Die eleganten Bluetooth In-Ears mit dem Plus: Libratone Track+

Tragt ihr eure Kopfhörer immer noch AUF den Ohren? Im Sommer viel zu heiß! Das Zauberwort dieser Tage heißt In-Ears – und zwar am besten mit Bluetooth. Dabei haben wir es sehr gerne schlank, schick und unauffällig und trotzdem mit ordentlichem Soundprofil. All diese Punkte haben sich die Entwickler von Libratone auf die Fahne geschrieben, als sie das Modell Libratone Track+ entwickelten. Der dänische Hersteller, der sich mit seinen stylischen Produktdesigns bereits einen Namen in der Audiowelt gemacht hat, braucht sich hier vor Szenegrößen wie den Beats X by Dr. Dre nicht zu verstecken.

Design und Ausstattung: Schlicht ist Trumpf

Die Libratone Track+ punkten bereits beim Auspacken mit dem gewohnt schlichten, edlen Look. Mein Testmodell kommt in der Farbe Cloudy White daher. Somit erinnern die Bluetooth-Hörer in ihrer Gesamterscheinung sogar etwas an Apples cleanen Stil.

Die beiden In-Ear-Hörer sind durch einer stabilen, mit festerem Silikonüberzug beschichtete Kabelverbindung gekoppelt, die man sich lässig um den Nacken legt. Verrutschen tut hier nichts. An der linken und rechten Seite ist jeweils ein Steuerelement mit einem Alugehäuse angebracht. So sind die Libratone Track+ nicht nur unverknotbar, sondern auch leicht zu bedienen. Die beiden Steuerelemente sind etwa 5 Zentimeter lang und 0,5 Zentimeter breit. Durch ihre handliche Aufmachung während des Hörens sind sie gut zu erreichen.

Das rechte Bedienelement ist für die Lautstärke- und Trackauswahl gedacht. Die linke Seite beherbergt den Akku, die Ladebuchse sowie den Powerknopf, mit dem die In-Ears ans Smartphone gekoppelt werden.

Die In-Ears werden mit halbtransparenten Gummiaufsätzen in vier verschiedenen Größen für die Hörer geliefert. Außerdem gibt es einen Aufsatz für die Wingtips, die sich noch einmal zusätzlich in der Ohrmuschel festhaken, so dass die Libratone Track+ sicher und gut sitzen können. Mehr braucht es nicht. Und mehr bekommt man auch nicht, denn auch bei der Ausstattung gibt sich Libratone schlicht. Eine Tragetasche oder einen Ladeadapter sucht man bei einem recht stolzen Preis von knapp 200 Euro leider vergeblich. Mit einem handelsüblichen Handy-Adapter mit Mini-USB sind die Track+ aber auch schnell aufgeladen. In nur anderthalb bis zwei Stunden sind die In-Ears einsatzbereit.

Active Noise Cancelling und Soundprofil: Das Plus im Track+

Lärm ist überall, vor allem, wenn man unterwegs ist. Daher führt Libratone mit dem Track+ die aktive Geräuschunterdrückung auch bei den In-Ears-Modellen ein. Tatsächlich funktioniert die abschottende Wirkung sehr gut, denn man hört von der Außenwelt praktisch nichts. Es sei denn, man will es so. City Mix nennt Libratone diese neue Einstellung. Wie bereits bei der fast baugleichen Vorgängerreihe Q Adapt wird hier die Umwelt und ihre Geräusche wahlweise ein- oder ausgeschaltet.

Der Libratone Track+ kann das in vier Stufen, die man per App auswählen kann. Hier gibt es die Auswahl zwischen neutralen Grundeinstellungen, verstärkten Höhen oder einem extra verstärktem Bass Bluetooth.

Die App bietet auch eine Verbindung zu den Streamingservices Tidal und Soundcloud. Ein gut gemeinter Service. Schade und unnötig ist hier allerdings die datenfressende Abschnorchelung via separatem Anmeldeprofil, das außerdem ein wenig zu oft mit Tipps nervt (die man aber auch ausschalten kann). Wer einfach seine Hörer ohne digitalen Spion nutzen will, muss leider auf die App verzichten.

Fragt sich außerdem, wer diese Funktion braucht. Noise Cancelling ist praktisch, wenn man konzentriert arbeiten möchte oder beim Sport nicht gestört werden will. Die Idee, diese Funktion automatisch abzuschalten, ist prinzipiell eine gute. Allerdings nutze ich die Hörer dann doch hauptsächlich zum konzentrierten Hören. Der Handgriff, der mich die integrierte Funktionen umstellen lassen würde, ist letztlich mit demselben Kraftaufwand verbunden, die Hörer einfach aus der Ohrmuschel zu ziehen. Kurz: Die Funktion ist eine nette Spielerei, dringend benötigen tut man sie jedoch nicht.

Das Soundprofil der Libratone Track+ selbst hingegen ist sehr angenehm und ohne Einschränkungen zu empfehlen. Auch ohne App-Unterstützung. Neben einem stabilen und kräftigen Bass, ausgewogenen Mitten und klaren Höhen bieten die In-Ears ein volles und klares Soundprofil, das auch bei erhöhter Lautstärke nicht klirrt, sondern stets weich und voll klingt. Das schaffen nur wenige Minikopfhörer. Bei In-Ears dürfte diese Soundqualität besonders rar gesät sein. An dieser Stelle also ein ausdrückliches Lob an die Sounddesigner.

Bedienung: Hands-on mit Hindernissen

Nach dem ersten Auspacken werde ich – wie bereits bei meinem vorherigen Test eines Libratone-Produktes – vor ein Rätsel gestellt. Wie zum Geier bedient man die schicken Hörer? Die wenigen, schlichten Knöpfe an den Seiten helfen kaum weiter. Ein Blick auf die Bedienungsanleitung, die dankenswerterweise in die App integriert ist, gibt schließlich Aufschluss. Die erste Verbindung mit dem Smartphone per Bluetooth klappt reibungslos.

Ein schlichtes Mini-Diödchen gibt mit leichtem Blinken zu erkennen, dass die Hörer aktiviert sind. Wie bei meinem vorangegangenen Test bemerke ich: Man kann zwar den nächsten Track bequem per Plus-Taste anwählen. Eine Möglichkeit, einen Track zurückzugehen, gibt es jedoch noch immer nicht. Auch die smarte City Mix-Funktion erschließt sich meinem Ohr nicht gleich. Vor allem im Straßenlärm freue ich mich zwar über den klaren Sound, bemerke aber nur wenige Unterschiede zwischen den Profilen.

Über den Tragekomfort der In-Ears kann dagegen nur Gutes vermeldet werden. Nach einigen Stunden tragen sich die Libratone Track+ noch immer recht angenehm, wenn auch nicht völlig störungsfrei. Die Hörer halten bei mir nicht ohne die beigelegten Wings und rutschen auch mit Wingtips-Haltehilfe ab und zu aus den Ohrmuscheln heraus.

Finde deine Größe: Die Track+ werden mit den passenden Höraufsätzen geliefert.

Strenge Maßgaben müssen auch bei der Langlebigkeit des Akkus angelegt werden. Libratone wirbt mit bis zu acht Stunden Spielzeit für die Track+. Für einen kabellosen Kopfhörer definitiv keine schlechte Zeit. Für meine Alltagsroutine als Pendler und Intensivhörer reicht eine Ladung immerhin gerade so aus. Und öfter als mein Smartphone möchte ich meine Kopfhörer dann nun doch nicht aufladen.

Als deutlich problematischer empfinde ich die mangelhafte Reichweite der Track+, denn diese ist eindeutig zu gering. Andere Bluetooth-Modelle schaffen locker ihre zehn bis 15 Meter ohne Signalstörung, bei den Track+ ist bereits nach etwas über sechs Metern Abstand zum Smartphone Schluss. Wer also über eine größere oder verwinkelte Wohnung verfügt, muss mit einigen ärgerlichen Aussetzern beim Signal rechnen. Immerhin stoppt die Soundwiedergabe bei fehlender Verbindung, so dass man nicht alles verpasst. Ein etwas weiterer Radius bei gleicher Qualität wäre trotzdem wünschenswert.

Funkt leider etwas schwach: Das Modell Track+ darf nicht zu weit weg vom Smartphone.

Das Telefonieren mit den In-Ears klappt für meine Ohren sehr gut, jedoch bin ich, je nach Umgebung, mal schlechter, mal sehr gut zu verstehen, wie mir mein Gegenüber versichert. Diese Qualitätsschwankungen in der Sprachausgabe können nerven, besonders den Telefonpartner. Hier muss Libratone noch einmal nachsteuern.

Außerdem führt die Noise Cancelling-Funktion dazu, dass ich beim Telefonieren gefühlt lauter reden muss als gewohnt – wer irritierte Blicke auf der Straße vermeiden will, sollte wichtige Telefonate vielleicht doch besser in eine private Umgebung verlegen oder das Smartphone einfach ohne Hörer ans Ohr halten.

Fazit: Streber, aber ohne Bestnote

Mit den Libratone Track+ können Musikliebhaber einen guten Fang machen – vorausgesetzt, das Smartphone bleibt dabei in der Nähe und die Funkverbindung bleibt stabil. Die Track+ sind stylisch und gut verarbeitet, der Tragekomfort ist für In-Ears erfreulich hoch. Auch die Akkuleistung dürfte für den normalen Alltagsgebrauch ausreichen.

Die dazugehörige Libratone-App und die Noise Cancelling-Profile sind ein nette Extrafunktionen, die man aber nicht zwingend nutzen muss. Für den recht stolzen Preis von knapp 199 Euro gehört der Track+ zu den Strebern unter den In-Ears. Für ein “Sehr Gut” reicht es dennoch nicht aus.

Vergleichbare Produkte wie die Beats X von Dr. Dre und oder die Teufel Move BT gibt es bereits für günstigere 99 bzw. 119 Euro.

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Images by Anne Jerratsch & Libratone


Anne Jerratsch

ist freischaffende Autorin und Redakteurin bei den Netzpiloten und den Hello-Magazinen. Sie hat zeitgenössische und mittelalterliche Geschichte sowie Anglistik und Amerikanistik studiert und arbeitet, seit das erste Modem ins Elternhaus einzog, an irgendwas mit Medien. Sie bloggt und twittert als @keksmadam, mag und macht Podcasts und wirkt bei der nichtkommerziellen Hörspielvereinigung Die Neuvertonung mit.

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