Gewicht im Griff? Smarte Fitnesswaage Phicomm Smart Scale S7 ausprobiert

Der Urlaub war schön, aber als Souvenir habt ihr etwas Hüftgold heimgebracht? Dann eignen sich die milden Übergangstemperaturen dazu, beim Jogging wieder etwas abzuspecken. Eine Fitnesswaage hilft dabei, neben dem Gewicht auch andere Körperwerte im Blick zu behalten. Digitalos setzen natürlich auf eine smarte Waage mit App-Steuerung und WLAN-Verbindung. Um ein solches Modell handelt es sich bei der Phicomm Smart Scale S7. Im Unterschied zu ähnlichen Waagen ergänzt die Waage ein kabelgebundener Handgriff, dessen Sensoren zusätzliche Messungen vornehmen. Dadurch will das Phicomm-Modell einen insgesamt umfassenderen Einblick in die eigene Fitness liefern. Wie gut die smarte Waage das im Griff hat, habe ich im Zusammenspiel mit der iPhone-App ausprobiert.

Stolperstein WLAN-Verbindung

Hinter der Marke Phicomm steckt ein chinesischer Anbieter, der mit Smartphones, WLAN-Routern und Fitnesswaagen im „smart Life“ auch von deutschen Nutzern Fuß fassen will. Von den chinesischen Schriftzeichen der App im App Store sollte sich keiner abschrecken lassen. Die iPhone-Anwendung ist sorgfältig und verständlich übersetzt worden.

Die App namens Phicomm Health ist der Einstiegspunkt für die Inbetriebnahme. Eigentlich klingen die Anweisungen ganz einfach. App mit der smarten Waage verknüpfen und ins heimische WLAN einbinden. Doch das führt zunächst zu einer Fehlermeldung, weil die Phicomm Smart Scale S7 nur Funknetze mit 2,4 Ghz unterstützt, nicht aber mit 5 Ghz. Diese beiden Frequenzbereiche kombinieren aber viele moderne WLAN-Router – so auch meiner. Erst nachdem ich den Dual-Band-Betrieb in der Fritz!Box deaktiviere, fügt die Waage sich umgehend ins kabellose Netzwerk ein.

Erfreulicherweise genügt es, den Dual-Band-Betrieb nur während der Einrichtung der Waage im Router zu deaktivieren. Anschließend könnt ihr ihn wieder anschalten, um genügend Funkkanäle für den wachsenden Gerätefuhrpark im digitalisierten Zuhause in petto zu haben. Die Phicomm Smart Scale S7 übermittelt die Messergebnisse im Alltag trotzdem problemfrei.

Handgriff-Sensoren für detailliertere Messewerte

Im normalen Betrieb nimmt die Waage nach einer Messung Kontakt mit dem Router auf und überträgt die Daten an die Phicomm-Server, die sie wiederum an die Smartphone-App weiterleitet. Das klappt im Test reibungslos. Dieses Vorgehen setzt aber wie bei vielen anderen smarten Waagen voraus, dass ihr eure Gesundheitsdaten einem Cloud-Anbieter anvertraut.

Neben dem Gewicht und dem Body-Mass-Index berechnet die Fitnesswaage weitere Teilwerte, die etwas über die Körpergesundheit aussagen. So analysiert die Phicomm Smart Scale 7 die Viszeral- und Körperfette und gibt Aufschluss über den Wasseranteil im Körper. Zusätzlich hält sie den aktuellen Stand der Knochen- und Muskelmasse sowie das grundlegende Stoffwechselprofil fest.

Das ist reichlich Datenfutter zum Verdauen, aber nicht mehr als andere hochpreisige Waagen auch bieten. Was die Phicomm Smart Scale S7 jedoch vom Wettbewerb abhebt, ist der Handgriff mit seinen zusätzlichen Messdioden. Wenn ich ihn per Kabel mit dem Waagengehäuse verbinde und bei der Messung in die Hand nehme, ist die Software in der Lage, die Fitnesswerte noch detaillierter aufzuschlüsseln. Dann erfahre ich zusätzlich, wie sich Körperfettanteil und Muskelmasse anteilig auf Arme, Beine und Rumpf verteilen.

Wer den Handgriff beim Wiegen weglässt, muss nur auf die Einzeldaten zu den Gliedmaßen verzichten. Alle anderen Werte werden weiterhin über die Messung via Sensoren an der Fußsohle erhoben. Damit bietet der Handgriff einen Mehrwert für Nutzer, die einen sehr kleinteiligen Überblick über die Körperdaten erfahren möchten.

Ehrlich wirkt am heftigsten

Den kompletten Überblick über die eigenen Daten erhält nur, wer die App öffnet. Denn im Unterschied zur Nokia Body Cardio (zum Test) zeigt das Display der Phicomm-Waage selbst nur das Körpergewicht an.

Phicomm bereitet die Messwerte sehr übersichtlich und aufschlussreich in der schlicht und funktional gestalteten App auf. So konkret und hilfreich habe ich bisher kaum eine Gesundheits-App erlebt. Sie macht es sehr einfach, Rückschlüsse aus den Daten zu ziehen. So veranschaulicht sie die Werte nicht nur mit einem Ampelsystem, sondern formuliert den Fitnessstatus auch verbal knallhart aus. Die zum Teil brutal ehrliche Rückmeldung tut in meinem Fall leider sehr weh, hat mich aber stärker berührt als die nüchternen Zahlenreihen anderer Waagen, die mich mit einem Kuschelfeedback in trügerischer Sicherheit wiegen.

Dass die Messergebnisse leicht von denen einer Nokia Body Cardio abweichen, betrachte ich nicht als problematisch. Welches der beiden Modelle Recht hat, lässt sich im Rahmen dieses Praxistests nicht überprüfen. In der Praxis ist das aber nicht relevant, solange ihr nur eine Waage verwendet. Schließlich zählt die relative Veränderung der Daten über einen Zeitraum. Hier scheint die Waage konsistent zu messen, soweit ich das beurteilen kann. Außerdem räumt der Hersteller wie andere Wettbewerber auch ein, dass es sich um kein medizinisches Produkt handelt, dass die präzise Diagnose von Ärzten ersetzt.

Über das reine Messen und Bewerten der Körperdaten hinaus verzichtet die Phicomm-App auf Zusatzinformationen. Im Vergleich zur Nokia Body Cardio fehlen Trainings-Programme, die Integration von Schrittzählern und Gamification-Elemente wie Auszeichnungen. Außerdem synchronisiert die Phicomm-App die Daten nicht mit Apple Health. Wer sich ein Ökosystem an Smart-Health-Geräten anschaffen möchte, mag dies vielleicht vermissen. Für viele Nutzer dürfte das Angebot jedoch vollständig genug sein.

Test-Fazit Phicomm Smart Scale S7

In dem Handgriff und die zusätzlichen Messungen, die ermöglicht werden, kann ich keine stichhaltigen Vorteile erkennen. Viel mehr nervt der Kabelsalat recht schnell. Das Griffstück einfach beiseite zu legen, ist aber auch kein großer Verlust. Die Phicomm Smart Scale S7 bietet auch ohne Zusatz-Gadget aussagekräftige Messungen, die in der Smartphone-App zudem äußerst aufschlussreich aufbereitet sind.

Über den lästigen WLAN-Stolperstein in der Einrichtung kann ich leicht hinwegsehen, weil die smarte Waage im Betrieb unauffällig und zuverlässig ihren Dienst tut. Außerdem ist das schick designte Gehäuse aus Glas und Metall zusammen mit dem dezent integrierten LED-Display ein Hingucker im Badezimmer. Für rund 80 Euro erhaltet ihr eine stylische und funktionale Gesundheitswaage mit hilfreicher App. Den Handgriff lasst ihr einfach im Karton liegen.

Die smarte Waage von Phicomm bei Amazon (Provisions-Link).


Image by Phicomm

Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

More Posts - Twitter - Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.