Gitarrenunterricht online: Die 3 besten Apps

In vielen Menschen schlummert der Wunsch, ein Instrument zu lernen. Studien beweisen, dass beim Erlernen beziehungsweise Spielen eines Instruments viele verschiedene Hirnregionen aktiviert sind und es uns nachweislich ruhiger und zufriedener machen kann. Allerdings ist Musikunterricht nicht nur sehr teuer, sondern man muss auch einen festen Termin mit dem Lehrer vereinbaren. Nicht jeder hat die Zeit oder das Geld, sich professionelle Leitung beim Lernen zu holen. Deswegen gibt es inzwischen immer mehr und mehr Apps, die schnelle Erfolge beim Spielen von Instrumenten versprechen. Wir vergleichen heute drei Apps, die den klassischen Gitarrenunterricht ersetzen wollen.

Akkorde – Simpel und günstig

Diese App hat einen eher einfachen Namen und auch eine einfache Prämisse. Die kostenlose Version fungiert für erfahrene Gitarrenspieler wohl eher als Bibliothek, damit man sich einfach und übersichtlich alle wichtigen Griffe ins Gedächtnis rufen kann. Der wahre Lern-Faktor der App verbirgt sich in den vielen, kostenpflichtigen Kursen, die mit einem Premium-Account einsehbar sind. Dort gibt es dann Gitarrenkurse für Einsteiger, Fortgeschrittene, Experten und so weiter. Ihr könnt euch Tutorials zu verschiedenen Akkorden ansehen und auch etwas abseits der Griffe viel über Musiktheorie und Ähnliches lernen.

Um den Gitarrenunterricht der App freizuschalten, müsst ihr ein Abo mit allen zusätzlichen Funktionen für 15 Euro im Jahr abschließen. Außerdem kann man verschiedene Hintergrund-Musikstücke auswählen, die man dann bespielen kann. Die App bietet beim Tippen auf „dur“ auch noch viele verschiedene Variationen von Akkorden an. Ein kleines Manko ist, dass Akkorde meiner Meinung nach eine eher unübersichtliche App ist. Wie groß hier die Langzeitmotivation ist, ist schwer zu sagen.

Die App kann kostenlos für iOS heruntergeladen werden.

Ultimate Guitar Tabs – Spaß in der Community

Wir haben schon vor geraumer Zeit einmal über Skillshare gesprochen, die Website, auf der man online Kurse „besuchen“ kann und somit auf ganz verschiedenen Themengebieten Neues lernen kann. Das funktionierte in meinem Fall auch gut mit dem Einstieg in das Gitarrespielen. Allerdings ist die Interaktion bei diesen Apps, vermutlich ähnlich wie bei der App „Akkorde“, eben nur gering. Man kann zwar versuchen nachzuspielen, was der Lehrer im Video spielt, aber individuelle Fortschritte sind damit trotzdem manchmal schwer zu erreichen.

Ultimate Guitar Tabs fing vor Jahren als Webseite an, auf der Gitarren-Fans eigenständig Akkorde von Liedern erstellen und hochladen konnten. Inzwischen gibt es auch hier ein kostenpflichtiges Abo-Modell und viele neue Funktionen. Allein auf der Startseite der App lässt sich erahnen, was hier alles getan werden kann. Besonders super finde ich hier die große Community, die eigene Lernfortschritte in Instagram-Story-Ähnlichem Design direkt mit anderen Musikfans teilen können. Daraus ergibt sich außerdem eine Vielzahl an verschiedenen Interpretationen und Versionen aller Songs, die sich in dieser riesigen Datenbank befinden. Eigentlich gibt es fast kein Lied, dessen Notenblätter nicht schon von der Community hochgeladen wurden.

Mitspiel-Version in Premium

Aber mit der Premium-Version dieser App hat man vor allem Zugriff auf die offiziellen Akkorde und Tabs vieler bekannter Lieder. Die Macher hinter Ultimate Guitar Tabs haben Personal angestellt, das quasi nichts anderes tut, als beliebte Lieder in ihre Bestandteile zu zerlegen und der Community aufzubereiten. Darüber hinaus können die Benutzer der App selbst abstimmen, zu welchen Liedern sie sich offizielle Notenblätter wünschen. Das Spielen selber geht mit der App wirklich einfach. In den offiziellen Versionen gibt es auch immer einen Backing-Track, der im Hintergrund mitläuft. Man kann selbst einstellen wie schnell beziehungsweise langsam man spielen möchte und es ist meistens zwischen verschiedenen Instrumenten wählbar. Außerdem kann direkt in den Noten mit einem Klick eingesehen werden, wie die verwendeten Akkorde gegriffen werden.

Am allerbesten gefällt mir bei dieser App einerseits, dass man buchstäblich in seiner eigenen Geschwindigkeit lernen kann und andererseits, dass man eine so große Community hinter sich hat. Was von anderen Usern hochgeladen wird, kann bewertet, kommentiert und selbst verbessert werden. Der News-Feed zeigt einem zudem immer wieder Verlosungen und Wettbewerbe für Gitarren und Equipment an, an denen man teilnehmen kann. Die Macher hinter Ultimate Guitar Tabs haben es geschafft, eine Plattform zu schaffen, auf der Gitarrenunterricht zum interaktiven Gemeinschaftsprojekt wird. Im Moment gibt es einen Rabatt von 80 Prozent bei Abschluss eines Jahresabos, ihr zahlt im Jahr mit Rabatt nur 24,99 Euro. Ein normales Monatsabo kostet 9,99 Euro.

Die App kann kostenlos für Android und iOS heruntergeladen werden.

Yousician – im Himmel des digitalen Gitarrenunterrichts

Wer sich mit dem Lernen der Gitarre auseinandersetzt, der wird zwangsweise irgendwann und irgendwo Werbung für Yousician bekommen. Wie auch viele andere Apps dieser Art, verspricht Yousician spaßigen und unkomplizierten Gitarrenunterricht für jedermann. Aufgrund der beinahe schon penetranten Werbung, die ich auf allen Social Media Kanälen erhielt, war ich skeptisch. Machen die nur viel Rauch um nichts oder kann man mit der App tatsächlich etwas lernen?

Wenn ihr euch die App herunterladet und sie testen wollt, könnt ihr sieben Tage lang kostenlos alle Funktionen nutzen. Das habe ich auch getan. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich ab der ersten Sekunde begeistert war. Euch empfängt ein Sprecher, der quasi als euer virtueller Lehrer herhalten wird. Er erklärt euch zunächst, wie ihr eure Gitarre stimmen müsst und dann geht es auch schon los.

Yousician kommt mit innovativem Konzept

Zunächst einmal ist ein riesiger Vorteil dieser App, dass sie über das Mikrofon eures Smartphones jede Note, die ihr mit der Gitarre spielt, aufnimmt und in Echtzeit bewertet. Greift ihr bei Akkorden auch nur bei einer Saite nicht richtig, markiert die Software diese Saite. Das ermöglicht unglaublich präzises und vor allem schnelles Feedback, das in dieser Geschwindigkeit nicht mal ein erfahrener Gitarrenlehrer bieten dürfte. Ihr werdet mit eurem sympathischen Lehrer durch die verschiedenen Übungen geführt.

Der zweite große Vorteil, den Yousician gegenüber den anderen Programmen hat, ist die optische Darstellung. Die Noten werden auch auf einem 3D-Griffbrett angezeigt und ein hüpfender Punkt weist euch darauf hin, wann ihr spielen müsst. Ähnlich wie bei Guitar Hero, nur eben mit einer echten Gitarre, sammelt ihr in jeder Lektion Punkte, je nachdem wie viele Noten ihr richtig gespielt habt. Diese Punkte summieren sich dann und ihr könnt euch mit der gesamten Yousician Community messen.

Vielseitigkeit hat seinen Preis

Ihr könnt aus allen möglichen Kursen auswählen, Challenges machen oder euch selbst Lernziele setzen. Besser kann auch ein normaler Gitarrenunterricht gar nicht sein. Für die extra Portion Motivation sorgt ein Level-System. Sobald ihr eine gewisse Zahl an Punkten erreicht habt, steigt ihr ein Level auf. In der App ist es super einfach, seine eigenen Fortschritte zu verfolgen und ein sofortiges Feedback beim Spielen zu bekommen. Mit Yousician macht Gitarre lernen tatsächlich Spaß.

Die einzigen beiden Kritikpunkte, die ich habe, sind folgende: Ich hatte angegeben, bereits etwas erfahrener zu sein, da ich seit einem Jahr Gitarre spielen und trotzdem wurde ich am Anfang mit Basis-Übungen konfrontiert, die ich nicht überspringen konnte und „aushalten“ musste, um neue Level freizuschalten. Es nimmt ein wenig den Spaß, wenn man Aufgaben machen muss, die für einen selber eher repetitiv sind. Und dann der Preis. Der ist bei Yousician mit Abstand am höchsten. Ein Jahresabo kostet satte 179,99 Euro und ein Monatsabo dann 29,99 Euro. Na gut, eine normale Stunde Gitarrenunterricht kann auch 40 bis 60 Euro kosten, und das dann jede Woche.

Natürlich macht diese App viele Dinge besser, als die Konkurrenz und hat Features, für die es sich in meinen Augen durchaus zu zahlen lohnt. Das Yousician-Abo wäre zum Beispiel das perfekte Geschenk zu Weihnachten, aber wenn man es selbst monatlich bezahlt, ist es ein wenig teuer.

Die sieben Tage Probezeit gibt es beim Anmelden in der App für iOS oder Android.


Image by Hannah Gullixson via Unsplash

Leonie Werner

möchte nach ihrem Abschluss des Gymnasiums mit Abitur erste Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Sie absolviert bei den Netzpiloten derzeit ein Praktikum und hofft 2019 im Bereich Medien einen Studienplatz zu erhalten. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Gaming und allem was sonst noch im digitalen Bereich Spaß macht.

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