert. Erst, wenn einmal Halterungen für das IP67-zertifizierte iPhone 7 erhältlich sein sollten, kann zu einem Einsatz unter widrigen Bedingungen geraten werden.

Optische Qualität: Durch die Zeiss ExoLens-Objektive durchgeschaut

Im Kunstlicht der Photokina-Halle machte die Bildqualität nach Inaugenscheinnahme des iPhone-Screens einen hervorragenden Eindruck. Die Darstellung wirkte knackig und kontrastreich. Randunschärfen, perspektivische Verzeichnungen und Farbsäume konnte ich in dieser Ansicht nicht erkennen. Hier erweist es sich als Vorteil, dass hochwertig geschliffene, asphärische Linsen eingesetzt werden.

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Auch lästige „lens flares“, also ungewollte Lichtreflektionen, waren kein Thema. Dafür soll bei allen drei Objektiven eine sogenannte T-Antireflex-Beschichtung sorgen.

Um die optische Qualität abschließend zu beurteilen, wäre aber ein Praxistest in verschiedenen Lichtsituationen und eine Betrachtung der Bilder in 100-Prozent-Vergrößerung notwendig.

So teuer wie DSLR-Objektive

Die Mutar-Objektive machen zweifellos eine erstklassige Figur. Das lassen sich Zeiss und ExoLens aber auch einiges kosten. Das Ultraweitwinkel-Objektiv kostet im Set mit einer Aluminium-Halterung 250 Euro. Für das Teleobjektiv werden 230 Euro fällig, für das Makroobjektiv 170 Euro. Beide kommen ohne Halterung. Separat ist eine Aluminium-Halterung für 65 Euro erhältlich.

Zum Vergleich: Wer sich den kompletten Fuhrpark zulegt, könnte stattdessen auch eine DSLR oder spiegellose Systemkamera aus dem Einsteiger-Segment inklusive Kit-Zoom oder einer lichtstarken Festbrennweite kaufen.

Die ExoLens-Produkte mit Zeiss-Optik sind auf der Hersteller-Webseite erhältlich. Der Apple Store vertreibt das Weitwinkel-Kit.

Fazit

Wer gern mit dem iPhone fotografiert oder filmt, kann mit den ExoLens-Aufstecklinsen deutlich flexibler agieren. Die weitwinklige Standard-Brennweite des iPhone-Objektivs ist nicht für jedes Motiv optimal. Hingegen die Makro-, Tele- und Ultraweitwinkel-Vorsätze von Zeiss erweitern den kreativen Spielraum deutlich.

Für den sehr hohen Preis erhalten Käufer Produkte, die im Marktvergleich überdurchschnittlich verarbeitet sind und – dem ersten Eindruck nach – auch eine vortreffliche optische Qualität bieten.

Die Idee des hochwertigen Fotozubehör-Systems fürs iPhone überzeugt mich. Wenn das iPhone ohnehin öfter als die „große“ Kamera zur Hand ist, liegt der Gedanke nahe, es gleich selbst zu einer Systemkamera aufzurüsten.

Teaser by Zeiss

Images by Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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